Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 63 (1922)
- Issue
- Heft 4 (26.1.1922)
- Date
- 1922-01-26
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Sagen jerusalemischrr Luden. Gesammelt und bearbeitet von Chajim B loch in Wien. Das Geb et um Regen. Einst herrschte im Heiligen Lande eine große Dürre, denn der Ewige hielt beu Regelt zurück und es schlug keilt Tropfen Regen bis nach dem Monat Tobet nieder. Man bestimmte Fasttage und ordnete Gebete an, man legte sich auf die Gräber der Gerechten und «Frommen, doch alles war vergebens. Damals schickte der Pascha um die Vornehmen per Juden und er sprach zu ihnen also: „Flehet Euren Gott um Regen an!" Die .Juden aber antworteten also: „Gib uns das Recht in die Doppelhöhle in Hebron zu gehen, mir werden zu Gott beten und die Verdienste unserer Ahlten erwecken, das; der Regelt falle und bcu Boden befruchte." Sogleich schickte der Pascha all den gtoszen Kadi in Damaskus, in dessen Hand der Schlüssel zur Pforte der Höhle lag, einen Brief, daß er nun bcu Juden gestatten solle, die Höhle zu betreten, das; sie um Regen beten sollten nlld man llicht des Hungers sterbe. Der Kadi lvar ein kluger Mann und erdachte irr sich: „Bis vom Sultall die Erlaubnis kommen wird, daß die Juden in die Höhle hinabsteigen dürfen, wird die Zeit und die Tage der Regenperiode vorbei sein, was nützt es dann, wenn mari um Regen betet?" Er schickte daher gleich den Schlüssel nach Jerusalem und gebot, daß man die Judelt sofort irr die Maarat Hamachapela lasse. 'Run wählten die Juden zehn Männer, Gelehrte und Gottesfürchtige, die in der Kabbalah Hand und Namen hatten, sie zogen nach Hebron und gingen, von einem Synagogendiener begleitet in die Maarat Hamachp-ela. Sie stiegen fünf Treppeit hilrab und stimmten das erste Buch der Psalmen in großer Andacht und mit klagender Stinune all, Und null befahlen sie dem Diener, daß er hinaufgehe und sehe, ob sich der Himmel in die Dunkelheit der Wolken hüllten. Er ging, kehrte nach einer Weile zurück und teilte mit: „Noch leuchtet die Sonne, lvie im Solltmer." Darauf stiegen sie weitere fünf Treppen hinunter und sagten das zweite Buch Psalmen und sie schicktelt den Diener neuerlich, daß er sehe ob die Himmel sich in Wolken hüllten. Er ging und kam zurück: „Noch ist die Solme über dem Lande!" Nun entstiegen sie noch fünf Treppen, sprachen das dritte Buch Psalmen und sie schickten den Diener ob ihr (Nebel erhört worden sei. Da kehrte er zurück und sprach: „Schon haben sich die Himmel in Wolken gehüllt und der Regen fällt in Strömen!" Nun lösten sie sich von der „Kawana wegen des Regens" los und machten sich daran, die „Kawana der Erlösung" zu erfassen. Mer im selben Augenblicke kam aus der Höhle ein Wind tobend und brausend und eine gewaltige Stimme ertönte: „Hinaus! Menschenkinder, Ihr wollt die Zeit vordrängcn?" und stieß sie kräftig hinaus. Da begriffen sie, daß die. Zeit des Gedenkens noch nicht gekommen sei. Mer seit diesem Tage waren die Juden glücklich und erfreuten sich des größten Ansehens in den Augen des Pascha und dos Volkes. Der Gast der Juden in Hebron. Vor vielen Jahren war, die Anzahl der Juden in Hebron so zurückgegangen, daß wenn kein Fremder im Orte war, den man hinzuzählte, gar nicht möglich war, einen Gottesdienst abzuhallen. Von Zeit zu Zeit kamen des Weges dorthin welche fromme Pilger, deren Herz zu den Gräben, der Erzväter zog. Die jüdischen Einwohner bekundeten für sie aufopfernde Gastfreundschaft, der Geist des Ahnen Mraham, des liebevollen Gastgebers weilte hier und man riß sich förmlich um ei neu Gast herum. i Einmal, es war am Erew-Jom-KlMr, fehlte es an einem Manne, daß die Zahl voll werde, um einen Gottesdienst abzuhalten. Die Inden kränkten sich darob und sie zogen nach allen Richtungen, der^oine her, der zweite hin, um einen Juden zu finden, der die Anzahl vollmachen sollte. Sie sahen sich lange um, doch vergebens, ein Jude war nicht zu finden. Als der Abend herannahlc und die Sonne dahinging, erblickten sic plötzlich einen Greis mit schneeweißem Bart, der des Weges wandernd sieb ermüdet der Stadt näherte; seine Gewänder waren zerfetzt und zerlumpt, seine Füße aber angeschwollen. Die Juden liefen ihm entgegen mit großer Freude und sie sprachen zu ihm: „Sei willkommen!" Er erwiderte: „Friede mit Euch!" Sie zahmen ihn heim rutb man reichte ihm Speise und Trank. Er aß in Eile und nachdem sie ihm, dem heiligen Tage ent-, sprechend, weiße Prachtgewänder gaben, ging er in die Synagoge. Auf die Frage wie er heiße, erwiderte er: „Abraham!" ' Am Ausgange des Heiligen Tages ließen sie das Los entscheiden, wer den teueren Gast bewirten soll. Das Los fiel zugunsten des Synagogendieners. Dieser, ein um das Wort Gottes streb- und furchtsamer Mann, freute sich gar sehr, daß er im Himmel würdig befunden wurde, den teuren Gast zu betreuen. Doch feine Freude verwandelte sich bald in tiefe Trauer: wäh-, rend sie nebeneinander gingen, entschwand der Gast plötzlich feinen Augen. Er rief: „Mraham, Mraham!", doch es war keine Spur mehr von ihm. Da weinte der Synagogendiener mit sehr bitterer Stimme. Vergebens suchte er den Mann uns allen Wegen und in allen Gassen. Nun lief er zur Gemeinde und erzählte, was da paftierte. Als die Gemeindeältesten dies körten, befiel sie ein großer Schrecken und sie machten in ihrer Erbitterung dem Diener Vorwürfe, daß er auf den Gast nicht genug auftnerkfam war und dieser daher, in einer fremden, unbekanntjen Stadt, des Weges sich verirrt habe, und wer weiß, ob er keinem Räuber in die Hände gefallen sei. Ihre Freude wurde zur Trauer, und sie liefen und suchten ihn die Nacht über in allen Gassen, auch in jenen der Nichtjnden. Als der Morgen angebrochen war, gingen sie voll Düsterkeit nach Hause. Schließlich mufften sie sich ein wenig Ruhe gönnen. Als der Synagogendiener einschlummerte, erschien ihm sein Gast Abraham im Traume, sein Angesicht glänzte und funkelte, seine Gewänder waren voll der Edelsteine und er sprach: „Ich bin Abraham der Hebräer, E u e r A h n e der in diesem Orte in der Dvppelhöhle ruht, ich sah Euren Schmerz, daß Euch ein Mann zu Minjan fehlte, daher kam ich zu Euch, meine Kinder. Und nun sollt Ihr um mich nicht trauern, sondern freuet und frohlocket gar sehr, daß ich in Eurer Mitte gewesen war uno Ihr werdet ein vollgesegnetes Jahr haben." Der Erzvater Abraham ü b e r b r i n g t eine Summe Geldes. Einst war in Hebron ein Pascha,, der den Juden blutfeind war und sie gar sehr bedrückte. Eines Tages trug er den Juden bei Todesstrafe auf, eine riesige Summe zu erlegen und diese hatte aus einer Münze zu bestehen, die in oieser Menge nicht zu finden war; denn er suchte bloß einen Vorwarrd, um die Juden zu vernichten und daher verlangte er Unmögliches von ihnen. , Die Juden bestimmten Fasttage, und sie eilten zu den Gräbern aller Frommen, aus welchen sie inbrünstige Gebete verrichteten; ihre Stimme drang bis zum Himmel. Schon war der zum Erlag der Summe bestimmte Tag da und die Juden'bereiteten sich für den Morgen vor, daß sie abgeschlachtet würden. Als der Synagogendiener in der Nacht einschlief, hatte er einen Traum. Er sah einen Greis und dieser sprach zu ihm: „Stehe auf und eile hinaus — vor die Türe des Hofes, dort liegt die ganze Summe, welche ihr dem Pascha zu erlegen habet. Ich bin Abraham, Euer Vater, ich hörte Euer Geächz, da Ihr von dem Pascha bedrückt werdet, und brachte Erich das Geld." Der Diener erwachte, doch er sah keinen Menschen und zitterte an allen Gliedern. Erdachte in sich „Es ist nicht belanglos!", lief hinaus und fand vor der Türe des Hofes die Summe. Er eilte zu beu Gemeindeältesten, erzählte ihnen von der wunderbaren Erscheinung, die er hatte, und überreichte ihnen dieSumche Geldes. Sie wunderteil sich sehr, besonders, allste sahen, daß die Münzen so waren wie sie der Pascha verlangte. Sie gingen gleich zum Pascha und erlegten ihm das Geld. Er drückte ob dieser Sache seine Bewunderung. aus, denn er begriff, daß auf natürliche Art eine solche Summe nie aufgebracht werden konnte. Er fragte sie: „Wo habt Ihr die Münzen her?" Sie erwiderten: „Unser Ahne Abraham brachte sie uns?" Seit diesem Tage waren die Juden in den Augen des Pascha sehr angesehen, denn er überzeugte sich, daß Gott mit ihnen sei, Und bis zum heutigen Tage kann man in der Türe das Loch sehen, durch welches das Geld in den Hof der Synagoge gelegt wurde. (Fortsetzung folgr.) Aus der Geschichte der Aöbelheimer Luden. (Schluß.) Sv erklärte und übersetzte er, um nur einiges zu nennen, Teile der Bibel, veröffentlichte eine: wertvolle Ausgabe, der „5 Bücher Moses" - in vierfacher Ausftkhruug - und gab Gebetbücher heraus, von denen das „Kleine Gebetbuch" noch heute überall in Gebrauch ist. Im Gegensatz zu den minderwertigen Buchausgaben,, di" aus den wenigen damals in Deutschland bestehenden hebräischen Druckereien hervorgingen,, zeichneten sich Heidenheims- Ausgaben durch größte Sorgfalt und peinlichste Sauberkett aus, sodaß die Rödelheim er Druckerei weltberühmt wurde. Der große Gelehrte, der zeitlebens in Wort und Schrift auch für die Gleichberechtigung der Juden gekämpft hatte, starb am 23. Februar 1832: „Eine außerordentliche Menschenmenge ohne Unterschied des religiösen Bekenntnisses geleitete ihn am 26. Februar zuin Grabe. Man stritt sich um die Ehre, die Bahre zu tragen. Die Ortsbehörden waren bei der Leichenfeier zugegen. Der evangelische Gottesdienst wurde um eine Stunde verschoben, um die aUgemeine Beteiligung an der Feier zu ermöglichen. Die jüdischen Schulen in Frankfurt tvaren geschlossen. Nach einem feierlicheit Trauergefange irr hebräischer Sprache Tjielten der Lehrer der Rädelheimer israelitischen Gemeinde, Küps, der Schuldirektor Tr. Weil aus Frankfurt und Dr. Creizenach Reden." Als Heidenheims Grabstein auf dem altert Rädelheimer Jiudenfriedhofe zu werfallcn drohte, ließen seine dankbaren Schüler Dr. Berliner uub Dr. Horovitz aus Frankfurt im Juni 169.3 ihn durch innen neuen Syenit» steiit ersetzen. Nach dem Tode Wolf Heidelcheinrs kaufte Israel Lehrberger, der in den letzten Jahren sein Teilhaber gewesen rvar, die Druckerei; er verlegte fie in das Haus Rädelheimer Landstraße 198 und erhielt sie hier auf der alten Höhe. Auch Lehrberger genoß in Rödelheim hohes Ansehen,' jahrelang war er Vorstand der Rädelheimer israelitischen Gemeinde rmd be»