Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 63 (1922)
- Issue
- Heft 19 (11.5.1922)
- Date
- 1922-05-11
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Ein Centralorgan ISr das orthodoxe Judentum Begründet oon Dr. Lehmann in IHainz lahmem ft dOSCh Vvanbfiivrf a Hfl rtnn 1922 «SS M rs m. «... V**. 13 An 6682 Abonnement pro Vierteljahr: Deutschland bei den Postämtern sowie bei direkt-Bestellung u.RechnungSerteil. durchd. Verlag M-15.— ttierfrlj., Volks schul-u. Religionslehrer sowie Kultusbeamte tn. direkt) M. 7.60 viertel)., Dschecho.SlowakeiKr 16.— Ungarn Kr. 80.— vierteljählich, Deutsch Oesterreich u. Pole« (nur in deutscher Reichsmk.) Mk. 15 viertel), zuzügl. Mk. 8.—Portogebühr, Rnmünien 15 Lei, Holland fl. 1. Skandiuav. Kr. 8. Schweiz fs. 1.60, Frankreich u. Belgien Fr. S.—, England i sh. 6 p.. Amerika 0.50 Doll, viertel). Einzelnummer 1.M Mk. Der ysraelit erscheint jeden Donnerstag Inserate: SDll.4.—, fürStellensuchendeMk.3.—, für die sechsgesp.Col.-Z.elnschl.TeuergSzschl.; AuSl.-Jns. Mk8.— pro Zeile. Rab. n. Tarif. Beilaus.Jnserataustr.tarifrn. Preiserhöhung jederz. vorveh. Jnseratenannahure durch den Verlag deS Israelit G.m. b. H., Frankfurta M., Gr. Eschenheimerstr. 83. Del. 8848, Amt Hansa, sowie sämtl. Annoncen-Exped. des Fn- und Auslands. Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Zahlungen außer direkt au den Verlag - Postscheckkonto Frankfurt a. SM. No. 19808 — erfolgen an: Postsparkasse Wie« No. 78 «08 Postsparkassenamt Budapest No. 18 484 Postscheckamt Zürich BTr. VIII 7884 Postscheckamt Amsterdam No. 84 868 Böhmische Unionvauk in Prag^ Kft&ca Slarin«rosch Blank & Co. in Filiale des Wiener Bankvereins in Agram Bar llaÄSruck fler flrfiftel und Correfoonflenjen 0es „Israelit“!ff nur unter genauer Quellenangabe, unö, soweit es [ich um größere Huffäfec handelt, nur nach vorheriger öenehmigung gekältet. JuhalLsÜberficht 1. Leitartikel: Moses Blau, Jerusalem: Gabbatntweihung iw heiligen Lande. - 2. Homiletik: Dr. Felix Kanter, Zwittau: Kurze Betrachtungen zum Wochenabschnitte. - Hauptlehrer Wolfs, Aurich -ivn rvttm — 3. Wochenrundschau: DaS Ringen um Lrez Iisroel. - Die Krisis in Litauen. - 4. Aufsätze. Zur Frage der Lehrerbildung. — 5. Korrespon. denzen und Nachrichten: Berlin (Jüdische Front, soldaten). — München (Grundlose Verdächtigung). - Budapest (Jubiläum der orthodoxen Gemeinde. — London (Eine Aktion für die Zentralisierung der jüdischen Hilfsarbeit in Rußland). - Johannisburg General GmuiS und die Emigration nach Südafrika). - 6. Vermischtes. - 7. Briefkasten. - 8. Feuilleton-Beilage: Verschollene Brüder. — 9. Familiennachrichten. — 10. Frankfurter Berichte. — 11. Bereinskalender. — 12. Gebetzetten. Sadvatenttveihung im heiligen Lande. Bon Moses Blau in Jerusalem. Der nachfolgende Aufsatz ist der neuesten Nummer deS in Jerusalem erscheinenden Aguda-Organes „Kol Israel^ entnommen; jedes Wort der Erläuterung würde die erschütternde Wirkung des Dokumentes nur abschwächen. Am vorletzten Sabbat reiste die oberste Klaffe des Jerusalemer hebräischen Gymnasiums auf der Rückkehr von ihrem Ausfluge nach Galiläa zu Wagen von Haifa nach Jerusalem unter Aufsicht des Lehrers Ladsinski. Auf diese furchtbare Art und Weise ist die Heiligkeit des Sabbats in Erez Jsroel durch die Zöglinge einer jüdischen Schule in Jerusalem entweiht worden. Schon sind seitdem 20 Tage vergangen, und in allen Zeitungen Jerusalems Uest man kein Sterbenswörtchen davon. Alle die verschiedenen Aemter, mögen sie profaner oder religiöser Art sein, schweigen. Man Hort weder Proteste, noch Klagen über die Entweihung des göttlichen Namens und die Entweihung des Sabbats. Ist Jerusalem wirklich so sehr gesunken, daß ein derartiges Vorkommnis gar keinen Eindruck | mehr macht? Kann die heilige Stadt all dies in Seelenruhe ertragen, ist ihr alles lebendige Gefühl bereits in solchem Maße erstorben, daß sie nicht mit lautem Wehgeschret auf die schmerzvollsten Schläge reagiert? Keineswegs. Man hat vielmehr die gewaltigsten Anstrengungen gemacht, um das Vorgefallene totzuschweigen. Die Vormünder unseres freisinnigen Erziehungs- Systems wissen ganz genau, daß die Jerusalemer Bevölkerung an derartigen provocatortschen Handlungen noch keinen Gefallen findet. Sie sahen, daß der hochgeschätzte Lehrer etwas zu früh losgeschlagen hat, und sie fürchteten, daß die Veröffentlichung der Angelegenheit die „Schwarzen" erzürnen und die Welt in Aufruhr setzen könne — ja wer weiß, ob der Leichtsinn selbst in den Augen der Gemäßigten Beifall findet. Möglicherweise könnte man sogar in der Diaspora Anstoß nehmen, woraus dann auch noch materielle Schädigungen erwachsen könnten. Darum wurde beschlossen, der Oeffentltchkeit, soweit wie nur irgend möglich, die Kenntnis des Borge, fallenen vorzuenthalten. Diese Technik verstehen die Herren vortrefflich. Genau so, wie sie imstande sind, durch ihre Preffe alle Aemter, Bureaus, ja die ganze Welt in Bewegung zu setzen und mit Protesten zu erfüllen über Dinge, die nie geschehen sind, so wissen sie auch aufrüttelnde Nachrichten durch organisiertes Totschweigen aus der Welt zu schaffen. Nur ganz im Vertrauen ist mir bekannt geworden, daß in den führenden Kreisen doch eine stille Bewegung entstand und daß Herr Usstschkin die Amtsentlassung des gefährlichen Lehrers forderte. In der betreffenden Beratung sollen noch sonstige Vorschläge gemacht worden sein, die sich aber alle nur auf den Lehrer bezogen. Außer dem extremen Antrag des Herrn Ussischktn wurden auch noch gemäßigtere Vorschläge gemacht, so z. B. den Lehrer zu verwarnen, ihm eine Geldstrafe aufzuerlegen oder eine Zusage von ihm zu verlangen, daß er nicht weiter sich ähnliches zu Schulden kommen lassen wolle. Aus all' dem geht jedenfalls hervor, daß der Held des Dramas lediglich der Lehrer istdie ganze Affäre dreht sich um ihn, und das Schwergewicht wird darauf gelegt, daß für die Folge ein vorsichtigeres Verhalten der Lehrer gesichert wird. Ich aber frage: wie ist es mit den Schülern? Welch' ein Selbstbetrug und welche Blindheit offenbart sich in dieser ganzen Tragödie. Ihr zerstört Jerusalem und wollt euere Hände in Unschuld waschen über — dem armen Lehrer! Was soll dieses Spiel! Haltet ihr das Publikum wirklich für so naiv, daß es glauben könnte, es sei einem Lehrer pl ötz l ich, in einem Augenblicke gelungen, Jerusalemer Kinder in öffentliche Sabbat-Schänder zu verwandeln, daß es plötzlich, in einem Augenblicke gelingen könne, alles religiöse Gefühl und alle Ehrfurcht vorder Heiligkeit des Sabbats, die so unendlich tief im Herzen jedes jüdischen Kindes wohnen, mit der Wurzel auszureißen und es zur Abschüttelung aller religiösen Bindungen, zur Auflehnung und zum furchtbarsten Trenbruch zu bringen? Auf daß ein solches Werk gelinge, dazu genügt nicht die Arbeit eines Augenblicks, eines Tages, eines Monats und eines Jahres! Nein, diese unglücklichen Seelen sind trefflich bearbeitet worden, bis sie sich dazu ausschwangen, ohne Zagen und Zittern mit kühnem Herzen ihren Eltern, ihren Familien, Jeruscholajim, allem Ehrwürdigen und Heiligen den Rücken zu kehren. Dieses ErziehungSergebnis kann nur die Frucht wohl überlegter Arbeit tüchtiger Werkmeister während einer ganzen Reihe vo'n Jahren sein, und wer anders sind diese Werkmeister, wenn nicht ihr, wenn nicht eure Schulen, wenn nicht eurr Erziehungs-System! Mit tätlichen Giften habt ihr diese Kinder vergiftet, mit diesen Giften ihre reinen Seelen viele Jahre hindurch ohne Unterlaß betäubt. Nun, da der ein geimpfte Giftstoff nach außen durchsickert und sein Unheilwerk vollendet, nun steht Ihr mit ängstlichen Gesichtern da, ob irgend eines Lehrers, der — nicht Politiker genug ist. - Denn nichts weiter als Politik ist euer ganzer Unwille. Dieser Lehrer hat nichts getan, was nicht eurem innersten Wollen entspräche, er war nichts als euer Bevollmächtigter, nur daß er etwas weltfremd gehandelt hat und nicht weiß, daß es Dinge gibt, mit denen man wegen des Augenscheines vorsichtig sein muß, der Arme! Glaubet nicht, daß es euch gelingen werde, der Welt Sand in die Augen zu streuen. Nicht von dem Lehrer wird die Stadt Jeruscholajim