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Der Israelit · 1922-03-16 · Heft 11 (16.3.1922) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
63 (1922)
Issue
Heft 11 (16.3.1922)
Date
1922-03-16
Page
– (sequence 7)
Language
German
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M."' Verschokene VrSder. eine SalafAaaeMiidife aus 9er Segemontt. (Fortsetzung.) IV. Eine Misfonsstunde. Als Salomo und Jirmeias noch ganz unter dem Eindrücke des Gehörten, von der Mesgid lm blassen Mondltchte durch die engen Gassen wandelten, wurden sie an der leinwandbedeckten Halle, unweit der Brücke, die die Niederlassung mit der Abessinierstadt verband, von einem Menschengewoge angezogen, das sich in dem von bunten Lampions beleuchteten offenem Hofe um ein Podium konzentrierte. Von diesem herab »ein blasser bärtiger Mann mit vielen ulationen in amharischer Sprache, aber mit fremder ungelenker Zunge, auf die Leute ein. Die Menge, zum größten Teile aus jüngeren Falaschas, aber auch aus wenigen Alten und auch einigen christlichen Abessiniern bestehend, gab Beifalls- und Mißfallenskundgebungen von sich. Zuweilen entwickelten sich mitten rm Vortrage zwischen beiden Parteien scharfe Kontroversen, sodaß der Redner für Minuten etnhalten mußte. „Es ist der bleiche Frendji, der heute in der Mesgid war, und dem Aba Zague den Zutritt zum Opseraltar verweigert hat", flüsterte Jirmeias, der mit Salomo in die Halle trat. „Ja der Missionär", bestätigte Solomo, „er kommt von England, war in Vorderindien, in Südafrika und überall in der Welt und fand jetzt den Weg zu uns." „Was will er?" „Er sagt, er führe die Wahrheit und das Heil mit sich. Aba Zague warnte vor ihm, wie vor dem Satan, der Macht des Bösen .... Wollen wir nicht weitergehen?" Jirmeias faßte seinen älteren Freund krampfhaft an der Hand und rührte sich nicht. „Abu Zague darf es nicht erfahren", gab Salomo gesümpft nach. Und sie blieben in der Halle. D:r Mann auf dem Podium sprach davon, daß die Lehre des Heiles nunmehr auch in äthiopische und amharische Sprache und in den Dialekt der Falaschas übertragen sei, und er trug gleich Stellen aus dieser Lehre vor, die er Bibel nannte. Er las von der Geburt des Kindes in Bethlehem, von den drei Königen aus dem Morgenlande, die kamen, um dem Kinde zu huldigen, dann von der Weltsühne und Welterlösung. „Ist das Bibel?" flüsterte Jirmeias seinem^ Freunde zu. „Ja ihre Bibel, die neue Bibel, man muß auf der Hut fein." Der Missionär sah jetzt von seinem Buche auf und sprach frei an das Volk der Falaschas: „Zu euch, die ihr der Erlösung harret, bin ich gekommen, um euch kund und zu. wissen zu tun, daß diese nicht nahe ist, vielmehr seit bald zweitausend Jahren da ist und euerer harret." „Wie neu und merkwürdig!" konnte sich Jirmeis nicht enthalten. „Ihr seid Falaschas." sprach der Mann weiter einschmeichelnd, Fremde im Lande, Fremde! überall. Weil ihr fremd und fern geblieben seid der Wahrheit, dem Heile . . . - _ Ihr, die ihr noch auf dem reinen Urgründe der Gotteslehre steht, ohne vom rabbinischen Beiwerke derer, die sich auf dem Erdenrunde euere Brüder nennen, etwas zu wissen, ihr habt den Weg zu uns naher und freier als jene ... Vom Urgründe der alten Bibel führen zwei Wege, einer nach rechts, den hat der Nazarener gezeigt und auf ihm die Welt erlöst/ der andere geht nach links, auf dem verharrten die alten Pharisäer und blieben unerlöst. Ihr habt den linken Weg nie eingeschlagen, ihr seid den Pharisäern zum Talmudglauben nicht gefolgt, darum ist euch die Bahn zu uns, der rechte Weg, frei und offen.- Als sich vor tausend Jahren die wahre Religion etwas verwischt bis hierher Bahn brach, bliebet ihr ihr fern, weil die Machthaber des Landes mit Haß und Feuer und Schwert zu euch kamen. Wir aber bringen euch die Liebe, die Erlösung, die euerer harret . . ." Es gab Beifall und Murren. Salomo und Jirmeias standen betroffen und verwirrt mitten im Getümmel. War das neue Offenbarung oder die Sprache des Satans? Endlich sprach Jirmeias: „Aba Zague sprach anders von der Erlösung. Er sagte, wir sollten ihrer harren." Der Redner forderte jetzt die Leute direkt zur Taufe auf, verteilte schwarzgebundene Bibeln und lud jeden, der noch nicht im Reinen und Klaren mit sich sei, zur persönlichen Aussprache ein. „Wollen wir zu ihm gehen?" fragte Salomo leichthin. Jirmeias griff erschrocken nach des Freundes Hand. „Aba Zague, die Eltern, die Mesgid!.. " „Denen tuen wir damit nichts zu leide, wollen nur sehen und hören, wer er ist und was er will." „Hast du nicht genug gesehen und gehört? Er wird uns bestricken mit glatten Reden", zitterte Jirmeias. „Hast du so wenig Vertrauen zu dir, Jirmeias?" „Vertrauen? Ich weiß es nicht, aber ich gestehe, ich könnte dem gelehrten, vielgereisten Manne nicht Rede und Antwort stehen. Was er da sprach, klang eigentlich ganz richtig, ja überzeugend. Was könnte ich ihm darauf erwidern?" „Hast du vergeffen, Jirmeias, was Aba Zague uns einst vom wahren und falschen Weg sagte? Ein schöner, glatter, eben gelegener Pfad und dennoch falsch — weil der Ausgangspunkt falsch ist. Aehnliches sagte mir einmal Vater in der Schmiede, die ich hasse: Ist das erste Ansetzen der Zange falsch, so kann der Schlag und der Klang noch so gut sein und das Ganze ist dennoch schlecht und falsch. Auf dos richtige Ansetzen kommt es an. Ich glaube, der Mann setzt falsch an." „Und dennoch willst du zu ihm?" „Mich treibt e8 hinaus, zu Welt und Menschen, zum Leben der Brüder allüberall. Der Mann tragt nicht die Wahrheit und das Heil mit sich, aber er trägt das Leben und die Welt in sich und das Wissen um die Dinge draußen. Er ist auf dem ganzen Erdenrunde zu Hause und ich möchte von ihm hören, wie die Welt draußen aussieht". Jirmeias überlegte. Die Sache schien ihm nicht geheuer, je mehr er in sich das Unvermögen spürte, den Anstürmen des Vtelwissenden standzuhalten. „Auch ich möchte hinaus", srgte er endlich, „aber dann ist doch etwas in mir, das mir sagt, ich gehöre hierher. Ich liebe die abessinischen Aecker und die abessinischen Menschen und möchte nur draußen so viel sehen und lernen, als ich nötig habe, um hier meinen Falaschabrüdern beizustehen." „Dich locken die blühenden Aecker und Wiesen deines Vaters, mich aber vertreibt die rauchige, dumpfe Lust der väterlichen Schmiede," sagte Salomo bitter. „Du willst doch nicht mit dem Missionär in die Welt hinausgehen?" sagte Jirmeias erschrocken. „Daß mich der Gott Abrahams davor bewahre", wehrte Salomo verletzt ab. „Ich möchte nur von ihm erfahren, was denn eigentlich die Welt ist, die Aba Zague aus sich heraus und aus alten Büchern kennt . . (Fortsetzung folgt.) Msel. Die nachstehenden Worte müssen so verwandelt werden, daß drei jüdische Freudentage sHalbfeiertage) herauskommen. W brn nsn ov M. N. in L. Vermischtes. Niit'llveril, 4. März. Im großen Saale des Hotels „Deutscher Hvs" sprach am Donnerstag, den 23. Februar vor zahlreichen Zuhörern Herrr Rabbiner Dr. .Si [ein über „Jüdische Äesamtheitsarbeit in Palästina" Ter Redner wies in überzeugenden Worten nach, wie gerade das gesetzestrene Judentum es war-, welches den Gedanken der Pflicht und der Liebe zur Besiedlung des heiligen Landes durch Wort und Tat stets bewahrt und fortgepflanzt hat. Er veranschaulichte in begeisternden, zu Herzen gehenden Worten, wie auf jüdischen! Land, im jüdischen Milieu die Möglichkeit einer wahren jüdischen Kultur auf deni Boden der Thora wurzelnd jetzt entstehen könnte, wenn das Judentum der Wichtigkeit der Stunde sich bewusst ist und den Aufbau Palästinas mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln fördert. Herr Rabbiner Dr. Klein belegte, wie das Prestige der gesamten Judenheit es erfordert, das; jetzt im heiligen Lande wirklich' ernste nnsbnnarbeit geleistet wird und wie die ganze, auch nichtjüdische Welt daran interessiert ist, das; ein blühendes jüdisches Leben im traditionellen Sinn sich in Palästina entwickelt. Ter Bortrag hintcrlies; einen tiefen Eindruck aus die Zuhörer und wirkte sich bereits durch namhafte Zeichnungen von allen Kreiselt des hiesigen jüdischen Publikums für Keren Hajischuw aus, besonders, da die Herren des Tnmmclkomitees eine rege Tätigkeit entfalten. KöiN-H.ülheim, l. März. Am 39. Januar d. IS. fand in der im Januar 192t gegründeten Chewroh Talmud-Thauro Köln-Mülheim, die erste ordentliche Generalversammlung sta't. Laut Tagesordnung sollte zunächst eine kleine Statutenänderung vorgenommen werden, worüber man sich auch schnell einigte. Dann schritt man zur Vorstands mahl/ einstimmig wurde der ganze bisherige Vorstand mit dem ersten Vorsitzenden Herrn Aron Wolf, Mülheim, für drei Jahre wtedergewählt. Herr Wolf dankte im Namen des ganzen Vorstandes für die erfolgte Wiederwahl und sprach sodann dem Vereinsleyrer Herrn Oskar SimonS aus Köln, für die allwöchentlichen wohldurchdachten Vorträge Anerkennung und Dank aus. Er dankte ferner dem Herrn Janowaki, der während der Krankheit des Vereinslehrers häufig die Veretnsabende geleitet hat, sowie Herrn Religtonslehrer Simons, Deutz, der durch namhafte Beiträge den Verein zu heben geholfen. Bezüglich des Lehrplanes einigte man sich dahin, vorläufig wie bisher Sonntags abends über praktische „Dtnim" zu sprechen, sodann zu dem jeweiligen Wochenabschnitte die Erklärungen von Rascht zu lernen. Das Lernen findet nach wie vor in unserem Vereinslokale Mülheim, Frethettstr. 76, statt. Einem Wunsche mehrerer Mitglieder entsprechend, soll von nun an Dienstag von 8-9 Uhr abends TVD*o 'öj gelernt werden. Niederaula, 25. Febr. Heute am rQw feierte -er h efige Synagogen-Verschönerungsvrretn sein 25 jähriges Bestehen. Schon Freitag abend fand in der Synagoge, die in feierliches Tannengrün gehüllt war, festlicher Gottesdienst statt. Schabbos morgen nach Rausch Hachaudesch-Berkündung gedachte unser Herr L°hrer Gans kn schönen kuizen Worten der BedkUiung des Tages. Nach Sabbatausgang versammelten sich die Mitglieder und geladenen Gäste des Vereins zu einer ,-il2N>Sude bet Herrn Gastwirt Levi. Zunächst erstattete Herr Hermmn Apt einen Rechenschaftsbericht über die vei stoffenen 25 Jahre und gedachte der Mitglieder, die im Laufe der Jahre besonders durch

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