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Der Israelit · 1922-06-15 · Heft 24 (15.6.1922) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
63 (1922)
Issue
Heft 24 (15.6.1922)
Date
1922-06-15
Page
– (sequence 1)
Language
German
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! Ein Centralorgan lür das orthodoxe Judentum Begründet oon Dr. Leb mann in fflainz 63.' Istirganag. „ ,e . w a 15. Juni 1922 Sranhfurf s. M.. 8en - {g &wan 5m m LL M a* Abonnement pro Vierteljahr: Deutschland bei den Postämtern sowie öei direkt. Bestellung u.RechnungSerteil. durch d. Verlag M. 22.50 viertel).. Volks schul» u. ReltaionSlevrer sowie Kultusbeamte (n. direkt) M. rr.88 viertel)., Lfch-cho.Alowakei Sr. 15.- Ungarn Kr. 100.- vierleljähllch, Deutsch-Oesterreich Mk. 35.—, Polen (nur in deutscher ReichSmk.) Mk. 40.- viertelj., Rumänien 18 Lei, Holland fl. 1.25. Gkandinap. Kr. 2.50, Schweiz fs. 1.80, Frankreich u. Belgien Fr. 6.—, England 1 sd. 9 p., Amerika 1 Doll, viertelj. Einzelnummer 2 Mk. Der Israelit erscheint jeden Donnerstag I Inserate Mk. 5.—. für Stellensuchende Mk. 3.—, für die \ sechsgesp. Cdl.-Z. elnschl. Teuergszschl.: Ansl.-Jns. Mk 10.- vro Zeile. Rav.n. Tarif. Bei lanfBnseratanftr.tarifm. Preiserhöhung jederz. vorvey. Jnferatenannaymc durch den Verlag des Israelit G. m. b. H., Frankfurta-M., Gr. Eschenheimers. SS, Del. 5843, Amt Hansa, sowie sämtl. Annoncen-Exped. deS In« und Auslands. Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. 1 Zah lnnge« außer direkt an den Verlag — Postscheckkonto Frankfurt a. M. No. 19808 — erfolgen au: Postsparkasse Wien No. 79 605 Postspaukasseuautt Budapest No. 18 484 Postscheckamt Zürich Nr. Till 7*54 Postscheckamt Amsterdam No. *4 869 Böhmische Unionvank in Prag Baeca Savmarosch Blank & Co. in Bueavt>«( Filiale des Wiener Bankvereins in Agram Der nadiDnufc 9er flrfihel un9 Correfpon9en?en 9es „Israelit“ iff nur unter genauer Quellenangabe, unö, soweit es lieft um größere fluffäfee hanüelt, nur nach vorheriger Genehmigung gestattet. 1. Leitartikel: Die gescheiterte Gesamt-Organisation deS D. I. G. B. — 3. Homiletik: Die Krone deS jüdischen Weibes. — Ahrons Lob. — 3. Kleines Feuilleton: (Die neuen Papyrus» §unde in Aegypten). — (Solomo und die Königin von aba). — 4. Wochenrundschau: Ist Vernunft Wahnsinn? — Das gesundende Ungarn. — 5. Aufsätze: — Aus den Lebenserinnerungen eines jüdischen Politikers. — 6.Korrespondenzen und Nachrichten: Berlin (Jüdische Minderheitsrechte im oberschlesischen Vertrag). — Berlin (Jüdischer Religionsunterricht. — Berlin (Tierschutz und Antisemitismus). — Berlin (Zusammenschluß der preußischen Synagogengemeinden). — Karlsruhe (Die VesoldungSordnung in Baden). — Wien (Die Lohnbewegung der Angestellten der Israelitischen KultuSgemeinde). — Wien (Die amerikanischen Juden für Oesterreich). — Warschau (Aufbaukonferenz). — Warschau (Die Kämpfe um den Wiederaufbau des Jüdischen Polens). — Warschau (Konferenz der jüdischen Kaufleute). — Wilna (Die jüdische Autonomie in Wilna.) — Riga (Die jüdische Autonomie in Lettland.) — Riga (Wahlentrechtung der Juden in Lettland.) — Paris (Archäologische Forschung in Palästina.) — Rom (Vom jüdischen Leben in Italien.) — Eupen (Die Kultusverwaltungen in Eupen und Malmedy.) — Bukarest (Organisation der rumänischen Gemeinden.) — Jerusalem (Bor der Westmauer.) — 7. Bermichtes. — 8. Sprechsaal. — 3.Frankfurter Berichte. — 10. Vereinskalender. — 11. Gebeizetten. — 12. Feuilleton-Betlage: Verschollene Brüder. — 13. Kinderecke: Früh übt sich... — 14. Rätsellösungen. — 15. Personalien. — 16. Bermichtes. — 17. Briefkasten. — 18. Familienna chrtchten. Sie gescheiterte Gesamt- Organisation des S. 3. G. S. Wir hatten in den letzten Monaten wiederholt Gelegenheit, uns mit dem Schicksal der vor zwei Jahren begonnenen Organisationsarbeit zur Aufrichtung öffentlich-rechtlicherGemeindev erb än d e zu befassen und auf die Ursachen hinzuweisen, die ein Gelingen des Werkes bisher verhindert haben. Wir mußten uns dabei auf Andeutungen beschränken. Nun ergreift in der „Jüdischen Rundschau" ein in der Organtsationssrage maßgebendes zionistisches Mitglied des Berliner Gemeindevorstandes, Dr. A. Sandler, zu dem Gegenstände das Wort und macht dabet einen neuen Vorschlag,^ dem Stellung zu nehmen ist. Darüber hinaus aber wirft der Sandler'sche Artikel ein scharfes Schlaglicht auf das ganz veränderte Gesicht, das die innerdeutsche Gemeinde-Organisat io ns frage unter der Einwirkung zionistischer Gedankengänge gewinnt. In dürren Worten spricht der Verfasser es aus: „Keineswegs liegt für uns der Schwerpunkt der Frage in der Schaffung einer Stelle, die den Laftenausgleich zwischen den leistungsfähigen und leistungsschwachen Gemeinden herzuftellen hat, obwohl wir gewiß für die Notlage der kleinen Gemeinden, ihrer Lehrer und Kultusbeamten Herz und Verständnis haben. Die Frage der Staatsbeihilfen, die übrigens nur von den Ländern, nicht vom Reiche zu regeln wäre, ist zwar ein wichtiges, aber vorerst noch problematisches Kapitel. Am bedeutsamsten ist für uns der Gesichtspunkt, daß die schwere Not der Zeit, die kritische Lage des Judentums eine organische Zusammenfassung der Judenheit der Länder zum dringendsten Gebot der Stunde macht." Mit anderen Worten: der Zusammenschluß der deutschen Gemeinden sollte nichts weiter sein als eine Etappe auf dem Wege des nationaljüdtschen Gedankens, die Organisation einer Landesjudenheit nach dem Prrnzipe der Rasse, der Blutszusammengehörigkeit, best Nationalität. Nicht um gemeinsame Lösung religiöser bezw. religionsgesetzlicher Aufgaben, nicht um die Stützung der schwachen Gemeinden durch die leistungsfähigeren, kurz, nicht einmal um die bloße Erweiterung der lokalen Religionsgemeinde zur Landesgemeinde, handelte es sich in erster Reihe, sondern um das, was die Zionisten unter dem „Klall-Jsroel-Gedanken" verstehen, um die Aufrichtung einer religiös vollkommen inhaltleeren, rein abstammungsmäßig fundierten politischen Gemeinschaft. Was den Zionisten bisher in der Einzelgemetnde noch nirgends in Deutschland geglückt ist, die Konstituierung der religiös neutralen „Volksgemeinde", das sollte auf dem Umwege über die Gesamtorgantsation erreicht werden. Darum die ungeheuere Aktivität der zio-. nisttschen Politiker im D. I. G. B., darum den Kampf um den Zweck-Paragraphen, um die Annahme der Formel von der „Pflege der gesamten jüdischen Interessen", der trotz Abschwächung der Formel mit einem Siege des zionistischen Programms, mit der Auflösung des r eltg Lösen Pflicht-Gedanke ns in denjenigen deS „Gesamtheitsinteresses" endete. Eine ) „alljü dis che Demonstration" nennt Sandler den Gemetndetag vom 23. Januar, ein „KompromißdifferenterWeitanschauungen^ konstatiert er befriedigt, und in diesem Primat des gefühlsmäßig wirksamen Bewußtseins jüdischer Zusammengehörigkeit über die seit Jahrtausenden im jüdischen Volke alleinherrschend gewesene religiöse Idee scheint er somit den eigentlichen Wert der erstrebten Gesamtorgantsation zu erblicken. Man muß nun natürlich so gerecht sein, für diese revolutionäre Umkehrung der jüdischen Geschichte nicht den Zionismus allein verantwortlich zu machen. Ohne es zu wissen, haben ja alle unsere „neutralen" Reltgionsgemeinden jenen Umsturz längst vollzogen und an Stelle des Thoragefetzes die Abstammung zur konstitutiven Grundlage ihrer Gemeinschaft gemacht. Aber der Schritt vom Unbewußten, innerlich Widerspruchsvollen zur klaren, programmatischen bw npne^ wie ihn die zionistische Volksgemeinschaft vollzieht, er ist von vrrhängnißvollster Tragweite. Solange eine Gemeinde, eine Gemeinschaft sich immerhin grundsätzlich noch als „religiöse" Körperschaft betrachtet, laffen sich aus diesem Prtnzipe doch, die Erfahrung beweist es, mancherlei heilvolle Konsequenzen für das allgemeine Bewußtsein sowohl wie für die Praxis des öffentlichen Lebens abteiten; ist aber die „Religion" einmal offiziell zum Gegenstände privater Liebhaberei degradiert, die von der Gesamtheit lediglich als Augenmerk s ounds ovteler „Jntereff enten"-Gruppen Berücksichtigung heischen darf, dann ist damit in der Tat die religöse Revolution legalisiert und die Verweltlichung der jüdischen Nation, dteKündtgung des sinattischen Vertrages zwischen Gott und seinem Volke zur Tatsache geworden. Es genügt, sich diesen Gedankengang zu vergegenwärtigen, um klar darüber zu werden, daß für denjenigen Teil der Orthodoxie, der weder durch gemeindepolttische Interessengemeinschaft mit zionistischen Repräsentanten, noch durch seine eigene gemeindepolttische Vergangenheit geistig festgelegt ist, die Anerkennung des neuen, zionistisch orientierten Deutsch-Jsraelittschen-Gemeindebunds noch viel weniger in Frage kommen konnte als die des alten. Insofern bilden die Sandler'schen Aeußerungen eine sehr willkom-

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