Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 63 (1922)
- Issue
- Heft 6 (9.2.1922)
- Date
- 1922-02-09
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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s. Februar 19SB Stadium des Versuchs, gemacht haben, lassen erkennen, dast die große Mehrzahl unserer Mitglieder sich der bindenden religiösen Berpflichtungskrafr eines Gemeindebeschlusses schon heute durchaus bemüht ist. Soweit dies noch nicht der Fall war, wird es Aufgabe der Gemeindeverwaltung sowohl wie aller zur Be» lehrung und Erziehung der Gemeinde berufenen Faktpren sein, jenes Bewußtsein, von der unseren Mizwös durchaus gleichkommenden Kraft und Würde einer „Tekonas hakohol" und der Schwere des Jssurs jeder ^Übertretung mehr und mehr in die Seelen zu pflanzen. Wir werden das Steuersystem auf der gleichen Grundlage in dem bereits begonnenen Geschäftsjahr noch weiter ausbauen und differenzieren, insbesondere auch manche aus der Praxis sich ergebende Fragen klären müssen. Gilt es doch für das nächte Eiatsjahr, soweit sich der Bedarf bis jetzt übersehen läßt, das Doppelte der letztjährigen Steuerbeiträge aufzubrtngen." Aus dem F in a n z b e r i ch 1 ist die Tatsache wichtig, daß bet einem Steueraufkommen von rund 1 Million Mark doch nahezu die gleiche Summe (830.200 Mark) an Gebühren (Sesselmiete, Schulgelder re.) einging, sodatz also der letztere Posten mit nahezu der Hälfte zur Deckung des Bedarfes be'getragen hit. Die Beamtengehälter sind von 6l2.000 Mark im Vorjahre auf 1.237.000 Mark angestiegen. lieber das Schulsystem der Gemeinde enthält der Bericht folgende, auch für weitere Kreise bedeutsamen Mitteilungen: „Gleich dem gesamten Schulwesen in Deutschland werden auch unsere Unlerrichtsanstalten durch den Umschwung der Verfassungsverhällntsse und die dadurch zur Herrschaft gelangten neuen schulpolitischen Ideen nicht unberührt bleiben. Mit umso größerer Befriedigung dürfen wir an dieser Stelle von einem aus dem Kreise hochherziger Freunde unserer Schule an uns herangetreienen Plane. Kenntnis geben, der den Ausbau unserer Real sch ule zu einer BoUanstalt (Oberrealschule) im Auge Hai. Der Antragsteller wollte sich gemeinsam mit einigen Genossen verpflichten, für diesen Ausbau auf die Dauer von zehn Jahren einen recht erheblichen jährlichen Kostenbetrag aufzubringen. Angesichts der durchaus unübersehbaren Entwicklung sowohl der finanziellen als auch der schulpolitischen Verhältnisse, denen sich die Gemeindeverwaltung in nächster Zeit gegenüber gestellt sehen wird, sowie auch mit Rücksicht auf das infolge der ins Auge gefaßten Statutenänderung neu zu schaffende Gemeindeorgan, dem die Verwaltung nicht in letzter Stunde durch schwerwiegende Entschlüsse vorgreifen wollte, haben wir uns nicht entschließen können, eine Verpflichtung zur Einrichtung und Erhaltung der Oberrealschuie für zehn Jahre, wie dies von dem Spender gewünscht worden war, einzugehen. Vielmehr haben wir beschloffen, den Aufbau ab Ostern 1922 durch Einrichtung einer Obersekunda vorbehaltlich der Genehmigung des Provinztal-Schulkollegiums zu beginnen und uns Vorbehalten, im Laufe des Jahres 1922 eine Entscheidung über den weiteren Aufbau herbeizusühren. Maßgebend für die Entscheidung werden nicht nur die äußerst ernsten finanziellen Erwägungen fein, sondern auch die schwierige Frage der Gewinnung geeigneter jüdischer Lehrkräfte, die durch die hochersreuliche Ent- Wicklung des gesetzestreuen Höheren Schulwesens in Deutschland rar geworden sind. Die Gemeindeverwaltung würdigt jedenfalls auss ernsteste die hohe erzieherische Bedeutung, die dem Aufbau einer von wahrhaft religiösem Geist erfüllten Oberrealschule für die Festigung unserer akademischen Jugend und ihre Heranbildung in rein jüdischem Milieu von der Volksschule bis zur Universität innewohnt und möchte daher nicht verfehlen, auch an dieser Stelle dem ungenannten hochherzigen Initiator der Idee den warmen Dank aussprechen. Die JsraelitischeVolksschule erfüllt fortgesetzt an den Kindern der weniger begüterten Vevölkerungskreise ihre bedeutsamen Erziehungsaufgaben. Auch diese Anstalt, die dem Patronat unserer Gemeinde untersteht, sieht durch die Geldentwertung und Teuerung ihren Etat auf nahezu eine halbe Million angewachsen und hat es nur dank der aufopfernden Propaganda ihrer Verwattungskommtssion vermocht, ihren Leh> ern die staatlichen Besoldungssätze zu sichern und ihr Budget bisher zu balanzieren. Die der Schule seit drei Jahren gezahlte städtische Subvention von 10.000 Mark ist dankenswerter Weise vor kurzem auf 70.000 Mark erhöht worden, ein recht bescheidener Betrag, wenn man bedenkt, daß nahezu 400 jüdische Kinder auf Kosten der Schule zu nützlichen Bürgern der Kommune und des Staa es herangebildet werden. Der von der Stadt gemachte Vorbehalt etwaiger Anrechnung der gezahlten Subventionen im Falle einer Verstadtlichung der Schule, der durch die Presse ging, hat nur formale Bedeutung. Die Verwaltung der Schule hat eine solche Uebergabe an die Stadt keines wegs-lns Auge gefaßt. Allerdings ist die Anstalt mehr als je angesichts der ihr neu bevorstehenden Ausgaben der Jahresbeiträge angewiesen, worauf wir hiermit ganz besonders aufmerksam machen möchten. Mit inniger Genugtuung dürfen wir die Tatsache verzeichnen, daß das Bewußtsein von der zentralen und ausschlaggebenden Bedeutung des eigentlichen mim *tiö^ im gangen System der Jugendbildung in unserem Kreise sich stetig vertieft und verbreitert. So hat denn auch diejenige Gemetndeanstalt, die gerade dieser höchsten Aufgabe, der Pflege des Thorastudiums als Selbstzweck, Der Israelit GrossFrankfurt am Eschenheimer Turm TAliZ- PAL AST Kaffee ersten Ranges Weinklause isr SCHUMANN Theater mit dem sensationellen großen Programm ist heute das Tagesgespräch .Täglich 7% Uhr: Große Vorstellung. Näheres siehe die Anschlagsäulen. dient, die Iesck> iwa, im abgelaufenen Jahre in ihrer inneren Organisation und ihrer Wirksamkeit eine überaus erfreuliche Entwicklung aufzuwetsen. Zunächst sind die der Jeschiwa angegliederten Schüterkurse. die den talmudischen Unterricht der Realschu e in glücklicher Weise ergänzen und unterstützen, in neun Abteilungen mit 3—4 Wöchenstunden fortgeführt worden; eine zehnte Abteilung mit 5 Wochenstunden ist für Schüler bestimmt, die auf eine Vollanstalt übergehen und daher in der Schule ohne talmudischen Unterricht sind. Die eigentliche Jeschiwa ist durch Anstellung mehrerer neuer hauptamtlich tätiger Lehrträfte in den Stand gesetzt worden, ihre vielgestaltigen Ausgaben in fünf Abteilungen gerecht zu werden und vom Anfänger in talmuciicis bis zum selbständig lernenden Vockur jedem die geeignete geistige Nahrung unter sachkundiger Leitung zu gewähren. Den selbständig forschenden Hörern ist nunmehr ein großer Lehrsaal zum Zwecke des dauernden Aufenthaltes in den Räumen der Anstalt angewiesen und ihnen eine auserlesene Handbibliothek aus alten Beständen der Jeschiwah, einer in hochherziger Weise von der Familie Mainz der Anstalt gespendeten wertvollen Büche,sammlung und schließlich ein Teil der von Rothschildschen hebräischen Bibliothek zur stetigen Benutzung zur Verfügung gestellt worden Es wird nunmehr auch die Aufnahnre von außerordentlichen Hörern, Studenten aller Fakultäten, und von Lehramtskandidaten, die künftig im pädagogischen Seminar der Universität ihre Ausbildung erhalten werden, sich im Nahmen der geschaffenen Abteilungen ermöglichen lassen. Ueberblicken wir die Vilduugsmsglichkeiten im ganzen, die sich von der Volksschule dis zur Oberrealschule und zur Hochschule jüdischer Thorawissenschaft im Schoße unserer Gemeinde nicht nur ihren eigenen Gliedern, sondern der gesamten gesetzestreuen Judenheit eröffnen, so dürfen wir unseren Boi fahren dankbar sein, die den Grund zu diesem reichen Schulsystem gelegt haben, müssen aber zugleich die ungeheuere Kraftanstrengung der ganzen Gemeinde ernst ins Auge fassen, die nötig sein wird, wenn es gelingen soll, diese Möglichkeiten durch schwere Arbeit in Wirklichkeiten zu wandeln. Geldmittel in reichstem Maße, aber vor allem persönliche Begeisterung und Bereitschaft zur Mitarbeit in allen Kreisen der Gemeinde sind die Faktoren, die dazu erforderlich sein werden. Möchte es niemals daran fehlen". Ueber die heute so wichtige Frage der Beschaffung rituelle rNahrungsmittel zum angemessenenPreis geht der Bericht leider mit eineroffenbar bewußtenZurückhaltung mehr oder minder hinweg. Es macht den Eindruck, als ob die Versuche der Gemeindeverwaltung auf eine vernünftige Preisgestaltung namentlich von Fleisch und Butter hinzuwirken, bisher entweder nicht mit der nötigen Energie unternommen wurden, oder aber unüberwindlichen Schwierigketten begegnet sind. Sehr erfreulich ist dagegen wiederum dasjenige, was über die Entwicklung der Gem ilus Cyessed- Tätigkeit berichtet wird. Es heißt da: „Die Fürsorge für bie' organisierte Ausübung altjüdischer Zedoko- und Gemilus Chessed-Täligkeit in unserer Gemeinde ist durch den vor einem Jahre insLeben gerufenen Fürso rge-Ausschuß erstmals auf eine feste Grundlage gestellt worden Die gleichzeitig ins Leben gerufene gemeindliche Fürsorgekasse hat sich bereits zu einer überaus segensreich und tatkräftig wirkenden Gemeinde-Institution entwickelt. Sie wird zweifellos ihren Aufgabenkreis immer mehr erweitern und nach den aus der Praxis sich ergebenden Notwendigkeiten ausgestalten. Dazu sind natürlich den heutigen Verhältrrisfen nach sehr erhebliche Geldmittel Nr. 6 Seite 7 erforderlich. In dankenswerter Weise haben eine größere Anzahl nuferer Mitglieder regelmäßige Monats- und JahreSbeiträr.e für die Fürsorgekasse gezeichnet, außerdem sind zahlreiche Spenden nnd einmalige Beiträge im Lauf' des Jahres eingegangen. Für die in den letzien Monaten vo, genommene Verteilung für den speziellen Zweck der W'utcrsürsorge sind von einer Anzahl Mitglieder 84.000 Mark gespendet worden. Doch wäre für t ine Wirksamkeit im Großen bedeutend mehr notwendig. Immerhin war die Fürsorgekasse in den Stand gesetzt, im abgelauseiien Jahre 170 000 Mark an Unterstützungen, sowolll einmalige als auch für längere oder kürzere Zeit gewährte zur Verteilung zu br ngen Als besonders wohltuend wurde die durchaus diskrete Behandlung der Unterstützungsfälle empfunden. Auch wurde wiederholt von der getroffenen Einrichtung Gebrauch gemacht, größere Beträge durch die Fiiriorgekasse zur Verteilung bringen zu lassen. Der Fürsorge-Ausschuß fand häufig Gelegenheit, mit anderen Wohliät'gkeitS Insttnuionen unserer Stadt zusammenzuwtrken, ohne dabei selbstveistündlich von den für uns mußgebenden Grundsätzen der du,ch d'N Schnlchan oruch geregelten jüdischen Armenpflege irgendwie abzuweichen." Der Bericht schtictzt mit einer Reihe von Nachrufen auf die tm Laufe oes Jahres verstorbenen Mitglieder, soweit sie in der Verwaltung der Gemeinde gegenwärtig oder früher tätig waren. ZKidrafch Korträge. I ie bisher am Freitag abend nach Schluß der Synagoge in der Agudas Zts oel-Jugendgruppe stattgefundenen Midrasch Rabba-Vortrcige zur lausenden Sidrah finden nunmehr jeweils am rot” sj4 Stunde vor Nacht statt. Kommenden Sabbat spricht Herr B. Rabtnowitz Kestavend der Agudas Iisroel-Iugendgrirppe. Anstelle der am 3. Januar 1922 ausgefallenen Chanukaseier der Agudas Jisroel-Jugendgruppe findet am Sonntag, den 10. Februar, abends 0'/* Uhr, ein Festabend im großen Saale des Bolksbildungsheinies, Eschenheimer Anlage 39/4 l. statt. Aus dem reichhaltigen Programm des Abends sei angeführt: Mufikattschdeklämatorische Vorträge, Blumensestspiel, Festrede, Rundgcsang, Humoristische Licbtbilderdarbietungen. Eintrittskaiten zum Preise von 25, 15 und 8 Mk., sind trt allen jüdischen Buchhandlungen, in der Agudas Jisroel- Jugendgruppe und an der Abendkasse zu haben. L ö st Blumen z u G u n st e n u n t e r e r n ä h rte r Kinder ab. Jüdische Frauen Vereinigung e, V , S ch lv a n e n st r. 22, H. 2825. Vereinskalender. Verein Mekor Chajim. Freitag abend nach Schul: „Mikro"/ Herr S. K a tz b u r g. Samstag vorm, nach Schluß der Synagoge „Dinim": Herr Rektor Falk. — mittag 12 Uhr „Melochim"/ Herr Prof. A. Weyl. — nachm. 3?lf Uhr tm Vereinslokale: „En Jaakow"; Herr Redakteur S. Schachnowitz. S o n n't a g v o r m. 9*/, Uhr; „Gemoro"; Herr R. A. G Posen. — abend 6 Uhr, Langestr. 18: „Midrasch"; Herr Dr. W. H o s m a n n. Montag und Mittwoch abend 7 Uhr: „Gemoro"/ Herr Rabbiner Dr. Jos. Breuer. Dienstag abend 7 Uhr: „Gemoro"/ Herr R. A. Posen. Donnerstag abend eine Stunde vor Mincho: „Mischna"/ Herr Rektor Falk. Allabendlich 87« Uhr: „v^-Lernen im Vereinslokale / Herr H. H alp ern. Jahrzeit st iftungslernen: Samstag: Elise Heß geb. Schloß-Stiftung. Montag: Lina Sänger geb. Sänger-Stiftung und Prof. Michael Altmann-Stiftuig. Mittwoch: Beriha Rosenthal-Stiftung. Donnerstag: Josef Hermann Jülich-Stiftung. Agudas Jisroel-Jügendgruppe. Freitag abend 8 Uhr: Geselliges Zusammensein. SamStag vorm. */,11—l/»12 Uhr: „Chaje Odom" Herr Dr. W. H o f m a n n, E'chenheimer Anlage 1. — ll3/4 Uhr: „Mischna" / Herr A. Hirsch verg. — 110, Uhr: „Schah": Herr H. Halvern. — nachm. 3 Uhr: „Gemoro"/ Herr Dr. Hosmann. — 474U(jir. „Grundgedanken der jüdischen Gesetze"/ Herr R. Rabtnowitz. — abends 67« Uhr: „Chumtsch mit Raschi"/ Herr tzeopold Oppenheimer. Samstag, 7« Stunde vor Nacht: „Sidrahvorlrag"/ Herr Rabtnowitz. Montagabends Uhr: „Mischna" für Fortgeschrittene / Herr Herrn. Hirschberg. — 9—10 Uhr: „Gemorö-Sanhedrin" / Herr Dr. Ehrmann.— 9 Uhr: „Sukkoh" / Herr Leop. Oppenheimer. — Sprechstunde des Angestelltenausschusses.