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Der Israelit · 1922-03-30 · Heft 13 (30.3.1922) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
63 (1922)
Issue
Heft 13 (30.3.1922)
Date
1922-03-30
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Nr. 18 nes Aufmarschieren aller jüdischen Organisationen. Einheitsfront!! — Chawerim kol Jisroel! Wohlan! Diese Gelegenheit ist da? Jetzt muß sie ergriffen werden. Jetzt - - oder nie! Es darf keine Ruhe mehr in jüdischen Herzen geben, solange solche Zustände in unfern Gemeinden herrschen, solange es vorkommt, daß der jüdische Lehrer, der die Zukunft mitbant, heruntersinkt zu einem Lohnsklaven. Keine Ruhe - - bis der Lehrer überall das menschenwürdige Dasein hat, das er haben in u ß in der jüdischen Gesamtheit. Unsere Presse muß in diesen Kampf eintreten, den ganz Israel aufnehmen soll. Und w i r Ort h o d o x e n habe n die P f l i ch t i n vorderster Reihe ft e h e n! Wehe uns, wenn es jetzt still wird in der indischen Oeffentlichkeit? Wir schwanken ja schon mitten in der Katastrophe. Und wenn wir jetzt nicht retten, was uod) zu retten ist - wir alle in geschlossener Einheitsfront —, wann dann?, Mochennliidschau. Jewish Agency UN- AgUdaS AskSel. Aus den wiederholt hier entwickelten Gründen können und wollen wir uns auf eine fortlaufende Auseinandersetzung mit der agudagegnerffchen Presse an dieser Stelle nicht einlassen,- soweit es sich dabet um pathologische Kundgebungkn — wie etwa die chronischen Tobsuchlsansölle der „Wiener Morgenzeitung" — handelt, ist dieses Schweigen ja selbstverständlich. Aber auch die Polemik gegen das in den letzten Monaten etwas anständiger gewordene Berliner Misrachi-Organ scheint uns im allgemeinen zwecklos,- wo nicht mehr vernunftgemäße Erwägungen, sondern tiefwurzelnde Abneigungen die Feder führen, können literarische Diskussionen kein Ergebnis haben. Wenn wir heute eine Ausnahme machen, so geschieht es, weil die „Jüdische Presse" den von ihrem Standpunkte aus taktisch verständlichen Versuch unternimmt, aus der Forderung der Aguda nach gleichberechtigter Mitwirkung an der Jervish Agency fürdiemisrachistischeTheorie Kapital zu schlagen. Wenn die Aguda — so argumentiert sie — in der Jewish Agency mit „Apikorsim" Zusammenarbeiten will, so kann unsere (die misrachistische) Zugehörigkeit zur zionistischen Organisation kein religiöses Unrecht sein. Wir fühlen uns demgegenüber verpflichtet, in aller Off nbeit zu erklären, daß die Berett- _' Der JSraelit. schaft zu einer eventuellen Teilnahme an einer von der Mandatarmacht geschaffenen Gutachter-Behörde, wie sie die Jewish Agency darstellt, für „Agudas Jisroel" in der Tat ein in schweren inneren Kämpfen abgerungenes Zugeständnis bedeutet, zu dem die Leitung der Organisation sich ohne die halachtsche. Entscheidung des obersten rabbinischen Rates niemals für berechtigt gehalten haben würde. Diese religiöse Entscheidung ist nach tagelanger eindringlicher Ge wissensprüsung und gründlichsten Erörterungen im Frühjahr vorigen Jahres in aller Form und mit allen heute nicht zur Erörterung stehenden Einzelheiten erfolgt,- sie trägt u. a. die Unterschriften von Rabbi Chajim Sonnenfeld und Rabbi I. I. Diskin und wird, wenn einmal die Z'it zu ihrer Veröffentlichung kommen sollte, Zeugnis ablegen für den Ernst, die sittliche Größe und die Zionsliebe der Männer, auf die Agudas Jisroel als ihre Führer hinblickt. Hat es je einen Misrackisten gegeben, der vor seinem Eintritt in die zionistische Organisation erst die Entscheidung eines aus den anerkannten Größen der Zeit gebildeten rabbinischen Kollegiums abgekartet hätte? Wäre dem so, dann müßte doch der Widerspruch so vieler rabbinischer Autoritäten gegen den Misrachismus (trotz der Zustimmung einer relativ kleinen Minderheit) den Misrachisten mindestens soviel Herzklopfen verursachen, um sie von der beispiellosen, unwürdigen Bekämpfung und Herabsetzung der j-nen Autoritäten Folge leistenden ungeheuren Mehrheit der Orthodoxie, um sie von den dem Zionismus unausgss--tzt geleisteten H »ndlangerdiensten gegen die eigenen religiösen Gesinnungsgenossen zurückzuhalten! Was aber die Sache selbst betrifft, so gehört weniger Scharfsinn als vielmehr nur ein ganz klein wenia guter Wille dazu, um zu erkennen, daß der Analogieschluß der „Jüdischen Presse" ganz gewaltige Löcher aufweist. Nicht sowohl weil man mit „Apikorsim" überhaupt nicht zusammenarbeiten darf, ist der Misrachismus in den Augen der selbständigen Orthodoxie ein verhängnisvoller religiöser Irrtum, sondern weil die Misrachi-Fraktion durch ihr Fraktions- Dasein innerhalb einer religionslosen Volksorganisation die Majestät des Thoragesetzes über ganz Israel im Grundsatz preisgibt und die Thora zu einer Parteiparole werden läßt, weil aus diese Weise die Absolutheit der Gesetzesforderung dem Spiel des Parlamentarismus anheimgegeben und die junge Generation daran gewöhnt wird, in Kompromissen und gefälligem Relativismus auch auf dem Geb'ete 30. März 1922 der religiösen Wahrheit eine nationale Tugend zu erblicken. Müssen wir erst noch auseinandersetzen, warum die an England gerichtete Forderung der Agudas Jisroel dem ehrlich Forschenden keinerlei Rechtferttgungsgrund für die misrachistische Anschauung abgeben kann? Dom „Kermanenserum' Es ist diesmal kein Witz, sondern eine ganz ernste Sache — für die in Leipzig erscheinenden „Fa mitten gesch ich tltchen Blätter." Selbige Blätter unterhalten nämlich eine'„Zentralstelle" für Raffenschnüffelei, mit deren Resultaten sie allwöchentlich die Leser erbauen. Und diese Resultate sind nachgerade frappierend! Diebesten teutonischen Namen sind fürderhin keine Garantien mehr für ungemischtes germanisches Blut. Denn die „Zentralstelle" hat nach fleißigem Studium in qlten Kirchenbüchern festgestellt, daß im Jahre 1782 ein Jude Isaak Salomon nach der Taufe den Namen Johann Binder erhielt, ein Hertz wurde 1662 aus Eberhard Eh rt stop Ho rt getauft, ein guter jüdischer Schmuhl Michel Weil hörte seit seiner Taufe 1820 auf den Namen Damm und ein Israel ging 1698 als Christ an Friedrich .Constantinus aus der Taufe hervor. Die L ste geht weiter und enthält noch des Entfttzl chen mehr. Da gibt es Lewis, die sich einstens in Christian Leonhard, Moses, die sich in Stephan Martin verwandelt haben und so fort und so fort. Die armen Binder, Leonhard, Christoph ori! Wie wird sie der wildeste Antisemitismus fernerhin noch vor dem Verdachte des jüdischen Bluteinschiages schützen? Und wir haben sie doch jo neidlos der anderen Seite überlassen! Nach findiger ist allerdings die „Wiener Illustrierte Zeitung." Ganz ohne kirchengesch'östliche Atteste schreibt sie zur Frankfurter Goethewoche: „Sieht man Goethe an, diese vorguellkNdcn, dunkelbraunen Augen, düse an der Spitze gekrümmte Nase, diesen langen Oberleib mit den kurzen Beinen, dann haben wir ganz das Urbild eines Nachkommen Abrahams vor uns . . . Seine glühende Sinnlichkeit und ewige V-rliebthelt, seine unsittliche Lebensweise und fragwürdige Ehe, seine Feigheit den kriegerischen Ereignissen seiner Zeit gegenüber und noch manche andere Züge reden eine zu deutliche Sprache, als daß ein Mensch von unbefangenem Urteil sich der Ueberzeugung verschließen könnte, daß Goethe weit mehr ein Semite als Deutscher war." Wenn es einen Nobe preis für Raffensor'chung j in den F ühüng fallen. Zn diesem Zwecke glich man das kleinere Mondjahr mir dem längeren Sonnenjahr aus, indem man alle drei Jahre einen zweiten Monat ms hinzufügte. Wege » der herrlichen Schilderung des Frühlings im Hohenlied (Kap. 2) las man das Buch O'i'E'n warn Pessach und zwar am Schrbbos -iwisn bin. Zugleich ist dieses Buch in seiner homt erischen Ausdeutung durch Talmud und Mtdra'ch zur Grundlage des "r.infc am Pessäch genommen, wenigstens in den Haupneilen. Da am siebenten Tage nrs Israel durchs Meer zog. ist das Meeresiied — die rrw — dichterisch im Machsor verwertet; ebenso am letzten Tage. An jedem der acht Tage wird ein. besonderer Thora- Abschnitt verlesen, am siebenten Tage natürlich die rrvt? in Bemerkt sei, daß auch an den Halbfetertagen jedesmal zwei L'iSv ausgehoben werden im Gegensatz zu Sukkaus, wo man am nyiv-i Sin nur ein Sefer benüc-t. Ebenso sei darauf hingewtesen, daß am jyduTdas Mussaopftr sich täglich in der Zahl der darzubringenden Stiere änderte, jeder Tag also gleichsam einen besonderen 21L 2? darsteüte. Deshalb wird am Laubhüttenfe'te stets ganz bbn gesagt, am hdb hingegen, wo sich die Opfer gleich blieben, vom dritten Tage an nur halb-^.i. Ganz pr: fällt Tachanun weg. Da an den ersten zwölf Tagen einst die Weihe der Stistshütte stattsand und die zwölf S»ammfürsten ihre Opfer brachten, war jeder Tag ein 272 Lv. Es folgten bald die acht Tage NLO. Da nun der größte Teil des Monats in Freude verging, trägt ganz jL'2 freudigen Charakter. Jahrzeitsfasten unterbleibt ganz Nisan. Braut uno Bräutigam fasten, sogar am Bnrr Lwn, wenn an diesem Tage die Hochzeit stattfindet. Am Mittwoch — n»B — ist pb'tr>2N wy zu machen. Leider wird diese Einrichtung nicht überall Aktuelles zum peffachfeff. Bon A. Mannheimer in Deitelbach. I. Es dürfte kaum ein F-st geben, das so tief in unser häusliches und versönliches Leben eingreift, als Pessach. Das ganze Haus wird sozusagen umgekehrt durch das „Schütteln". Der Kenner des jüdischen Religionsgesetzes weiß, wie viele und dazu penible Vorschriften der Pessach bringt für unser religiöses Verhallen. Dafür lohnt er uns auch mit einer der schönsten und innigsten Feiern, dem Seder. Wenn um die festlich geschmückte Tafel und beim Hellen Lichterscheine sich die Familienglieder sammeln, wenn die traulichen alten Weisen erklingen und die bildergeschmückte H gadah im Mittelpunkte der Unterhaltung steht, so hinierläßt der Zauber einer solchen Familienfeier unverwischbare Spuren fürs ganze Leben. Leider kann nicht mehr in allen jüdischen Häusern von einer jüdischen Sederseier nach altem Stil und Schnitt gesprochen werden. Der gewissenhafte Lehrer wird zwar wochenlang schon an der richtigen Vorbereitung des Kindes aus den Pessach im allgemeinen und den Seder insbesondere arbeiten. Nicht selten gelingt es ihm auch, durch die Kleinen von der Schule aufs Haus zu wirken. Doch leider mutz gesagt werden, datz die Wirklichkeit oft gar zu sehr von dem Id ale absttcht. Gerade beim Seder zeigt sich das „Am-haarazus", die schreckliche Ignoranz der breitn Massen in bedauerlichster und bedenk tchster Form. Ein Lamdon oder auch nur ein Aenre^ der einschlägigen Vorschriften, der durch Zufall und Umstände gezwungen wäre, den Sederabend bei einem pxn oy zu verbringen, würde sta't echter und rechter Festesfreude nur Wehmut empfinden, ein nvry. Linkisch, kalt und flüchtig rollt sich das ganze Programm des Abends ab, die Mahlzeit bildet den Kern- und Angelpunkt, vielleicht noch einzelne Schlutzgesänge, die als Famtltentradition pietätvoll sich auf Sohn und Enkel vererben. Ost fehlt es freilich nicht am guten Willen. Es gibt gottlob noch Häuser, wo man dankbar ist für jedwede Art von Aufklärug und Belehrung. Wo hierfür Sinn und Verständnis vorhanden, müssen sie ausgenützt werden; wo der Boden günstig, säume man nicht die Saat zu streuen.. Man beginge sonst eine Unterlassungssünde. Wir wollen es versuchen, aus Grund langjäh iger Erfahrung und Beobachtung hier einige aufklärende Da'legungen und Vorsch isten mit Bezug auf das nahe Pessachfeft zu bieten, die manchem willkommen sein dürsten, der jüdisches Interesse und religiöses Gefühl besitzt, vielleicht auch frommen Sinn, dem aber das einschlägige Wissen mangelt. Wir beschränken uns auf das Notwendigste. Das Pessachfeft verdankt seinen Namen — Ueberschrcitungsfest — der Tatsache, daß Gott bei bet zehnten Plage die Häuser der Kinder Israel in Aegypten überschritt. Es ist zugleich ein Naturfest, 2*2Krt;n, Fest der Aehrenretfe und mußte unbedingt

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