Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 63 (1922)
- Issue
- Heft 25 (22.6.1922)
- Date
- 1922-06-22
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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22. Juni 1922 26. Siwan 6682 63. Jahrgang. Sranltfurf a. Hl, Sen JE 25 Kiauuemeut pro Vierteljahr: Derrtschlanvei den Postämtern sowie bet direkt. Bestellung u.RechvungSerteil. durch d. Verlag M. 22.60 viertey.« Volks schul-«. Religionslehrer sowie KultuSSeamte (n. direkt) M. 11.25 viertelt., Lschecho-Glowakei Kr. 15.— Ungarn Kr. 100.— vtertAahRch, Deutsch Oesterreich Mk. 35.—, Pole« (nur in deutscher Reichs«!.) Mk. 40.— viertel)., Rnmäuien 18 Lei, Holland st. 1.25, Gkandinav. Kr. S.Sy, Schweiz fs. 1.80, Frankreich u. Belgien Fr. 6.—, England 1 ah. 9 p., tfmtxilo 1 Doll, viertel). Einzelnummer 2 Mk. Ter Israelit erscheint jeden DonnerStag! Inserate Mk. 5>—, für Stellensuchende Mk. 3.—, für die sechsgesp. Col.-Z. elnschl. Teuergszschl.: Ausl.-Jns. Mk 10.- pro Zeile. Rab. n. Tarif. Bet lanf.Jnseratanftr.tarifm. Preiserhöhung jederz. vorveh. Jnseratenanuahme durch den Verlag des Israelit G.m. v. H.. Frankfurta.M., ] Gr Gschenheimerstr. 28, Tel» 5842, Amt Hansa, sowie sämtl. 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Generalversammlung der „Bereinigung tradittoneegesetzestreuer Rabbiner Deutschlands*. — 6.Korrespondenzen und Nachrichten: Fulda (Preu. tzischer Landesverband gesetzestreuer Synagogenge meinden.) — Berlin (Jüdischer Religionsunterricht) — Berlin (Die Tagung des Verbandes Jüdischer Lehrervereine.) — Leben in Wilna.) — Kowno (Die Konferenz des Landesverbandes „Jawne".) — Kowno. — Kowno (Bon der Koumoer Gemeinde.) — Moskau (Der Hunger in Rußland) — Genf (Die Organisation der Lebensmittelpakete nach Rußland.) — London (Englisch - Französische Verhandlungen über die Orient-Mandate.) — London (Der amerikanisch - jüdische Kongreß. — Jerusalem (Austritt des MtSracht - Vertreters aus dem Waad leumi.) — Warschau (Amerikanische Märtyrer in der Ukraine.) — 7. Personalien. — 8. Verwichtes. — 9. Farn iliennachrichten. — 10. Frankfurter Beirichte. —11. BereinSkalender/— 12 Gebetzetten. — 13. Feuilleton-Beilage: Verschollene Brüder. — 14. Kinderecke» Deutsch-hebräisches Aesormjudentum. „Wie sich die Gegensätze berühren!" könnte man ausrufen, wüßte man nicht, worauf wir schon seit Jahr und Tag Hinweisen, daß die innerlichen Gegensätze zwischen Reform und Zionismus gar nicht so wesentlich sind. Es handelt sich um folgendes: Erstens: Die „Hochschule für die Wiffenschaft des Judentums" in Berlin, eine Auswtkkung Abraham Geigers und Schöpfung seines Geistes, wirkt seit einem halben Jahrhundert als Hochburg und Brutstätte des reinsten Liberalismus, brachte all die Männer hervor, die von Kanzel und Katheder das an kein „Zeremonialgesetz" und an keine Tradition gebundene reine Menschentum oder Deutschtum mosaischen Glaubens predigen, züchtete den Geist, der mit oder ohne neue Richtlinien das Gedenken an Zion und Jerusalem aus dem Gebetbuch, das hebräische Wort aus dem jüdischen Tempel, die MefsiaShoffnung aus dem jüdischen Herzen reißt. — Zweitens: In Berlin, wo jetzt infolge der Wirren und Nöte im Osten so ziemlich alle Träger und Vertreter der hebräischen und zionistischen Geisteskultur ihre Heim- und Sammelstätte gefunden haben, ist ein hebräisches „Beth-Waad" ins Leben gerufen worden, mit dem Zwecke und Ziele, das /deutsche Judentum zu hebraisteren und der jüdisch.nationalen Kultur zuzuführen. Kann man sich zwei schärfere Gegensätze denken, als diese beiden Institutionen, deren eine gegen Hebräisch und Palästina gerichtet ist und deren andere die „verlorenen Seelen" des Westens für die hebräische und zionistische Kultur retten will? Allein: Zum Jubelfeste der Hochschule veranstaltet das Beth-Waad eine akademische Feier mit Festrede und Ansprachen, mit Lobeshymnen auf den Charakter, die Bedeutung, die segensvolle Wirksamkeit der Lehranstalt und mit einer Glorifizierung ihres Begründers Abraham Geigers, daß es fast aussieht, als sei er der direkte Vorläufer und Vorarbeiter Herzls und sei die Hochschule von ihm nur als Vorschule für die Jerusalemer Universität gedacht gewesen. Und zur Vervollständigung der Groteske kommt das Halle! auf Geiger aus dem Munde des bekannten national-hebräischen Schriftstellers S. Bernseld und ist im hebräischen Teil der „Jüdischen Presse" in großer Aufmachung wiedergegeben, des Blattes, das heute noch den Namen Israel Hildesheimers als Begründers an seiner Spitze trägt. Wer sich indessen über diese Tragikomödie wundert, der kennt zweierlei nicht, erstens nicht die Taktik des Zionismus und zweitens die letzten krtsrnförmigen Vorgänge im liberalen Judentum. Die Herzliche Parole, „Eroberung der Kultusgemeiden" erwies sich als zu offen und grobkörnig, so verlegte man sich in der Folge mehr auf die auch bet den radikalen großpolttischen Parteien beliebte unauffällige „Durchhöhlung von innen heraus", und Hand in Hand damit schritt man zu einer angeblichen Neutralisierung gewisser Institutionen, um ihnen ein weites alt jüdisches Tor zu sichern, das allen geöffnet bleibt. So ist der ursprünglich gar nicht zionistisch sein wollende Jugendverband „Blau-Weiß" entstanden und dieser Wunsch erklärt auch die ganze heutige Politik und Taktik des „Keren Hajessod", dem es unter der neutralen alljüdischen Reklamemarke sogar gelungen ist, ein früher so ausgesprochen antizionistisches Organ wie das „Hamburger Famtltenblatt" zum offiziellen Zentralorgan zu machen. Die „Gewinnung Von innen heraus" wird, .dank der Unfähigkeit der heutigen liberalen Führer, mit bestem Erfolge auch in der Berliner Gemeindeverwaltung wie im D.J.G.B. betrieben. Und nun geht es an das Mark des liberalen Judentums, die zionistischen Keime fanden den Weg dahin, wo der Liberalismus seine Jugend und seine Suchenden um die geistigen Probleme, um die liberale Weltanschauung vereinigt hält, machen sich bemerkbar in den Liberalen Vereinen wie in den Jugendverbänden, daraus die Krisis entstand, die sich in der letzten Liberalen Rabbinerversammlung offenbarte und jetzt in wenig erbaulichen „Offenen Briefen" zwischen Frankfurt, Karlsbad und Breslau in den liberalen Blättern ihren schrillen Nachklang findet. Und indes die gelehrten Herren hadern und streiten über die Schuldfrage, merken sie nicht, daß es bereits um den Lebensnerv geht, daß das hebräische — beileibe nicht zionistische — „Beth-Waad" die alma mater des jüdischen Liberalismus mit seiner Liebe umspannt und sie in seine Netze zieht. Hermoni schlägt die Zimbel, Bernfeld stimmt das Lied an und Bialik kommt dermaßen in Ekstase, daß er dabet sogar den Gottesnamen in der Schreibweise ausspricht (er bekommt in der „Jüdischen Presse" einen gelinden Verweis für dieses unvorsichtige Verhalten), und sieh, in dieser Symphonie von Tönen und Farben steht die Hochschule als Pflanzstätte des jüdischen nationalen Geistes und Abraham Geiger als Schutzpatron der hebräischen Sprache und nationalen Idee da! Und ein Blick in das liberale Lager besagt uns: Es wird den Zionisten hier im Geistigen gelingen, was ihnen im Politischen schon so gut wie gelungen ist. Wiederum aus Mangel an denkenden Köpfen und führenden Geistern im liberalen Lager.! Man streitet über die Schuldfrage. Hier liegt die Schuld: Als man vor zehn Jahren auf einmal die Balken- und Boden-