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Der Israelit · 1922-06-08 · Heft 23 (8.6.1922) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
63 (1922)
Issue
Heft 23 (8.6.1922)
Date
1922-06-08
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Sette 2 Nr. 28 Der ISraeltt. 8. Juni IS». Krämer und Kaufieute sollen Kreditkassen ins Leben gerufen werden. Bedenkt man, daß diese 120000 Juden bist er ohne jede nennenswerte Organisation standen und daß die erste jüdische Organisation, mit der ste in Berührung kamen, die amerikanisch-jüdische Hilfsorganisation war, so Wird man es verstehen, wenn der Bericht damit schließt, daß hier eine lange und Geduld erheischende Organisatiorrs- und Aufklärungsarbeit notwendig sein wird, um in Karpathorußland zweckdienliche Rekonstruktionslätigkeit zu entfalten. Wocheilmndschau. Ser Stand -er Erez Wroel-Frage. Wir veröffentlichen an andrer Stelle einen kurzen Bericht über die Unterredung, die einige Vertreter der „Agudas Jisroel" mit dem High-Commission er Herbert Samuel in London hatten. Liest man die Erklärung Herbert Samuels oberflächlich, so steht es aus, als ob die Forderung der Aguda, soweit sie sich auf die Jewish Agency erstreckt, keinem Widerstande mehr begegne und alles in schönster Ordnung sei. Zwar hat Sir Herbert lediglich hypothetisch dem Glauben Ausdruck verliehen, daß die Zionistische Organisation gar kein Monopol auf den politischen Einfluß in Palästina beanspruche und die gleichberechtigte Teilnahme anderer Gruppen freudig begrüße. Aber man sollte meinen, daß der Oberkommiffar derzeit über Mittel und Wege genug verfüge, um die Meinung der Zionistischen Organisation nicht nur authentisch festzustellen, sondern sie auch entscheidend zu beeinflussen. Nicht hier also scheint uns die bedenkliche Unklarheit zu bestehen, sondern hinsichtlich der Rechtsgrundlage 'Ä der vorgesehenen Erweiterung der jüdischen ^Agentur. Solange der Mandatentwurf ^selber unverändert die Zionistische Organisation als Agentur anerkennt, nützt die freiwille „Heranziehung" anderer Kreise nicht das allermindefte. Die ungeheur e Gefahr des Mandats besteht vor allem darin, daß es der rechtlichen Fiktion Vorschub leistet, die Zionistische Organisation — ein seinem innersten Wesen nach im schroffsten Gegensatz zum geschichtlich überlieferten jüdischen Volksbegriff stehendes Gebilde — sei die Vertretung der jüdischen Nation. Wir sagen „Vorschub leistet", weil die Verfaffer des Mandates bewußtermaßen an so weitgehende Konsequenzen gewiß nicht dachten, sondern nur eine Art Fach-Organ, eine Gutachter-Behörde für Palästina-Angelegenheiten schaffen wollten. Aber schon heute hat der Zionismus nicht ermangelt, Vertretungs- und Obervormundschaftsbefugnisse für sich aus dem Mandate herzuleiten und der jüdischen Gesamtheit einen hinreichenden Vorgeschmack von dem Schicksal gegeben, das ihrer wartet, wenn die zionistische Organisation erst einmal in dem ihr völkerrechtlich gesicherten Sattel sitzen sollte. Ist es heute schon eine Riesenaufgabf, vor der Welt die ungeheure Ent steüung des wahren jüdischen Wesens durch den Zionismus mit seinem tausendstimmigen Propaganda-Apparat klarzustellen und zu berichtigen, so wird dann das alte, jahrtausendelang in seiner schlichten Wesmsretnheit lebendig gewesene jüdische Volk von der funkelnagelneuen politischen Nation von Zionismus' Gnaden ganz und gar totgeschrieen werden. Nach wie vor scheint es uns daher die Pflicht aller klarsehenden Kreise zu sein, bis zum letzten Augenblick mit lauter Stimme die Umbildung der ^vrvisli Agency feIhft, d. h. ihre Entpolitisierung durch gleichmäßige rechtliche Behandlung aller an Erez Jisroel interessierten Gruppen zu fordern. Wer wagt, die sonnenklare Gerechtigkeit dieser Forderung — abgesehen von der wirtschaftlichen Zweckmäßigkeit ihrer Erfüllung im Interesse des Aufbaues — zu bestreiten? Dritterein Spfer antisemitischer Mchunien. Im ersten Morgenölatt der „Franks. Zig." vom 1. Juni war eine Erwiderung des Herrn Generalmajor a. D. v. Wrisberg auf einen Artikel Prof. Franz Oppenheimers abgedruckt, in dem der General a. D. behauptete, daß in einer von der „Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums" am 29. Januar 1912 in Berlin abgehaltenen Versammlung unter brausendem Beifall der jüdische Rechtsanwalt Dr. Moritz Löb dis Aeußerung getan hätte: „der christliche Staat entspreche nicht den Intentionen des Judentums und müsse deshalb beseitigt werden." Die genannte Vereinigung stellt nun in einem Schreiben an die „Frankfurter Zeitung" den Fall wie folgt richtig: „Wir gestatten uns, darauf htnzuweisen, daß Herr Generalmajor von Wrisberg in diesem Punkte das Opfer einer von der anrtsemilischen Presse s. Zt. in die Welt gesetzten Fälschung geworden ist, die ein gut konservatives Blatt, der „Retchsbote" bereits unterm 31. Jan. 1912 loyaierweise in folgenden hier wörtlich wiedergegebenen Sätzen richtigstellte. „In unserer No. 22 berichteten wir unter der Ueberschrift „Staat und Judentum" über eine Versammlung der Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums. Wie wir uns aus einer eingehenden Darstellung des Borrrages des Herrn Rabb. Dr. Esra Munk überzeugt haben, hat er nicht die Behauptung ausgestellt, daß der Machtbereich der jüdischen Religion sich auch in der Gegenwart noch über Verfassung, Recht und Gesetz erstrecke. Vielmehr sei es Forderung des jüdischen Reltgionsgesetzes, das Staarsgefetz des Landes, in welchem der Jude lebt, als verbindliches Gesetz in allen Verkebrsangelegenbeiten anzuerkennen. Lediglich zur Aufklärung über das Jneinandergreifen der Gesetzesgruppen der Ethik und des starren Rechts wurde auf den literarischen Entwicklungs-G»ng der Kodrfizierung der Gesetze hingewiesen, die mit der Zeit begonnen hat» wo sich die Machtsphäre des Judentums auch auf Verfassung und Rechtsgesetz ausdetznte, d. h. der Zeit des Bestandes des jüdischen Staates. Was nun die Bemerkung des Rechtsanwalts Dr. Abraham Loeb — der übrigens nicht als Redner der Bereinigung sprach, sondern als letzter Diskussionsredner eine persönliche Meinung äußerte — betrifft, so hat er keineswegs Trennung von Staat und Kirche gefordert, sondern nur betonen wollen, daß die Theorie vom christlichen Staat nicht dahin führen dürfe, daß infolge der Ignorierung der Interessen des Judentums seitens des Staates - die Aufrechterhaliung von deffen Institutionen in Frage gestellt und damit die Autorität seines Lehrinhaltes bet den eigenen Anhängern des Judentums geschwächt, die Religionslosigkeit — gegen das Jntereffe des Staates — gefördert werde. Der hier gegebenen Aufklärung entspricht übrigens die bisherige politische Stellungnahme des orthodoxen Judentums, das u. a. z. Zt. auch für die Konsessionätt" rät der Volksschule eingetreten ist." Diese leichtfertige Art, sich ohne Prüfung antisemitischer Aufstellungen im Kampfe gegen den und die Gegnerzu bedienen, dürfte auch. das ganze von Mrisberg aufgesührte Zahlengebaude charakterisieren, gegen welches sich die Oppenheimer'sche berechtigte Kritik wendet. Der Wrisberg'sche Versuch, seinem Vorgesetzten Ludendorff für dessen Feldzug gegen die Juden das schwere Geschütz des statistischen Beweismaterials zu liefern, dürste als gescheitert gelten. Corrcspondcnzcn«. Nachrichten. i«rHi WinWWWBlM MPW’riflWIM' Deutsches Reich. 3ur Kölner SrieöhDfsfadie. Köln. 30. Mai. Herr Jonas Wolff, Mitglied des Vorstandes der Synagogengemeinde Adas Jeschuren und Vorsitzender der Chewras „Kosnaus Aur" schreibt uns: Das Eingesandt des Vorstandes der hiesigen Großgemeinde in der letzten Nummer Ihres 8 % ÜÜ» ZU KtM. -EL (Kurze Betrachtungen zum Wochenabschnitte.*) Von Dr. Felix Kanter in Zwittau (Mähren). DaS Verdienst, des Priestersegcris teilhaftig zu werden, meint der Midrasch, verdankt Israel dem Patriarchen Abraham. Denn zu ihm sprach Gott.- 3int nnv na („s o werden deine Kinder sein") und vom iriestersegen heißt es: laiari na („so sollt ihr segnen"). Nach Ansicht anderer Weisen verdankt Israel den Vorzug deS Priestersegens der Gesetzgebung am Sinai» denn vor der Offenbarung heißt es: »a bx norm na („so sprich zu den Söhnen Israels") und in diesem Wochenabschnitt heißt es: laian na („so sollet ihr segnen"). 114 Dieser Midraschausspruch ^bedeutet mehr als ein bloßes Wortspiel. Der wahre Segen sind Kinder, die im Sinne ihrer frommen Väter lebe« und auf den Pfaden' der Frömmigkeit und Gottesfurcht wandeln. „Gott wird dich segnen (o’J33 "n -p*ü»). Nach..jva^ nnt von Rabbi L. WetSblum, New-Aork. Die Kinder bedeuten aber nur dann einen Segen für die Eltern und — für ^2, wenn ste die richtige religiöse Erziehung genießen und im Sinne Abrahams erzogen werden, von dem die Thora ausdrücklich er-, zählt: i"3i "n Tn iltefft .... 122 r» ni2> w# . . . dessen ganzes Streben darauf gerichtet war, daß seine Kinder in den Pfaden Gottes wandeln, Wohltaten üben und das Recht wahren. Des Priestersegens wird demnach nur der voll und ganz teilhaftig, der seine Kinder so erzieht wie Abraham, daß sie für Welt und Nachwelt zum Segen werden. Der Weg zur richtigen Erziehung ist — min {na, die Kinder im Geiste der heiligen Thora zu erziehen, sie der Thora zuzusühren und sie so dem Judentum und seiner geoffenbarten heiligen Lehre zu erhalten. Nur so geht der Segen des Priesters voll und ganz in Erfüllung, wenn die Kinder so erzogen werden, wie es die Thora von ihren wahren Vekennern fordert. * * * „Gott wird dich segnen", dazu bemerken an anderer Stelle unsere Weisen: pvva "n *pn2', „Er wird dich mit irdischen Gütern segnen", und „er wird dich behüten", ppnön fü „vor Schaden". Es wird aber nicht ang?geben, vor welchen Schäden Gott „ihn behüten wird"; man erfährt es aber von der Fortsetzung des Segens ("121 H 8L" ... "i ns'). Der Besitz irdischer Güter ist zuweilen verschiedenartigen Schäden unterworfen und kann verschiedene Schäden zur Folge haben. Vor allem Schäden religiöser oder moralischer Natur: Stolz, Hochmut, Selbstdünkel, ferner das verminderte »nva.-die Außerachtlassung und Vernachlässigung „der Pflichten des Besitzes" den Armen und Bedürftigen gegenüber rc. Es gibt aber glücklicherweise eine genaue Kontrolle für den Besitzer ir-? discher Güter, ob er vor solchen (inneren und unsicht-? . baren) Schäden bewahrt bleibt oder nicht Diese Kon I trolle lautet: "ui cipön nn un»n nm: rii'ian nn2> bs ] Wer von seinen Nebenmenschen gel.ebt und geachtet wird, wird auch von Gott geliebt, wer sich der Menschen Gunst erfreut, der erfreut sich auch der Gunst und Gnade des Weltenschöpfers (nvv'? nvroi rfWE*? 3inu). Ein ferneres Merkmal ist der — — DfttP, der Frieden. Wer sich des Friedens voll und ganz erfreut, der be. weist zur Genüge, daß er vor den „Schäden des Besitzes" bewahrt geblieben ist. Dies ist auch der Sinn des Ausspruches unserer Weisen: Gott wird dich mit irdischen Gütern segnen und dich vor den drohenden Schäden bewahren. Dies wirst du daraus ersehen: njn»i i'JD "n NB”, daß du Gunst und Gnade finden und -p llV'i, du dich auch des Friedens erfreuen wirst. Keines Feuilleton. Jüdische Statistik der Rachkriegszeit Infolge des Krieges und der vielfachen Grenzverschiebungen haben die statistischen Zahlen inbezug auf die jüdische Bevölkerung starke Aenderungen erfahren. Nach den letzten Berechnungen leben gegenwärtig in Europa 18*/» Millionen Juden. Die Zahl der Juden in Rußland, , welches mit seinen ßV2 Millionen Juden die stärkste jüdische Siedlung Europas war, ist naturgemäß infolge der Abtrennung des früheren Russisch Polen Betzarabiens, der Ukraine und der jetzigen Randstaaten sehr erheblich zurückgegangen und dürfte im eigentlichen Sowjetrutzland bloß 400.000 betragen. Die meisten Juden leben gegenwärtig in

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