Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 63 (1922)
- Issue
- Heft 23 (8.6.1922)
- Date
- 1922-06-08
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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S&fcr ASrgÄk.. Nr. SS «ette 8 fl . Kunl 1S2Ü._ gesch. Blattes zwingt mich zu einer Erwiderung. In demselben heißt es unter Nr. 2 wie folgt: „Auf unserm neuen Friedhof in Bocklemünd, den wir ohne Einspruch von irgend einer Seite für die Wiederbeisetzung zur Verfügung stellten . . . Ein Einspruch gegen die Beisetzung der „am toten Juden" ausgegrabenen Gebeine auf dem Friedhof in Bocklemünd ist von mir namens des Rabbinates und des Vorstandes der Synagogengemeinde Adaß Jeschurun in Köln in zwei Sitzungen, die die Vorstände des Daursche Chefsed-Vereins (Großgemeinde) und der Chewras-Koßnauß Aur (Adaß Jeschurun) im Sitzungssaale der Großgemeinde abgehalten haben, erfolgt. In der zweiten Sitzung waren auch Vorstandsmitglieder der ostjüdischen Chewroh Kadischoh und ein Vorstandsmitglied der Großgemeinde zugegen. Ich habe damals den Einspruch damit begründet, daß auf dem Friedhofe in Bocklemünd meines Wissens 1. Aschenreste beigesetzt werden, 2. religionsgesetzwidrige Särge zugelvssen werden, 3. vom Reltgionsgesetze aus unzulässige Anpflanzungen und das Niederlegen von Kränzen geduldet werden. Auf eine an mich gerichtete Anfrage habe ich in der zweiten Sitzung nochmals so deutlich wie möglich betont, daß ich den namens des Rabbinates und des Vorstandes der Synagogengemetnde Adaß Jeschurun eingelegten Protest gegen die Benutzung des Friedhofes in Bocklemünd zu genanntem Zwecke so lange aufrecht erhalten muß, als die erwähnten oder sonstige religionsgesetzwidrtgen Handlungen dort zugelassen werden. Ich habe allerdings mit Zustimmung unseres Herrn Rabbiners in beiden Sitzungen die Erklärung abgegeben, daß wenn unser Protest unbeachtet bliebe, unsere Chewroh sich trotzdem an der Beisetzung der Gebeine in Bocklemünd beteiligen würde. Dieser Versprechen haben wir auch gehalten. Unser Einspruch als solcher bleibt aber nach wie vor aufrecht erhalten. * * * Von anderer kompetenter Seite in Köln wird und noch geschrieben: In dem Artikel: „Die Ausgrabungen in Köln", bemerkt die Redaktion zu der Zuschrift des Vorstandes der Shnagogengemetnde, daß nicht Urnen, sondern nur Särge mit Aschenreften beigesetzt werden, fick gleichsam entschuldigend, daß nicht der „Israelit", sondern ein zionistisches Mitglied der Repräseniantenversammlung diese irrige Bemerkung verschuldet habe. Nicht nur zur Ehrenrettung des betreffenden Herrn, der danach die Verantwortung für die „unwahre" Be. merkung trägt, sondern um der mißverständlichen Aufsassung vorzubeugen, als ob damit für den^Standpunkt des „Israelit" ein novum geschaffen wäre, möchte ich feststeUen, daß es religionsgesetzlich ganz irrelevant ist, ob die Aschenreste so oder so auf dem jüdischen Fried. Hofe beigesetzt werden. Nicht die Urne ist das Entscheidende und nicht der Sarg an sich das Zulässige. Die Frage, ob Urne oder Sarg, stand und steht in diesem Zusammenhänge überhaupt nicht zur Debatte, lediglich auf die Aschenreste kam und kommt es an. Solche aber im Umkreise von 4 Ellen — 60 cm in der Nähe der nnsmprr mnsty zu dulden, wäre nach unbestrittener Halachah ein Verbrechen an den sterblichen Ueberresten derjenigen, an denen den letzten, schweren Liebesdienst zu üben unsere heilige Ausgabe ist. Es liegt natürlich ein Mißverständnis auf Seiten des verehrten Einsenders vor, wenn er unsere Bemerkung als Entschuldigung aüffaßt und sie grade auf den von dem Gerneindevorstande gemachten Unterschied zwischen Urnen und Aschenresten in Särgen bezieht. Unsere Richtigstellung bezieht sich vielmehr auf die irrige Bemerkung, die Gebeine würden—schon jetzt — „zwischen Aschenresten" beigesetzt. Mit unserer Meinung in der Sache haben wir nicht zurückgehalten und wir verweisen auch auf die Wochenrundschau in der vorigen Nummer. vwße Anfrage. Merlin, 31. Mai. Mit der Denkschrift über die Ein- und Auswanderung, die das Retchsministerium des Innern kürzlich dem Reichstag vorgelegt hat, und in der die Zahl der vor dem Kriege in Deutsch, land anwesenden Ostjuden aus 50000 geschätzt wird, sind die Deutschnationalen nicht zufrieden und sie richten an die preußische Staatsregierung eine „Große Anfrage" folgenden Wortlautes: „Diese Einwanderung der Oftjuden nach Deutschland, insbesondere nach Berlin, ist vom Standpunkt der deutschen Bevölkerung im höchsten Grade unerwünscht. Vorschriften, welche zu einer Eindämmung dieser Einwanderung hätten benutzt werden können, bestehen bereitssoweit sie nicht ausretchen, müssen sie entsprechend ergänzt werden. Air fragen die Staatsregierung: Wie ist es möglich, daß trotz des Bestehens dieser Vorschriften die Einwanderung diesen Umfang annehmen konnte? Welche Schritte gedenkt die Staatsregierung zu tun, um 1. unerwünschte Gäste abzuschieben, 2. eine schärfere Kontrolle auf diesem Gebiete durchzuführen?" Was hätten die Deutsch« attonalen erst gesagt, wenn die ministerielle Denkschrift ihre phantastischen Angaben über die Ostjudeneinwanderung bestätigt hätte!? Empfang einer Raudas Jisroel-Delegaflon durch Berber! Samuel. f London, 1. Juni j Der Oberkommissar Herbert Samuel! empfing am 31. Mai eine Delegation der Welt- ' Organisation „Agudas Jtsroel", unter Führung des Präsidenten des Londoner Exekutivbureaus Solicitor I. Landau. An der Delegation nahmen die Herren Rabb. Horovicz-Jerusalem, Rabb. Dr. Pinchas Kohn-Wien, Sallt Guggen- Heim-Basel, Romy Lunzer, New-Iork und Harry Goodman-London teil. Auf die bekannte Forderung der „Agudas Jtsroel" wegen Umgestaltung der „Jewish Agency" präcisierte Herbert Samuel seinen Standpunkt dahin, daß er alle an Erez Jisroel interessierte Kreise des jüdischen Volkes, insbesondere auch die Orthodoxie, in der Jewish Agency vertreten zu sehen wünsche. Das sei, wie er glaube, auch der Wunsch der zionistischen Organisation, die keineswegs ein Monopol für sich beanspruche. Was die Wünsche der Jerusalemer aschkenasischen Gemeinde betreffe, so liege ihm an einer einheitlichen Zusammenfassung der jüdischen Gemeinschaft, wie auch Mohamedaner und Katholiken in Palästina jetzt einheitlich organisiert seien. Dies schließe eine gewtffe Autonomie der Sonnenfeldschen Gemeinde nicht ausdie Verhandlungen hierüber lägen in der Hand von Norman Bentwtch und befänden, sich noch in der Schwebe. Familiennachrichten. Varmizwahseier. Sally, Sohn des Herrn Herrn. Schwab, Halberstadt. Frankfurter Berichte. WatLstlua-Kikm. Auf Veranlassung des Jüdischen Nationalfonds findet am Sonntag, 1t. Juni, vormittags 11 Uhr, im U—T im „Schwan", Steinweg 13, eine einmalige Vorführung des FilmS: „Das neue jüdische Palästina" statt. Eintrittskarten hierzu find erhältlich bei Lina Schott, Theaterplatz, Olga vom Hagen, Goethestraße und an der Kaffe des U—T. Der Film will eine zusammenhängende Darstellung der jüngsten Entwickelung des jüdischen Gemeinwesens in Palästina bringen, außerdenr durch andere aktuelle Darstellungev eine Kenntnis des dortigen jüdischen Lebens vermitteln Meinskalender. Bsrri« Mekor Thaii«. SamStag ö1/* Uhr: „Mikro";Herr Joseph Sänger — Eine Stunde vor Nacht im Hörsaale Friedberger Anlage: Herr Pros. Dr. Sulssbach. S o n n t a g v o r m. 9*/* Uhr: „Gemoro" - Herr R. A. CS. Posen. Montag und Mittwoch abend 7 Uhr: „Gemoro*; Herr Rabbiner Dr. Jos. Breuer. Dienstag abend 6 Uhr: „Gemoro"; Herr R. A. G. Posen. Polen, wo die 3.300.000 Juden 11 Prozent der Gesamtbevölkerung bilden. In der Ukraine beträgt die Zaht der Juden 2.300.000einen starken jüdischen Zuwachs hat Rumänien zu verzeichnen, wo die Zahl der Juden infolge des Hinzukommens von Betzarabten, Trans» sywauien und der Bukowina von 250.000 aus 800.000 gestiegen ist. In Weißrußland, welches als eigene Republik figuriert, wird die Zahl der Juden mit einer s/4 Million zugegeben. Einen beträchtlnr en Prozentsatz bilden auch die 300.000 Juden in Litauen, wo sie 10 Prozent der Gesamtbevölkerung ausmachen. Die jüdische BevötkerungSzahl für Wien wird mit rund 300.000 angegeben, was über 16 Prozent der Gesamtbevölkerung ergeben würde. Einen höheren Prozentsatz, ungefähr 23 Prozent, bieten die Ziffern von Budapest mit seinen 212.000 Juden. Die Zahl der Juden in ganz Ungarn dürste 4L0.000 betragen, Inder Tschecho-Slowaket 360.000', in England« 280 000 und Frankreich 130 000; kleinere Ziffern bieten die europäischen Südstaalen: Italien und Bulgarien je 40.000, Jugoslawien 60 000, oie europäische Türkei 50 000, Griechenland 75.000, davon allein tn Saloniki 60.000 oder 38 Prozent der Gesamtbevölkerung. Interessant ist, daß die Statistik der Nachkriegszeit zum ersten Male wieder Juden in Spanten und Portugal ausweist und zwar 1000 in Spanten und 600 in Portugal. In der Schweiz leben 21.000 Juden, in Schweden, Dänemark und Belgien je 4000, in Norwegen und Luxemburg je 1000. Die Zahl der Juden in Asien wird mit 780 000 angegeben, darunter 80.000 in Palästina. Auch tn Norüafrtka gibt es Länder mit beträchtlichen jüdischen Siedlungen: So Marokko mit lOO.OuO, Tunis mit 60.000 und Algier mit 55.000, ferner Abessinien, welches eine starke jüdische Bevölkerungszahl aufwetst, unter welche besonders die Fatascha zu rechnen find. In Aegypten leben 40.000 Juden. In den Bereinigten Staaten von Amerika dürste die jüdische Bevölkerung 2 Millionen Seelen betragen. In Australien leben 20.000 Juden. (Die Herzensgute Pius XI.) Die Warschauer jüdische Zeitung „Rarer Hatnr" berichtet aus der Zeit, wo der jetzige Papst Apostolischer Nuntius tn Polen war, eine Episode, welche die HerzenSgüte Pius XI. gegen die Armen ohne Unterschied deS Glaubens in ein helles Licht stellt. „Der Nuntius", so erzählt das Blatt, „der sich durch Duldsamkeit, Güte und Einfachheit seiner Lebensweise auSzeichneie, pflegte in den Straßen Warschaus zu Fuß zu gehen. Eines Tages trat eine alte Jüdin an ihn heran und schilderte ihm ihre verzweifelte wirtschaftliche Lage. Bon ihrem im Felde stehenden Manne harte sie feit langer Zeit keine Nachricht urehr und war nun mit fünf Kindern im zartesten Alter tn große Not geraten. Eine christliche Nachbarin hatte ihr geraten, sich an den Nuntius zu wenden. Monsignori Ratit hörte sie aufmerksam an und bestellte sie für den folgenden Tag zur Nuntiatur. Hier wurde sie liebevoll ausgenommen und erhielt von ihm eine größere Summe. Sie sollte zur Anschaffung einer Kuh dienen, deren Milch die kleinen Kinder der Jüdin sehr bedurften. Da von dem geschenkten Betrag noch ein Teil übrig war, brachte sie den Rest dem Nuntius zurück, der aber lächelnd abwinkie mit dem Bemerken, sie solle ihn ihren Kindern ausbewahren". (Eisenbahnkrantheit) In der Berliner „Volkszeitung" lesen wir: Kein Zweifel: es gibt eine Eisenbahnkrankheit! Was wird im Zeichen -es geflügelten Rades durchweg ausschließlich geredet? Brauche ich es noch zu verraten? Ueber die Juden, die Juden, die Juden...! Wenn man im Sommer mit einem Bäderzug an die , Nordseeküste oder nur einmal von München nach Nürnberg gefahren ist, wird man den seltsamen Gedanken nicht los, als fei die Eisenbahn eine ausgeprägt antisemittsch» Erfindung. Die Judenfrage! In tausend Variationen kehrt dieses unerschöpfliche Thema wieder. Jeder trägt sein Scherflein bet. Der elegante Herr im Pelz und der „kleine Mann" mit dem abwaschbaren Blechkragen; der Geschäftsreisende aus der Stadt und der Agrarier aus Pommern, der nach Berlin reist. Die Handwerkersfrau, die Bäuerin und die niedliche Krankenschwester. Daß auch ein Staatssekretär aus dem ReichSpostmintstertum dem Einfluß dieser Atmosphäre unterliegen muß, versteht sich von selbst. Sabbat-Anfang and Umgang. E rar. © Vti Anfang Datum Ausgang Uhr Min. 1ULS 5682 Uhr Min. Frankfurt a. M 7 45 10. 14. v 35 Vsrliu .... 7 30 Juni Siwan s 27 München . . . 7 15 9 06 Cöln. 7 45 9 45 Stuttgart. . . 7 — 9 21 Breslau . . . 8 02 9 02 Nürnberg. . . 7 15 s 14 Hamburg - . 8 51 9 61