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Der Israelit · 1922-01-26 · Heft 4 (26.1.1922) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
63 (1922)
Issue
Heft 4 (26.1.1922)
Date
1922-01-26
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 3 Sekte 3 19. Januar 1622. kleidete zahlreiche Ehrenämter.- Bei'seinem Tode (1842) gaben ihn: sämtliche israelitischen Gek rneindewitglieder, alle Beamten des Ortes, viele angesehene christliche Bürger, der evangelische unt> der katholische Geistliche »das letzte Geleit. Die hebräische Druckerei ging nun irr die Hände seiner beiden Söhne Jsaac und- Meyer Lehrberger über. Auch Meyer Lehrberger erfreute sich in Rödelheim großer Beliebtheit; er war lange Jahre erster Vorsitzender der Rödelheimer Stadtverordneten - Versammlung und der dortigen israelitischen Gemeinde. Nach dem im Jahre 1881 erfolgten Tode Jsaac Lehrbergers' trat dessen Sohn Siegfried als Teilhaber in die Firma ein, trennte sich jedoch bald von seinem Oheim. Die Druckerei und der Verlag wurden nun geteilt: Meyer Lehrberger nannte sein, Unternehmen M. Lehrberger & Co., während Siegfried Lehrberger den von!ihm übernommenen Teil unter der Firma S. Lehrberger & Co. sortsührte. Meyer Lehrberger trat im Jahre 1901 feilt Geschäft käuflich an den Berlagsbuchhändler Ignatz Kaufsmann ab, der zes nach dem neu erbauten Geschäftshause Lorscherstraße 3 verlegte. Im Jahre 1909 ging die Firma Al. Lkhrberger & Co. auf den Berlagsbuchhändler Dr. Phil. Felix Kausfmann über, der nach dem Tode Siegfried Lehrbergers am 1. Januar 1912 auch diesen Zweig des alten Hauses übernahnt. Das nun unter der Firma M. Lehrberger & Co. wieder vereinigte Unternehmen siedelte im Juli desselben Jahres nach Frankfurt a. M. (Schillerstraße 19) über, wo es unter der Leitung von Dr. Felix Kausfmann zu erneuter Blüte erstanden ist. In den dreißiger Jahren war ein anderer Rödelheimer Jude rühmlichft bekannt: Ter Schriftsteller und geistreiche Stegreifdichter Maximilian Leopold Langenschwarz. Er hieß eigentlich Meyer Hossmann und war 1806 als Sohn armer Eltern in Rödelheim geboren. Nach dem Besuche des Frankfurter Gyinnasiums — wohltätige Menschen unterstützten ihn — lebte er mehrere Jahre in Oesterreich, wo er zur katholischen Kirche übertrat und den früheren Rainen seines Vaters annahm. Seit 1830 trat :r in München, Leipzig, Frankfurt, Mainz und ruderen großen Städten unter großem Belast auf. . Vermutlich haben die Rödelheimer Juden wreits im Mittelalter ihre Toten ans dem alten, >oon Dornenhecken umgebenen Friedhofe begraben, der mitten im Felde — in früheren iJahrhunderten „neben dem Schindanger, wo vormahls der Galgen gestanden" — an: Seedamm liegt, denn dort finden sich noch heute - uralte Grabsteine. Im 16. Jahrhundert wurde dieses dem Grafen gehörige Stück Land nachweislich als Friedhof von .ihnen benutzt; als die Judengemeinde int Jahre 1811 den Grafeg bat, ihr einen Teil des Seedammes zur Erweiterung ihrer Begräbnisstätte zu verkaufen, erfüllte er diese Bitte tticht, überließ den Juden aber auf Widerruf ein Stück am Abhauge des Seedammes zur unentgeltlicheu Benutzung. Erst in den Märztagen des Jahres 1848 überwies der Graf den alten Friedhof der israelitischen GemeindSk.alstMrpfreies Eigentum. Der Fried- . Hof an der Wefterbach-Straße wurde im Jahre. 1859 in Benutzung genommen. . Während der Frankfurter Revolntionswirren des Jahres 1848 — sie hatten übrigens in Oberhessen einige Judenverfolgungen verursacht — war der Judenlehrer Saul Buchsweiler, der von 1845 bis st847 >als Schulgehilse in Rödelheim tätig war, einer der igefährlichsten Wühler und Hetzer. Er war unterteilt Namen „der Doktor" bekannt, hielt in den Frankfurter Kneipen dauernd aufrührerische Reden und sprach auch am Abend des 16. September 1848 von einem bevorstehenden offenen Kampfe und von gewaltsamer Entscheidung. Da er nachweislich an der Ermordung des Misten Lichnowsky teilgenommen hatte und geflohen war, wurden Steckbriefe gegen ihn erlassen. Buchsweiler scheint, _ Der JSraeltt. _ sich nach New-York in Sicherheit gebracht zu' haben; hier traf ihn Julius' Fröbel zufällig auf der Straße. Im Jahre 1869 wurde die Gleichberechtigmrg der Juden mit den übrigen Konfessionen gcsetzltch angeordnet, und damit hatte der jahrhundertelange Befreiungskampf der Juden fein Ende erreicht. In Rödelheim lebten die Inden mtt den Christen übrigens schon seit Jahrzehnten in bestem Einvernehmen, sodaß im Jahre 1855 der Bürgermeister schreiben durfte: „Wenn eine Gemeinde im Großherzogtum Hessen der Toleranz sieh rühmen darf, so ist es gewiß die Gemeinde Rödelheim". Sogar in den Gemeinderat entsandten die Inden seit 1861 ihre Vertreter, als ersten S. A. .Haas, der 18Jahre stang auch Vertreter der jüdischen Gemeinde war. Die Rödelheimer Judengemeinde, die im Jahre 1845 mit 421 Mitgliedern am stärksten gewesen war, wurde gegen Ende des 19. Jahrhunderts seiner, da viele Juden der besseren ErlyerbsMglichketten wegen nach Frankfurt zogen. Tiefe Frankfurter Juden vergaßett ihre Rödelheimer Glaubensgenossen nicht und sandten oft Geld zur Verteilung au israelitische Arme. .Haas' Nachfolger, Samuel Mandelbautn,' mütterlicherseits ein Enkel des oben genannten Barnch, Baschwitz, war eilte der volkstümlichsten Persönlichkeiten Rödelheims: Mit seltener Gewissenhaftigkeit 'und Treue bekleidete er 20 Jahre lang — bis zn seinem Tode am 21. Oktober 1890 — das Mmt eines Vorstehers der jüdischen Gemeinde und erfreute sich hohen Ansehens und großer Beliebtheit. Zur Pflege der jüdischen Literatur und Geschiche grüntdete im Jahre 1904 .Herr Rengionslehrer Zinkes in Rödelheint einen „Israelitischen Literatur-Verein", der noch heute besteht. Minderecke. )m Gefängnis. Von Heinrich Einstädter. Hobe Mamrn umgaben einen finsteren, engen Hof. Obwohl es schon gegen Mittag ging, erreichte die Sonne noch kaum den gepflastertn Boden. Lang am kroch sie an d m Gemäuer ab» wäris. Ein Jüngling breitete Strohmatten aus, um sie zu trotnen. Er atmete den Moder, kei sie bergen, und schaute öfters sehnsüchtig nach der Lonne, die so selten zu ihm htnabblicktt. Sein G wand bezeichnete ihn rls Gefangenen. Ungepflegt waren Ba't und Haupthaar, und dennoch waren die edlen Zuge seines Angesichtes unverkennbar. Mit Wchlg-fallen ruhte auf ihm der Blick des Beamten, der, von dem Jüngling unbeobachtet, hinter der Tür des Gebäudes stand. Im Stillen bewunderte er den unermüdlichen Fleiß des Mannes, der keines Aufsehers bedurfte Was ih u aufgelragen wurde, das lag kn guten Händen Er zeigte GZchick zu allen Dt»gm und war Per bescheteer.ste von allen Gefangenen. Jetzt gerade drang ein oeuiltcher Seufzer des Jünglings bis zum Ohre des Gesängntsdirektors. Er trat hervor und legte wohlwollend die Hand auf die Schulter seines Untergebenen. „Armer Josef", sprach er mitleidig. „Ich weiß, woran du denkst: an deine Heimat, an deinen Vater, an deine Freiheit. Hoffit du immer noch auf den Mundschenken? Glaubst du noch an die Dankbarkeit der Menschen? Begrabe diese Hoffnung. Seit zwei Jahren hat sie dich betrogen". „Ich weiß es", antwortete der Jüngling, „und hatte von vornherein Unrecht, als ich mich auf den Fürsten vrttieg. Nicht auf Menschen soll man vertrauen, sondern nur auf dm Ewigen. Auf ihn richte ich meine Zuversicht". M'tieiiig lächelte der Beamte. „Wie lange noch willst du deinem Gotte anhangen, den niemand sieht und keiner hört, der dich in Not kommen ließ und dich nicht befreien kann? Folg nur, mein Jo »es, und bete zu unseren Göttern. Und du wirst sehen: Sobald unser Oberpriefter durch mich erfährt, daß du deinen fremdem Glauben abgelegt hast, wird er auch Mittel zu deiner Befreiung finden. Sonst kannst du noch lange auf die Freiheit warten". Da schüttelte Josef sein Haupt. „Ich Hanke Euch für Euer Mitleid, aber Eure Götter kann ich niemals anbeten. Sie sind aus Holz und S'ein. Wir sehen sie wohl, aber sie nicht uns. Anders unser Gott, der Ewige! Er sieht alles was lebt, und kennt unsere Gesinnung. Er wird auch mein nicht vergessen und mich befreien, wenn es Zstt ist". Zuversichtlich und glücklich schien sein Lächeln. Bewundernd und nardenklich schaute der Beamte >hn an. Bevor er aber antworten konnte, wurde er gerufen. Dimer des Königs waren erschienen, um kiligst Joseph nach dem Palast zu holen. Der Segen. Von Heinrich Einstädter. In der Gartenecke steht meinem Fenster gegenüber ein Baum. Seine Acste sind längst entblä tert. Kahl strecken sie sich nach allen Richtungen hinaus. Der Wi»d last sie erbeben. Er erzählt ihnen von Reif und Frost, von. Schnee und Eis, die auf dem Wege sind, um alles, was erstirbt, mit ihrem Leichentuche zn bekleiden. Nur ein einziges Blatt wiegt sich noch ai einem der Zweige. Es ist schon lange welk, und müde hängt es an dem schloff n Stiele. Wie alte Leute richtet es sein Auge zu Boden, und wie sie nickt es beim Sprechen mtt dem Kopfe. Was sieht es denn dort unten am Boden? Be>dorrtes Gras, verwesendes Kraut. Was im Sommer glatt und glänzend und fcubenprächtig gewesen ist, das ist j tzt fahl und faul, wird von Tag zu Tag dem Bodm ähnlicher, bis es schließlich selbst zur Erde wird. „Ist das nicht traurig?" denkt das Blatt. Doch gleich data ff schüttelt es das Haupt. Es sieht in dem Boden die zarten Keime, die von den mokernden Pflanzen gegen die Kälte ge- 'chützt und von den v rmoderten bei ihrem Herumbrechen genährt werden. Es denkt an die zahllosen Würzelchen, dle ihre Mündchm öffnen, um gierig aufz rsauqen, was fiühere Gesuchter für sie bereltg. füllt haben. Es stellt sich vor, daß im Frühling oann viele glänzende Blattktnder an den Zweigen hängen werden, daß das Sonnmlicht in ihnen gar gute Säftlein kochen wird, die dann in die Blüten wandern und köstliche Früchte hervorbrinaen, nach bessere als im Bo-sichre. Und wie werden sich damit die Menschen sie ea! Und auch viele Tierchen erhalten davon ihr Teil, und alle werden dadurch gekräftlgt zu neuer Arbeit, zu neuem Schaffen. So denkt das Blatt, löst sich vom Zweige, flattert langsam durch die Lust und breitet sich segnend über den Boden. Zhr lieben Kleinen! Ihr habt so eifrig das Rätsel der Tante gelöst, daß es Euch sicherlich nicht alUuschwer fallen wstd, ihr durch zahlreiche richtige Lösungen abermals eine Freude zu bereiten. 1. Geschaffen hat mich einsit Gotchs Hand, 2 Als Name werde ich nochcheute genannt, 3. Als Farbe b n ich Euch wohl bekannt. 4. Schenkt Jbr mir noch einen Konsonant War ein Volk ich einst mit mächtigem Land. 5. Und mit leisem Hauche ganz hinten am End Werde ich zum festen Element. Für einen gemütlichen Winterfreitagabend habt ihr nun wieder einen Zetlvertretb. Herzlichen gut Wunsch Eure Rärseltante. Mselauflösungen. Richtige Lösungen des Räisels in Nr. 3 sandten noch rin: Jda und Beriy Goldmann, Wiesbaden,' t'ouis UN" Felix $lu, Bres'au / Brunhtlde Nachmarrn, Danzig: Eugen Rubtnfietn, Z.irtch; Joseph Euiu. Bogel, Hannah und Jakob Rothschild, Frankfurt a. M.

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