Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 63 (1922)
- Issue
- Heft 18 (4.5.1922)
- Date
- 1922-05-04
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2450189-2450206--69724-2526933- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
4. Mal 198» zwei Geistliche7 und zwei Lehrer. Die übrigen Angeklagten sind teils Fabrikanten, teils Händler. Zur Verteidigung sind 24 Rechtsanwälte aufgeboten worden. Da man einen starken Andrang zu den Verhandlungen erwartet, soll der Prozeß in einem Theatergebäude stattfinden. (I. C. B.) ein 5kd ifchenfali bei der Reauififion von Synagogenfdimucfe. Kiga- 28. April. Aus Odessa wird berichtet: Hier ist während der Requisition von Schmuckgegenständen für die Hungernden in einer jüdischen Synagoge ein Streit ausgebrochen, der in Zusammenstöße ausartete, in deren Verlauf der Rabbiner Feinberg getötet wurde. Einzelheiten fehlen noch. (J.C.B.) Rote ölutmSrcben. MosKan, 25. April In den Straßen Moskaus wäre es um ein Haar zu einer blutigen Judenhetze gekommen infolge eines Mißverständnisses der Straßenpassanten. Kurz vor den Feiertagen trug einer von den jüdischen Friedhofsbeamten die Leiche eines an Lungenentzündung verstorbenen jüdischen Kindes, wie das hier jetzt üblich ist, einfach in einem Tuche zum Friedhofe. Vorübergehende, die den Inhalt des Paketes werkten, schlugen Lärm. Sie behaupteten, daß die Juden ein christliches Kind hier zu Grabe trugen, dessen Blut sie für das Osterbrot gebraucht hätten. Nur dem energischen Einschreiten der Sowjet- Polizei war es zu verdanken, daß es zu Blutvergießen nicht kam. Es war eine gute Idee vcn den bolschewistischen Behörden, sofort an Ort und Stelle von Aerzten und auch russischen Geistlichen feststellen zu lassen, daß es sich um ein jüdisches Kind handelte, das eines natürlichen Todes gestorben war. Es dauerte aber noch lange, bis die erregten Gemüter zur Ruhe kamen. Ein Beweis, daß auch der Bolschewismus vor Dummheiten und Aberglauben nicht schützt. Schwei;. Ordentliche öerneindeDerfammlung. Zürich, 28. April. Die am 23. April stattgehabte Gemeindeversammlung war gut besucht. Aus dem Bericht deS Vorstandes ist zu entnehmen, daß die Gemeinde zurzeit, 736 Mitglieder zahlt. Der Bericht der Synagogen-Commission wird in der Diskussion kritisiert. Als Mittel gegen die Unruhe in der Synagoge wird Abkürzung des Gottesdienstes (?) beantragt. Auch die Jahresrechnung findet in der Debatte lebhaft Kritik. Auf Antrag Farbsteins wird der Eintritt der Gemeinde in den „Hilfsfond der Juden für die Schweiz" mit dem Jahresbeitrag von 5000 Francs beschlossen, mit der Begründung, daß die Kriegsfürsorge nach Lage der Dinge noch nicht eingestellt werden könne. Die Neuwahl des Vorstandes ergab zunächst die Wiederwahl des Präsidenten Dr. Charles Bollag. Ebenfalls wiedergewählt wurden die Herren W. Simon, Seligmann Meier, Alfred Braunschweig und neugewählt die Herren Dreyfuß - Nordmann und Julius Bollag. Es wurden dann die einzelnen Kommissionen zusammengesetzt. — Von der Tätigkeit des Gemeindebundes ist der Punkt besonders hervorzuheben, der sich auf die Ermöglichung der Beschaffung von Koscherflrisch trotz des Schächtverbotes bezieht. Ein Böyhott gegen die „ITIorning-Pofl". London, i. Mai. Das hiesige Wochenblatt „Jewish Guardian" empfiehlt "den Juden Englands, die antisemitische „Mörtting-Post" Wegen ihrer unfairen Hetzpropaganda zu boykottieren. Durch einen solchen demostrativen Protest wird die öffentliche Mei- Der ISraeltl. _ nung der Welt auf die Hetztaktik der Morning- Post gelenkt werden. (I. C. B.) Aus dem Board of Depufies. London, 27. April Auf dem Meeting des englischen Bord of Deputien, welches letzten Sonntag stattgefunden hat, erklärt Lucien Wolf, Litauen ist nicht durch ein Friedensabkommen, sondern durch ein Versprechen an den Völkerbund gebunden, den Minoritäten im Lande besondere Rechte zu gewähren. Der Redner gab der Hoffnung Ausdruck, daß der litauische Sejm den Verfassüngsentwurf über die Minoritätenrechte annehmen wird. Sollte dies nicht der Fall sein, würde Litauen gezwungen werden, auf seine Mitgliedschaft im Völkerbund zu verzichten. Im wetteren Verlauf seines Referates berichtete Lucien Wolf über die Resultate der Wahlen für die rumänische Kammer, in die bekanntlich 7 jüdische Deputierte gewählt worden sind. Sir Stuart Samuel, der den Vorsitz im Meeting sührte, gab eine Erklärung ab, daß er seine Kandidatur zum Vorsitzenden des Board nicht mehr aufstellen lassen werde, da er die Notwendigkeit einsieht, jüngeren Personen den Vortritt zu lassen. Hierauf kam die Frage der in England wohnenden russischen Emigranten zur Verhandlung, und zwar im Zusammenhang mit der Erklärung der Sowjetregierung, daß alle Russen im Auslande, die sich nicht bis zum 1. Juni d. I. in einer sowjetischen Gesandschaft registrieren lassen, ihre russische Staatsangehörigkeit verlieren. Auf dem Meeting wurde hervorgehoben, der Verlust der Staatsangehörigkeit werde viele Personen in eine unangenehme Lage bringen. Man konnte sich jedoch nicht entschließen, den russischen Juden in England zu raten, sich durch eine von England nicht offiziell anerkannte Regierung registrieren zu lassen. Nach Erledigung einiger minderwichtiger Fragen, wurde oer gegenwärtige Board of Deputies als aufgelöst erklärt. Das nächste Meeting wird sofort nach den Neuwahlen einberufen werden. (I. C. B.) Amerika. SUr die Ratifizierung des Paiftftina-lTIandafs. Resolutionen in den amerifcanifdienlParlamenten- Wew-Hork, 20. April. Die öffentliche Meinung in den Vereinigten Staaten schenkt neuerdings der Palästina- Frage besondere Beachtung. Eine der ersten Wirkungen dieser wohlwollenden Haltung der amerikanischen Presse war die Gründung eines Komitees, das den Zweck verfolgt, die Ratifizierung des Palästina-Mandats zu beschleunigen. Dem Leiter des Komitees, Professor Albert Putney vom Diplomatischen Seminar in Washington, ist es in kurzer Zeit gelungen, hervorragende nichtjüdische Amerikaner — Geistliche, Politiker und Publizisten — für die Frage der Ratifizierung zu interessieren. Bevor das neue Komitee an die Oeffentlichkelt trat, hatten alle jüdischen Organisationen der Vereinigten Staaten auf einer gemein- Tagung einstimmig einen Beschlnß gefaßt, der die Solidarität der amerikanischen enden für Palästina zum Ausdruck brachte. n der letzten Woche waren die Bemühungen der Palästina-Freunde so weit gediehen, daß einflußreiche Mitglieder des Senats eine parlamentarische Aktion elnletteten. Gegenwärtig liegen dem Kongreß und dem Senat zwei gleichlautende Resolutionen vor, die die „innerste Zufriedenheit" beider Körperschaften mit dem Wiederaufbau Palästinas zum Ausdruck bringen. „Im Namen des amerikanischen Volkes — heißt es im Schlußsatz — gibt der Kongreß seine Zustimniung zu einem Unternehmen, welches dem Christentum zur Ehre gereicht und durch welches den» Hause Jcmcl die lange vorenthal- Ar. 18 Seite 5 tene Gelegenheit geboten wird, im alten jüdischen Lande von neuem ein fruchtbares jüdisches Leben und eine Kultur zu schaffen." — Aus Kreisen, die dem Weißen Hause nahe stehen, verlautet, daß die Resolution günstige Aussicht auf Annahme habe/ zu ihren Verfechtern gehört auch Senator Lo.d.ge, der Vorsitzende des Senatsausschusses für auswärtige Angelegenheiten. (Ziko.) Vermischtes. Berlin, 28. April. Zu der bereits mitgeteilten Eingabe der Rechtsparteien über die „Verjudung der deutschen Genua Delegation" schreibt der „Vorwärts": „Wir sehen, es handelt sich in Genua um eine Vergnügungsreise mit gemütlicher Unterhaltung, an der teilzunehmen eine Bevorzugung bedeutet. Gleichzeitig berührt die Anfrage aber das Problem der Gleichberechtigung aller Menschen, die doch jetzt verloren zu gehen scheint. Es gibt naturgemäß mehr Dumme als Kluge in der Welt. Die Bevorzugung der Klugen oder irgendwo Hervorragenden ist einer der vielen Nachteile des parlamentarischen Systems. Das hätte bet der Auswahl der Delegationsmänner berücksichtigt werden müssen. Wte die Borkrtegs- und KrtegSzeit beweist, läßt sich Politik recht gut von Männern betreiben, die unter dem Durchschnitt begabt sind. Selig sind, die geistig arm sind". Cassel, 20. April. Ein Kuriosum aus Cassel. Unter diesem Titel wird uns geschrieben: Seit einiger Zeit besteht hier eine jüdische Elementarschule, gewiß sehr schön/ aber am wird Unterricht erteilt und der Sonntag ist schulfrei. Die Kinder tragen ihre Bücher zur Schule und aus der Schule/ auch mancher andere rott> dürfte dabei unvermeidlich sein. Eine Familie, deren Kind neulich schulpsitchtig wurde, sah sich daher in der merkwürdigen Lage, ihren Kleinen die christliche Schule, die 7i2tp-Dispens erteilte, besuchen zu lassen, da es ihr zu komisch erschiene, an einer ^jüdischen Schule Befreiung vom Unterricht am verlangen zu müssen. Mönche»», 21. April. Der „Verein Jüd. Landheim Wolst aishausen" hat in seiner kürzlich ftattgefundenen GeneralversammlungmUBesriedigungkvnslatleren können, daß das nunrnehr abgelaufene erste Geschäftsjahr eine erfreuliche Entwicklung des jungen Unternehmens gebracht hat. Es haben im Sommer und Herbst 192t 184 Kinder mit durchschnittlich 20 Verpflegungstagen im Heiin Aufnahme gefunden. Von diesen Kircdern haben über ein Drittel halbe oder ganze Frei plätze innegehabt. Der Verein hofft nun, seinem Ziel, gerade Kindern deS Mittelstandes die Wohltat einer Erholung zuteil werden zu lassen, immer näher kommen zu können und hat zu diesem Zweck einen eigenen, besonders verwalteten „Fonds für Freiplätze" geschaffen. Aus diesem Fonds sollen auch für solche, die einen Teil des Pensionspreises zahlen können, ein entsprechender Zuschuß geleistet werden. Der Verein hofft, daß die Gönner und Freunde, die er sich bisher erworben hat, gerade für diesen »nenschensreundlichen Zweck gerne und reichlich spenden werden. Jeder Kiydersrennd sollte es als eine besonders schöne Tat der Nächstenliebe verzeichnen, einem schwächlichen und erholungsbedürftigem Kind einen Aufenthalt in» Landheim Wolsratshauserr ermöglicht zu haben. Srieflasten. A. S. Nunwes in Königsberg. Nummern arlS dem Jahre 1903 sind leider nicht mehr tn unserem Besitz. Frau M. I. L. kn Darmstadt. Es ist hier bekann», daß die heutige Schlagsahne einen Zusatz von Gelatine enthält und sie wird daher von allen, die es mit dem Rituellen genau nehmen, nicht genossen. Wir danken Ihnen für die Mitteilrrng Ihrer diesbezüglichen zweifelsfreien Feststellung. I. Sch. in Bechhofen. Die .deutschen Daten lauten: 1. 26. April 1670, 2. 28. März 1870. Frankfurter Berichte. Oerieralversammkimg. Die Agudas Jisrvel-Jugen-gruppe hält ihre diesjährige Generalversammlung Sonntag, den 14. Mal (17. Jjar), abends 7>/, Uhr präzise, Hanauerlandstrahe 17, ab. Tagesordnung: 1. Tättgkeitsberlcht, 2. Kaffenbericht, 3. Wahlen, 4. Verschiedenes. Aas ALeshamidrasch, Hfiendsirasre Das BeShamidrasch, tn dem täglich gebetet und gelernt rvird und das auch die Schnetversche Jeschirvoh beherbergt, hat jetzt als Eingetragener Verein alle Veretnsrerhte erworben. Aus der Mitte der Beshamidrasch-Jünger werden geeignete Kräfte zu o'tamtP Herangebtldet, von denen bereits einige zur höchsten Zufriedenheit in größeren Gemeinden »oirken. Zur Zeit haben »vieder zwei