Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 63 (1922)
- Issue
- Heft 13 (30.3.1922)
- Date
- 1922-03-30
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8 No. 18 Der JSraeUr. Kurze Geschichten aus -.Zeruschalmi". ii. Rabbi Jochanan wurde auf dem Wege zum Lehrbause überfallen und seiner Barschaft beraubt. Im L hrhause stellte Rabbi Schimon, Sohn Lakisch, wie immer, halachische Fragen an ihn, die aber der Meister unbeantwortet ließ. Nach dem Grund seines Schweigens befragt, sagte Rabbi Jochanan: „Alle Glieder des Menschen hängen vom Herzen ab, das Herz aber hängt am Geldbeutel .. . Wie sollte ich mich sammeln können, wenn man mir mein Geld abqenommen hat?" Rabbi Schimon ließ sich den Tatort zeigen, wo sie die Räuber auch trafen. Schimon, der über Riesenkrcft verfügte, schrie sie so mächtig an, daß sie froh waren, das ganze Geld wieder herzugelen und sich aus dem Staube zu machen. Ula gehörte zu den Palästinensern, die nach Babylonien ausgewandert sind. Als seine Abschiedsstunde kam, weinte er. Die Schüler trösteten ihn mit dem Versprechen, daß sie ihn in der heiligen Erde Palästinas bestatten würden. aber sagte: „Es ist doch bitter, in der Fremde die Augen zu schließen. Wäre ich jetzt im heiligen Lande, so wäre es mir zu Mute, als stürbe ich im Schoße der Matter." « * * Rabbi Aktba merkte bei einem seiner Schüler eine starke Verstimmung. Heber den Grund beftagt, sagte er, er hätte sehr böse Träume gehabt, und zwar wurde ihm gesagt, daß er in Adar sterben und den Nissan nicht mehr erleben werde, daß er ferner nicht ernten sollte, was er säe. „Darüber sollst du dir keine Grdanken machen," sagte Rabbi Aktba. „Adar heißt im Aramäischen Glanz und Größe. Der erste Teil deines Traumes bedeutet also, daß du in „Adar," d. h. in Glanz und Größe dein Leben beenden und und nie „Nissan" erleben, d.h. niein böse „Versuchung" kommen wirft. Auck wirst du „säen und nicht ernten", indem du Kinder zeugen und sie nicht durch den Tod verlieren wirst.— Man soll sich eben von Träumen nie beunruhigen lassen, sondern sie stets zum Guten deuten." * * * Zu Rabbi Jose, Sohn Chalaftas, kam ein Mann und erzählte, er habe geträumt, eine Krone von Oklbaumblältern schmückte sein Haupt. „Du wirst groß und mächtig werden," sagte der Rabbi. Ein halbes Jahr später kam einßAnderer mit dem gleichen Traum zu Rabbi Jose, den er gedeutet haben wollte. „Du wirst Verfolgungen und Mißhandlungen ausgesetzt sein," sagte jetzt der Rabbi. „Ist es nicht der gleiche Traum, wie ihn mein Freund geträumt, warum die verschiedenen Deutungen?" fragte der Mann enttäuscht. „Die Träume sind wohl gleich," erwiderte der Rabbi, „aber sie sind zu verschiedenen Zeiten geträumt worden. Der Erste sah den Traum zu einer Zeit, da die Oelbäume in voller Blüte standen, du aber, jetzt, da man die Oliven vom Baume herunter holt und sie drückt und tritt, um Oel daraus zu gewinnen." Mftllösung. Weitere Lösungen des Rätsels in Nr. 11 sandten noch ein: S. Berger. München; Markus und Salomon Neuberger. Berlin; Adolf Wallach, Köln; Mor'tz und Abraham F>om, Harburg; Salomo Weyl, Isst Pfeifer, Düffeldorf; Josef Samuel Vogel, Bella Weinreb, Josef Oppenheimer, Frankfurt a. M.; Saltnka Schmetkes, Wien; Bella Teichmonn, M'zölobörge (Slowakei); Benno Wettzberg- Köln; Leopold Feig, Faluxatina; Israel Marmarosch, Bargo—Prund, Neu-Rumänien. Personalien. Emil v. Son Hamburg, 13. März. Eine öio an Den Abend ihres Lebens einer nur den Idealen des Judentums dienenden Arbeit sich widmende Persönlichkeit, ein edler Mensch, ein echter, treuer Iehudi ist mit Emil ü. Sott dahingegangerr, der am Abend zum 7. Adar plötzlich im 67. Lebensjahre starb, und den wir am 8. Adar unter ungewöhnlich großer Beteiligung zu Grade getragen haben. Erschüttert beklagt die Familie ihr geliebtes überhaupt, fchrnerzlich vermint unsere (Gemeinde den in vielen ihrer Wvhlfahrtsorgonisationert bewährten, arbeitssrvhen, warmherzigen Alaun, der ihrer Armen als Armenpfleger in vorbildlicher Weife sich angenommen, für ihre Waisen im Vorstand des Deutsch- Israelitischen Waisen-Institutcs liebevoll gesorgt und ihren ^tranken als Vorsitzender der Theresien-Stiftung ein nimmermüder Helfer gewesen ist. Unerseblich aber ist sein Verlust für den Teutsch-JSraeltrischen Shnagogen-Verband, dessen Verwaltung er über 2 Jahrzehnte angehörte, und dessen erster Vorsitzender er die letzten Jahre seines Lebens gewesen ist. Was E-i'll v. San für den Deutsch-Israelitischen Shnagvgen-Verband, diesen Träger des gesetzestreuen Lebens im Rahmen unserer Gemeinde, gewesen ist. bat unser Sfrtto b ST in seinem f>e!;ieb zum erqrtifenben Ausdruck gebracht. Er schilderte ihn im Anschluß an die Einleitung zun, Wochenabschnitt als den seelenreinen Mann, der die .Klarheit und Unzweideutigkeit in seiner öffentlichen Wirksamkeit über alles liebte, und, Olivenöl gleich, sich nie mit anderer Art vermischte, und so im Hause unseres religiösen Lebens als eine klare Leuchte erstrahlte, deren Licht auch das Dunkel einer schweren Gegenwart erhellte, schilderte ihn als den Mann, der nicht nur durch seine Arbeitskraft, feine Energie, feine Organisationsfühigkert und seine Gottesfurcht berufen war, das höchste Amt in der Verwaltung nuferer gesetzestreuen Gemeinschaft einznnehmen, sondern vor allein deshalb, weil ihn eine geradezu kindliche Liebe zum Lynagogen- Verband, und ganz besonders zu unserer Bornolatz- Shnagoge, deren musterhafte, die alten Traditionen init moderner Organisation vermählende Synagogen- Ordnnng seine Schöpfung ist, beseelte. Im Rahmen dieses kurzen Berichtes läßt sich eine umfassende Schilderung seiner Persönlichkeit, seiner Jüdischkeit, seiner Gesetzestreue, die nicht kontrastierte init einer im Verkehr mit Andersgläubigen sich bewährenden wunderbaren Toleranz, -- auch christliche Wohlfahrts-Organisationen hatten ihnr Ehrenämter übertragen — nicht geben. Die Tatsache, daß sein Wille, den Dienst im Heiligtum zu verrichten, die Krankheit seines Körpers über 3 Jahrzehnte bemeisterte, macht auch den Fernerstehenden deutlich, daß wir in Emil von Soneinen seltenen Mann verloren, dessen Andenken wir dankbar in Ehren, dessen Bild wir liebend im Herzen tragen werden, so baß wie bei unserm Lehrer Moses, der 7. Adar, der Tag seines Todes, uns immer wieder zugleich in erneuter Lebendigkeit vor die Seele sührt: das Wesen und das Wirken von Emil v. Son ^"s? Emil Baer ->^7- .Halberstadt, im Ador. Tie von freudiger Erwartung erfüllten Tage, die dem Puriin vorangehen, sollten unserer Gemeinde herbes Leid und einen schweren Verlust bringen. Am 9. Ador ist im 72. Jahr Herr Emil B a e r b"W hr-lmberufen worden. — Ein vorbildliches Leben, in dem Jfachars und Sebulons Wesensart vereinigt waren, hat mit diesem Heimgang ein jähes Ende gefunden, und die Lücke, die das scheiden Emil Baers hinterlarst, wird so, schnell nicht ausgefüllt werden können. Emil Baer entstammte einer alten Halberstädter _ Familie. von deren Frömmigkeit die Denksteine auf dein alten Friedhof unserer , Gemeinde erzählen; in den heiligen Traditionen seiner Vorfahren war er Hera »Gewachsen; sie wurden ihm die Wegweiser seines Lebens, und mit kindlicher Liebe hielt er ihnen die Treue bis zum letzten Atemzug. In der Umgebung der Halberstädter Rabbinen und der Rabbonim der zelaus gvoßgeworden. ward ihm die Thora das köstlichste Gut seines Leberts und die Beschäftigung tritt ihr seine liebste Betätigung. Seine Sabbate und Festtage waren seine Feierstunden, und die Ausübung einer jeden Mizwo war von Hingebung und Demut gegen seinerr Schöpfer erfüllt. — Nicht genügte es ihm jedoch, in den Raumen seines Hauses und tut streife seiner Familie dem Judentum eine geweihte Stätte zu bereiten. Seit Jahrzehnten stellte er ferne straft in den Dienst unserer Gemeinde und ihrer Jnstitutionert; mehr als 40 Jahre gehörte er der Gemeindeverwaltung und dem Kuratorium der Jüdischen schule an; sämtliche Chewrans besaßen in ihnr den treuesten Freund und Förderer ihrer' Interessen, und insbesondere die Chewroh Tiphereth Jeschnrun, die dem Thora-Lernen geweiht rst, verliert in ihnr ihren unermüdliche sorgenden Gabai. Aber der Blick Emil Baers verweilte nrcht nur bei den Anliegen seiner Heimat — er ging weit über 30. März 1832. ihre Grenzen hinaus; sein Herz schlug warm für die vielgestaltigen Interessen des Klall Jisroel, und seine allzeit offene und freigebige Hand half überall, wv die Not der Zeit Hilfe heischte. Ter Zusammenschlutz der Jereim, die Gründung der Agudas Jisroel erfüllten ihn mit edler Begeisterung, und sehnsuchtsvoll schaute sein Auge nach dent Heiligen Lande, dem seinganze Liebe galt. — Sein reiches Leben war von einem goldenen Optimismus erfüllt, der ihn nie verließ, und sein Scheiden in dem Monat der immer wiederkehrenden nationalen Freude war das große svrr das aus der Welt des Lichts auf sein Leben ausgesprochen lvnrde. Die Bestattung des Heitngegangenen vereinigte eine ilnposante Trauerversammlung. vor welcher Herr Rabbiner Tr. Js. Auerbach und Herr Dr. Emil Hirsch den schweren Verlust in tief 'ergreifenden Worten beklagten. — Jählings ist Emil Baer den Seinen entrissen worden; feine Gattin, die ihm durch ein langes Leben die treueste Gefährtin gewesen, beweint mit ihren Kindern den erloschenen Glanz ihres Hauses: der Geist des .Hauses aber lebt in den Häusern der fünf Söhne Emil Baers fort und möge fortdauern seinem Namen zur Ehr und zum ewigen Gedächtnis. n "sxjxs Vermischtes. Berlin, 13 März Antisemitische Ausschreitungen. Bet einer Kundgebung des Kartells des gewerblichen Mittelstandes, die gestern miltag im Lustgarten gegen die Ueberlastung des Mittelstandes mit Steue'n ein berufen worden war, versuchten rechtsradikale Jünglinge, ihre Hetzschriften gegen die Republik zu verbreiten. Auf den Protest der Versammlung »nutzten sie den Lustgarten verlaßen. Sie zogen nun, im Schmuck der Hakenkreuze, in Gruppen über die Linden nach dem' Westen zum Kur fürstend amm. Unterwegs pfiffen, johlten, iärmteu sie, belästigten alle jüdisch anstehenden Passanten, versuchten Stratzenbohnwagen und Droschken am Weiterfahren zu bindern und wurden gegen einzelne Juden handg'eifltch. Am Kursürstendamm, an der Ecke der Uhlandstratze, begannen sie eine Prüge ei mit einigen Ansländetn, die sie für Juden dielten. Die Schutzpolizei nahm die zehn Hauvtschreier und de anderen Beteiligten auf die Woche nach der Mommftnst atze. Dort wurde der Tatbestand zu Protokoll gegeben. Inzwischen haben sich mehrere Paffanten bei der Polizei gemeldet, die während des Marsches der jugendlichen Ruhestörer geschlagen wo»den sind. Die Akien sind beule vormittag der Abteilung 1A des Berliner Polizeipräsidiums zur.n» iteren Bearbeitung überlaffen worden, da gegen die Rädelsführer wegen Ruhestörung und Beamtenbeleidtgung gerichtlich vorgegangen werden soll. Das Kartell des gewerblichen Mittelstandes, an deffen Massenkundgebung gestern mittag im Lustgarten die Demonstranten le lnabmen, legt Wert auf die Feftste"ung, datz es mit den unliebsamen Ruhe- | störungen nicht in Verbinduna stehe. Athen, 21. März. Die Universität hat beschloffen, Georg Brandes die Würde eines voctor stonortk causa zu verleihen. Mühlheim a. M., 20. März. Herr Joseph Windecker aus Offendach a. M., stiftete jetzt für unsere 1914 neuerbaute Synagoge einen schönen Ofen, wofür ihm die ganze Gemeinde herzlich dankbar ist. Paris, 24. März. Die verstorbene Baronin Salomon v. Rothschild hat ihre gesamten autzerordentlich seltenen und wertvollen Kunstschätze dem Staat vermacht. Ihr Haus wird in ein Museum umgewandelt. Briefkasten. Langjähriger Abonnent. Die in Betracht kommenden Heime, wie zum Beispiel das Rothschildsche Altersheim, Frankfurt a. M., nehmen gewöhnlich nur Ortsansässige oder Personen aus der nächsten Rachbarschaft aus. Es dürfte wohl kanm ein anderer Weg gegeben fein, als der, datz Sie privatim durch Erkundigungen oder Zeitungsanzeigen eine geeignete Familie ausfindig machen. S. O in Gl. Zu nov bedarf es der Aufsicht, sonst nich». S. B. Wenn die Rätsel gut find, werden sie ausgenommen. K S- 236. Ihre Anfrage läßt sich nicht beantworten, da es selbstverständlich ntcht nur auf das Alter, sondern aus die Vorbildung, sowie vor allem auf die Leistungen ankommt. A. S. in K- Wir haben mit den gesandten 200 Mk. das Abonnement für I. N. in L. bis Ende 1921 beglichen. Für 1922 ergeht Rechnung Lebrer Sp. S. Sie wenden sich am besten an das Rabbtnat in Warschau, sowie an das Rabbinat in Radom. W. in L. Vollkommen einverstanden. I. M. in A. Der Barmizwohtag für den Jungen, der am 26. Januar 1910 geboren ist, ist am 2 F btuar 1923; für den, der am 20. August 1910 geboren ist am 28. Juli 1923. E. St. Purim vor 25 Jahren war am 18. März 1897. Frau M B. in W. Mit Ihrer Anschrift auf der Zahlkarte vom 2t. März sind wir etuve, standen. Rabbiner G. Meran. Hirschs Pemateusch ist augenbltckttch leider vergriffen.