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Der Israelit · 1922-02-16 · Heft 7 (16.2.1922) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
63 (1922)
Issue
Heft 7 (16.2.1922)
Date
1922-02-16
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Der Israelit Ein Ecntraloraan lür das orthodoxe Judentum IIUSw ysafeagg Begründet ooa Dr. Leftmann in Mainz kg^ascssi \\\ WM^) 63. Jahrgang. SSS Sranhfurf s. U. «SS Jil 7 Abonnement pro Bierteljahr: Deutschland Sei den Postämtern sowie bei direkt.Bestellung u.Rechnungsertetl. durch d. Verlag M. 15.— viert.-lj., Volks chul-u. Religionslehrer sowie Kultusbeamte ln. direkt) M. 7.50 viertelj., Lschecho-Slotvakei Kr. 15.— Ungar» Kr. 80.— vierteljählich. Deutsch Oesterreich u. Polen (nur in deutscher Reichsmk.) Mk. 15 viertelj. zuzügl. Mk. 8.—Portogebütr. Rumänien 15 Lei, Holland fl. 1. Skandiuav. Kr. 2, Schweiz fs. 1.50, Frankreich u. Belgien Fr. 5.—, Vngland 1 sd. 6 p., Amerika 0.50 Doll, viertelj. Einzelnummer 1.80 Mk. Der Israelit erscheint jeden Donnerstag Inserate: Mk.3.—, für Stellensuchende Mk. 2.—, für die sechsgesp.Col.-Z. elüschl.Teuergszschl.: AuSl.-Jns. Mk6.— pro Zeile. Rab. n. Tarif. Bei lauf.Jüsetatanftr.tarifm. Preiserhöhung jederz. vorveh. Jnseratenäüüahtne durch den Verlag deS Israelit G.m. b. H., Frankfurts M., Gr. Eschenheimerstr. SS, Del. 584S, Amt Hansa, sowie sämtl. Annoncen-Exped. des In- und Auslands. Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Zahlungen außer direkt an den Verlag — Postscheckkonto Frankfurt a. M. No. 19802 — erfolgen an: Postsparkaffe Wien No. VS «SS Postsparkassenamt Budapest No. 18 424 Postscheckamt Zürich Nr- Till 7254 Postscheckamt Amsterdam No. 24 868 Böhmische Unionbank in Prag Ban ca SlarinaroBch Blank & Co. in Bucaresf Filiale des Wiener Bankvereins in Agram ver Hachdruch Ser DrliHel und Correfpondenjen des „Israelit“ ifl nur unter genauer Quellenangabe, und, toroeit es sich um größere flufföfre handelt, nur nach Dorheriger öenehmigung geflaffef. Kirhaltsiiberficht i. Leitartikel.' Die Ostjuden lind die orthodoxen Getrrtzinben. - - % $ ü m {1 e 11$: Kom Starken und Schwachen. — 3. Kleines Feuilleiott: Dir! Speisegesetze im Lichte der Medizin.— (Das hebräische Ämulett des Außenministers Baufsy). — 4. Wochenrundschau: Köschet-Koüserven. -- Wie Hilst man den jüdischen Lehrern? — 5. A u f s ä tz e: Die grüße Rabbitterversammlung in Polen. — 6. Korr es pondenzen und Nachrichten: Breslau (DieMische Volksschule in Breslau) — Berlin (Die Wohnungen der Ostjuden) — Kowno (Das neue Ministerium) — Wilna (Der Wilnaer Landtag — Wilna (Die Profantsierung der jüdischen Gemeinde — Kowno (Die zweite Konferenz der Gemeinden) — Kowno (Aus Litauen) — Warschau (Der orthodoxe Seymklub beim Minister des Innern) — Warschau — Lodz (Aus dem Lodzer jüdischen Lebens — Amsterdam (Holländische Toleranz) — New-Aork (Gin Zusammenschluß der Chassidim-RÜbbiS) — London (Die Verfassung für Palästina). — 7.Personalien: Caffel. — Cassel. — Breslau. — Wien. — 8. Vermischtes: Frankfurt a. M. - Berlin. - 9. Briefkasten. -- 10. Sprechsaal.— 11. Frankfurter Berichte. - 12. Bereinskalender. — 13. Gebetzeiten. — 14.-Feutlletori-Vetlage: Philipp Nasch: Das Krankengevet. — Chatm Bloch: Sagen jerusalemtfcher Juden. - 15. Kinderecke: Heinr. Einstädter: Ein jüdisches Heim. Rene preise ab 15. Februar 1922. brofch. geb. Lehmann, Samuel hanngick . . . - 12.-, 20.- sc&atftiiowifs, mmuiRa .... . 12.-. 20,- Luttmenrehen. . . . 12.-. 20.- „ Jenseits . . . . . 12.-. 20.- " 3m Znaenstsal Ser ßhasartti (neu) . . . 24.-. 32.- zuzüglich Porto und Verpackung. Ausland: Westländer 100 Prozent Valuta-Zuschlag, Tschecho- Slowakei und Rumänien 50 Prozent Valuta-Znfchlag zuzügl. Porto, Verpackung imi> Arrsfuhrgöbühr. Zn beziehen durch alle Buchhandlungen sowie direkt durch den Verlag gegen Vorauszahlung oder unter Nachnahme. ' Alle Preise freibleibend. Frankfurt a. IW., 3. Januar 1922. Verlag des Israelit G. m. d. H. Sie Ostjuden und die orthodoxen ~ . I. Im hebräischen Teil von Wohlgemuths «Jeschurun" (Heft 11/12) untersucht Rabbiner Benzion Beermann, Lehrer an der Schneiderschen Jeschiwa in Frankfurt a. M., die Frage, ob es angebracht sei, daß die in den mittels und westdeutschen Großstädten lebenden oft jüdischen Flüchtlinge sich mit den eingeborenen orthodoxen Elementen zur Gründung neuer selbständiger Gemeinden verbinden und zwar unter gleichzeitigem Austritt aus. den liberalen Großgemeinden. Beermann, der sich durch prächtige Aufsätze in der polnischen Aguda-Jugendzeitschrrft vorteilhaft eingeführt hat, und der auch in diesem Artikel seine agudistische Gesinnung betont, ist geneigt, die Frage zu verneinen. Der erste der beiden Gründe, die er für seine Stellungnahme anführt, entzieht sich unseres Erachtens jeder Diskussion: dort, wo ostjüdische Familienväter, die es ja ohnedies in der Fremde nicht grade leicht haben, durch ein gemeindepolitisches Bekenntnis die Gegnerschaft liberaler Kreise und dadurch schwere Erwerbs- und Existenzschädigungen fürchten müssen, ist es unbillig, vom sicheren Port aus dem “U ein m’Dö anzusinnen, dessen so oft auch die Aulhochtonen nicht fähig waren. Anders steht es mit dem zweiten, vom Verfasser ausführlich behandelten Grund, dem behaupteten seelischen Gegensatz zwischen dem „heißen" Oftjuden und dem „kalten" deutschen Orthodoxen. Hier greifen die Konsequenzen der Entscheidung über die aktuelle E'nzklfrage der Bildung neuer Austrittsgemeinden weit hinaus und müssen daher in ihrer vollen Schwere gewürdigt werden. Es sei von vornherein zugegeben, daß im Durchschnitt die gesamteseelische Innentemperatur des religiös gestimmten Ostjuden um eine Anzahl Wärmegrade über derjenigen des mitten im Strome der Kultur lebenden westjüdischen Orthodoxen liegt; hier spieen Temperamentsunterschiede und Kultureinflüsse eine Rolle. Doch concediert ja der Verfasser andererseits selber, daß in den letzten Jahren bet der deutschen Orthodoxie bereits eine deutlich wahrnehmbare Steigerung der Gefühlsintensität zu I verzeichnen ist, den er — unseres Erachtens irriger Weise — allein auf den Einfluß der ostjüdtschen Einwanderung zurückführt, der aber/ und diese Tatsache kann gar nicht genug beachtet werden, die natürliche Fortentwicklung der von S. R. Hirsch gestreuten Saat darftellt. Schon daraus erhellt, daß der Gegensatz kein absoluter, sondern ein relativer und im Abflauen begriffener ist. Die ganze Konstruktion jedoch, die sich der Verfasser von dem Gegensatz Hirsch-Bamberger, von der Wesensart und den leitenden Gedanken Hirschs, insbesondere von seinen gemeindepolitischenJdeen, aufgebaut hat, ist von Grund aus erweislich falsch und beruht offensichtlich nicht auf einer quellenmäßigen Kenntnis der historischen Tatsachen, sondern auf dem, was ihm dieser oder jener erzählt, und dem, was er individuell an diesem oder jenem beobachtet hat. Auf diese Art kann man aber beim besten Willen nicht zur geschichtlichen Wahrheit durchdringen, und die für die Lösung der Gegenwartsfragen gezogenen Schlußfolgerungen aus irrigen Voraussetzungen schweben vollkommen in der Luft. Hirsch konnte — nach dem Verfasser — das Judentum in Deutschland gegenüber seinen beiden Verderbern — dem Judenhaß und der allgemeinen Staatsschnle — nur dadurch retten, daß er eS in das „Ghetto"*) der Austrittsgemeinde einmauerte, für diese Gemeinden ein Judentum der bloßen äußeren Legalität, der peinlichsten Praktischen Gewissenhaftigkeit ohne lebendiges Gefühl konstruierte, das eben wegen seiner inneren Kälte und Starrheit in die nichtjüdische Umwelt, nach außen wenig charakteristisch Jüdisches hinaus« projicterte und so im Verkehr mit der Welt nicht störend wirkte. So sei die von ostjüdtscher Seite der deutschen Orthodoxie vor geworfene Starrheit die Vorbedingung für die Erhaltung der Thora- Praxis in Deutschland gewesen, ein von Hirsch geradezu gewolltes Konservierungsmittel! Der Austritt als eine Art von Einfrierungs- Prozeß zum Zwecke der Lebenserhaltung. *) Unter „Ghetto" versteht der Verfaffer, wohlgemerkt, nicht etwa ein „Ghetto" gegenüber den jüdischliberalen Parteien, sondern gegenüber den Nichtjuden.

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