Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 63 (1922)
- Issue
- Heft 22 (1.6.1922)
- Date
- 1922-06-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 Nr. 22 Der Israeli*. 1. Juni im, 3. Auf unferm neuen FriedboF in Bocklechünd, den wir oüne Einspruch von irgend einer Seite für die Wiederbeisetzung zur Verfügung stellten, haben wir ein in sich völlig abgeschloffenes, durch Wege ringsum abgelremites Feld für diesen alleinigen Zweck bestimmt, um^später einmal das Ganze zu einer Ehren, und Erinnerungsstätte an die große Vergangenheit unserer Gemeinde zu gestalten. Dieses Feld liegt aus dem linken Flügel des Gesamtgeländes, deffen Benutzung für allgemeine Beerdiaungszwecke erst in den nächsten Jahren bevorstebt. Die tadelnde Bemerkung in Nr. 18 des Israelit: „Man hat die Gebeine zwischen Aschen, resten beigesetzt", ist demnach absolut unrichtig, und ebenso der Zusatz: „zum Mindesten <!) an solcher Stelle des Friedhofs, wo auch Urnen mit Aschenresten begraben"werden." Urnen werden ans unseren Friedhöfen Überhaupt nicht beigesetzt, sondern die Aschenreste in vorgeschriebenen Särgen beerdigt. (Es handelt sich nicht um eine Bemerkung des „Israelit" sondern um die Wiedergabe einer Bemerkung des zionistischen Redners in der Repräsentantensitzung. Die Red.) 3. Was die finanzielle Seite angeht, so haben wir für die ersten Erforderniffe 100000 Mark ausgeworfen und gleichzeitig diesbez. Schritte bei den städtischen und staatlichen Stellen unternommen, die bei den letztgenannten nicht ohne Erfolg geblieben sind. Für den Gemeindesäckel glauben wir bis an die Grenze deffen gegangen zu sein, was wir unter den gegenwärtiaen Verhältnissen verantworten können. Gar kein Zweifel aber kann obwalten, daß wir, laut dem von unserem Gemeinderabbiner Dr. Rosenthal eingeholten Gutachten des Berliner Rabbinerseminars, nach der religiösen wie nach der materiellen Ausführung unserer Pflicht in vollem Ausmaß genügen. In unserer Gesamtgemeinve und -Verwaltung wünscht man nichts anderes als die korrekte, pietätsvolle, jüdische Erledigung dieser Angelegenheit. In diesem Bestreben sollte uns die Oeffentlichkeit unterstützen, nicht durch Entstellungen und Beleidigungen verunglimpfen." Es folgt die deutsche Uebersetzung des vorerwähnten halachischen Gutachtens über die für die Synagogenaemeinde sich in diesem Falle ergebenden Verpflichtungen, worin es u. a. heißt: „Da im vorliegenden Falle diese Gräber lLngstverganaenen Jahrhunderten angehören, und in unserer Mitte sich keinerlei Gewißheit darüber befindet, ob in der heutigen Kölner Judenhett noch Nachkommen der dort Begrabenen vorhanden sind, so scheint uns die Gemeinde als solche nicht allein die Pfltchtträgerin in dieser Angelegenheit zu sein, sondern es ist eine Sache der Gesamtjudenheit an allen Orten und Enden. (Folgt ein Hinweis auf Chasam Sofer, Gutachten zum Jore Deah, Nr. 334). Darum müssen sich die Juden Kölns an die anderen jüdischen Gemeinden wenden, sie bei der Bergung dieser Gebeine durch Handarbeiter, und nicht durch Baggerung, in den dadurch entstehenden Kosten zu unterstützen. Ist es aber unmöglich, das überhaupt durchzuführen, so muß zum mindesten die jüdische Allgemeinheit sich an den Kosten der Uebersührung aus einen jüdischen Friedhof beteiligen. Denn das ist gewiß eine ausgemachte religiöse Verpflichtung, diese Se- Leine, nachdem sie aus der Erde herausgeworfen sind, wieder zu bestatten, ein zweifelloses Religionsgebot, von keiner Seite her irgendwie etnzuschränken."-- Mehr als das, was in diesem Gutachten ausgesprochen wird, haben wir in unserem Artikel, den der Vorstand der Kölner Synagogengemeinde unbegreiflicherweise als Verunglimpfung und Beleidigung empfindet, nicht verlangt und wir freuen uns, nun von kompetenter Seite bestätigt zu sehen, daß die ehrenvolle Bestattung der JWttpn nuaxp Sache der Gesamtjudenheit in allen Orten und Enden" iü. Uns ist 'es in diesem Falle wahrlich nicht um die Polemik zu Lun, dafür ist uns die Sache zu heilig. Sorgen wir, wie dies auch in dem ungemein beachtenswerten Artikel des Herrn Dr. Wohlgemuth in der heutigen Nummer ausgeführt wird, lieber mit geeinter Kraft dafür, die uns allen erwachsende Ehrenpflicht zu erfüllen. Wie wir hören, ergeht jetzt ein diesbezüglicher Aufruf der beiden Kölner Shnagogengemetnden an das ganze jüdische In- und Ausland. Indem wir diesen Aufruf zur allgemeinen Beachtung wärmstens empfehlen, erklären auch wir uns bereit, Spenden zu diesem heiligen Zwecke entgegenzunehmen und sie der Sammelstelle zuzuführen. Die Auflösung des Verbandes der Deutschen luden. Der „Verband der Deutschen Juden" hat, wie er in einem Rundschreiben an die Presse mitteilt, in seiner Sitzung vom 23. April beschlossen, in der nächsten zur Vermeidung von Kosten in Verbindung mit einem Gemeindetag einzuberufenden Hauptversammlung die Auflösung des Verbandes zu beantragen und das Büro so rasch wie möglich aufzulöfen. Damit dürfte, wenn nicht etwa die Berliner Gemeinde in letzter Stunde einen Frontwechsel vorntmmt und den D. I. G. B. zu Gunsten des „Verbandes der Deutschen Juden" im Stich läßt, das letzte Stündlein dieses Verbandes geschlagen haben. Der Verband, dessen Entstehungsgeschichte in die letzten Jahre des vorigen Jahrhunderts zurückretcht, war eine Frucht der Konzentrations- Bewegung, die sich als unmittelbare Wirkung des Antisemitismus innerhalb der deutschen Jndenheit geltend machte, und die zu einer Fülle von Organisationen auf den verschiedensten, oft leider auch auf den gleichen Gebieten des jüdischen öffentlichen Lebens führte. Wie viele andere derartige Gebilde litt der Verband an dem inneren Widerspruch, daß er einerseits unbewußt auf einer rein nationalen Auffassung der jüdischen Zusammengehörigkeit basierte, be- * Einige Vemerkungen zum Schobuoiseste. wmm Bon Dr. Felix Kanter in Zwittau (Möhren). Der 2n2B, am Schobuoiseste Milchspeisen zu bereiten, wird bekanntlich im y''ty ("2 "v *T3tr> *m) erwähnt. Der B.vax }2B führt für diesen Brauch ver. schledene Gründe an. Auffallend ist es, dah dieser 2,-OB nur auf d-n ersten Feiertag sich erstreckt (pwn 092 . . . 712X<, .. . p2,-n2i), während er am zweiten Feiertage scheinbar nicht in Betracht kommt. Warum gerade am ersten und nicht auch am zweiten Schobuolfeßtage? Für diesen 2,"OB werden nämlich noch andere Gründe angeführt. Die Anfangsbuchstaben von BB'njn^a "T7 NN2B (4. B. M., Kap. 28,26), ergeben das Wort a^n - Milch. Ein anderer Grund lautet: Nach der Offenbarung am Sinai durfte Israel nichts anderes als Milchspeisen genießen, da nach mim r6ap alle andern (Fleisch.) Speisen eo ipso nenö wurden. Daher auch der 27I2B am ersten Festtage Milchspeisen zu Deffen. t. Nach BfTGh* jso (ß. a. O. "x jov) muffen die mpy r\m-n am Schobuoiseste mit den obern M202 (p^yn aya) vorgelesen werden, am Sabbat m hingegen mit den untern m2'22. Im ersten Falle lautet das sechste Gebot rann x? (mit wia), im letzter« Falle nshn xV (mit pap). Nun heißt es im Talmud (Aboda Sara 19), daß es verschiedene Arten von „Morden" gibt. B'27 >s rwnrft yon vhw Toto n? n^sn a^n, „Biele bringt er um, d. ist ein unreifer Schüler, der sich das Recht an. maßt, andere zu belehren", tb^ji nr nonn bs D'Eisyi ,TT)B 12'xi . . . „Groß ist die Zahl der Erschlagenen, d. i. wenn einer die Fähigkeit besitzt, andere zu belehren und es absichtlich unterläßt". Beide werden des geistigen „Mordes" beschuldigt. Der eine (p'Ttf) sündigt durch seine Belehrung (wie), der andere (p'7S) dadurch, daß er seine Gelehrsamkeit für sich behält (pBp). Beide Arten find im nS'Tfi *6 angedentet, je nachdem, wie das s (-p'-«) mir rep aber nnb gelesen wird. (Nach R. Clja aus Wilna). Von Noemi erzählt die Rolle Ruth, daß sie sprach'»: „1 '22'lpn Dpm ™6b *2x, „Ich bin voll ausgezogen und leer führte mich zurück der Ewige". Logischerweise müßte es heißen: „Voll zog ich aus und leer kehre ich zurück". Aber so unlogisch denken und sprechen die meisten, ja fast alle, die von Leid und Weh plötzlich heimgesucht werden, oder Enttäuschungen im Leben erleiden. Solange eS einem gut geht, spricht er selten von Gott, desto mehr aber von sich selbst: seiner Tüchtigkeit, seiner Klugheit, seinem Unterneh. mungsgeist und seiner Gewandheit; von den Erfolgen, die er erzielte, und von dem Lohn der Mühe, den er fand. Ergeht es ihm aber schlecht im Leben," mißlingen seine Pläne, scheitern seine Hoffnungen und Wünsche, dann ist — Gott dafür verantwortlich und erstaunt wußt aber das religiöse Moment in den Vordergrund schieben mußte, und auf diese Weife eine Vergewaltigung religiöser Auffassungen, insbesondere derjenigen der Orthodoxie, beim besten Willen nicht vermeiden konnte. Man kann nun einmal um ein Beispiel zu nennen, nicht gleichzeitig für oie konfessionelle und gegen die konfessionelle Schule kämpfen, wie es der Verband aus der widerspruchsvollen Logik seines Wesens zu tun verpflichtet war. Am meisten hat jedoch las Streben des Verbandes nach einer zwangsweisen Zusammenfassung der gesamten deutschen Judenheit in einen einheitlich religiösen Verband die schärfste Opposition der Orthodoxie herausgefordert, die aus grundsätzlichen, wie aus praktischen Gründen in der Schaffung eines derartigen Gebildes den Untergang der religiösen Wahrhaftigkeit und der Gewissensfreiheit erblicken mußte. Es soll ungeachtet dieser Feststellung nicht verkannt werden, daß der Verband im einzelnen für die Wahrung jüdischer Rechte im Staatsleben vieles geleistet und sich dabet auch den spezifischen Forderungen des überlieferten Judentums, bespielsweise aus dem Gebiete der Schechita und der Sonntagsruhe, als ehrlicher Freund bewährt hat. UeLer die unmittelbare Veranlaffung zur Auflösung des Verbandes äußert sich die an die Presse versandte Mitteilung wie folgt: „Der Verband hat nach der Aenderung der StaatSverfaffung zuerst darauf hingewtesen, daß der längst erstrebte Zusammenschluß der Gemeinden in einer Gesamtorganisation nun verwirklicht werden könne und muffe. In einer Besprechung, zu der er die anderen beteiligten Verewigungen schon im Frühjahr 1919 einlud, wurde eine gemeinsame Vorberatung mit einzuladenden Vertretern des Gemeindebundes über die Mittel und Wege zur Schaffung der Gewmtorganisation beschloffen. — In diesen Vorberatungen vertrat der Gemeindebund den Standpunkt, er sei der — inzwi chen durch Artikel 137 der neuen Reichsversaffung vorgesehene — Verband von Religionsgesellschaften ober mindestens die gegebene Grund läge für deffen Aufbau, während die Vertreter des Verbandes wegen der Unmöglichkeit, die Satzung des Gemeindebundes ohne staatliche Genehmigung za ändern, einen selbständigen neuen Zusammenschluß der Gemeinden befürworteten. Ein Satzungsentwurf für die Gesamtorgantsation wurde vom Verbände vorgelegt und gemeinsam duichberaten, im weiteren Verlauf aus der Grundlage eines vom Gemeindebund vorgelegten, zum Teil abändernden Entwurfs. Auf dem Gemeindetag am 23. Januar 1921 entschieden sich die Gemeinden für die Schaffung der Gesamtorganisation durch Aenderung der Satzung des Gemeindebundes statt des vom Verband empfohlenen selbständigen neuen Zusammenschluffes. — Von Anfang an hatte der Verband betont, daß er feine Aufgabe als erfüllt ansehen und flch auflösen würde, sobald die Gesamtorgantsaiion — gleichviel ans welchem Wege — in Kraft getreten sei. Nun ist zwar die Satzungsänderung des Gemeindebundes noch nicht staatlich genehmigt, und auch seine Anerkennung als öffentlich-rechtlicher Verband der jüsragt er gleich den Söhnen Jakobs: „Warum hat Gott uns dieses getan? Die reiche, glückliche und angesehene Noemi spricht von Gott mit keinem Worte; erst als sie arm und unglücklich zu ihrem Volke zurückkehrte, spricht sie von Gott: „Leer führte mich zurück der Ewige". Wo sprachen und dachten auch die Söhne Jakobs, die ihren Bruder Josef nach Aegypten verkauften: 12b D'pbx NLw m NB »Warum hat Gott dieses uns geran?" Vorher wird nirgends erzählt, daß sie den Namen Gottes erwähnten. Daher spricht der Herr: "121 pinn 0X1 ptwn '2X, „Ich bin der Erste und ich bin der Letzte u. s. w." Das ist der Kardinalsatz der wahren N21BX. (Nach ri2lv rny, Seite 47 f. vom Verfasser). Kleines Ieuillelon. Die schwierige Targumstelle. Aus der Unmenge weiterer Zuschriften seien hier folgende wiedergeoeben: Die Targumstelle (vajikro 26, 6) panyiXB p-ny» sb X27N2 p^vpn lautet tatsächlich in der Sabionetta-Ausgabe pW x^. Doch ist die Lesart p*r>y X*? die richtige Lesart und steht diese mit der Erklärung des Talmud Taanith 22 nicht in Widerspruch. Ich verweise zunächst auf n^BN wii'v von R. Mordchai Lurja, Krakau 5340, S. 39b, der das Targumwort für 112? mitteilt nxnyy und dies erklärt: Ip22 -jy pty*? xim ny 72X\ Demnach wäre unsere Stelle dahin zu erklären, daß fremde Truppen nicht ins Land kommen, um dort etwas zu erbeuten: es brauchte dies kein kriegerischer Ueberfall zu sein, sondern nur ein einfacher Raubzug, wie er von arabischen Beduinen in ungetrübtester Friedenszeit häufig unternommen wird, auch