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Der Israelit · 1922-02-02 · Heft 5 (2.2.1922) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
63 (1922)
Issue
Heft 5 (2.2.1922)
Date
1922-02-02
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 3 Nr. 5 Der Israelit. 8-iörra len von Bnkelrh»SlL«twaren vvnvmnherein mißtrauisch und wollten nicht recht mittun, und die Ostjuden schufen sich eine Liga, die durch besonders gekennzeichnete Beiträge ihr Geld vor einer Verwendung für religionswidrigen „Tradttionalismus" sichern sollte — aber das leitende Komitee ging doch mit großem Optimismus und einem gewaltigen Apparat ans Werk. Das Ergebnis ist nun finanziell äußerst deprimierend, moralisch aber die Offenbarung traurigster Zerfahrenheit an den leitenden Stellen. Der Fonds will .7srvs College, an dessen Spitze Dr. Büchler steht, ein Mann von prak tischer Gefetzestreue und der religiösen Gksinnung eines rechts gerichteten „Breslauers", Lst. 2000.— Iahressubvrnlion gewähren, macht aber eine Umgestaltung des Instituts zur Be dingung, die einen seltsamen Kommentar zu dem Inhalt des Begriffes „traditionelles Judentum" im heutigen offiziellen England bildet! Die Anstalt soll näml'ch künftig aus zwei g etren nten Ab teilun gen unter gemeins amer Administration bestehen, von denen a) der Ausbildung orthodoxer Rabbiner nach den Prinzipien des überlieferten Ju dentums dienen b) ein freies Forschungsinstitut für alle möglichen Spielarten und Auffassungen von „Judentum" (soweit sie in irgend einer im Council des Fonds vertretenen Synagoge gelehrt werden) werden soll. Diesem „Kompromiß" hat Chief-Rabbi Dr. Hertz — wie er wiederholt beteuert, mit sehr schwerem Herzen — zugestimmt, und es macht, wie wir in aller Ehrfurcht bemerken möchten, einen keineswegs erhebenden Eindruck, daß ein Mann von dem starken Einfluß des Chief-Rabbi sich zu dem öffentlichen Bekenntnis bequemen mußte, er vertrete „unwillig" Dinge, die er in der Tiefe seines Gewissens offenbar als unjüdisch, als gesetzeswtdrig verwirft. Denn hier liegt des Pudels Kern. Wenn man die Protokolle der drei langen Sitzungen liest, in denen die Verwaltung von Jews College unter dem starken Drucke eines eigenwilligen und entschlossenen Vorsitzenden und den fortwährenden Zurechtweisungen des streitbaren Sir Robert Waleh Cohen über die ihr auferlegien „Bedingungen" des geldspendenden Versuchers diskutierte, wenn man liest, wie diese Verwaltung nach prächtigen Reden klardenkender Männer sich unter den heftigsten Gewissenszuckungen drehte und wand, ohne daß j emand das erlösende Wort fand: „Wir dürfen als gesetzestreue Juden mit einer Stätte b*8 rnro nicht unter einem (geistigen) Dache wohnen — CHkTN nn« NL'222 und wir dürfen nach dem klaren Wortlaute des Gesetzes diesem JTDTpwi fllTö weder mittelbar nochunmtttelbarFörde runggewähren", dann krampst sich einem das Herz in bitterem Weh zusammen. Wieviel guter Wille, instinktives Gefühl für das Wahre und Rechte, wohnt doch in den Herzen aller der Opponenten aus Laienkreisen, die das „Kompromiß wider Willen des Chief Rabbi" bekämpften — aber niemand hat diesen Männern g"lehrt, daß es auch im Verhältnis zu den geistigen Bewegungen, die als nT£. klassifiziert werden müssen, eine Halacha giebt, die für den ehrlichen Halacha- Jorschrr ebenso eindeutig sich präsentiert wie diejenige über und ns'-iE* Hier ist nicht von Zweckmäßigkeit und Entgegenkommen, von Mut oder Feigheit, von Toleranz oder Unduldsamke it, also lauter Subftküoitälen zu reden, sondern von der Frage der religiösen Zulässigkeit eines Instituts, tas aus den Mitteln orthodoxer Juden oder unter schweigender Duldung und mifltelbaren Hülfe orthodoxer Juden im Namen der freien Wissenschaft eine Lehrstätte der Leugnung, der kritischen Verneinung des jüdischen Grunddogmas neben der Stätte der „Tradition", der Emuno ins Dasein ruft. Wo aber bleiben die oft jüdischen Führer in England, die doch schließlich noch wissen, daß ein „Rabbiner" nicht nur kein pan UV, sondern auch kein notdürftig zusammen geleimter Non lihust-Zweifler mit einer Brandmauer im Kopfe sein soll? Sie scheinen sich regen zu wollen. Zwar — die offiziellen Dajanim äußerten sich in den Sitzungen mit einer Vorsicht, die man psychologisch begreifen, wenn auch nicht grade als Ausfluß eines heroischen begrüßen kann. Aber inoffiziell werden doch Stimmen laut, die auf Grund der aufregenden Erlebnisse der letzten Wochen nach einer großen Konferenz der Rabbonim rufen, und aus denen sogar das Bewußtsein hervorzudämmern scheint, daß die ewige Angst vor dem „split" das Grab aller religiösen Wahrhaftigkeit ist. Es braucht gar keinen „split", es braucht nur Mut und Ehrlichkeit von seiten derer, in denen die alte jüdische Wahrheit lebendig ist. Im englischen Judentum wohnen starke verborgene Kräfte. Wenn die beschämende Tragödie des reorganisierten Jews College — die „Bedingungen" sind mit knapper Mehrheit angenommen worden ’T .y, /'/ Aeunwilbsegen. Zum Wochenabschnitt. Zu dem Verse ntn tinnn bemerkt der Midraschjvinn 2y>2*? .2 nxn )bs. :;ew pth -pi-err b: "s‘ ht Z-b mr>. „Wer den Neumond segnet zu seiner Zeit, der erblickt gleichsam die Gottesherrltchkett, denn mit dem gleichen Wörtchen nr „diese S", mit dem das Gotteswort dte Neumondheiligung einführt, rief JSrael am Schilfmeer der Gottesherrlichkeit entgegen: m, dieser ist mein Gott und ich will ihn verherrlichen". Es ist ein tiefer Blick in dte gehetmnißvollen Gründe jüdischer Weltanschauung, den uns der Midrasch mit diesem kurzen Worte gewährt. Am Schilsmeer, als die Wogen des Weltmeeres sich spalteten, geschah ein Untz'Mueres: die Naturgesetze des Weltalls, die sonst e7^!g unabänderlichen, traten zurück vor dem Wallen des Gottes der sittlichen Freiheit Da erkannte der jüdische Mensch, datz auch er in der kleinen Welt seines eigenen Wesens, in der das Sinnliche mit der Kraft des Naturgesetzes waltet, in > Freiheit Wunder vollbringen, das sinnliche Naturgesetz überwinden, heilig werden kann. Und siehe da: „was Jecheskel, der Prophet nicht zu schauen vermochte, das erschaute die Magd am Meere" Die Sch'echina entschleierte sich dem zur Heiligkeit Berufenen, dem Freien. Aber in langem Kreislauf runden sich die Monde zu Jahren — nur einmal ward das Ereigniseinzige am Meere, doch täglich erneuert sich der Kampf des Schechtna Funkens im Menschen mit der Sinnlichkeit der natürlichen Materie. Was nützt das Erlebnis der „Magd am Meere" ihrem spätgeborenen Enkel, der zur Heiligkeit emporverlangt, zum erneuten Anblick der Schechtna? Siehe, da hat der Schöpfer in seiner Liebe die Lehre vom Meer an den Himmel des Juden geschrieben. Unter m’n rivö, der „Verdunkelung des Mondes" versteht die jüdische Ueberlieferung die M terialisation des Geistigen, die Schöpfung des Sinnlichen, und in dem mit jedem Neumond sich vollziehenden Wiedererstehen desMondeszum Lichte erblickt sie das Symbol, das Vorbild, die Gewähr für die Möglichkeit menschlichen Aufschwungs zur Höhe der sittlichen Heiligkeit, der die Sch echt na auch heute noch Auge in Auge winkt. Wer den Neumond in diesem Sinne „segnet" — und unsretwp ro*i2 enthält keinen anderen Gedanken —, der empfängt wahrhaft die Gottesherrlichkeit und erneuert den großen Augenblick, da unsere Väter ihrem Gotte am Meeresuser ihr Tarn "n jt entgegenjauchzten. 2 Februar 1932. — diese Kräfte aufzuwecken imstande wäre, -so hätte sie sich wieder einmal als Teil von jener Kraft bewährt, dte das Böse will und das Gute schafft. Wochenmndschau. Arier-Paragraphen. Den Luxus, sich einen Arier-Paragraphen zuzulegen, leisten sich heute manche Vereine, die ihrer Natur nach mit Raffen-, und Konfessionsfragen eigentlich nichts zu tun haben sollten. Die Alpen- und Hochturistenvereine in Oesterreich und Deutschland unternahmen es sogar, mit einem Arier-Paragraphen die würzige Höhenluft des freien Gebirges drn Juden zu verderben. Umso erfreulicher ist es, daß die zu geistigen Höhen Strebenden in Deutschland ihre Sphären reiner zu erhalten bedacht sind, um sie vor allem von der antisemitischen Seuche zu schützen. Gewiß fehlt es leider auch auf den deutschen Hochschulen nicht hie und da an dem bekannten Korpsgeist, der sich nicht teutonisch genug geben kann und den jüdischen Studierenden zuweilen die Freude an Leben und Studium verdirbt. Im ganzen aber herrscht noch ein guter Geist unter der deutschen Studentenschaft, der den reinen Idealismus früherer Zeiten nicht ganz verleugnen kann. Und dieser Geist spiegelte sich in den Beschlüssen des HauPtauZschufses der deutschen Studentenschaft, dte vor einigen Tagen, wie bereits kurz berichtet, in Göttingen. gefaßt worden sind, wieder. Dort wurde einstimmig die neue Verfassung zum Beschluß erhoben, nach der die deutsche Studentenschaft alle Studierenden der retchsdeutschen Hochschulen, auch auslandsdeutscher Herkunft umfaßt. Im Gegensätze zu der österreichischen deutsch-arischen Studentenschaft wurde damit der Rassenstandpunkt restlos aufgegeben. Wir sehen in diesem glücklichen Beschlüsse einen hohen Gewinn für die Studentenschaft, wie für das geistige Deutschland, der den Verlust durch die Trennung von der österreichischen Studentenschaft mehr als wett macht. Sin frommer Wunsch. In einem Artikel voll Gift und Galle der zionistischen „Jüdischen Volkszeitung" in Bratislava, in der Professor de Haan in Jerusalem wegen seiner privaten Vertrauenskundgebung an General Storrs wahrheitswidriger Weise zum Agudaführer erhoben wird, macht sich das edle Gemüt des zionisttfchen Artikelschreibers in folgender Weise Luft: Kleines Feuilleton. Josefs Grab entdeckt und zerstört? Eine Aussehen erregende Kunde bringt der neueste „Bote aus Zion". Aus 1. Buch Mos. 50, 35 und 26 wissen wir, datz Jo'ef seine Brüder eidlich verpflichtet hatte, datz sie, wenn sie einst aus Aegypten wieder in die Heimat zurückkehren würden, seine Gebeine nicht in der Fremde lassen, sondern sie mitnehmen und in israelitischer Erde beisetzen sollten. Als er dann starb, wurde sein Leichnam in landesüblicher Weise einbalsamiert und sie legten ihn in eine Lade in Aegypten. Jedes größere Museum bewahrt solche vst bunt und kunstvoll bemalte „Laden", dte den Aegyptern als Särge dienten. Als dann die Kinder Israels aus Aegypten' auszogen, „nahm (2. Mos. 13, 10) Mose mit sich die Gebeine Josefs", getreu dem einst geschworenen Eide. Das Buch Josua berichtet dann in Kap. 24, 32 : „Die Gebeine Josefs, welche dte Kinder Israels hatten aus Aegypten gebracht, begruben sie zu Sichem in dem Stück Feld, das Jakob kaufte von den Kindern Hemors" (1. Mos. 39, 19 und 20) für hundert Ktzito, damit es als Erbteil der Nachkommen Josefs gelte. Daselbst erbaute Jakob auch seine Hütte und daneben einen Altar zur Anbetung des starken Gottes Israels. Nach all diesen Nachrichten muh also in der Nähe des Jakobsbrunnens, der noch heute vorhanden ist, Josefs Grab zu suchen sein und tatsächlich haben die Mohammedaner das dem Brunnen zunächst gelegene Dörfchen Bälaata als die Stätte verehrt, an der Josefs Gebeine ruhen sollten. * Als nun im vorigen Sommer der Direktor Schneller

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