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Der Israelit · 1922-03-16 · Heft 11 (16.3.1922) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
63 (1922)
Issue
Heft 11 (16.3.1922)
Date
1922-03-16
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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<&ette « sro. 11 den Krieg dem Verein entrissen worden waren, worauf sich zum Zeichen des Gedenkens die Anwesenden von ihren Plätzen erhoben. Sodann sprachHerr Andorn über Me Entstehung des Vereins, welcher anläßlich eines freudigen Ereignisses in seinem Hause durch Herrn Salomon Levi ins Leben ge-ufen wurde und feierte diesen nebst dem Vorstand in humorvoller Weise. Zum Schlüsse sprach Herr Gans, überbrachte die Glückwünsche der anderen Chewros, dem Wunsche und der Hoffnung Ausdruck gebend, daß der Verein noch recht lange bestehe und weiter Gutes vollbringe. Durch Versteigerung des Benschens und wettere Sammlungen, wurden über 600 Mark für wohltätige Zwecke aufgebracht. Eine Nachfeier am Sonntag abend mit Theater und Abendunterhaltuug bildeten den Schluß der Veranstaltung, bei welcher Alt und Jung auf seine Kosten kam. Wien, 1. Febr. Eine namhafte Bücherspende ha» die Bibliothek der Israelitischen Kultusgemeinde vor kurzem erhalten. Cs wurden ihr nämlich über Anregung des Herrn Z. Dtesendruck, der selbst der Bibltothekskommission der Israelitischen Kultusgemeinde angehört, von dem bekannten Mäzen Abraqam Josef Siybel, der noch während der KriegSzeit ein groß, zügiges hebräisches Verlags- und Uebersetzungsunternehmen ins Leben gerufen hat, der größte Teil der Erscheinungen dieses Verlages (ungefähr 60 Bände) zugesendet. Die Sammlung umfaßt (außer den bereits vergriffenen) die sämtlichen Bände des vierteljährlich erscheinenden literarisch-wissenschaftlichen Sammelbuches „Hatekufah", hebräische Originalwerke, so den letzten Roman I. CH. Brenners, „Die Geschichte der Philosvphie drs Judentums" von David Neumark, ferner zahlreiche Uebersetzungen bedeutendster Werke der Weltliteratur (zum Beispiel Goethes „Iphigenie auf Tauris", Carlyle, Romain Rolland, Tolstoi, Dostojewski usw.) Bei den derzeitigen Anschaffungsfchwierigketbn der Bibliotheken überhaupt wären Spenden und Förderungen von ähnlicher Großzügigkeit nur erwünscht. London, 28. Febr. Markus M. Sperber, ein junger Rechtsanwalt in Montreal, wurde von der kanadischen Regierung zum königlichen Rat ernannt. Diese Ernennung ist deshalb von besonderem Interesse, weil Dr. Sperber wählend des Krieges seinen österreichischen Ursprung zu spüren bekam, indem seine Fretwtlligenmeldung für den Kriegsdienst zur See zurückgewtesen wurde. Sperber, der erst 35 Jahre alt ist, hat bereits eine angesehene Position als Jurist und ausübender Advokat und ist Begründer mehrerer jüdischer Institutionen und Kultusvereinigungen in Montreal. New Nork, 4. März. In einer Statistik der Kirchen in oen Vereinigten Staaten wurden 1.120.000 jüdische Gemeindemttglieder gezählt (bei einer gesamten jüdischen Bevölkerung in den Vereinigten Staaten von S.30U.000). NeW-Bork, 1. Febr. Seit einigen Monaten erscheint hier unter der Leitung des Bureaus für jüdischsoziale Forschung eine monatliche Zusammenstellung der wichtigen Ereignisse von jüdischem Interesse. Das Bureau für jüdisch-soziale Forschung will durch die Beschaffung einwandfreien statistischen Materials den jüdischen philantropischen Institutionen und Organi. sationen dienen. Dem Exekutivkomitee gehören die Herren Cyrus L. Sulzberger, Alexander Ko Hut, Felix Marburg und andere an. Die uns vorliegenden beiden ersten Nummern der Monatsschrift sind recht geschickt zusammengestellt und vereinigen eine Fülle von Tatsachenmaterial, das aus der jüdischen Preffe der ganzen Welt zusammengestellt ist. Allerdings fehlen immer noch eine ganze Reihe von Presseorganen, die dem Bureau offenbar noch nicht zugängig geworden sind. Prag, 8. Febr. Am l. d. Mts. sprach auf der Mitgliederversammlung des „Sinai" vor einem ungewöhnlich zahlreichen Publikum Herr Isidor Schwarz über „Die Macht des jüdischen Heta s". Er führte unter anderem aus: „Das vornehmste Erziehungsmittel ist die Religion. Nur dann hat das Judentum Bestand, wenn es die Ueberlicserung der Väter hochhält und sich stolz als eigenes Volk bekennt. Das Judentum hat die Familie geschaffen — eS ist vielleicht seine herrlichste Tat — mit diesen Worten schloß der Vortrag, den reicher Beifall lohnte". Der Rednerbetonte die Bedeutung der symbolischen, der sogen. Zecemonialgesetze und hob hervor, daß nur, wer das Gesetz in vollem Umsange erfülle, ein guter Jude genannt werden dürfe. Herr OberrabbtnalSaktuar Letpen begrüßte es, daß am Bortragstische auch ein Angehöriger der weiteren Kreise der Mitgliedschaft gesehen werde. So fei es durch Rede und Gegenrede leichter möglich, die Ansichten zu klären. Prof. Lieben wandte sich gegen einzelne Wendungen tm Vortrag, die zu dem historisch übe, lieferten Offenbarungsglauben im Gegensätze standen. Mit Schlußwort des Referenten und Dank des Obmannes schloß die Versammlung. Sprechsaal. Ostjnden und orthodoxe Gemeinden. Frankfurt a. M., 15. Schwat. Sehr geehrte Redaktion! Ter wertvolle Aussatz „Die Oftjuben und die orthodoxen Gemeinden" in Nr. 7 des „Israelit", «er JSraetti. der eine Art Antwort auf meinen Artikel „Ost und West" im „Jeschurun" darstellt, gibt .mir zu folgenden Bemerkungen Anlaß. Ta es nicht die Absicht des Verfassers war, ineinen Artikel zu besprechen, sondern den Gegenstand zum Zwecke bestimmter praktischer Schlußfolgerungen zu beleuchten, sv legte er keinen Wert aus die wörtliche Ansührnng längerer Zitate, sondern siihrte aus meinem Aufsatz nur inhaltlich kurze Stellen ans, soweit sie ihm zur Aufklärung notwendig scheinen. Dadurch aber könnten diejenigen Leser, die meinen Aussatz nicht tm hebräischen Original gelesen haben, leicht sich eine unzutreffende Vorstellung von meinem Aufsatz machen und mir Meinungen znschreiben, die ich nicht vertrete — ein Ergebnis, das der geehrte Verfasser des Aussatzes selbst nicht beabsichtigt. Deshalb bitte ich die Redaktion, den uachfolgenden kurzen Bemerkungen im „Israelit" Räum zn geben: „1. Aus der kurzen Darstellung im „Israelit" könnte der Leser irrigerweise entnehmen, daß ich in meinem Aufsatz die Zugehörigkeit ostjüoischer Mitglieder zu einer westeuropäischen orthodoxen Gemeinde schlechtweg als einen gefährlichen Schritt bezeichnet hätte. In Wirklichkeit habe ich in meinem Aufsatz die Frage lediglich ans Grund der tatsächlichen Voraussrtznng behandelt, daß in einigen Orten die westliche Orthodoxie von den ostjüdischen Flüchtlingen Unterstützung bei der Gründung n e u e r orthodoxer Gemeinden unter Austritt aus der liberalen' Geineinde verlangte. Für diesen Fall habe ich Zweifel ausgesprochen, ob es angebracht ist, dieser Forderung zu entsprechen. Mein Zweifel gründet sich daraus, daß bei einer solchen Gestaltung der Tinge, bei der die Ostjudeu bei der Legung der Fnndainente der Gemeinde in hervorragendem Maße Mitwirken, sie auch ihren entsprechenden Anteil an der Leitung der Gemeinde verlangen werden, so das; die deutsche Orthodoxie ihnen in der Führung der religiösen Angelegenheiten Gefolgschaft leisten müßte. Eine solche Konstellation kann nach meiner Ansicht mehr Schaden als Nutzen bringen, weil der plötzliche Wechsel zwischen der natürlichen Kälte des Westens und der natürlichen Wärme der Ostjuden keine große Sicherheit der Entwicklung verheißt, wie ich dies in meinem Aufsatz ausgeführt habe. Von denjenigen Gemeinden jedoch, in denen bereits ohne Mitwirkung der „Fremden" der Austritt durch die deutsche Orthodoxie selbst vollzogen i st, so daß die Flüchtlinge ans dem Osten nur als „Nachbarn" anftreten, die die Wahl haben, je nach.ihre», Belieben, der orthodoxen oder liberalen Gemeinde ftch anzuschließen, v o n s o lch e n Geiu e i tt ö e tt habe i ch überhaupt nicht g e - »pro ch e n. 2. Aus dem Leitartikel des „Israelit" könnte der Leser den irrigen Eindruck empfangen, als ob sein Verfasser annäh»»e, daß ich nicht mit der gebührenden Ehrfurcht den Schriften und Reden Samson Raphael Hirfch's gegenüberstehe. sie als vertrocknet und der natürlichen Frische des originaleil Iudelttnuls entbehrend als erstarrt ohne jüdischen Geist betrachte. Demgegenüber sehe ich mich veranlaßt und verpflichtet, den Leser darüber anfzntlären, daß ich mich eines solchen Unrechtes. Gott behüte, nicht schuldig gemacht habe. Alle wissen, auch diejenigen, die die Schriften Hirschs nicht im deutschen Original gelesen haben, sondern sie nur in hebräischer Uebersetznng kennen, daß die töstlichsn Perlen in seinen Werken ihren unschätzbaren Wert auch bei Gelehrten und Gedanle tauroh besitzen, daß unter seinen Reden sich viele befinden, die voll von der lebendigert Frische des gesunden jüdischen Geistes sind. Aber Hirsch war nicht nur Schriftsteller and Prediger, sondern im wesentlichen Maße auch ein religiöser Politiker und Mann der Tat. Und was diese praktische Seite seiner Wirksamkeit in Angelegenheiten des Judentums anbetrifft, habe ich ausgesprochen, daß er in seiner Zeit gezwungen war, vor den geistigen Momenten seine Augen zu' verschließen. Ja, auch bei der theoretisch-geistigen Fundierung dieser praktisch-politischen Wirkkamscit ist es nicht eigentlich die wissenschaftliche Seite des Judentums, sondern mehr die ästhetische, die in den Vordergrund geschoben wird, weil die Westjuden zu seiner - Zeit lediglich die äfthettische Seite der religiösen. Pflichtgebote, nicht aber ihren geistigen Inhalt zuerfassen vermochten. Ans diese Behauptrmg nun hin der Leitartikel des „Israelit" zu erwidern ver- Mit vorzüglicher Hochachtung B. Beerrnann. n m e r k n n g der Redaktion! Wir haben hierzu folgendes zu beiuerken: I. Wir können auch bei nochmaligst' Lektüre mrfercs Artikels nichts finden, woraus irgend ein Anlaß zu dem vom Verfasser vermuteten Mißverständnis entnommen werden könnte. Mit aller Deutlichkeit haben wir ausgesprochen, daß es sich ledig l i ch um die Gründung neue r selbständiger Gemeinden „unter gleichzeitig ein Austritt aus den liberalen G r oßgemeinde n " handelt, und wir haben im weiteren Verlaufe nochm a l s darauf hingewiesen, daß der Verfasser lediglich von der Bildung n e u e r ' A n s t r i t t s g e m e i n <-> den spreche. Wir selbst haben ja auch die vom Ver- «psr fasser gegen die Mitwirkung ostjüdischer Flüchtling geltend gemachten Bedenken, wenn auch aus änderen Gründen als er, für durchaus berechtigt erklärt. 2. Aus uns er m Artikel scheint uns m i t ä I l e r D e utli ch teil hervorzugehen, daß der Verfasser ganz wie er es auch in dieser Erwiderung tut, .Hirsch lediglich die p f l i ch t g e m ä ß c R ü ck s i ch t auf dir seelischen Vorbedingungen, mit denen er bei seine.', Zeitgenossen zu rechnen hatte, zuschreibt. Von de», Unterschied zwischen „ästhetischer" und „gedanklicher" Auffassung des Judentums, den Herr.Rabbiner Beermann in seinen vorstehenden Ausführungen macht, konnten wir allerdings in seinem Jeschurun-Artiket nichts wahrnehuic'n. Sv leid es uns tut, müssen wir ancv bekennen, daß dieser Unterschied, soweit S. R. Hirsch in Frage kommt, u. E. nicht zutrifft. Wer von S. R. Hirsch nur Jeschurun-Aussütze kennt, mar, vielleicht auf. den Gedanken kommen, daß er bei seiner geistigen Erziehungsarbeit -vorwiegend an 'das Gefühl und an das ästhetische Empfinden appelliere, und es mag gewiß auch richtig fein, daß das große Publikum der Regel nach, nicht nur zu Hirfch's Zeiten, sondern auch heute für die ästhetische Würdigung der Mizwvs leichter zu gewinnen ist, als für' ein tieferes Eindringen in die geistigen Zusammenhänge. Aber läßt sich angesichts der' „G r n n d C i n i e u einer jüdisch e n S h m b o l i k " z. B., angesichts des ganzen großen Pentateuch-Kommentars die Behauptung aufrecht halten, saß in Hirfch's Schriften das ästhetische Elenient das logisch-wissenschaftliche überwiegt'? Man könnte im Gegenteil es Hirsch als Mangel anrechnen, daß er bei »einer Erklärung der Mizwaus allzrr rationalistisch vor gegangen' sei. Man lese die Fülle der bei aller Schönheit der Spruche doch nüchteren Sätze, mir denen er in die Idee der Opserlehre, des Mischkvn, der Ed aus einzudringen versucht. Endlich aber möchten lvir fragen: Wie verträgt sich die Ansicht von der vorwiegend ästhetischen Mizwnus-Tentung mir der in dem Jeschnrun-Aufsatz des Herrn Rabbiner Beermann doch unleugbar vertretenen Behauptung, daß die Starre und Kälte westjüdischer Orthodorrc von Hirsch niindestens als nicht zu bekämpfende Tut suche hin g env i» men und mit t n Re ch uung gestellt worden »ei? Gerade die ä st h e t i s ch e Durchdringung bon Thora und Mizwos ist ja das geeignete Gegenmittel, um allen Mechanismus und alle Starre zu bekämpfen und die Wärme und Lebendigkeit des Gefühls zu steigern! Beiuerken möchten wir zum Schluffe, daß Herr Rabbiner Beermann durchaus über den Verdacht erhaben ist, als empfinde er nicht den gebührenden Respekt vor S. R. Hirsch und seiner Wirksamkeit. Wir sind überhaupt weit davon entfernt, dem Verfasser seine Ausführungen und seinen Standpunkt irgendwie übec zu nehmen, sind ihm vielmehr dankbar dafür, daß er das Problem zur Diskussion gestellt hat. Nur muß es auch uns frei stehen, diejenigen Momente anznftihren, die u. E. geeignet sind, die faktischen Irrtumer in seinen Voraussetzungen richtigzustellen. Redaktion des „Israelit". ">V2-Wein und NL>2-Spirit«osen Von fachmännischer zuverlässiger Seite werden wir um Veröffentlichung nachstehender Zeilen gebeten: In ihiem geschätzten Blatte lese ich öfters Artikel, wie man beim Einkauf von Eß waren vorsichtig sein soll. Daß diese Vorsicht heutzutage sich aber auch aus Getränke erstrecken sollte, ist leider viel zu wenig bekannt. Es kann ruhig behauptet werden, daß die Herren Rabbinen, die ausstellen, nicht genügend über die Herstellung und Behandlung von Weinen und Spirituosen orientiert sind. Es wäre ein Verdienst des orthodoxen Rabbinerbandes, sich dieser Sache ernstlich und bald anzunehmen. Das Keltern und die ganze Behandlung des Weines bedingt in Bezug auf die dabet tätigen Personen, auf die sämtlichen Geräte und Zutaten psi ms soviel Vor- und Umsicht, daß es sehr geboten erscheint, einmal gründlich nach dem Richtigen zu sehen, bevor ein itwn erteilt wird. Uebertragbar ist ein nwn nicht. Und es kann jemand ein braver Jehudi sein, er aber braucht den sM nicht zu kennen. Warum Hai man über Getränke noch keinen “iöw bestellt? Die Herstellung der Liköre, einerlei ob es sich um ausländische oder inländische Fabrikate handelt, mütz»e genau wie die Ehwaren. unter Aufsicht genommen werden, denn es steht fest, daß Liköre in "ssr-Fässer lagern, daß "D3 in Form von Wetndestillat oder Süßwein als auch trefene Farben dabei verwendet werden. Ebenso muß darauf gesehen werden, nur von solchen Firmen zu beziehen. Sie ihr Chomez am Pe stach verkaufen, daß man nicht das Verbot von ‘litftp ffcfi ns:n2 ncx neen Übertritt. Fest steht, daß fast alle iüdifchen Wiederverkäufer bezw. Firmen, die unter Kabbtnatsvufsicht stehen, Spirituosen von solchen jüdischen Fabrikanten führen, die sich über das Obenerwähnte glatt hinwegsetzen. Es genügt also keineswegs, daß man seine Spirituosen in jüdischen Geschäften kauft, da deren Inhaber über die Fabrikation'nicht unterrichtet sind.

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