Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 63 (1922)
- Issue
- Heft 21 (25.5.1922)
- Date
- 1922-05-25
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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25. Mat 1932 Der JSraelit. No. 31 Seite« m den blühenden Morgen hineinfuhr, der heiligen Stadt Jerusalem entgegen . . . (Fortsetzung folgt!) Erez Chitto us’auro.!fe\ 3 Festspiel von Ben Fair. (Vor Boas Haus. Ausblick auf eine liebliche Landschaft). Boas: Die meinem Haufe Ihr zuzählt, Gott mit Es bergen seinen Segen nun die Speicher. sEuch. Gar bald wird es fick regen in den Tennen, Wenn aus dem weichen, wohlverwahrten Bett Mit rauher Hand man reißt den gelben Schläfer. Sonst pflegte ichbevor die Hungersnot Mit dürrem Finger Ephrata umkrallte, Ihr wißt es, an dem Tage der Vollendung Ter Ernte frob zu sein mit Euch. Nun muß ich Tie Gattin missen. Ziemt da Freude mir? Euch sei sie nicht geschmälert, deren Schweiß Zu Gold verwandelt in den Scheuern blinkt. Trum freuet Euch des Tages wie ehedem. Mir aber gönnt stille Einsamkeit, Daß ich» der schwer verwand nur den Verlust Und heute mehr denn je die Lücke fühle, Still der gedenke, die sie riß. — (Kurze Pause). Wo aber ist Das Mädchen, das die Ernt^tage über Zu Euch sich hielt beim Lesen? R u t h : (tritt vor) Sieh Herr, hier deine Magd. Du lie- Da ich mich deinem Kreise zugesellt, sßest sagen: Sei es mir Pflicht nun auch, mit deinem Hause Zu feiern heute. Boas: Also war mein Wort. Ruth: Aus fernein Lande kommend ist mir kund Die Satzung Judas nicht, und nicht Beth-Lehems. Dennoch vergib, Herr, das Geständnis mir, Tein Ruf war wert mir, Folge ihm zu geben. Nun, da ich lveiß, wozu er mir erging, Geh' wieder ich Denn Herr, auch mir Steht nicht der Sinn nach Freude. Einsam leb' ich Und lobe mir, daß eine Einsame Ihr schmerzvoll Scherbendasein friste. Boas: Wie ist dein Name? R uth: Ruth heißt deine Magd. Boas: So bist der Witwe Eliemclechs du, Bist Naßmi verwandt? Ruth: Stolz darf ich's sagen: Verwandt der Zierde aller Frauen. Boas: Wahrlich^ Das ist sie, Naemi. Groß, gut, mild und edel. Ruth: Sie harret angstvoll meiner Rückkunft, Herr! Entlasse mich, ich bitte dich. Boas: Verweile . .. Doch noch, o Ruth. Ein Bote mag ihr künden, Du seist in meinem Schutz, und, weil dir fremd Des Landes Weise, hielt ich dich zurück, Daß du sie kennen lernest. Ruth: Doch - Boas: Verweile. Und, wenn dich meine Worte fesseln nicht, Laß eines alten Mannes Augen betteln. Die Schnitterinnen haben einen Reigen Sich eingeübt. Bleib' doch, bis er zu Ende. Er gilt dein Lande, deiner neuen Heimat. Du kennst es nicht, noch nicht, o lern es kennen — Ich tret' zurück. Du bleibst, o Ruth? Ruth: Ja, Herr, Tann bleib' ich, ungesehen gleich dir — (Kurze.Musik. Boas und Ruth nach entgegengesetzten Seiten ab, bleiben aber sichtbar. Es kommen Chittoh, S'auroh, Gefen, Teenoh, Rimaun, Sajis, Dewasch). Chittoh: Soviel Satzungen der Menschheit wurden, S'a u r o h: Soviel Tage zählet auch die Woche, Gefen: Soviel Wochen fließen bis zum Feste. T e e n o h : Soviel Mzwoth führten ein die Weisen, R i m a u n : Soviel Segnungen den Eh'bund grüßen, Sajis: Soviel Völker einst das Land besaßen, Dewasch: Soviel Früchte herrlich birgt sein Schoß, Chittoh: Von: Land, drin Milch und Honig fließt, S'a u r o h: Sind wir der Früchte erles'ne Zier, G e s e n : Was seinem Boden her entsprießt, Teenoh: An .Baum und Strauch, für Mensch und Rima u n : Was Israel in uns genießt, sTier, SajiS: Das messen und erheben wir, Dewasch: Das adeln wir. (Nütsik). Chittoh: Lasset im Reigen, Schwestern uns neigen, Demütig laßt vor dem Schöpfer uns beugen. Ruhm ihm zu bringen, laßt ans den Zweigen, Blättern und Blüten Preis nun ersteigen. Lasset im Reigen lautlos uns zeigen Weizen und Gerste, Rebe und Feigen, Öelbaum, Granate und Dattel, ihm eigen Tanken und schweigen! (Tanz). (Schluß folgt.) Personalien. Fürth, 15. Mai. Schon wieder hat unsere rrt'np einen schweren Verlust zu beklagen. Wenige Wochen nach feinem großen Lehrer, unserem unvergeßlichen Dr. Warzawsky n"y hat einer seiner treuesten Anhänger und Schüler Simon Höchster seine edle Seele, rein und unbefleckt ihrem Schöpfer zurückgegeben. Sein ganzes Leben war erfüllt von ran* und min und etc lange Dauer seines Leidens ward ihm nur er' träglich durch sein unbegrenztes Gottvertrauen, .seine innige Frömmigkeit und seine tiefe Ergebung in das, was ihm "n zu tragen anferlegte. Mustergültig war seine ganze aufopfernde Wohltätigkeit. Kein Trostsuchender ging unbefriedigt von ihm, kein Bedürftiger ohne reichliche Gabe. Trotz jahrelanger Strapazen im Felde, trotz aus. reibender geschäftlicher Tätigkeit fand er jeden Tag Zeit zum Lernen. Gar mancher Kamerad traf ihn im Schützengraben mit dem ni'JtMD in der Hand, es gab keinen n'jyn während seines Frontdienstes, den er nicht gehalten hätte. Die zahlreiche Beteiligung an der ''V? gab beredten Ausdruck seiner Beliebtheit. Herr Dr Heilbronn schildert feine unendliche Güte, seine Selbstlosigkeit, seine liefe Sohnesltebe, seinen Eifer und seine Pflichttreue, galt eS einer guten Sache. Herr Dr. Strauß, als Vertreter, der Maimonides Loge — widmete ihm den Brudergruß. Herr Prof. Fetlchenfeld zollte ihm Worte des DankeS und der Anerkennung für die Israel. Realschule, deren Kuratorium er seit Kurzem angehörte, sowie für die der Agudas Jisroel geleisteten Dienste. Im Namen der Familie sprach Herr Rabb. D. Pinchas Kohn ergreifende Worte des DankeS für all die Liebe und Güte, mit der er seine Gattin und seine Kinder gehegt, seine Eltern verehrt und geschätzt hat. Im Trauerhause rühmte Herr Dr. Brader-Ansbach seine Frömmigkeit, seinen lauteren Charakter, den Adel seiner Gesinnung und die Pflichttreue und Bereitwilligkeit, Not zu lindern. Möge sein rum der geprüften Gattin und den unmündigen Kindern beistehen. n"22t5n Adelsberg, 17. Mai. Einen schweren Verlust hat die hiesige Gemeinde erlitten. Nach längerer, mit Geduld ertragenerjsKrankheit starb am Mittwoch i"rr 2"' das älteste Mitglied derselben, Mich. Winheimer, im Alter von fast 76 Jahren. AlS guter Jehudi vom alten Schlag widmete er sein ganzes Leben außer der Erziehung seiner Kinder in seinem Sinne, n"3i miayi min.. Wenn er von des Tages Mühen nach Haufe kam. unterließ er es keinen Tag wenigstens einen Abschnitt nun zu lernen. Bis zu seiner Erkrankung fehlte er bei keinem Gottesdienst und was er im Geheimen für Arme und wohltätige Zwecke geleistet hat, ist nur Wenigen bekannt. Darum war er auch bei jedem, der ihn kannte, geachtet und beliebt. Dies zeigte sich auch bei der am Freitag stattgefundenen wozu viele Leute aus der Umgegend herbeigeeilt waren. , Möge '"VN den trauernden Hinterbliebenen seinen Trost spenden und ihnen der niai ihres Vaters betstehen. n'asun. Parchim (Mecklenburg), 19. Mai. In dem Lande Mecklenburg ist im Allgemeinen jüdisches Leben so erstorben, daß nur sehr selten von dort etwas zu berichten ist. Umso betrübender, wenn jetzt die Kunde kommt, daß von den wenigen Trägern deS unverfälschten Judentums einer der Besten aus dem Leben abberufen ist. Louis Weil, Gemeindevorsteher in Parchim ist am 8. Jjar im 78. Lebensjahr nach kurzem Leiden verschieden. Bis zuletzt hat er mit eiserner Energie eS verstanden, die Gemeindeinstitutionen aufrecht zu halten, hat er darüber gewacht, daß die NL'NV und der Unterricht von einem frommen, gewissenhaften Mann versehen wird, daß regelmäßiger Gottesdienst ln althergebrachter Form würdig staitfand, usw. Sein starker Wille mar maßgebend und er verstand ihn mit Klugheit zu verwenden. In Verbindung mit seiner frommen Ehegattin machte er sein Haus zu einem wahrhaft jüdischen, wo außerordentliche Betätigung der v'niin nwan nijfö, namentlich während des Krieges, als sehr viele jüdische Soldaten in der dortigen Garnison lagen, in schönster Weise geübt wurde. Unvergessen sei seine große Hingabe und Arbeitsleistung bei der Einrichtung und Erhaltung einer Koscherküche in dem großen Kriegsgefangenenlager Parchim, aus der über 3 Jahre Tausende — zeitweilig 6—700 gleichzeitig — jüdische russische Kriegsgefangene vollkommen verpflegt wurden. Wesentlich sein Einfluß hatte im Verein mit einigen Hamburgern Herren diese Gründung bet der dortigen Kommandantur durchgefetzt und trotz seines hohen Alters scheute er weder Hitze noch Schneetreiben, um regelmäßig den weilen Weg nach dem Lager zwecks Inspektion und Rücksprache zurückzulegen, und für viele fromme Gefangene hat er eS immer wieder erwirkt, daß sie am fc"Vi n2V von der Arbeit befreit wurden. Möge sein ni2i seiner Familie und der Gemeinde beistehen und möge bald ein frischer Geist auch die Mitglieder der alten jüdischen Gemeinden Mecklenburgs zum aljüdifchen Tauro-Leben zurückführen, «asün. Kehl, 6. Mai. Die festlichen Veranstaltungen anläßlich des 40jährigen Amtsjubiläums des Herrn Lehrer Samuel Böttighetmer spiegelten die dankbare Anerkennung wieder, die sich der Jubilar in der Gemeinde in einer segensreichen Wirksamkeit von mehr als einem Menschenalter erworben hat. Am Vormittag fand in der reichgeschmückten Synagoge ein Festgott esd len st statt, wobei der Vorsteher der Gemeinde, Herr Sigmund Kaufmann, die Verdienste des Jubilars um die israelitische Gemeinde würdigte. Der Jubilar dankte mit schlichten Worten. Gesänge der Schüler verschönten die erhebende gotteSdiestliche Feier. Abends 6 Uhr versammelte sich eine ansehnliche Festversammlung im Saale des „Schiff". Außer der vollzählig erschienenen israelitischen Gemeinde waren frühere Schüler ans nah und fern ln großer Zahl herbeigeeilt r ferner hatten sich als Festgäste alle Vertreter der staatlichen und städtischen Behörden, sowie der Geistlichkeit und Lehrerschaft eingefunden. Eine Reihe künstlerischer Veranstaltungen feierte den Anlaß. In einer längeren Ansprache beglückwünschte Herr Siegfried Kaufmann den Jubilar im Namenseiner früheren Schüler und Schülerinnen zu seinem Ehrentag und dankte ihm für den Unterricht, die Belehrungen und Ermahnungen, die er ihnen dereinst mit ans den Weg gegeben. Herr Gemeindevorsteher Siegmund Kaufmann begrüßte zunächst die zahlreiche Festversammlung, insbesondere die Ehrengäste und überreichte dem Jubilar im Namen der israelitischen Gemeinde ein Ehrengeschenk. Herr Oberamtmann Schindele überbrachte die Glückwünsche der badischen Staatsregierung und der Vezirksverrvaltung. Herr Bürgermeister Dr. Weis überbrachte die Grüße und Glückwünsche der politischen Gemeinde, er überreichte ein prächtiges Bild von Hans Thoma. Im Namen der Oberrealschule und der Volksschule sprach Herr Direktor M angelsdorf. In feinem Namen und für die Familie dankte der Schwiegersohn, Herr Hauptlehrer Reis. Es folgte dann ein gemeinsames Esten. Im Verlause desselben erhob sich der Vorsteher der israelitischen Gemeinde Rheinbischofsheim, Herr- Moritz Kahnmann, um dem Jubilar zu danken für das, was er der Gemeinde gewesen, und überreichte ihm ein Ehrengeschenk. Frau Sigmund Kaufmann dankte für den israelitischen Frauenverein für die während 27 Jahren gewährte hervorragende Mitarbeit und überreichte eine Ehrenurkunde. Vermischles. Stuttgart, 11. Mai. Am 23. WpvU fand in gart die diesjährige Mttglieder-Bersammlung des „Württembergischer Landesverband für Israel. Wohlfahrtspflege (L. I. W.), e. V." statt. Stach den BeprüßungSworten und dem Verlesen des Kassenberichts sprach der Vorsitzende, Herr Anwalt Dr. Gunzenhauser, über die Arbeiten im vergangenen Jahre. Die Tätigkeit erstreckte sich auf fast alle Zweige der gesundheitlichen, pädagogischen und wirtschaftlichen Fürsorge. Als ein wesentlicher Fortschritt ist daS Zustandekommen der Arbeitsgemeinschaft mit der allgemeinen deutschen Wohlfahrtspflege anzusehen. AlS ein besonders erfreuliches Ergebnis ist die Zusammenarbeit mit der „Schweizerfürsorge für deutsche Kinder" (Leitung Prof. Abderhalden, Halle) anzusehen, wodurch 5 tuberkulösen Kindern ein unentgeltlicher Aufenthalt in Davos ermöglicht werden konnte. * Die Erfolge auf dem Gebiet der Erholungsfürsorge sind der regen Arbeit der Ferienkolonie der Stuttgart- Loge zu verdanken. Sie hat die Kinder ärztlich untersucht und nach der Erholungszeit die erlangte Kräftigung durch eine nachgehende Fürsorge zu erhalten erstrebt. In der Aussprache wurde die Organisation der jüd. Kinderhtlfe, die im April d. Js. in die Wege geleitet wurde, lebhaft besprochen. Srieskasten. A. W in G. und viele Andere. Zu der Anfrage des Herrn Rabbiner Dr. Kanter bezüglich der schwierigen Targumstelle ging uns eine große Zahl von Erklärungen zu, von denen wir einige in der heutigen Nummer bringen. Die anderen werden, sofern sie nicht Gleiches besagen, in den nächsten Nummern zur Veröffentlichung gelangen. S. S. Sie finden Gewünschtes in entsprechender Anordnung und großer Auswahl im halachischen Teile der rwyöni «man von Rabbi CH. Liebschütz, Oberrabbtner von Kaltsch, erschienen im Selbstverläge des Verfaffers. M. B. in K» Trüffel sind erlaubt, sie müssen jedoch ausgeschnitten werden, weil oft Würmer darin sind. Kapern sind ebenfalls an sich erlaubt, müssen jedoch ebenfalls genau belesen werden, weil oft kleine Insekten darauf sitzen. Die bei uns in Handel kommenden Kapern sind meistens in Salzwaffer oder Essig eingelegt, weshalb eine Prüfung schwerlich möglich ist. Soles (Seezungen) haben Schuppen, sind daher erlaubt. Anchovy Paste ist nur erlaubt, wenn sie unter verläßlicher Aufsicht hergesteüt wird. Ohne Auf. sicht hergestellten Jischpasten sind ganz entschieden verboten.