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Der Israelit · 1922-01-12 · Heft 2 (12.1.1922) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
63 (1922)
Issue
Heft 2 (12.1.1922)
Date
1922-01-12
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Aus der Geschichte der Rödelheimer Juden. (Fortsetzung.) Gewöhnlich wurden die Rödelheinrer Inden vorn Grafen zu keiner Arbeit heranAezogen, sie hatten aber zur Unterhaltung der Wege, Stege und Brunnen des Ortes jährlich eine bestimmte Summe (1792: 20 sl., ebenso 1808) zu zahlen, auch — gemeinsam mit der Christengemeinde — den Rödelheimer Nachtwächter zu besolden. Bei besonderen Gelegenheiten aber, wenn Not am Mann war, konnte man auf die Hilfe der Juden nicht verzichten. So mußten sie im Jahre 1738, als Zigeuner und anderes Gesindel die Straßen unsicher machten, den Nachtwächter begleiten, bei den häufigen Trnppendurchzügen Soldaten in ihre Häuser nehmen, am 16. Juni 1733, als österreichische Truppen durch Rödelheim kamen, auch beim Brückenbau helfen und am 20. Juli 1748, als die Praunhenner Kirche brannte, Wässer zürn Löschen tragen, obwohl es Sabbrth war. Tie Rödelheimer verlangten 1796, daß auch die im Orte wohnenden Juden zu allen Lasten herangezogen werden sollten; diesein Ersuchen wurde erst 1824 stattgegeben. Die Blütezeit der Rödelheimer Iudengemeinde — in einem Schriftstück aus dem Jahre 1826 ist von der „bedeutenden, größtenteils wohlstehenden und auf höhere Bildung Anspruch machenden Judenschaft in Rödelheim" die Rede —■■ fällt in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts, in jene Zeit, in der die härtesten Gesetze gegen die Jude;: aufgehoben wurden, wenn auch die mannigfachen Abgaben (Beschneidungsgeld, Schutzgeld u. a.) zum größten Teil noch bestehen blieben und die Aufnahmebedingungen noch sehr schwer waren. Niemand durfte ahne obrigkeitliche Genehmigung einen nicht im Rödelheimer Schutze stehenden fremden Juden länger als eine Nacht bei sich beherbergen. Blieb der Jude über eine Woche, so hatte er sich einen Erlaubnisschein zu beschaffen und konnte dann als „Pcrmissionist" längere Zeit im Orte sich aufhalten. Mer die Aufnahme in die Ortsgemeinde, die der Jude gewöhnlich „für sich und seine Verlobte zwecks Verehelichung" beantragte, war an schärfere Bedingungen geknüpft. Beide mußten ihren Geburtsschein und.ihr Führungszeugnis vorlegen, das gesetzliche Barvermögen und ein gutes Auskommen Nachweisen und auf die Thora schwören, daß sie jenes Verrnögen wirklich besitzen. Der fremde Jude hatte außerdem „durch ein Zeugnis der Schuldirektion darzuthun, daß er die Schule vormals vorschriftsmäßig besucht und gute Fortschritte in Deutsch, Lesen, Schreiben und Rechnen gemacht habe" Konnte dieses Zeugnis nicht mehr beigebracht werden, mußte sich der Jude beinr Rödelheimer evangelischen Dekan Thudichum einer Prüfung in jenen Fächern unterziehen. Waren die verlangten Kenntnisse vorhanden und alle anderen Bedingungen erfüllt, so wurden der Jude und seine Verlobte auf Beschluß des stets duldsamen Rödelheimer Gemeinderats ausgenommen. Die seit über 100 Jahren in der Judengässe stehende Synagoge war baufällig geworden und wurde deshalb 1837 auf Abbruch verkauft. Am 29. Juni 1838 fand die feierliche Einweihung des jetzigen Gotteshauses (Jnsel- Gäßchen 9) statt. Dre bedeutendsten Rödelheimer Juden des 19. Jahrhunderts sind Baschwitz iiutö Heidenheun. Baruch Baschwrtz (geb. 1765 in Frankfurt a. O.) erlernte rn Berlin mW Holland'die Buchdruckerkunst und kam dann nach Frankfurt a. M., wo er mit Heidenheim in Verbindung trat. Verde erhielten 1798 vom Grasen Vollrath die Erlaubnis, irr Rödelheim eine Druckerei errichten zu dürfen. Der Graf befreite sie und ihre Familien sogar von allen Stenern und sicherte ihnen auch sonst jede 'Unterstützung zu. Arrs Dank für dieses Entgegenkommen widmete Heidenheim dem Grafen eine schwungvolle Ode in hebräischer und deutscher Sprache, die als erste Schrift die Presse dieser im Jahre 1799 gegründeten Rödelheimer „privilegierten orientalischen uuu occidentalischen Buchdruckerey" verließ. Die Druckerei (sie war zuerst int Schlosse, dann im Jnsel-Gäßchen, später im Hause Rödelheimer Landstraße 174 untergebracht) hatte anfangs mit so großen Schwierigkeiten zn kämpfen, daß Baschwitz sich im Jahre 1806 von Heidenheim trennte, und ihm seinen Anteil am Geschäft überließ. Aber Baschwitz blieb nicht untätig. Durch Vermittlung des Rödelheimer Hosrats W. Kugler wurde er mit den angesehensten Staats- und Finanzmännern bekannt, die den energischen, praktischen und hochbegabten, auch auf dem Gebiete des Finanzwesens sehr bewanderten Inden gern bei sich sahen und ihur erneu neuen, umfangreichen Wirkungskreis erschlossen. „Baschwitz brachte das den öffentlicherr Kassen so vorteilhafte System der Lotterie- Anleihen in Gang und entwarf für die meisten größeren und kleineren Staaten die Pläne zu den Anleihendie seitdem sowohl zur Bereiche rung der öffentlichen Kassen Md zur Ausdehnung des öffentlichen Kredites .als auch zur Erhöhung des Privatwohlstandes so mächtig beigetragen haben. Vor allem verdankt man ihm die Reduktion der Zinsen und das System der Anleihen unter 5o/o, welches er zuerst durch seine tiesdurchdachten, scharfsinnigen Pläne ausführbar rn achte." Nach Kuglers 'Xobe fand Baschwitz irr dem durch seirre Abhandlung über die Zwischenzinsen tucitcreu Kreisen bekannt gewordenen Rödelheimer Hofrat C. Wichterich trerren Mitarbeiter. Mit seiner Hilfe entwarf Baschwitz Finanzpläne für Anleihen, Kredit- Vereine, Kanäle, Eisenbahnen u. a., erhielt aber für seirre Arbeit nicht die gebührende Bezahlung. An der Ehre, von den bester: Staatsmännern. Europas geschätzt und vom Kaiser Nikolaus I. von Rußland (1833) zu einer Unterredung empfangen zu werderr, mußte er sich gerrügeu lassen. Am 8. September 1836 nahm der Tod den: großen Rechenmeister, der bis in die letzten Tage mit neu eit Plänen beschäftigt war, die Feder aus der Hand. „Die allgemeirre Theilnahine, die sein Tod in seinem Wohnorte und dessen Umgegend erregte, bekundete sich durch die ungewöhnliche Anzahl deiftnigen, lvelche die Hülle des Verstorbenen nach seiner Ruhestätte begleiteterr, und die Thränen ,der Armen und Dürftigen, die an seinem Grabe flössen, sagten arn deutlichsten, daß sie einen Wohlthäter und Vater verloren hatten. Er war der Stifter marrcher Wohlthätigkeitsanstalt gewesen, und mancher Leidende und Dürftige, dessen Noch künftig noch Abhilfe sinden wird, wird dankbar das Andenken des Mannes segnen, der noch für spätere Geschlechter den fSamen milder Wohlthäligteit gestreut hat." Im Gegensatz zu Baschwitz war Wolf Heiden heim (geb. 1757 in Haidenheim im Ansbachsichen) ein stiller Gelehrter, der sein ganzes Leben denr Studium der hebräischen Grammatik und Literatur lvidmete und ein erstaunliches Wissen sich arreignete. Mit >25 Jahren kam Keihenheirn nach Frankfurt a. M., fiedelte als 42 Jähriger nach Rödelheinr über und entfaltete hier 33 Jahre lang •— bis zn seinem Tode — als Dichter, Uebersetzer, Grammatiker und Verleger eine unermüdliche Tätigkeit. (Schluß folgt.) Rabbiner Sr. Lazar Mnz Zur ersten Jahrzett. Am 8. Januar 1931 (31. Tebelh) ist Rabbiner Dr. Lazar Münz in die Ewigkeit eingegangen und fand in Ansbach (Bayern) seine Grabstätte. Länger als 40 Jahre, davon drei Jahrzehnte in der bedeutenden Gemeinde Kempen (Prov. Posen), Hai er als Rabbiner segensreich und ersprießlich gewirkt. Worin bestand daS Geheimnis seiner Tätigkeit und seines Erfolges? In dem unmittelbaren intuitiven, lebendigem Bewußtsein von der Göttlichkeit und Heiligkeit des Judentums, in seiner felsenfesten, unerschütterlichen Ueberzeugung, daß der Mensch für jeden Atemzug, den er tut, Gott dem Herrn danken muffe und daß der Mensch sich glücklich zu preisen habe, daß es ihm vergönnt und beschteden sei, Gott den Herrn anbeten und preisen zu dürfen. Bon diesem Gesichtspunkte geleitet, kannte er nur ein einziges Ziel und eine einzige Aufgabe: Der Ehre GotteS und der Ehre des Judentums feine Kräfte zu weihen. Zu dieser tiefgehenden, nachhaltigen praktischen Wirksamkeit gesellte sich bei Dr. L. Münz eine gediegene literarische Tätigkeit. Bon seinen Werken seien hier genannt: 1. Religiöse Zeitfragen (2. Auflage). 2. Drei Reden politischer Tendenz. 3. Die modernen Anklagen gegen das Judentum als falsch nachgewiesen. 4. Rabbi Eleasar, genannt Schemen Rokeach. Eine Lebensbeschreibung. 5. Toralh Roschim, ein Buch über die Heiligkeit der Ehegesetze (3. Auflage). Ein großes hebräisches Werk “niDU BJ, sowie ein groß angelegter Kommentar über die Sprüche der Bäter sollen demnächst von ihm im Drucke erscheinen. Am Schluffe sei noch das Gurachten mitgeteilt, das der jüngst verstorbene Rektor des RabbinerserniliarS, Prof. Dr. David Hoffmann b"xr, etwa drei Monate vor seinem Tode über das obengenannte Werk *hwö im erteilt hat. Berlin, den 20. September 1931. Bereits vor einer Reihe von Jahren hat mir der hochverehrte verstorbene Rabbiner Eleasar Münz, Enkel des npn |öip, einen Teil seines Werkes thdü bi alS Manuskript zur Kenntnis gebracht. Seitdem hat es mich mir lebhaften Bedauern erfüllt, daß das bedeutsame Werk noch nicht im Drucke erschienen »ft und daher seinem dringlichen Zlvecke nicht dienstbar gemacht rverden konnte. Ein Hauptvorzug der Arbeit ist, daß der Verfasser die überaus reichhaltige Literatur zum Gegenstände vollständig und gewissenhaft benutzt hat. Das Buch wird für alle Rabbinate, die sich mit Ehescheidungen zu befassen haben, in kurzer Zeit ein unentbehrliches Hilfsmittel werden. Für alle Vorkommenden Sonderfäüe wird man in den vorzüglich disponierten und gegliederten Ausführungen dte erforderliche Auskunft rntt Quellenangabe finden. Auch dte in neuerer Zeit, zumal bei Frauen gebräuchlichen Namen fremdsprachlichen Charakters, wie z. B. Eugenie, Henny und dergl. sind berücksichtigt und die in den verschiedenen Ländern übliche Schreibart ist angegeben. Die in dem Buche gegebenen Entscheidungen find durchweg auf Grund eingehender Forschungen getroffen und verläßlich. Prof. Dr. D. Hoffmans. I. I. Liebe junge Freunde! Diesmal soüt Ihr mir zwei Propheten nennen! Schreibt in der gegebenen Reihenfolge untereinander: 1. Ein Gedenkzetchen am Hause. 2. Einen Sohn Jakobs. S. Einen Zeitgenossen Mosches, der weissagte. 4. Einen der Kundschafter. 5. Noch einen der Kundschafter. Die Anfangsbuchstaben, von oben nach unten gelesen, und die Endbuchstaben, von unten nach oben gelesen, ergeben dte Lösung. Guten Erfolg Euren Bemühungen wünscht Euer Onkel in der Kinderecke.

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