Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 63 (1922)
- Issue
- Heft 12 (23.3.1922)
- Date
- 1922-03-23
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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r Hrummer 7. 23. März 1922. VIII. Jahrgang ----- 23. Adar 5682. herausgegeben p o m Gruppenverband, der Palästina-Zentrale und der Zugend-Organisation der Agudas jisroel für Deutschland. Inhaltsübersicht. Gründung der Keren Hajeschuw Company Limited. — Die zweite Delegierten-Versammlung in Jerusalem und die Verkandlunoen mit Mtsrochi und Eharedim. — ^21 -s)2i nnx ^2 ne-yn — Die Aufgaben der Gruppenver bände. — Die Landeskonferenz der Agudas Jisroel in Polen. — Begr ützungsdepesche der polnischen Aguda an die deutschen Agudozenlralen. — Spendentsten. Gründung der Keren Hajischuw Sompanh Limited. Frankfurt a. M., 19. März. Ans Ginladnttg des geschäftsführenden Ausschusses des Zeutralrates der Agudas Aisroel fand heute eine Sitzung der Palästinaxentrate der Agndas Iisroet und des narberettenden Rerrnaltungsansfchnsses des Keren Kasifchnw statt. In der Sitzung wurde die endgültige Gründung der Keren Kajischnw Company Kimited mit dem Kitze in Kondon beschlossen, die Statuten der Company angenommen und der N^^maltnngsrat, sowie der Uor stand gewählt. Ausführlicher Kericht folgt. ^3-i-f-' Sie2. Delegierten-Verfammlung in Jerusalem und die Verhandlungen mit Misrachi und Eharedim. Die Berliner,, jüdische Rundschau" teilt in ihrer jüngstenNummer mit, daß anläßlich der zweiten Tagung der Waad Haleumi Agudas Jisroel zur Mitarbeit aufgefordert habe; zur Würdigung dieser Nachricht dürfte unseren Lesern nach, stehender Bericht über die Stellung des Waad Haleumi zur Ortho. doxie überhaupt willkommen fein. Die Redaktion. Es läßt sich! nicht Voraussagen, was das Ergebnis — im besten Falle kann man nur von einen: vorläufigen Ergebnis sprechen — der zweiten Delegierten-Session sein wird. Es chängr alles davon ab, ob die Delegation des Misrachi und des orthodoxen Blocks offiziell an den Beratungen teil nehmen wird, oder nicht. Die unabhängige Orthodoxie — der um die Rabbinen Sonnenseld und Diskin sich scharende Kreis — hat bekanntlich von Beginn an m den Delegierteuwahlen nicht teilgenommen und protestiert gegcit die Legalität des „Waad Leumi" und der von ihm arrangierten und geleiteten Delegierten-Tagnngen. Eine Anzahl orthodoxer Abgeordneter, die aus den Kreisen des Waad Hakloli sich gruppieren und dem Rabüinat Kuck Gefolgschaft leisten, möchte wenn es in Ehren ginge, eine Brücke bauen, die zum jüdisch-nationalen Parlament führt. Der springende Punkt ist allerdings das 'Frauenwahlrecht. In Wirklichkeit gibt es aber viel wichtigere Fragen, wie z. B." die Freiheit des. Thorarechtes innerhalb der jüdisch-nationalen, politisch-religiösen Konstituante und deren verfassungsmäßigen Organe, die ans dem Spiele stehen. Doch bleibt zu befürchten, daß es der politischen Geschicklichkeit gelingen könnte, diese in den Hintergrund zu schieben und lediglich das Frauenwahlrecht zum Siboleth zu machen. Ueber die .gemeinsame Beratung des Waad Leumi mit den .Vertretungen dieser orthodoxen Gruppen über die Möglichkeit einer Ueberbrückung der noch! vorhandenen Differenzen ward ein offizielles Kommunique veröffentlicht, dem wir folgende Einzelheiten entnehmen: Rabbiner Ostrowski erklärt namens des Misrachi folgendes: „Misrachi war von der nationalen Erkenntnis beseelt, daß es seine Pflicht sei, an der Telegiertenversammlung teiizunehmen. Wegen des Frauenwahlr echt es ist eine Spaltung zwischen Eharedim und .Misrachi eingetreteu. Misrachi selbst hatte niemals die Absicht, aus retigionsgesetzlichen Gründerl wegen dieser Frage in Den Kamps zu ziehen, da ja auch an seinen Bersammlrrngen misrachistische Frauen teilnehmen. Mit Rücksicht ans die Andersgesinnten sieht sich aber Misrachi gegen seinen Willen veranlaßt, auf die Ocganisationsarbeiten bei der zweiten Telcgiertenversammlung lieber zu verzichten. Eire neue Spaltung wäre umsomehr bedenklicher, weil man nicht wissen kann, wer dann die Füget der orthodoxen Iudenhei: in die Hand bekonrmen fcttttt. Ohne die gemäßigten Orthodoxen könnte deswegen auch Misrachi in die zweite Delcgiertenversammlnng nicht eintreten. Inzwischen habe:: wir auch die Ereignisse mir Lord Northctiffe erlebt, und diese Sache, die uuj als Eharedim ganz besonders schnrerzt, har uns gezeigt, daß, gerade jetzt die Organisation von größter Wichtigkeit sei. Der Nationalrat Hut ja den Sefardi'm schon wefentlichc stouzesstoiuil gemacht, vielleicht kann er dies ailch gegenüber den Eharedim tun. Oder sollte es wahr sein, daßman sich von der Opposition der Charedinr befreien möchte?" David Pellin erwidert im Namen des Nationalrates folgendes: „Nun verstehe man, daß Misrachi nicht aus prinzipiellen, sondern: aus Parkergründerr an der II. Delegierten-Bersaminlnng nicht reilnchmen tvili.'. Dev Nationalrar kann nur solche Konzessionen machen, von denen er hofft, daß sie auch vom Plenum angenommen tvürden. Der Natioualrat ruft den Eharedim zu: „Ihr habt feilten andereil Ausweg, als zu der Delegiertenversammlung zu kommen und alle jene zu beeinflussen, von denen ihr hoffen könnet, daß sie mit euch gleicher Gesinnung sind. Das ist die übliche Taktik eines jede:: Parlaments." Be:: Fwi betont, daß, der Nationalrat es vorgezogcn habe, mit den Eharedim direkt zu verhandeln, da der Misrachi offenbar keinen Einfluß auf sie habe. Die Misrachisten sind vielmehr dem Einfluß der Eharedim unterlegen. Auch die Sesardiu: und Kolonisten hatten eilten gegnerischen Standpunkt eingenommen, und sind dann znrückgetreten. Warum sollen auch die Eharedim ihren Standpunkt nicht ändern, iumn die Notwendigkeit dazu vorliegt.. Samuel Knk fragt, warum das Präfibiunt sich nicht bemüht habe, den linken Flügel zu 6eeinflnffc.il. L e w i n bemerkt, die Orthodoxen sind dessen sicher, daß sie auf parlamentarischen Wege nicht siegen können. Die Mehrzahl der Delegierten gehören zur linken Partei. Bei der ersten Delegiertentagung hat es noch Schwächliche in unserem Lager gegeben, die geglaubt haben, daß sie etwas retten könnet:. Nun wissen sie, daß sie sich geirrt haben. Rabbiner C i t r o n, Petach Tikwah, meint, daß gegen das Fra ncnwahlr echt kaum 100 Stiinnten aufgebracht werden könneit. Ich selbst - sagt Redner war eilt Fanatiker der Organisation. In Perach Titwah gibt es fast nur Gegner der Telegiertenversammlung. Es müßten neue Wahlen ausgeschrieben werden. Rabbiner Ostrowski betont nochmals, es gibt nur eine kritische Frage, die Frage des Francnwahlrechts. Sobald dieser kritische Punkt von der Tagesordnung abgesetzt wird, werden alle Eharedim und Misrachinr kommen. „Politische Taktik brauchen nur nicht von Euch zu lernen. Wegen!0 Frauen wollt Ihr uns mit Ratschlägen futtern unb sucht nicht, uns die Möglichkeit zu verschaffen, an der Delegier tenversammlnng teilztrnchmen." T a v i d i) e l l i i:: Was sollet: nur aber den Linksstehenden sagen? Einerseits hören wir voll Euch, daß Ihr die Mehrheit des Jischnw bildet und wenn mir Euch das glauben wollen, dann schützt Ihr die Schwächlinge unter Euch vor. Wenn wir wüßten, daß es sich wirklich llm ein religiöses Prinzip handelt, würden mir es nicht für Eigensiini halten. Aber für Misrachi ist cs doch sicherlich keine Prinzipiensrage. Lewin meint, ein Teil der Eharedim betrachten das Franenwahlrecht sür religionsgesctzlich verboten. Für einen andern Teil ist es lediglich eine politische Frage. Er sei überzeugt, daß die linke Seite Berzicht leisten werde, wenn sie zur Einsicht gelange, daß es ein politischer Fehler sei, diese Frage za forcieren. »i a b b i u e r E i t v o u sagt: „In Wahrheit ivün setzen tvir die Altflösttng dieses Parlainentes lind eine neue Einberusnng ohne Frauen. Wir N.ill:gcu jedoch ein, daß oiese Delegiertenversammlnng die Gesetze schasse sür die Organisation der Gemeinden und das Recht der' Besteuerung. Das ist ein großes Entgegenkommen, da wir eine Kompetenz koneedieren, die wir in Wahrheit nicht anerkennen. T a v i d Pell: lt fragt, wenn die nächste Telegiertenversammlung nur ans Männern bestehen wird, und diese, das Frauenwahlrecht anerkennen wird, werdet Ihr Euch dann auch! ansschließen? Rabbi ner Eitron antwortet, wem: die Mehrheit gegen uns stimmen würde, so wäre das immerhin ein Beweis, daß der Volkswille dafür fei. Wegen vorgerückter Stande mußte die Kompromißberatung verlach werden. Tie. Mitglieder des Misrad Harabanuth nn« roaOö nwyn “jnm “pi I "dis ch c Schäl e r ::: c u £ f as la n dl Bor Beginn des neuen Schuljahres wird erneut darauf aufmerksam gemacht, daß die Schulleiter durch muristerielle Erlässe gehalten sind, die jüdischen Schüler a u s A n t r n g vom Schreiben an Sabbat und Festtagen und in allen p re u ßi sch e n un d h e s s i sche n Schulen auch vom Schulbesuch an Sabbat i:nd Feiertag er: zu befreien. In Einzelsällen gibt ans Anfrage der Gruppenverband der „Agndas Jisroel" in Deutschland, Halberstadt, gern Auskunft und Rat.