Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 63 (1922)
- Issue
- Heft 12 (23.3.1922)
- Date
- 1922-03-23
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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Seile 2 fix. 7. * m »Ll (Ule r? haben beut Redakteur des „Doar Hajonr" erklärt, daß sie die Kompetenz der Delegierten^ Versammlung nur in dem Falle anerkennen werden, wenn im vorhinein erklärt würde: t. daß das aktive und passive Wahlrecht der Franca annulliert wird, 2. das;- die Deleqiertenversaminlnng für religiöse Fragen nicht zuständig sei. Unbeschadet des Kardinalpunktes im entworsenen Organisationsstatttt, daß die oberste Instanz der Gemeinden der „Waad-Leumi" sei, werden Fine Schriftgelehrten sich nunmehr vermut ich NM eine Klausel bemühen, die besagen soll, daß der „Waad-Leumi" mit religionsgesev.lichen Fragen nichts zu tun habe. In den modernen Landesverfassungen der jüdischen Gemeinden verschiedener S-aaken haben solche Formulierungen bekanntlich die größte Ralle gespielt. Sogar Rabbinerverbände kannten auf einheitlicher Basis gegründet werden, indem man sich verfassungsmäßig gegenseitig dazu verpflichtete, religiöse Fragen ganz oder teilweise von den Diskussionen a n s z u s eh a l t e n. Die Mitglieder des offiziellen Rabbinats haben pdvch in jüngster Feit soviel Festigkeit dekündet, daß man berechtigt ist, anzunehmen, daß es den politischen Drahtziehern im Lager der Charedim nicht gelingen dürste, sie wankelmütig zu machen. Auch der semrdische D der r ab bin er Jakob Meir hat sieh nachträglich dem Standpunkt Rabb. Kicks angesehlossen. Inzwischen ha; in dem großen Saale des Theaters „Zion" die feierliche Eröffnung der zweiten Session am Abend des achten Aoar startgefunden. Die Charedim und Misrachi haben den großen Versuchungen und Passionen anerkennenswerten Widerstand geleistet und sind nicht erschienen. Rur Professor Pick saß am P rä fr de n te n ti sch. In seiner Eröffnungsrede sagte D a v i d P e l l i n unter anderem.' Wir vermissen hier die Charedim, nur rufen ihnen aber zu: Kommt und nehmt eure Stühle ein. Ihr habt hier zu sein, und dürsl keine Spaltung zulassen! In Wirklichkeit fehle aber hier nur die P a r t e i der Charedim — „Charedim" gibt es auch unter uns. Im jüdischen Volke ist aber die Partei nicht die Hauptsache. Wir sind alte Glieder des lebenden Volkskörpers. Vom High Commissioncr ist sotgende Begrüßung eingetrosfen: „Ich sende meine Grüße dem „Waad-Leumi", der bevollmächtigten I n st a n z z u r W a h r n c h m u n g d e r inte r n c n I n t e r e s s e n d e r j ü d i s ch e n G e m e i n d e n in E r e z - I i s r o c l. Ich entbiete Ihnen meine besten Wünsche sür das Gelingen der Tagung." Von höchster Regierungsstelle wird hiermit iestgesteilt, daß es sich in der Hauptsache um die internen Angelegenheiten der jüdischen Gemeinden handelt. Yirleant consules! In einem Leitartikel warnt der offiziöse „Haarez" den Misrachi, daß er durch feine Lostrennnng von der Delegiertenversammlung, auch innerhalb der zionistischen Organisation als ein toter Körper betrachtet werden wird. „Der zionistische Kongreß wird an dieser beschämenden Tat des Misrachi nicht mit Stillschweigen Vorbeigehen. Der Kongreß wird darüber z ii G c r i d; l s i v e n u n d z iv i s ch e n M i s - rach, u ii d A gndas - Ii s r o e l k c t it e n U it t o r ] ch i c d in a ch e n." Diesmal hat es sich gezeigt, was es bedeutet, wenn die thoratreuen Anhänger des Iischuiv treu zu einander halten. Die konsequente Haltung des Misrad-Harabanuth hat wohl den "Ausschlag gegeben. Die Charedim sind nicht wankelmütig geworden. Die misrachiftischen Delegierten^ - das sott mit besonderer Geung- Uinng registriert werden — haben sich diesmal nicht der zionistischen Parteidisziplin unterworfen obwohl es keinem Zweifel unterliegt, das sie dieserhalb in ihrer politischen und prin-. zipiellen Betätigung peinlichen Berdachtigungenß und Anfeindungen seitens der zionistischen Heißsporne ausgesetzt sein werden. Verdächtigungen und Anfeindungen tun weh, auch wenn sie von Gesinnungsfreunden zugefügt werden. Wäre nicht jetzt der richtige Moment gewesen, ein Zusammengehen sämtlicher gcsetzestreuen Schattierungen in Jerusalem in die Wege zn leiten? Auch die Delegierten der Buchacim, Jemeniten und Perser haben sich durch ihre Abwesenheit bemerkbar gemacht. Man wird auch über die Renitenz der Chare'i'dim in den Beratungen sicherlich viel lamentiert haben. Man kann aber trotzdem schon heute das Urteil riskieren : Die II. Sessio n der "A s e s a t H a n i iv - ch a r i m hat gründlich versagt. D i e S ch e ch i n a h h a t n n f i h r nicht g e r u h t. II. Nie Ausgaben der Gruppenoerbände. In uns nahestehenden Organen;vird in jüngster Zeit des öfteren die Frage erörtert, ob der Gruppenverband der Agndas Iisroel in Deutschland auch tatsächlich den Aufgaben gerecht werde, die ihm in Deutschland selbst erwachsen. Es wird mit beredten Worten darüber geklagt, daß gerade Deutschland eine zu starke Onote seiner materiellen und geistigen Kräfte an das „Anstand" abgebe. Die Frage ist so ernst, daß man ihr ernsteste Beachtung schenken muß, von zwei Gesichtspunkten ans. Gewiß, es darf nicht verkannt werden, daß, als Agndas Iisroel entstand, in Deutschland bereits eine Fülle von Organisationen bestand, welche dem orthodoxen Leben itnd dem orthodoxen Wollen dienten: die Gemeinden, der Protoplasma .jeder Organisation, waren mit jenen Rechten, .Kompetenzen und Qualitäten ausgestattet, welche lokal ein Zentrum des religiösen Lebens gestalteten: die Freie Bereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums war ergänzend in manche Lücke getreten und hatte die geistige und materielle Hilfsbereitschaft der stärkeren für die schwächeren Potenzen lebendig in Erscheinung gebracht. Nach dem Krieg kam noch der Bund gesetzestreuer Gemeinden hinzu, um, den neuen Bedürfnissen aus dem Gebiet des staatskirchenrechtliehen Geschehens angepaßt, dafür Sorge zn tragen, daß zweifelsfreie Klarheit auch in der Zusammenfassung der Gemeinden und in ihrer Vertretung zum Ausdruck gelange. Das alles hatten die meisten Länder nicht, in denen Agndas Iisroel organisationsmäßig sich geltend machte. Es geht daraus hervor, daß dort die Aguda dem äußeren Anschein nach ein viel größeres, .viel reicheres Feld der Betätigung fand, Allein wenn man den Gedanken der Aguda auch nur einmal richtig ersaßt hat, muß sich ergeben, daß dem Grnppen-- vcrband in Deutschland, wenn auch in anderen Formen, genau dieselbe Ausgabe obliegt, lute jedem anderen Landesverband. Darüber noch ein paar Worte. Beansprucht "Aguda —- und das ist ihres Wesens Kern der Ausdruck von^x-iL" zu sein, so hat sie jedes jüdische Individuum als ein Organ der Gesamtheit zu betrachten, in jedem Juden die Identität von Mittel und Zweck zugleich zn erschauen, gebend und nehmend in jedem Juden sich selbst und jeden Juden in sich wiederzufinden, deshalb aber auch jeden Inden mit derselben ideellen und materiellen Fürsorge zn betreuen wie sich selbst. So muß denn in ideeller Beziehung zunächst die Erkenntnis errungen werden, daß Religion nicht Privatsache ist, die religiöse Konstikntion jedes anderen so wenig, wie deine eigene. Cs liegt an dem Mangel dieser Erkenntnis in größerem oder minder großem Umfang, daß es sogar innerhalb der Orthodoxie so viele Nuancen gibt. Erst au dem Tage, au dem diese Erkenntnis Gemeingut geworden sein wird, ist Aguda zu '?*nt£7*' a» ft zu einer Gemeinschaft im höchsten Sinne des Wortes gestaltet.- Und deshalb war es erste Pflicht der Aguda, daß die Juden der verschiedensten Länder einander kennen lernten, um feftzuftellen, was man zu empfangen und was man zu geben habe, um endlich einmal zu bezeugen, daß die Berank Wörtlichkeit vor dem Allmächtigen nicht an den politischen Grenzpfählen Halt macht, um die geistigen und irdischen Hilfstruppen dort einzusetzen, wo die Not es am dringendsten erheischt. Nun ist es — und damit kehren wir zu der eingangs erwähnten klagenden Frage zurück' zweifelsohne die Aufgabe jeder Ortsgruppe, ihre Glieder so zu ertüchtigen, daß sic in der Lage sind, jene Erkenntnis zu erfassen und zu bewähren. Sollte die Heimat eines jeweiligen Gruppenverbandes in dieser Hinsicht notleidend sein, so tritt zwar die Aufgabe der Aguda lokal in Erscheinung, ist aber doch ein Vorbereitungsstadium sür das Hochziel der Aguda. Nicht etwa bloß in dem trivialen Sinn des Wortes von der Rose, die sich selbst schmückend den Schmuck des Gartens darstellt, sondern in der klaren Forderung an jeden Aufrechten, jede gewonnene Erkenntnis, jede erprobte Fähigkeit den anderen, dem7-2 ^.O^ur Verfügung zu stellen. Es hat also Ortsgruppe und Gruppenverbaud jede Institution in der Heimat zu schützen und zu stützen, welche der Erkenntnis des Zusammenhangs der GesamtheitsaufgÄbe dient, und wo solche Institutionen in der Heimat fehlen, hat die lokale Aguda ihre Erstellung anzuregen und zu fördern. Nur hat Aguda in all diese Einrichtungen von vornherein ein treues Moment zu tragen, das des Vergleiches, der Methode und des erreichtet! Zieles, das Messen an dem Ideale und an den Bedürfnissen anderer Länder. Leviten und Kohanim hat Aguda zu erziehen, die das in« irrtet zum Inhalt all ihres Tuns machen. Und gerade von diesem Standpunkte aus entspricht es den tatsächlichen Verhältnissen nicht, wenn man meint, die Mitglieder des deutschen Gruppenverbandcs wären immer nur die Gebenden gewesen, sie wareit die Empfangenden, mehr als man glaubt. Es ist aber außerdem das ehrendste Zeugnis für die Orthodoxie des verflossenen Kampfjahrhunderts, daß die Glieder der deutschen Gemeinschaften der Orthodoxie so oft die Gebenden innerhalb der Aguda sein durften, nicht bloß mit hartem Geld. Noblesse oblige! P. K. Nie Landeekonferen, Der Agudas Iisroel in polen. (Fortsetzung.) Resolutionen betr Gemerndefragen. Die 2. Landeskonferenz der Szlome Emune Iisroel erklärt, daß die unverrückbare Richtschnur der jüdischen Gemeinde die Thora sein muß. Die Landeskonferenz stimmt den bisher unternommenen Schritten der Zentralleitung, die versucht hat, im Gemeindestatut Verbesserungen zu erzielen, zu. Insbesondere hofft die Konferenz, daß die polnische Regierung der Forderung, daß die Rabbiner nicht von den Gemeindevertretern sondern von der gesamten Gemeinde zu wählen sind, ihre Zustimmung giebt. Die Landeskonferenz fordert von der Regierung die sofortige Festsetzung des Termines für die Gemeindewahlen. Die Konferenz macht es jedem wahrhaften Iehndi zur Pflicht, sich an den nächsten Gemeindewahlen zu beteiligen. Die Konferenz fordert, daß die Geburtsregister nach wie vor von den Rabbinen geführt werden. Tie Konferenz hofft, daß an die Spitze der jüdischen Sektiotl des Kultusministeriums ein frommer Jude gestellt werde. Palästinaresolutionen ui yß otitifdjc Resol,ution en. Die Konferenz erklärt, daß das Judentum