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Der Israelit · 1922-01-19 · Heft 3 (19.1.1922) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
63 (1922)
Issue
Heft 3 (19.1.1922)
Date
1922-01-19
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seite 8 Nr. 8 Der ISraelkt. 16. Januar 1921 wollten, und auch sein Lehrer war mit ihm zufrieden. Er verstand es, sich bei den Leuten beliebt zu machen, und wenn sie sagten: „Der Adolf ist ein großer Schlingel", so meinten sie das mehr anerkennend als tadelnd. Sein Banknachbar war Peter, ein Sohn des Gemeindebäckers. Damals hatte man in den Dörfern noch einen Gemeindeschmied und einen Grmeindebäcker. Das waren die wenigen Handwerker, die keine Konkurrenz zu befürchten hatten, denn wer mit ihnen nicht zufrieden war, mußte seine zerbrochenen Wagen ins nächste Dorf zum Schmied bringen und seinen Teig dorthin zum Backen tragen, was gewiß für die Dauer lästig und unbequem war. Diese Ausnahmestellung erlaubte es denn auch Peters Barer, sich eines Tages im Wirtshaus öffentlich als Antisemit zu bezeichnen und von da an den Psad, der zwischen seinem Hause und seinem Garten hindurchführte, für die Juden zu schließen. Diese hatten ihn schon seit der Erbauung ihrer kleinen Synagoge zur Abkürzung des Weges benutzt, und es war ihnen unangenehm, daß er ihnen nunmehr verboten war. Wmn es am Schabbos regnete, ärgerten sie sich besonders, daß sie wegen des Antisemiten ihre Kleider verderben mußten. Aber was lag dem Bäcker daran? Sie mußten doch bei ihm ihr Brot und ihre Kuchen backen. Als sie ihn nach dem Grunde seiner judenfeindlichen Gesinnung fragten, da wußte er allerdings nur anzuführen, daß er in „seinem Blättchen" gelesen hatte, daß jeder gute Deutsche ein Antisemit sein müsse, und sein Großvater habe ihm schon gesagt: „Peter, daß du mir ein guter Deutscher ble-bst!" Daß Peter, der Aeltere, das Pulver nicht erfunden hatte, ergibt sich schon aus dem Erzählten, und sein Stammhalter gab sich keinet Mühe, den Vater zu beschämen. Aber neugierig war er, und der Alte war abergläubisch. Wenn „etwas los war", da feh.te der Bub nicht, und wenn etwas Ungewohntes sich ereignete, da versicherte sein Vater geheimnisvoll, daß das was zu bedeuten habe. Zwischen dem Backhaus und der Synagoge war ein kleiner freier Platz, auf dem am Anfänge des Monats in der Regel „Kiddusch halewono" gemacht wurde. Eines Tages sah das der Bäckerssohn, und gleich am nächsten Tage fragte er seinen Kameraden: „Du, Adolf, was habt ihr denn gestern abend vor der neuen Schul' gemacht?" Adolf stellte sich zuerst, als ob er nicht wisse, was Peter meinte. Der abcr wurde desto neugieriger. „Geh doch! Mir darfst du es schon sagen. Ich verrate dich gewiß nicht." Da blitzte dem Schlauberger ein Gedanke durch den Kopf, und er erwiderte wichtig: „Nein, das gerade darfst du nicht wissen, denn deinen Vater geht es zuerst an." „Ach", sagte der andere, „du willst mich wieder einmal zum Narren halten. Darauf fall' ich nicht mehr hinein." „Dich zum Narren halten?" antwortete Adolf scheinbar gekränkt. „Wenn du das meinst, daun brauche ich dir schon gewiß nichts zu sagen." Doch Peter ließ nicht ab: „Na, sei doch nicht so! Warum soll denn das auch meinen Vater angehen, was ihr Juden vor euerer Schul' macht! Ich war doch am Backhaus gestanden, wie ihr eine Laterne hochgehalten habt, und habe deutlich alles gehört". „So?" sprach Adolf, „wenn das wahr wäre, müßtest du doch auch wissen, was sich die Leute zugerufen haben!" „Weiß ich auch!" entgegnete Peter wichtig. „So was wie: Soton auf Lechem, auf Lechem Soton." Adolf tat, als ob er furchtbar erschrocken wäre. „Wirklich, hast du's gehört? Du weißt doch hoffentlich nicht, was Lechem ist?" In dem Dorfe waren die gebräuchlichsten hebräischen Worte allgemein bekannt, und es war nur Verstellung, wenn Adolf ganz überrascht tat, als Peter triumphierend rief: „O doch! Lechem ist Brot." Adolf schaute sich um, als ob er zuerst sehen wollte, ob niemand in der Nähe wäre, und dann sagte er leise: „Peter, red' mit deinem Vater nicht davon. Du weißt ja, was zwischen ihm und den Juden vorgekommen ist, und ändern kannst du ja auch nichts daran." Und damit ging er seines Weges. Aber noch an jenem Tage kam der Bäcker zu Adolfs Vater, der der Vorsteher der jüdischen Gemeinde war, um ihm zu sagen, daß die Juden ruhig wieder den Weg zwischen seinem Hause und dem Garten benutzen könnten, und daß er kein Antisemit wäre, weil das, was im Blättchen darüber stehe, ja doch nur dummes Zeug sei. Der Vorsteher war sehr überrascht, aber sein Adolf konnte die nötige Erklärung liefern. Da nahm ihn der Vater lachend beim Ohr und rief: „Adolf, du bist aber wirklich ein Schlmgel!" Seim Gebet. Ein Kind steht im Hause Gottes. In den Händen hält es das Gebetbuch. Seine Lippen sprechen Worte des Dankes für alles Gute, das ihm begegnet ist. Oben am Himmel hängt eine Wolke. Da erhebt sich ein W'-nd und trägt sie fort. Eitel Gold ergießt sich über das Haus, in dem das Kind betet. Da hebt es den Blick, und seine Gedanken verlassen den Gegenstand des Gebetes. Sie wandern hinaus aus die Straße, hinüber zu den Kameraden, zu Spiel und Lust, indes die Lippen weiter lispeln. Und sieh! Das Himmelsblau verschwindet, das Himmelslicht verlöicht, und drohend grollt draußen der Sturm. Da erschrickt das Kind. Es wendet den Blick vom Ferifter und die Gedanken vom Unheiltgen und kehrt zurück zur Andacht. Es betet für Kranke und Leidende, dankt für die Erhaltung seiner lieben Eitern und verläßt düs Gotteshaus ruhig und mit ehrfurchtsvoller Scheu. Und als es auf die Straße tritt, blickt gerade die Sonne wieder hinter den Wolken hervor und lächelt freundlich den jugendlichen Beter an. E. Die richtige Lösung des Rätsels in der Kinderecke der Nr. 2 lautet: 'SK?» - mar- Die fünf Worte lauten: nnro rrte jnwr Richtige Lösungen sandten ein: Ludwig und Ruth Halb-rstadt, Halle a. ©.; Meier Glatt, SBeUtn; Jsbert Gerst, Fritz Neumann, Lieselotte Hausmann, Else Lustig, Henny Stern, Berta Samfels, Gsrra Lauber, Regina Schönsetd, Leonte Bamberger, sämtlich in Kttzingen; Esther Eschwege, Fulda; Hermann u. Adolf Cheimowiez, Moritz Berger, Gletzen; Jolef und David Halberstadt, Ober-Seemen; Fritz Mayer, Harxheim; Bernhard Horowitz, Duisburg; Mox Rennert jun., Mannheim; Abraham Wölb, Klärchen und Mirjam Rosenthal, Köln; Frieda Sorfer, Langendors; Ludwig Samuel, Freudenburg; Jakob EtSner, Alrona; Lothar Marx, Schriesheim a. d. B.; L. K., Wien; S. Otlmann, Gladbeck; Golda Tempelhof, Köln a. Rh.; Leo Ansbacher, Markus Breuer, Harry Weinberg, Susi Hamburger, Seddy und Klara Dtstelburger, Alex Furch, Ludwig und Lina Blumenthal, Josef Oppenheimer, sämtlich in Frankfurt a. SW.; Bernard Aaronson, London-Frank, surt a. M. Personalien. Zum Andenken m R. Jokeb Ettlinger Altona, 8. Jan. Am Sonntag, den 25. Dezember 1921, 24. KiSlew 5682, am Eingang des Chanukafestes, fand in der Großen Synagoge Altonas etne Gedenkrede auf Rabbi Jakob Aaron Ettlinger anläßlich der 50. Wiederkehr seines Todestages statt. Vom Jahre 1836—1871 wirkte Rabbi Ettlinger in.i.der Gemeinde als Führer und Lehrer der Jugend, als leuchtendes Vorbild einer echtjüdischen Persönlichkeit. Auf der Grenzscheide zwischen alter und neuer Zeit stehend, war er, wie im „Israelit" bereits an leitender Stelle hervorgehoben, erfüllt von tiefster talmudischer Weisheit. Seine Schriften legen beredtes Zeugnis für seine Geistesgröße und -Schärfe ab und werden heute und wohl für alle Zeiten, wo ernsthaftes Thorastudinm betrieben wird, als führende Werke betrachtet werden. Neben dieser Bedeutung als Autorität in rabbinischen Dingen stand er auf der Höhe der Bildung seiner Zeit. Seine Predigten, deren Klang noch in Erinnerung mancher Gemetndemitglieder steht, zeichneten sich durch hohen Schwung der Gedanken, durch poetische Sprache und jüdische Gesinnung im besten Sinne des Wortes aus. Das feierlich erleuchtete Gotteshaus war ungefüllt von einer andächtig erregten Zuhörerschaft. Zahlreiche Hamburger waren htnausgewallt, um an der Feier teilzunehmen. Außer dem in Hamburg leb nden Sohne des großen Rabbi und sonstigen in Hamburg ansässigen Verwandten, wohnten zwei Enkelsönhne aus Frankfurt a. M. dem Gottesdienst bei. Eingeleilet wurde der Gottesdienst mit dem Mtnchahgebet, darauf bestieg Herr Oberrabblner Dr. Lern er die Kanzel, um in Ergriffenheit und Verehrung seines großen Vorgängers auf dem Rabbinatssttze zu gedenken. In meisterhafter Weise zeichnete er das Bild dieses Mannes als nachahmungswerteS Beispiel stiller jüdischer Größe. Er schilderte den Werdegang und seine Bedeutung als Lehrer und Rabbiner für die gesamte Judenheit, namentlich Deutschlands und in Anlehnung an die Haftorah zeichnete er die beiden hervorragenden Schüler Samson Raphael Hirsch V'StT und Dr. Israel Hildesheimer y'XT als Führer und Neubegründer der deutschen Orthodoxie. Die Feier wurde nach dem Anzünden der Chanukalichter mit dem Maariwgebet beendet. Meseriß, 9. Jan. In wahrhaft erhebender Weise ist der 70. Geburtstag unseres Vorstandsmitgliedes, des Herrn Bernhard Michaelis, hier g> feiert worden. I Die Vertreter der Synagogengemeinde brachten Herrn I Michaelis die Wünsche und Verehrung der Gemeinde I durch Ueberretchung wertvoller Geschenke zum beredten I Ausdruck. Viele Bürger und auswärtige Freunde > brachten mündlich, hundert andere schriftlich ihre Glück- > wünsche dar. Vom frühen Morgen bis zum späten I Abend liefen die Telegramme ein. Herr Prediger 8 Angreß pries mit begeisterten Worten die Verdienste § des Gefeierten um die Entwicklung unserer Gemeinde § und die hervorragenden Tugenden dieses geschätzten 8 Mannes, mrp n«D ny. 8 Berlin, 11. Jan. Allgemeiner Teilnahme im 8 Kreise der Synagogengemeinde Adaß Jsroel und weit 8 darüber hinaus, begegnet das plötzliche Hinscheiden des 8 langjährigen Oderkantors dieser Gemeinde S. Du» I bowsky. An der Bahre schilderte Herr Rabbiner 8 Dr. Munk den Werdegang des Verstorbenen in be- 8 redten Worten. Dabowskt war einer jener heute 8 nicht allzuhäufigen Schluche Zibbur, die ihren zu Herzen 8 gehenden Vortrag nicht auf kunstvollen Gesang etnstellen, sondern vor allem auf die Vermittlung deS Verständnisses und die gedankliche Vertiefung. In seinem Privatleben betätigte sich Dubowski in vorbildlicher Weife für Thora und Mtzwos und erzog seine,'Kinder und zuletzt sein jüngstes Enkelkind zu frommen Jehudim. Namens des Gemeindevorstandes widmete Herr Martin Bondi dem Heimgegangenen, der sich auch als vielbeschäftigter Mohet lebhaft betätigte und noch einige Stunden vor seinem Tode diese Mizwoh vollzog, Worte des Nachrufes. Namens der Berliner Kantoren sprach Oberkantor Davidfohn. Am Sonntag fand im Trauerhause ein Hesped statt, Herr L. Fried mann, Aufstchisbeamter der Adaß Jsroel entwarf in zwetstündtger Rede ein Lebensbild des Verstorbenen, das starken Eindruck hinterlietz. rrajun. Berlin, 16. Jan. Der bisherige Oberkantor der Adaß JSroel-Gemetnde, Ptnkassowirsch, der über etne hervorragende Bartton-Stimme verfügt, hat seinen hiesigen Posten aufgegeben, um nach London üverzustedeln. — Die Nachfolge des Herrn Prof. Dr. Hoffmann T'stt in der Schatz-Chewra hat Herr Kaplan, Dozent am Rabbiner-Seminar übernommen. I Vnefkasten. Angesichts der enormen Porto Erhöhung werden wir, in größerem Ausmaße als bisher, die uns Angehenden zahlreichen Anfragen, denen Rückporto nicht beiheat, ans dem Wege des Briefkastens beantworten. Wir bitten die Anfragendei» also, wenn sie unmittelbaren Bescheid nicht erhalten haben, die Briefkasten- Rubrik beachten zu wollen. A. G. im Bunde Ostsrieslaud und Andere, g Hirsch Tefilloh ist vorübergehend ausgegangen und > kommt dieser Tage in Neuanfertigung vom Buch« > btnder. Wir bitten daher, sich noch kurze Zeit zu ge- ■ dulden. B I. B. in Mannheim. Ihre Voraussetzungen B i treffen nicht zu. Der Emband ist Krasiealieo, keine B echte Leinwand. Der Vorzugspreis beträgt Mk. 85.— Ifl | Lehrer K in W. Wir bedauern Einzelbände nicht fl 1 liefern zu können. B< Lehrer B. in R. 4.50 Mk. erhalten. Der „Israelit" B1 kostet, wie tn voriger Nummer bekannt gemacht, jetzt fl für Lehrer und Kullusbeamte 7,60 Mk. vierteljährlich. B DaS Abonnement ist vorgemerkt. fl

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