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Der Israelit · 1922-04-11 · Heft 15-16 (11.4.1922) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
63 (1922)
Issue
Heft 15-16 (11.4.1922)
Date
1922-04-11
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 3 Nr. 15 u. 16 Der JSraeltt. hat sich ihre Entschließung Vorbehalten, doch scheint es keinesfalls, daß das Schicksal des ganzen Gesetzes von dieser unseres Erachtens nicht sehr bedeutungsvollen Abstimmung abhängen wird. Auch das Zentrum muß sich klar darüber sein, daß für die Praxis wenig darauf ankommt, ob in, dem etnlcitei den Paragraphen der Grundsatz der Gleichwertigkeit der drei Schulgattungen (Gemeinschaftsschule, Bekenntnisschule und bekenntnisfreie Schule) feierlich proklamiert wird, oder ob man in dieser Prestigefrage ein Zugeständnis an die im Plenum über die Mehrheit verfügenden Parteien macht. Die Hauptsache sind die praktischen Bestimmungen des Gesetzes, bei denen sich die Wahrung der Lebensinteressen der Bekenntnisschule viel leichter durchsetzen läßt als in einer demonstrativen Einleitungsformel. Andererseits ist die demokratische Behauptung, die gleichmäßige Bewertung der drei Schu'lgattungen sei verfassungswidrig, vollkommen unhaltbar; denn indem Art. 146 Abs. 2 „auf Antrag der Erziehungsberechtigten" die für „alle gemeinsame" Grundschule zur Bekenntnisschule werden läßt und das „Nähere" der Reichs- und Landesgesetzgebung überträgt, wäre es lediglich Formalismus, wenn diese letztere sich nicht auf den durch den Absatz 2 geschaffenen Rechtsboden von vornherein sollte stellen dürfen. Wir möchten also glauben, daß vorläufig für keine Seite ein ausreichender Grund bcsteht, die Flinte ins Korn zu werfen und auf eine Verständigung zu verzichten. Die weitesten Kreise, nicht zum wenigsten die religiös-gesinnten, haben ein dringendes Interesse daran, daß unser Schulwesen endlich wieder auf feste Grundlagen gestellt und den religiösen Gemeinschaften die Möglichkeit für eine zielbewußte konfessionelle Schulpolitik im Rahmen der Reichsgesetze geschaffen wird. Was macht die „Gesamtorganisation 1" Das verhängnisvolle Fortschreiten der Geldentwertung in Deutschland läßt das Problem der Lehrer- und Beamtenbesoldungen für die jüdische Gesamtheit zu immer bedrohlicherem Ernste emporwachsen. Wir haben in den letzten Wochen wiederholt darauf htngewiesen, daß der von der „Freien Vereinigung" und dem „Bund gesetzestreuer Gemeinden" eingeschlagene Weg öffentlicher Sammlungen zwar eine unbedingte Notwendigkeit für den Augenblick ist, aber keine dauernde und halbwegs genügende Hülfe verheißt. Das wissen auch die genannten Organisationkn sehr gut und haben es oft und deutlich ausgesprochen. Helfen kann nur ein neuer Geist in den einzelnen Gemeinden und in zweiter Linie die Zusammenfassung dieser Gemeinden zu öffentlich-rechtlichen Verbänden mit Steuerrecht im Sinne der neuen Reichsverfaffung. Aus der Erkenntnis dieser Notwendigkeit ist der „Bund gesetzestreuer Geminden" geboren worden, der sich von vornherein bereit erklärt hat, durch Bildung einer gemeinsamen Finanzdelegalion mit dem analog anzuerkennenden „Deutsch-Jsr. Gemeindebunb" und etwa sonst noch vorhandenen oder zu bildenden Gemeindeverbänden die Zusammenfassung der Steuerkraft aller deutschen oder der preußischen und hessischen Gemeinden für die Zwecke einer würdigen Beamtenbesoldung zu ermöglichen- Daß der D. I. G. B., von unbegreiflichem Dünkel verblendet, diese ehrliche Bereitschaft zur Zusammenarbeit ignoriert und bis zur Stunde — entgegen der besseren Einsicht einiger seiner nicht-zionistischen Führer — das schriftliche Angebot der orthodoxen Organisationen unbeantwortet gelassen hat, soll hier lediglich als charakteristisches Symptom für den Geist des neuen D. I. G. B. festgenagelt werden. Dieser D. I. G. B. hat nun vor einigen Wochen ein seltsames Rundschreiben an seine Bundesgemeinden gerichtet, das den Jahrestag seiner Bundesversammlung vom 23. Januar 1921 stiern soll, und das dabei doch ziemlich elegische Töne anschlägt. Es wird darin der „unwahrscheinliche Fall" erörtert, daß die neue Verfaffung von „der Regierung nicht genehmigt" würde, und es werden im Gegensatz dazu frühere Erklärungen der Regierung erwähnt, die Staatszuschüffe für leistungsschwache Gemeinde in Aussicht gestellt hätten, sofern nur ein Organ für die Verteilung vorhanden wäre. Einem neugierigen Frager, der im ^Hamburger Familienblatt" den D. I. G. B. interpellierte, was die Regierung denn an der neuen Verfassung des D. I. G. B. auszusetzen habe, ist bisher eine Antwort nicht zuteil geworden. Wir wollen vorläufig nicht indiskret sein und dem D. I. G. B. unsrerseits nicht vorgreifen, obgleich er diese Schonung wahrlich nicht verdient hätte. Kann sich ja auch der erwähnte Fragesteller, offenbar ein warmer Freund des D. I. G. B., das kindliche Vergnügen nicht versagen, wieder einmal die Orthodoxie zum Sündenbock zu machen und frisch von der Leber weg zu insinuieren, es seien bet dem bisherigen Mißerfolg des D. I. G. B. orthodoxe „Jntriguen" im Spiele. Die Vermutung, daß es die 'orthodoxen Organisationen seien, die mittelbar oder unmittelbar der Verleihung der Oeffentlichkeitsrechte an den D. I. G. B. im Wege ständen, ist nun gänz- _ MAyMISW lich irrig. Im Organisationen haben sich zu ihrem Teile-r.eWch bemüht, die Bedenken der zuständigen Regierungsstellen zu zerstreuen, weil das Gesamtheitsiutrreffe die gleichzeitige Erfassung sämtlicher Gemeinden durch zwei paritätische Organisationen erfordert. Und es wäre unsres Erachtens für den D. I. G. B. ein Leichtes, durch Satzungsänderung die bestehenden Bedenken aus dem W.'ge zu räumen, sofern er sich nur von. gewissen Einflüssen befreien wollte, die diese Äenderung, zugleich aber auch die Zusammenarbeit mit den orthodoxen Organisationen verhindern.;• Fm Interesse der notleidenden Beamten mnd der Gemeinden selber möchten wir hoffen und wünschen, daß der Tag dieser Befreiung von einseitigstem, unduldsamstem Parteigeist im D. I. G. B. recht bald Herandämmere^ Hilfsaktion der Agudas Zisroel für die hungernden Srüder in Sowjet-Rußland. Wie«, 7. April Der Geschäftsführende Ausschuß der Agudas Jtsroel hat beschlossen, namens des Zentralrates an sämtliche Landesorganisationen der Agudas Jisroel die Aufforderung zur Veranstaltung von Sammlungen für die dem Hunger preisgegeben jüdischen Kreise in Sowjet-Rußland ergehen zu lassen. Durch unmittelbare Berichte ihrer Vertrauensmänner in den Hungergebieten , ist „Agudas Jisroel" über die aus den Nachrichten der Zeitungskorrespondenten bereits bekannte katastrophale Lage in ihren besonderen Auswirkungen auf die jüdische Bevölkerung unterrichtet worden undes bieten sich genügend Mittel und Wege, helfend einzugretfen, sobald die finanziellen Voraussetzungen dafür-geschaffen werden. Die Veröffentlichung eines Aufrufes seitens des deutschen Gruppenverbandes steht bevor. * In diesem Zusammenhang sei auf eine in englischen Blättern veröffentlichte Mitteilung Dr. Jochelmanns, des Präsidenten des englisch-ukrainischen Hilfskomitees, hingewiesen, wortm es u. a. heißt: „Die Lage ist so schrecklich, daß jüdische Männer, Frauen und Kinder zu Hunderten täglich sterben und haufenweise in großen Gräbern bestattet werden. Aus einer Mitteilung, die mir soeben von Dr. Kholod ny, dem Beauftragten des Roten Kreuzes in der Ukraine, empfangen habe, entnehmen wir, Aktuelles zum peffachseste. Bon A. Manny imer in Dettelbach. lSchlusi.s Es ifr lewer nicht selten, daß a-viiium: ihk- ÜtjaUo nehmen nnt limi Pesach versäumen, ^ltm Teil man auch Die Annahme abwalren, es habe ver Fächer ItPf: rt&af-frmbprt. Kt hnritMT die igepslogenheil mancher verständiger Bäcke>'meister. die ihre 'Jluh: mit Dem Anfdnnlstempel versehen: Mn den fixe ist noch »-ich* '-»--NN"'",?" BUm (£<inflorbsondern vereinige nuiii sämtliche Rollen oder Pa tete umer ein Tuch oder großes Pa vier, atlch das Mazzc-meh! und die sogenannien ..Lcbeinnrim"! Ta manche Tamilien am Erev Pesach schon zn Mittag Mazzos ,iu >>i lösten verwenden, so ist auch hier wieder di? Mnbnimo nm Platz? '"äckichst Wifi nS* zu nehmen, lleberhaupt ist es ratsant, sich für diesen Tan einen 'Zettel zn "Je ot i^eit de reit ,yt k’flcu, damit man Notwendiges besorgen vergisst. ' Bo nun; bei spielsweise auch iuk- Enttort'en der Weinflaschen am 21c lv 2*iy geschehen, da die Siegelschrift am Jomtom , selbst nicht gebrochen werden darf; das wäre ,Ber- > laschen von beschriebenem." Mindestens brave man also die Lchrisl ab; das Entkorken darf daun auch nm ja ielbn an, rer ftnt finden. — Haar schneiden, Nägel abnehmen.besorge man ebenfalls am Pvrmittng. Es ist falsch, über Matronen oder sonstiges Gebäck aus Kartoffelmehl, Eier, Zucker und dgl. 'j’ö X112 ruiTO iaaen, da doch kein Mebt der bekannten fünf ltzetceidearten da,zu verwendet wurde, aisv hier Aknzzomehl, Gewohnheitsgemäß oder irrtümlich geschuht dies esl sogar von Gefevestunbigen. Plan spricht nur die H'H2 72'ir> und hierauf die „kleine Racbbrocho." Ein ähnlicher Jehler wird mitunter damit begangen, dotz man ganz NL2 beim Mazzogenutz asttzer LN'? »-och dl" Rr-ncho natä r£’2,x V? sank, "--tztere hat wegznbleiben: dennder Mazzogennß ist uns n u r für den Lederabend Pflicht, gemäß dem Latze tu. B. w? 19. 18) r’ttc v?r»s*F 3*ijn, Av?nde will ihr Mazzos genießen." Es ist mithin unrichtig zn iaa-n: ..der un<» s'ps"c>l«.„ gnt, zu pssen" ltienn dies nicht znlrifft. Will sich jemand gang Pesach von Jleisrh. Eiern, .nartofieln ete. ernähren, w ist das ihm gestaltet und seine Lache. Er maß nicht --ssen darf rur kein |»cn genieb-n. Daß d^r Lederlisch schon bei Tag gerichtet sei, ferner die "Anordnung all' der Lvmbole, die ihn zieren, das alles iveist jede Pa gada ans. Pier sei nur folgendes Alan tann dreierlei Mazzos nnlerscheiden: die allgemeine, welche uns ganz Pesach zur Rahrnng dchnt, die sogenannten Mizwos, die eigens zum Lederzweck gebacken wurden, und die sogenannten Lcheninriin, welche man schon vom Ernteschnitt an in "Acht nahm, d. h., lvv malt das Getreide gleich am Erntetage heiinsuhr. ' Letztere sind die besten, natürlich auch teuersten. In der strengen Put vor dem Lünern sind aber alle;> Lorten gleich. Ta man ver pflichtet ist, eine Olivengröße von den Mazzos aus der Lederschüssel zn genießen, so empfiehlt es sich, doppelte Garnituren zn nehmen, also anstatt drei l> Ltück, namentlich bei größerer Tafelrunde. Eine Olivengröße entspricht dem Inhalt eines halben Eies, ivvber man sich die Mazzo iticht als Ltück, sondern 51t sammettgepreßt zu genanntem Ptaß zu denken hat. Tas gleiche Maß gilt für den Genuß von Bitterkrant »»t, jö-p-SN. Dtz>,m Wein müff’n I'Z. Eigröste sassen; Likörglüschen sind daher ungeeignet. Man trinke jedesmal mtndest-ns das 211 aus r>. h. den größten Teil. Unrichtig ist, was manche glauben, man müsse auch jedesmal vom Becher des in'7X ge- Als -itb benutzen mir lm aNnpmelnen ^aUlcki d. i. jungen Lalat. Gut gekaut, zeigt er Bitterkeit: besser ist dies noch bei Kopfsalat der'Fall, der dickere Rippen besitzt, "vtan könnte auch den grünen Aus schlag an Aceerrettichstangeu verwenden; doch erhält es danon st'lmn sonkl als der iwr ausmackt. Zu verwerfen ist die immer noch zutreffende Gepflogen heil, O.nerschnitte des Meerrettich zu verwerlden, schon aus Gesundheitsrücksichten. Den zur N2'72 (Zusauiweniasspn non Mazzo mi" 7-^Vs benützti-n ofricbenen Meerrettich lasse man so lange verdunsten, bezw. ver riechen, bis er die Panptschärse verloren, Nur sl> lann man das vorgeschriebene Quantum Ei> richtig genießcil. Es ist selbstverständlich, daß weder der Lattich noch geriebene iinv mit Essig angeimuljl werden darf. Völlige Unklarheit trifft man oft über die Bedeutung des CB'72, des Einiauchens von Petersilie cn Salzwasser oder Essig. Gar zu leicht legt inan den

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