Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 63 (1922)
- Issue
- Heft 26 (29.6.1922)
- Date
- 1922-06-29
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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9lt. aß Sette 6 Wer Österreichs mit einem PerntZgen von Wer Österreichs mit einem PerntZgen Von mehreren Hundert Millionen dazustehen, war d amals auch Mitglied des Nied er'Herreich ifchen ' LaNotages!, ein Kollege und Parteigenosse von Dr. Josefs Kopp. Die Statt Wien dankte ihm die Errichtung mehrerer Wohlsahtrtsinstitute, auch der israelitischd-thieologischen Lehranstalt war er ein eifriger Förderer. Mein Gönner war er jedoch nicht. Die politischen Dogmen der deutschliberÄen Großbourgeoisie erschienen ihim als unantastbares' Heiligtum. Meinen Vortrag bei den Arbeitern las! er mit großer Unzufriedenheit, er schien ihm geeignet, ungebührliche Begiersich^ keit anzustachjeln. Mein politischer Anschluß an die galizischen und slawischen Abgeordneten war in seinen Augen ein Crimen. Ms er an Dr. Joses Kopp herantrat, im Prozesse kontra Rohling mein Anwalt zu werden, glaubte er, seiner Parteitreue die Erklärung schuldig zu sein, daß ihn mein persönliches Geschick ^völlig gleiche gültig lasse; es seien aber in diesem Prozeß leider Interessen der jüdischen Gesamtheit in Mitleidenschaft gezogen, und die Währung dieser Interessen wolle er dem Kollegen Dr. Kopp anvertrauen. Für die Kosten werde er allein, persönlich! auftommen. Dr. Kopp unterbreitete zunächst die' Angelegenheit seinen Kollegen im Klub der Bersassungspartei, ob er meine Vertretung — da ich Mitglied des! Polenllnbs bin — übernehmen dürfe. Die Tatsache, daß der Chef der Firma Gutmann ein solches Ersuchen stellte, beeinflußte günstig die Entscheidung. Bei der weiteren Unterhandlung verwies Dr. Kopp auf die Schwierigkeit solcher Art Prozesse, auf die erforderliche immense Anstrengung, die gesamte diesbezügliche ihm vollständig fremde Literatur durchzuarbeiten,' . seine Honorare asprüchd dürsten demgemäß vielleicht zu hohe fein. Wilhelm von Gutmann antwortete aber: „Geld spielt keine Rolle". Dr. Kopp verlangte einige Wochen später und erhielt von den Herren W. L D. Gutmann eine hierauf bezügliche schriftliche Bestätigung. Daß diese Vorsicht und Aengstlichkeit, die man geneigt wäre, etwa abfällig zu beurteilen, doch nicht ganz deplaciert' . war, zeigte der Ausgang. (Fortsetzung folgt!) komzponaenren u. ßacbricimn. Deutsches Reich. HJalter Rathenau. Zlrankfrrrt a. M., 27. Juni Mir der ganzen Knltnrwelt, mit allen menschlich fühlenden Kreisen des deutschen Volkes steht' auch die gesetz es treue Jüdenheit tief erschüttert an der Bahre Walter Rathenaus. So fern und so fremd er den geistigen Schätzen der jüdischen Üeberlieferung und dem innersten Sinn der jüdischen Geschichte gegenüberstand — hatte er ja niemals Gelegenheit gehabt. Jüdisches anders als durch die Brille der radikalsten liberalen Assimilation zu. sehen —, so lebte doch unbewußt in seinem Innern ein Stück echter jüdischer Geistigkeit, jener von der Sehnsucht nach Gott ^durchdrungene Idealismus der Weltbetrachtung, der an der handfesten Wirklichkeit des mechanischen Geschehens nimmermehr sein Genüge findet. Diesen Ing nach dem Höchsten, verknüpft mit all den seltener Gäben einer überlegenen Intelligenz und länderumspannenden Wellgewandtheit, wollte Rathenau restlos in den Dienst des heiß geliebten Vaterlandes' stellen. Da traf ihn der Mordstahl. Und es ist nicht zu leugnen, was Pfarrer Korell im Reichstag gesprochen: als Jude ist er gestorben. Weil er von jüdischem Stamme war, umtoste ihn vor andern der blutrünstige Haß einer von Lüge imfr Verleumdung fanatisierten jndenhetzerischen Sippe, die den Mord zur vaterländischen Tat erhebt. Der Genius der Menschlichkeit verhüllt trauernd sein Haupt — doppeltes Weh aber darf das Herz der deutschen Fanden erfüllen: daß diese Tat möglich war in _ Der Mraeltt. I deutschen Landen, und daß sie geschah in einem Augenblicke, da Deutschland eines Walter Rathenau mehr als je bedurft hätte. Jüdifther Religionsunterricht SerNir, 31. Mai. Das preußische Kultusministerium beschäftigt stch z- Zt. mit einer Prüfung der Angelegenheiten des jüdischen Religions-Unterrichtes an den höheren Lehranstalten, wobei offenbar einer Anregung von jüdischer Seite Folge geleistet worden ist. Die Provinzial- Schulkollegien sind beauftragt worden, festzusteüen, inwieweit ein planmäßiger jüdischer Religionsunterricht erteilt wird, welche Lehrbücher zugrunde liegen, welche Vorbildung die Religionslehrer haben, wer die Kosten des Unterrichtes trägt und welche Stellung die Religtonslehrer im Rahmen des Lehrkörpers etnnehmen. Noten. Rifualmordhefc. Warschau, 22. Juni Die „Gazette Warschawski" läßt sich aus Posen melden, daß in Wongrowetz der Jude Engel wegen Verdachtes des Rttualmordes verhaftet worden sei und knüpft daran entsprechende Betrachtungen an, die die Zensur unbehelligt durchgehen läßt. Vorausgesetzt, daß die Meldungen des Warschauer Blattes nicht aus der Luft gegriffen sind, würde die Hetze ein grelles Licht auf den Einfluß des neuen Regims in der Provinz Posen werfen. (Stehr Wochenschau). Im Rampke gegen Sen Preiswucher. Warschau, 20. Juni Da die Fischhändler in Ausnutzung der Tradition der Sabbatfische unerhörte Preise für alle Arten von Fischen verlangen, wurde vom Rabbtnate der Bann über den Fischgenuß verhängt und wird allsolange aufrecht erhalten bleiben, als die Fischhändler von ihrer Beute gier nicht abgehen. Nunmehr scheinen die Herren Fischer in sich zu gehen und Verhandlungen, die sie früher strikte ablehnten, eher geneigt. gitanen. Das Sdiichfal 9er Sabbafruhe. Korv«o, 15. Juni. Am 12. dieses trat die Landtagskommision zu einer Beratung über das Sonntagsruhegesetz zusammen. Von jüdischer Seite beteiligten sich die Herren Finkelstein, Dr. Rachmilewitz und Minister Soloweizik. Alle Mitglieder waren sich darüber einig, daß das Gesetz in seiner heutigen Form die jüdische Bevölkerung in ihrem Lebensnerv trifft und eine unklare Lage schafft, die der willkürlichen Auslegung und Handhabung Tür und Tor öffnet. Es wurde demgemäß beschloffen, ein neues SonntagSruhegesetz auszuarbetten und dem Landtag vorzulegen. Die Stimmung ging dahin, auffällige Arbeit am Sonntag zu verbieten, dagegen den Handel und die Arbeit in geschloffenen Räumen für 36 Stunden frei zu geben. Die jüdischen Deputierten warnten davor, die westeuropäischen Verhältnisse als Muster zu nehmen, da die Dinge in Litauen, wo Juden überall in geschlossenen Massen leben, ganz andere Maßnahmen rechtfertigen. Die Jamne-Konteren?. Kowno, 20. Juni. In den weiterenBeratungenderJawnekonferenz wurden folgende Beschlüsse gefaßt: Als Mitglieder des Verbandes können alle ausgenommen werden, die das 21. Lebensjahr überschritten haben und nach Begutachtung von drei Mitgliedern auf den; Boden der Tradition stehen. Der Minimaljahresbeitrag ist auf 60 Mark festgesetzt. Die Jawnezentrale unterhält an allen Orten Vertretungen, denen die Vorarbeit obliegt. Besonders werden die Monate Elul und Tischri für Agitationsarbeit und Sammlungen zu Gunsten des Erztehungsfonds ausgesetzt. Das Aktionskomitee gründet an geeigneten Stellen Abteilungen und Kreiskomitees, die alle der Weisung der Zentrale unterliegen. In den Arbeitskreis des Jawne fällt auch die Ausbildung von Lehrern und Melamdim für Schulen und Ghedartm, ebenso die Vervollkommnung der Cehrerkurse. Mit den letzteren Aufgaben befaßt sich ein zu diesem Zwecke gebildeter Rat, zu dem mehrere Rabbtuer und Schulmänner gehören. Es wird beschloffen, die nächste Jawne-Konferenz im Elul einzuberufen. Das Aktionskomitee setzt sich zusammen aus den Herren Rabbinern Epstein, Gorwitz, Papu, Bloch und den Herren Rowachowitz und Schmulowttz. Estland. «Man, 15. Juni. Die Drohung der hiesigen orthodoxen Kreise wegen der Verweltlichungsversuche der Bundisten aus der Gemeinde auszutreten und eine altjüdische Kahilla auf traditioneller Basis zu errichten, hat ihre Wirkung erfreulicher Weise ausgeübt. An der Schluß-Abstimmung ist das bereits abgelehnt gewesene Gehalt für das Rabbtnat mit 22 gegen 12 Stimmen bet 3 Stimmenthaltungen angeno.nmen, und damit dir Spaltung der Gemetned vermieden worden. Der Erfolg ist ausschließlich der energischen Haltung der orthodoxen Vertreter zuzuschretben. Uirstland. Maxim 6orhl über Ju9en un9 J u Senium ■ Aertt«, 18. Juni. Schalom Asch hatte in Berlin eine Aussprache mit dem russischen Dichter Maxim Gorki. Für den in Rußland überhand nehmenden Judenhaß macht Gorki die paar unreifen jüdischen Jünglinge in der Sowjetregterung verantwortlich, die in unglaublicher Taktlosigkeit an die Heiligtümer des russischen Volkes Hand legen und die Kirchen- und Klösterschätze beschlagnahmen. Diese gefährliche Arbeit hätten die jüdischen Kommissare ihren christlichen Kollegen überlassen müssen. Der russische Bauer und Bürger ist vcn Natur aus schlau und verhalten. Er macht heute gute Miene zum bösen Spiele, sinnt aber am Herzen aus Abrechnung mit den „Schändern seiner Religion". Gorki rät den jüdischen Bolschewisten, die Hand zu lassen von allen Dingen der Kirche und der russischen Seele. Daß gerade Juden zu diesen Aufgaben beordert werden, weise auf das Spiel der zaristischen Provokatoren, die in der Sowjetregierung sitzen und den Haß des russischen Volkes gegen die Juden zu nähren suchen. Asch bemerkte dazu, daß die Bolschewisten auch die jüdischen Heiligtümer nicht unverschont lassen. Gorki sagte, er wüßte es und halte den ganzen Kampf gegen Glauben und Religion für Barberei und Wahnwitz. Gorkis Augen füllen sich mit Tränen, als er von der Hilfe der amerikanischen Juden für das hungernde Rußland sprach. „Soviel Rußland die Juden verfolgt und geschlagen hat, die Liebe zur russischen Heimat konnte es ihnen nicht aus den Herzen schlagen, sagte er. Er war bis zum äußersten gerührt, als er hörte, daß mit Hilfe des „Joint" jetzt 800000 Kinder in der Ukraine täglich gespeist werden. England. Das PaMIna-INanbat Im enoltfdien Oberhäute. Die LordS für Abänderung deS Mandates. — Eine bemerkenswerte Rede BalfonrS. London, 23. Juni Im Oberhaus« gelangte am Mittwoch mit 60 gegen 29 Stimmen (also bet sehr schwach be-