Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 63 (1922)
- Issue
- Heft 10 (9.3.1922)
- Date
- 1922-03-09
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 20 Nr.. 10 frommer Wunsch bleiben, die jüdischen Volksschulen werden immer weniger, so bleibt der jüdische Lehrer der Zukunft der Religionslehrer. Für diesen muß aber gesorgt werden durch ein e Ae rechte und würdige Besoldung. Der Lehrer muß aus dem Reinertrag seiner Stefte sein Auskommen finden und darf keinen Hungerlohn beziehen, wie man ihn heute keinem nicht einmal einem Erwerbslosen bietet. Der Lehrer als Träger des geistigen Lebens der Gemeinde, der Wissen der-, breiten, der in Leben und Lehre beispielgebend sein soll, "muß unabhängig von der Parteien oder des Reichtums Gunst seinem Berufe und seiner Gemeinde leben können und darf - nicht auf die unwürdigen rV)2na angewiesen sein. Gestatten Sie mir ein Wort über diesen Punkt. Keine Einrichtung, keine Gepflogenheit hat das Ansehen des Lehrers mehr untergraben, nichts hat mehr Liebedienerei und Servilsmus gezüchtet und den Glauben an feine Unparteilichkeit! innerhalb und außerhalb der Schule erschüttert als das- N127IV Unwesen. Man bedenke, was ivürde man von einem Staatsbeamten sagen, dem mar: gelegentlich Geschenke oder Gaben an Eield ins Haus schickt! Er wäre einfach unmöglich. Dem Lehrer bietet man solches ungeniert und beklagt sich hinterher über angebliche Rücksichtnahme auf die Kinder gewisser Kreise. Für die jüdischen Beamten gibt es nur eine Entschuldigung, die schwere R 0 t. Keine Entschuldigung gibt es für die Eltern, ft'ir die Gemeinde, die den Beamten auf diesen unehrenhaften Weg verweisen, sein Ansehen schädigen und sein Gerechtigkeitsgefühl schwer belasten. Wer den Lehrer auf NPax-Stufe stellt, degradiert sich selbü und gibt die min der Verachtung preis.. Wie treffend charakterisieren unsere Weisen itt pnnnJD 'Ja das Verhältnis des Ta*??! Dan zum jnxn ap, wenn -er seine Würde und sein Ansehen durch altzugroße, Vertraulichkeit oder gar durch Annahme von Geschenken schädigt. man ddh m/aan njnra« "n na« ns'D am aw nmpa nan;n:>nna?p«n dp ’Jöa nam i:aa7n3n: qoa aw nmpa narr wöti nspn ia pkIdw navvo iva ivnn iav;in^n. (Schluß folgt.) Ser biblische Geschichtsunterricht in der israelitischen Schule. Referat, gehalten iu der Geueralversammlung des „Jeschurun" von Lehrer Sonn, Fulda. -Fortsetzung uud Schluß.) Zu diesem Zwecke muß der Lehrer lebendig erzähleu. Alles, was er den. Kindern erzählt, muß er selbst mit erleben und mit empfinden. Ich weise in dieser Hinsicht auf oas einleitend über die Persönlichkeit des Lehrers Gesagte hin. Tee Einslcchtrcng mancher int ü’nntt enthalteneu Episoden tragen zur Belebung viel bei uitö erreget! das Interesse der Kinder. Die innere Teilnahme muß im Vorträge zum angemessenen Ausdruck kommen. Dann werden die Gefühle des Lehrers auf der Kinder Herzen übergehen. Wenn man bei der Behandlung der Chanukageschlchte von den alten Elasar, von der Mutter mit ihren 7 Söhnen erzählt, weuu matt auf die martervolleu Qualen, die jene Märtyrer ihres Glaubetts halber.erduldeten, hinweist, wenn man bei Gelegenheit der Behandlung der nachbiblischen Geschichte, die meines Erachtens einen wichtigen Bestandteil des im Geschichtsunterricht zu besprechenden Stoffes bilden muß, .auf die Verfolgungen, die Israel im Mittelalter, namentlich zur Zeit der Kreuzzüge, erleben mußte, zu sprechen kommt uud den Kindern zeigt, daß es der Glaube war, der das Herz Israels zu seinem Gotte enrporhob und standhaft die Leiden ertragen lehrte, daß Israel in diesem Glauben den heilsamen Balsam für seine Wunoen fand, so können solche Erzählungen den Ein¬ Der Israelit. druck nicht .verfehlen. Die Kinder werden mit Begeisterung ftir solche Heroen der biblischen Zeit erfüllt und das religiös-sittliche Gefühl wird dadurch geklärt und der Wille gestärkt und gefestigt. Man kann bei dieser Gelegenheit die Kinder veranlassen, ilber Wert und Unwert der betreffenden Personen und Handlungen ihr Urteil abzugeben,' auch der Lehrer kann sich selbst darüber äußern. Das Kind wünscht zu erfahren, wie der Lehrer in seinem Urteil sich zu den betreffenden Personen und Handlungen stellt, und es steht fest, daß eine Urteilsabgabe des Lehrers, in der angemessenen Form vorgebracht, auf Kinderherzen einen tiefen Eindruck macht. Es brauchen dabei nicht belehrende Anreden gehalten und moralische Belehrungen den Kindern gegeben werden; denn der Eindruck der Geschichte kann durch solche Zutaten gerade abgeschwächt werden. Breites, inhaltloses Gerede stumpft eher ab und langweilt, als daß es belebt und bildet. Daß bei der Besprechung der biblischen Geschichten Dispositionen dazu entworfen werden, ist im Interesse der Uebersicht und der festeren Einprägung wünschenswert. Gerade die in unserem Bezirk eingeführte Bibel von Stern zeigt hierin durch die Gliederung und Teilziele einen Vorzug vor andern Geschichtsbüchern, wenn auch — nebenbei gesagt - im ersten Teil des Buches für die unteren Jahrgänge eine mehr vereinfachte Darstellung den Bedürfnissen der Schule besser entsprechen würde. Die von dem Lehrer erzählte und besprochene Geschichte ist von den Kindern wieder zu erzählen. Das eigne Erzählen trägt, abgesehen von.dem formalen Gewinn, dazu b-eß die Geschichte dem Kinde lieb und inert zu machen; auch wird sie dem Gedächtnis um so fester eingeprägt. Eine möglichst felbstäiidige und zusammenhängende Wiedergabe seitens der Kinder ist auf allen Stufen anzustreben. Der Erfolg'des Unterrichts auf der Oberstufe ist durch Gebrauch der Karte des heiligen Landes zu unterstützen. Daß die Anwendung dieses Veranschaulichlmgsmittels beim Geschichtsunterricht viel zu feiten geschieht, kann nicht genug betont werden; auch mit der Benennung, von Geschichtszahlen darf nicht so stiefmütterlich verfahren werden. Die Taten über Zerstörung des ersten, Aufbau und Zerstörung des zweiten Tempels etc. sollten jedem jüdischen Kinde geläufig fein. Wie oft kommen jüdische Schüler der Mittelschulen gerade in dieser Hinsicht in große Verlegenheit, wenn in der Klasse zufällig die Rede auf dieses Gebiet kommt und die Schüler über die wichtigsten Geschichtzahlen der jüdischen Geschichte nicht Bescheid geben können. Bezüglich des zu behandelnden Stoffes sei bemerkt, daß der Lehrstoff der ersten beiden Jahrgänge — bis Josefs Tod —- den Schülern in möglichst abgekürzter Form ihrer Fassungskraft. entsprechend zu geben ist. Die Mittelstufe nimmt die Geschichte von Israels Knechtschaft in Egypten an mit der Geschichte der Richter. In der Oberstufe wird in den ersten zwei Jnhrcskurscn nebenher Geographie Palästinas die Geschichte von Saul bis zur Zerstörung der Reiche Israel und Inda, im dritten Jahreskurse nachbiblische Geschichte nach Stern behandelt. Aus dem Gesagten ist zu ersehen, daß der Geschichtsunterricht, iu der richtigen Weise erteilt, dazu, beiträgt, die Jugend bekannt zu machen mit dem Leben nach den Gesetzen der Thora, insbesondere, wenn wir die Schüler, wie bereits erwähnt, auch im Geschichtsunterricht, an die Quellen unseres Gesetzes führen, ma p« TDÜ 7\“P «ai «Dkl «m Kein Ungebildeter wird wahrhaft sündenscheu und feilt Ununterrichteter wird den sittlichen Adel selbstloser Hingebung erreichen, sagt einer unserer Großen. Altjüdische Weisheit war ein Feind der Unwissenheit, setzte Aufklärung des Geistes, Erlangung wissenschaftlicher Bildung als das erste Gebot aller Sittengebote und machte den geistbildenden Unterricht zur ersten, heiligsten Pflicht, x'aatf mann ainJ mWJfi' 'rna Nur das rechte Wissen erzeugt das rechte Tun. Wecken wir bei unfern Schü¬ ___ 9. März 1923 lern die reine Lust zürn Lernen, die reine Freude j am Wissen und Können, begeistern wir sie für die durchs ganze Leben in stetem Fortschritt zu übende Bitdungsarbeit an dem eigenen Geist, pflanzen wir den Gedanken der Pflicht in den Boden ihrer Seele, indem wir ihnen. Gestalten, Helden Vorfahren, wie sie die naiZN -Geschichte uns zeigt, Helden, die VD2n fWOia lehrten, die Leben und Güter Gott freudig opferten: waa nie1 «a ppp ’a d: iann 's nna min über die Lehrerversammlung des Zweigvereios Rheinland des Sundes g, j. 1 S> am 30. Januar 1922. Am fi"i trafen sich die Kollegen in der Aula des Lehrerseminars zur Generalversammlung, die einen würdevollen Verlauf nahm. In seiner gehaltvollen Eröffnungsrede wies der Vorsitzende, Herr Seminarlehrer Gut, auf die neue Aera hin, in die unser Verein nunmehr eintritt und sprach den Wunsch aus, daß auch unsere künftige Arbeit der jüdischen Lehrerschaft zum Segen gereichen möge. ' Kollege So ffe.-Recklinghausen konnte aus dienstlichen Gründen nicht erscheinen, so daß sein Referat zurückgestellt werden mußte. Ein Antrag des Kollegen Raphael, Mitglieder- Zttsammenkünfte mindestens in jedem Vierteljahre einzuberufen, wurde nach lebhafter Debatte, schließlich in der Form angenommen, daß jeden Monal eine zwanglose Besprechung anberaumt werden soll, um den innigsten Kontakt zwischen Vorstand und Mitgliedschaft aufrechtznerhalten. Nachdem auf Antrag Raphael ferner die VorstandSneuwahl auf Punkt 2 der Tagesordnung ver- Pschoben war, begann Herr Gut den Tätigkeitsbericht zu erstatten. Seit Januar 1920 befindet sich unser Verein in erfolgreicher Arbeitsgemeinschaft mit dem Verein iSr. Elementarlehrer Rheinland - Westfalen. Tiefe gemeinsame Arbeit, durch die man mit einer Anzahl Gemeinden im Interesse unserer Kollegen ersprießlich Verhandlungen führen konnte, erstrebt die wirtschaftliche Gleichstellung der Religionslehrer mit den Elementarlehrern. Herr Gutz wies noch einmal die Angriffe zurück, die in der Sitzung vom 16. November gegen den Vorstand erhoben worden waren. Die Generalversammlung nahm Kenntnis von dem , Uebertritt des Koll. Weinstock- Rheine zum Verband; ein wenig seltsam fand man es, daß dieser Kollege es nicht einmal für nötig gehalten hat, unfern Vorstand von seinein Gesinnungswechsel zu benachrichtigen. Herrn Tirektor Dr. Maier C a h n yjtt rvtd mete hierauf unser Vorsitzender einen ehrenden Nachruf. Ter unvergeßliche Verstorbene hatte ja jederzeit — als Mitbegründer des Bundes — regstes Interesse für unsere Arbeiten bewiesen. Ter Bund wird sein Andenken stets hoch in Ehren halten. Den Kassenbericht erstattete Herr Harth für das Rechnungsjahr 1920/21. Den Einnahmen von 3592.40 Mark standen 1773.50 Mk. an. Ausgaben gegenüber, so daß daS neue Geschäftsjahr mit einem Kassenbcstand von 1818.90 Mk. begönnert hat. An die Kollegen erging die Bitte, in ihren Wirkungskreisen für unsere so überaus wichtige Organisation tatkräftig zu werben. Tic Debatte über diese Berichte des Vorstandes verlief sehr lebhaft. Kollege Raphael stellte nochmals fest, daß seine kritischen Aeußerungen in der letzten Sitzung lediglich der Förderung unserer gemeinsamen Sache gegolten hätten, und daß er sich in seiner Vereinsarbeit in erster Linie von dem Wunsche leiten ließe, an der Schaffung einer leistungsstarken, achtunggebietenden orthodoxen Lehrerorganisation mitzuwirken. Ein Antrag des Kollegen Adler- Neuenahr, dein Vorstand für die verflossene Tätigkeit ein Vertrauensvotum zu gewähren, wurde mit überwiegender Mehrheit angenommen. Bei der Neubildung des Vorstandes, die durch Stimmzettel vorgenommen ivurde, ergab sich die Wiederwahl der Herren G u c, Tr. R0 thschi ld -Dieslaken, Dr. Ro thschi ld- Cöln. Neu gewählt wurden Söffe- Reklinghausen und Raphael -Cöln. Herr Seminarlehrer Gu t begrüßte nun den neuen Vorstand in der Hoffnung, durch erfolgreiches Zusammenarbeiten auch fernerhin für die Interessen unserer Kollegen wirken zu können und dankt den Heerren Harth und Stern für ihre bisherige Tätigkeit im Vereinsvorstande. Hervorzuheben ist noch der Antrag des Herrn Seminarlehrers Harth, den Mitgliedsbeitrag für den Zweigverein in Anbetracht der steigenden Ausgaben von 5 Mark aus 2 0 Mark zu erhöhen. Ter Antrag ist von der General-Berfammlung einstimmig angenommen worden. Nachdem Herr Dr. Rothschild-Dinslaken im Namen der Anwesenden Herrn Gut den Dank für. bie musterhafte Geschäftsführung ausgesprochen hatte, wurde die überaus interessante und für die künftige Arbeit so wichtige General-Versammlung geschlossen. Die Kollegen verabschiedeten sich mit dem Bewußtsein, daß — trotz aller Nöte der Zeit — der Weg vorwärts führt. Der Protokollführer: S. Kantbal.