Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 63 (1922)
- Issue
- Heft 12 (23.3.1922)
- Date
- 1922-03-23
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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vor Freude, wie das überglühte Eisen, wenn es Wasser bekommt. Was sinnst du noch?" „Vater", sagte Salomo und putzte die Hönde verlegen an der ihm viel zu weiten Lederschurz, „ich bin hier nicht am richtigen Platz, aber ich mag fürs erste anch nickt in die Mesgck . . ." „Auch nicht in iie Mesgid, wohin denn?" Der Ton des Schmiedes wurde immr lauter und erregter. „In die Welt", brachte Salomo mühsam heraus, als drohte das Wort ihn zu erwürgen. „Welt?" lachte der Schmied, daß es durch die ganze Werkslätte nur so dröhnte, „was ist Welt, wo ist Welt?" „Die Welt ist weit, die Welt ist groß . . . Und überall gibt es Juden . . . In Jerusalem, der heiligen Stadt, viele Tausends, die beten oder-arbeiten und der Erlösung harren.." „Und die brauchen dich? Der vur Ellen messende Schmiedesohn hat in der väterlichen Hütte keinen Raum mehr und muß in die weite, große Welt?!" N'.ssim wollte lachen, aber er wurde doch ernst und faßte den Sohn scharf ins A rge. „Höre Junge, es ist nicht klar um deine Sinne. Du mußt in die Welt, sagst du, um zu arbeiten oder zu beten! Und hier? Kann man hier nicht arbeiten und beten? Da ist die Schmiede und dort die Mesgid. . „Jerusalem!" ächzte nur der Sohn. „Jerusalem steht im Orit, in den heiligen Schriften und in den Gebeten, ein anderer Weg fuhrt nicht eher dorthin, als bis Gott seinen Moschiach geschickt." „Doch", wurde Salomo trotzig, „es führt heute schon ein Weg hin, über Aden, Jemen und Hedschas^. „Und den will'st du gehen?" „Ja! Mister Goodwon will mich auf diesem Wege mit hinnehmen." Nissim schien erst nicht zu verstehen. „Mister Goodwon?/ „Es ist der englische Missionär, den gestern Aba Zague aus der Mesgid wies", warf jetzt Job wie völlig uninteressiert ein. Aber auf Nissim wirkte das Wort wie ein Zünder in einem Pulverfaß, er reckte sich und seine Augen blitzten. „Mit dem Unreinen, dem Verführer willst du, du Ungeratener, der du Schande über dein Vaterhaus, deine Gemeinde bringst?" Er machte eine heftige Bewegung, als wollte er mit der glühenden Zange auf den Sohn stürzen. Job fiel ihm in den Arm. „Beruhigt euch Meister Nissim!" Ni'sim stieß mit dem Ellenbogen den Gesellen zurück und warf die Zange zu Boden. Er hatte keine Worte mehr und fauchte nur wie eine mitten im Betriebe abgestellte Maschine. Als er sich beruhigt hatte, zog er die Schürze aus, krempelte die Hemdsärmel zurück und sagte derb, ohne den Sohn bei Namen zu nennen und ihn anzusehen: „Komm!" Salomo wagte nicht zu fragen, wohin. Sie gingen schweigend die enge Gasse und stiegen den Hügel hinan bis zum Vorhof der Mesgid. Dort stand Aba Zague, als hätte er sie erwartet. Nissim fuhr mit den Händen aus und wies auf Salomo. Es fehlten ihm die Worte, um das Entsetzliche zum Ausdruck zu bringen. Doch Aba Zague wehrte ab. Er wußte schon. Job war kein säumiger Bote. „Du warst bei Pastor Goodwon, dem Missionär", sagte er in seiner trägen Gemächlichkeit. Salomo senkte sein Haupt und schwieg. „Also ja, er hat dir die Hand gereicht, wie es die Frendjis immer machen — und du hast eingeschlagen? Ist es so, Salomo?" „Ja!" „Dann bist du unrein und 'darfst nicht eher die Mesgid betreten, als bis du in der Hütte der Reinigung draußen drei Tage und drei Nächte lang die vorgeschrieben Tauchbäder und Waschungen vorgenommen hast. Gehe Salomo, wasche dir die Sünde vom Leib und Seele und kehre dann geläutert mit Korban in die Mesgid zurück, der du geweiht bist." Unter stummer Begleitung des Vaters ging Salomo in die Hütte hinter dem Fluffe hinaus, wo ihn Debteras in Empfang nahmen und zu den anderen Sichretntgenden einschlossen- Vergebens wartete Mister Goodwon auf den jungen Folascha. Als er bis zum Abend des dritten Tages nicht kam, konnte der Pastor nicht länger warten und brach mit einem Diener und einem ortskundigem Führer in der Frühe des nächsten Tages nach Aden auf. (Fortsetzung folgt.) Kinüerecke. kurze Geschichten aus -Zerufchalmi". Zwei arme Wanderer gaben Rabbi Ptnckas, dem Sohne Jairs, zwei Maß Gere zur Aufbewahrung. Als sie nach einem Jahre kamen, um die Gerste abzuholen, sprach er zu ihnen: „Holet Kamele und Esel und genügend Säcke, um euere Gerste zu holen, denn ich habe in euerer Abwesenheit die Gerste als Saat in den Boden gestreut und der ganze reiche Ertrag ist euer ..." * * In Sephoris lebte ein gewissenloser Fleischermetster, der seine jüdischen Kunden mit unreinem Fleische bediente. Eines Tages bestieg er im betrunkenen Zustande das Dach seines Hauses und stürzte sich zu Tode, fodaß die Hunde am Sabbat sein Blut leckken. Da kam man zu Rabbi Chanina und fragte ihn, ob es nicht erlaubt sei, die Leiche trotz Sabbat wegzuschaffen, damit sie nicht von den Hunden geschändet werde. Der Rabbi aber sagte: „Laßt den Hunden ihren Teil. Heißt es doch in der heiligen Le re: was unrein oder zerrissen ist, sollt ihr vor die Hunde weisen,' er aber hat es den Hunden entzogen und seinen jüdischen Kunden dargeboten. So mögen sich die Hunde jetzt ihren Anteil holen ..." Rabbi Aba, Sohn Sawinas, arbeitete als Schneider im Hause eines Heiden. Zur Essenszeit reichte ihm sein Arbeitgeber ein Stück Schweinefleisch. Da Rabbi Aba das Fleisch nicht anrührte, schrie der Heide voller Wut: „Verschmähst du die Speise, io erschlage ich dich wie einen Hund!" „Ich wähle lieber den Tod, als mich mit der un rlaubten Speise zu verunreinigen", sagte Rabbi Aba ruhig. Da wurde der Heide auf einmal ganz ruhig und sagte: „Ich wollte dich in Wahrheit nur prüfen, hättest du nach dem Fleisch gegriffen, so wärest du nicht lebendig aus meinem Hause gekommen, denn Vertrauen habe ich nur zu demjenigen, der die Treue zu seinem Gotte bewahrt." Als einer der römischen Kaiser die Bewohner der Stadt Panajas gar zu sehr bedrückte, drohten sie, in ein anderes Land auezuwandern. Einer der kaiserlichen Ratgeber meinte aber, der Kaiser möge sich dadurch nicht irre machen lassen. Die Stadtbewohner würden schon nicht auswandrrn, oder bald wieder kommen. Denn selbst Tiere könnten dem Heimweh nicht widerstehen. Zur Probe schickten sie nun aus dem Tiergarten einige Hirsche, deren Hörner man als Erkennungszeichen mit Silber umwand, in die Wildnis hinaus. Und in Wahrheit kamen nach drei Jahren die Hirsche mit dem Sllberzeichen an den Hörnern zurück. - . r. -io. Ula, Sohn Kuschavs, war wegen eines politischen Vergehens vom'königlichen Gerichte zuv, Tode verurteilt und flüchtete zu, Rabbi Josua, Sohn Levis, nach Lydien. Bald aber hatten die Legionen die Stadt umringt und sie drohten, alle Bewohner umzubringen, wenn der Gesuchte nicht bald ausgeltefert werde. Da bat Rabbi Josua, Sohn Levis, Ula mit sanften Worten, die Gefahr von der Stadt dadurch abzuwenden, daß er sich bet den Vrrfolgern einstelle, denn das Leben Vieler gehe über das eines Ein. zelnen. Ula tat es. — Nun aber mußte Rabbi Josua die Entdeckung machen, daß der Prophet Eliah, der ihm sonst des öfteren erschienen war, ganz von ihm wegblteb. Der Rabbi fastete dreißig Tage und Eltjahu kani wieder. „Warum bliebst du so lange fern?« fragte der Rabb'. „Was sollte ich bet einem Mann, der einen Juden in die Hände der Feinde ausliefert?" „Was hätte ich sonst tun sollen?« fragte Rabbi Joschuah, „Entspricht es doch der religiösen Vorschrift, daß man des Einen Leben dem der Gesamtheitheit opfere." „Wohl ist es religiöse Vorschrift, aber ein Mann, wie Rabbi Josua ben Levi muß über eine solche Vorschrift hinaus handeln . . sagte der Prophet. Msellösung. Die Auflösung des Rätsels in Nr. 10 lautet: . nb’Dtrr. Richtige Lösungen sandten ein: S. Ottmann, Glad. beck- P. Moneia, Köln- M. Weinreb, Ludwiashaftn: Frieda Soifer, Langendorf- I. Lubtntzki, Lübeck- Jsak Katz, Gedalja Stlderberg, CH M. Bogen, M. Leinen Benjamin Krim, Salomo Landmann, Jsak Turner, sämtlich Karlsruhe- Beler Teichmann, Urzöleboice; A. Davidsohn, Rastenburg i. Ostpr.,' Kurt Flamm, Nürnberg- G. Aurübel, Düffeldorf- Jos. Samuel Vogel, Frankfurt a. M. Die Lösung des Rätsels in Nr. 11 lautet: Richtige Lösungen sandten ein: CH. Paff, Hamburg! Jakob Goldbeiger, Nürnberg- A. Holzer, Rosenheim! Samuel Bur, Segeberg (Holst.) - Salomon, Miriam, Nelly und Erika Ester Ma>cus, Harburg a. d. E.- David und Josef Halberstadt, Oberseemen- Simon und Julius Eschwege, Fulda- Isidor König, Harburg-M. Weinreb, Ludwigshafen- Jsak Kaufmann, Walter Kahn, Franksurt a. M. Personalien. Königsberg i. Pr.. 17. April. Herr Gemeindeobersekletär Rolenthal begeht am 1. April er., sein 25 jähriges Dienfijubtiäum bet der Synagogengemeinde. Jchcnhausen, 16 März. Dtstriklsrabbiner Dr. Cohn ist lm hohen Gretsenalter heute verschieden. Eine ausführliche Wü.digung seiner Persönlichkeit und Lebenswirksamkeit bleibt Vorbehalten. Bi kn, 6. März. Am 37. Schmal 'B p"BH starb im Alter von 85 Jahren unser ehrwürdiger Bezirks - Ooerrabbiner Mordechai Danzig 55 Jahre lang waltete er segensreich und war der älteste Rabbiner der Slowakei. Aus frommen gelehrtem Hause stammend, erregte er mit seiner außergewöhnlichen Begabung schon als Kind allgemeine Bewunderung. Als pnsiö Töta der hervorragenden Jeschiwos, wie der des „Ksaw Sofer" in Pretzburg, des Londesoberrabbtner Schlome Quetsch, Nikotsburg und des Rabbiners Dr. Israel Hildesheimer, Etsenstadt, widmete er sein ganzes Leben rnisyi min^ und er war bekannt als pa«, an den sich die größten Gelehrten der früheren österreichisch-ungarischen Monarchie mit niawm wandten. Sein pDB tn der nnn galt als entscheidend. Selbst in seinem hohen Atter behielt er im Thorastudium eine außergewöhnliche Getstessrtsche und wenn auch in den letzten Jahren sein Augenlicht geschwächt war, schwand sein nnm-Geist nicht, bis er seine reine Seele aushauchte. Erst vor acht Wochen, am Schabbos Chanuka, ist ihm seine treue, edle Lebensgefährtin, die würdige Tochter des berühmten Rabbi Mendel Ktrz Wt, L. S. Miklos, tn den Tod vorausgegangen. Die Bahre umstanden ihre acht Kinder, die alle tm Sinne der Eltern wirken und auch ihre Kinder nnm.n'312 erziehen. Unter unaeheuerer Beteiligung aus Nah und Fern, wurde der pn* am Montag tw n"*iy zu Grabe getragen. Biete Gemeinden sandten zahlreiche Vertreter und neun Rabbonim brachten in ergreifenden HeSpedtm die Größe des Verlustes zum Ausdruck. n"am