Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 62 (1921)
- Issue
- Heft 52 (29.12.1921)
- Date
- 1921-12-29
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Sette 2 Nr. 52 Der JSraeltt. 29. Dezember 1921. Die heutige zweite Chaiiukka-Nmirmer umfasst IS Seiten. 1. Leitartikel: Hammer und Banner.— 2. Homiletik: Dr. Felix Kanter: Zu ppij. — 3. Kleines Feuilleton: Entwicklung. — Ostjüdischer Humor. — Zurückgenommen.) — (Die Juden auf dem ostafrikanischen Kriegsschauplatz.) — 4. Wochen rundschau: Der Zusammenbruch eines Systems. — Das Abkommen Jabotinskis. — 5. Aufsätze: Willi Wolf: Chanukka. - Rabbi Jokeb Ettlinger s?":. — Die Entwicklung der Adaß Jisroel in Berlin. — Aus der Geschichte der Rödelheimer Juden. — 6. Korre« spondenzen undNachrichten:Berlin,(Hilfsverein der deutschen Juden). — Berlin, (Synagogengemetnden und Reichs-Finanzverwaltung). — Berlin, (Zentralisation der Auswanderungsangelegenheiten). — Berlin, (Die Religionsgesellschaften und die Kirchensteuern). — Wien, (Lohnstreitigkeiten in der Wiener Kultusgemeinde). London, (Drahtlose Telegraphie in Palästina). — Jerusalem, (Palästinensische Staatsangehörigkeit). — London, (Jerusalem im'tteuen Palästina). — Jerusalem, (Die rabbiniiche Expedition nach Amerika). — Jerusalem, (Herbert Samuel und der Zionisten-Kongreß). — London, (Die politische Lage in Palästina-. — 7. Personalien. — 8. Vermischtes. — 9. Frankfurt e r B e r i ch t e. — Vereinskalender. — 10. F e u i l l eton-Beilage: Rabbi Leib, der Chassid. — Aus dem verlorenen Paradies. — 11. Kinderecke: Heinrich Einstädter: Sabbats Abschied. — Liebe junge Freunde. Hammer und danner. Die Ufjxten streiten darüber, ob Makkabi Harn.-, er bedeutet oder die Initialen der die wcakkeo'I-rrsahne schmückenden Worte aus 2tt.II, Kapitel 15: "s1v2 ’ö darstellt. Uns stimmt dies ein müßiger Streit um Worte. Damals, zur Zeit der Heroen von Modin, mag auch der Hammer seinen Sinn gehabt haben. Seitdem waren wir aber in zweitausend Jahren zu lange Ambos — oder gerieten zwischen Hammer und Amkos — als daß wir noch am Hammersymbol unsere Freude haben könnten. Uns besagen die vier BuchstabW'des hebräischen Makkabäernamens heute nichts anderes als die im Bibelverse besungene Unverqleichlichkeit Gottes, der „machteinztg ist in Heiligkeit" . . . Daß die Hklden von all den Sätzen der Tl-ora gerade diesen als Sinnspruch für ihr Bunner gewählt haben, hatte., wohl seine tteftnnere Bedeutung, der nachzugehen, es sich heute sehr verlohnt. Die „Elim", von denen der Satz in Beziehung zum Höchsten spricht, waren natürlich nur in der Menschen geblendeten Augen Uebermächtige und Allmögende, in Wahrheit aber blos Mächte und Kräfte, Elemente und Erscheinungen, die, ein Teil des Ganzen nur, mit zu dem vom Allerhöckften in steter Bewegung gehaltenen Räderwerk gehören. Es wurde der Welt um Noten Meere kundgetan, daß über all dem Gott in Heiligkeit thront. Kurze Betrachtungen zum Wochenabschnitt?) Von De. Felix Kanter in Zwittan (Mähren). Phnrao träumte: Sieben Aehren schossen empor in einem Halme, voll und gut . . . und sieben Aehren, dünn usw. wuchsen empor nach ihnen" (diesmal nicht mehr in einem Halme. So erzählt auch der König dem Josef seinen Traum (Vers 22 und 23)- er sah sieben volle Aehren in einen: Halme und sieben ihnen nachwachsen (ober nicht mehr in einem Halme). Ferner heißt es in unserm Wochenabschnttte: Die magern Kühe verzehrten die sieben fetten Kühe, ebenso heißt es: Tie leeren Aehren (ohne Angabe der genauen .Zahl sieben) verschlangen die sieben vollen Aehren Und ebenso lautet der Bericht Pharaos (Vers 20 und 84), immer mit Weglassung der Zahl sieben bei den magern Kühen und den leeren Aehren. *) Nach „Jalkut Hadrusch" von R. Sch. Lewitan und L. Weisblum. Was waren es aber für Elim, die zu Arittochus Zeiten die Welt beherrschten, sich aller Rider des geistigen und öffentlichen Leberrs bemächtigten und denen die um Matisjahu Kampf bis aufs Messer geschworen? Machtstreben und Schönheitsdrang, Lebenshunger und unersättliche Geldgier, dies waren letzten Endes die treibenden Kräfte des Hellenentums in Antiochia sowohl, wie des Hellenismus in Jerusalem. Allein, diese Regungen aus der Dunkelkammer der menschlichen Seele müssen noch nicht an sich schlecht und verderblich sein, sie können vielmehr gut und aufbauend wirken, wenn sie vom Regulator eines Gottesglaubens, einer Sittenlehre in die richtigen Bahnen gelenkt und um den Zentralpunkt gruppiert werden, wohin wir mit unserem ganzen Menschsein streben. Aber daran fehlte es eben hie wie dort. Darum mußte die Makkabäerfahne in die Welt hinausschreien das Lob des Weltenmeisters, der über allen sozialen wie Naturgewalten steht und dem sich alles, was sich fälschlich als Selbstzweck wähnt und gibt und angebetet wird, aber auch unsere Menschennatur in ihren dunkelsten Untergründen, dienend unterordnen muß. Machten tfaltuu g kann zum Segen gereichen — wenn sie sich als treue Dienerin und Hüterin des Gottesrechtes begreift. Der Schönheitsdrang ist ein Gottesfunken, — wenn er unserer Seele nach oben leuchtet. Lebenssucht und Goldhunger führen nur bann über Menschen jammer und Tränenströme in Satans finsteres Reich, wenn sich ihnen nicht von Zeit zu Zeit der feste Damm eines starken sittlichen Willens entgegensetzt! Nach dem Gottesgedanken orientiert, können auch all diese irdischen Ziele sich als Faktoren bauend und heilbringend in das Bild des Ganzen einreihen. Die Makkabäer kämpften nicht gegen Macht- Sie bedienten sich ihrer vielmehr zur Wiederherstellung des gottgeweihten Rechtes. Siechlieben den: Leben zugekehrt und waren am wtnigften dem Schönen abhold, wo dieses bar des götzendienerischen Blendewerkes dastand! Allein Macht, Leben und Schönheit hatten die Orientierung verloren als sie sich in Jerusalem den Kompaß der Thora aus der Hand spielen ließen. Im nach fremden Modellen leichtgezimmerten Schifflein des Hellenismus trieb man steuerlos mit dem Strome — stromab, dem Untergang entgegen. Da galt es für die Makkabäer zu zeigen, um was es bei den verzweifelten Kämpfen letzten Endes ging: Alle Gewalten der offenen Natur um uns, der dunkle Zwang des Blutes in uns, alles was uns treibt oder wir zu unserer Erhaltung, Erhebung und Veredelung treiben, all Warum denn? Der Grund dafür ist in der Angabe unserer Weisen zu suchen, daß gleich nach der Ankunft Jakobs in Aegypten die Hungersnot in diesem Lande abnahm, sodaß Aegypten tatsächlich nur zwei Jahre von Hungersnot heimgeiucht wurde. Mithin bestand auch ein großer Unterschied zwischen den guten Jahren und dm schlechten. Erstere waren vollzählig (also sieben) und glichen einander in Bezug aus Uebersmß und Fülle vollständig. Dies wird bet ihnen angedeutet durch den Ausdruck „in einem Halme" und der genauen Angabe der Zahl sieben. Da aber die Hungerjahre nicht ..sieben Jahre währten, fehlt auch bet ihnen die Zahl .sieben und auch die Bemerkung von einem Halme, da sie nicht dieselbe Einheit bildeten, wie die Jahre der Fülle. „Und Pharao nannte Josef „Zophnai-Paneach" und er gab ihm Osnath usw. zuw Weibe, und Josef zog aus über das Land Aegypten". Der König tat sein Möglichstes, um Josef zum Aegypter zu machen, ihn sozusagen zu assimilieren: Er gab ihm einen andern Namen, er gab ihm eine Aegypterin zum Weibe, Joses aber blieb trotzdem der — Josef, er blieb sich und seinerUeberzeugung treu. „Und Josef zog aus über das Land Aegypten". Dreimal kommt nach der Massora der Ausdruck („wir') in der heiligen Schrift vor. Einmal in unferm Wochenabschnitt ins' tp\s4 ferner (in rrstc-ö) heißt , es iiay; *;“3 und endlich (in den Klageliedern) "'in ::n; In diesen drei kurzen Sätzen ist die ganze. Tragik des jüdischen Pottes enthalten. „Wir sind die Sohne eines Vaters",, ein Gott hat uns alle geschaffen, mithin haben wir Anspruch auf ein. eigenes Land, wie alle Söhne des Vaters — (D’ä&n inj?: i:nj). Leider aber wurden das sollte wieder in die Wege gewiesen werden, die zu Gott, dem Höchsten aller Mächte, führten. Dann erst vermögen sich auch die Elim, sonst seine Widersacher, harmonisch in den Bau des Gottesreiches einzureihen. Diese Erkenntnis als letzte und höchste Errungenschaft des Makkabäerschwertes kündet sich auch im kleinen stillen Lichtlein: Wochkilmndschaii. Ser Zusammenbruch eines Systems. Die Wiener Kultusgemeinde erntet jetzt die Früchte dessen, was sie in Jahrzehnten trotz Warnung und Mahnung von gutjüdiWer Seite gesäet hat. Das ganze jüdische Leben wurde, entkräftet und entgeistert, auf einen Schematismus gestellt, der iu diesen bösen Zeiten als Basis und Träger eines großen Organismus versagen mußte. Die Generation, die ohne Thora, ohne Liebe und ohne Freude an der Mizwohtat in einer Atmosphäre der Gleichgiltigkeit, ja des Mißtrauens gegen all die positiv-jüdischen Regungen von gesetzestreuer Seite großgezogen wurde, hat heute, da das Leben so mannigfache Ansprüche stellt, nicht mehr viel übrig für den Kultus, seine Erfordernisse und seine Diener. Der Kultus war zu lange äußerer Dekor, als daß Ulan ihn in solchen schwer ernsten Zeiten ernst und wichtig nehmen sollte. So kommt es denn, daß sich der Wiener Gemeindevorstand seinen Beamten gegenüber (siehe Korrespondenz Wien), die im Grunde nichts anderes verlangen, als die Möglichkeit, sich mit ihren Familien satt zu essen, bankrott erklärt, es bis zum Streike der letzteren gelangen läßt und sich am Ende anschtckt, die Flinte ins Korn zu werfen und die Gemeindegeschäste der kommissarischen Verwaltung zu überlassen. Den Herren im Vorstände, deren jeder wohl die Teuerung in seiner Eigenschaft als „Hausvorftand" kennt, dürfte es kaum an Verständnis für die gerechte Forderung der Beamten fehlen, aber es' fehlt ihnen an Rückhalt und Rückendeckung in der Steuerfreudigkeit der Kultusmitckteder, die es vielleicht morgen nicht mehr sind, wenn der Gemeindeetat empfindlicher in ihre Tasche gre st. So weit ist es leider in der GroßgemLinde a.t der Donau gekommen, daß einem Teil ihrer Mitglieder der erhöhte Steuerzettel die „Austrittskarte" bedeutet . . . Und der Vorstand hat wahrlich keinen Grund sich darüber zu beklagen. Die Schuld frage ist geklart. Will man .erfahren, was in der wir unseres Besitzes verlustig, weil wir gesündigt und gesrevelt haben (H'in vxv'L Kn:). Josts bestand darauf, daß ein Bruder bet ihm in Gewahrsam zurückbleibe. Dies ganz einfach aus den: Grunde, um die Identität des Benjamin durch ihn festzustellen. Denn wie leicht hätten die Brüder, die den Widerstand ihres Vaters kannten, einen beliebigen Jüngling mitbringen und bezeichnen können. Josef hätte ihn sicherlich nicht erkannt, obwohl er seine ältern Brüder gleich erkannt halte. Durch den Bruder, der in Gewahrsam zurürkblieb, konnte Josef die Identität des Benjamin leicht festslellen,,.. ^Und er nahm von ihnen den Simeon" und zwar, gus dem Grunde, um ihn von Lewi zu trennen. Beide zusammen hätten leicht ein Komplott inszenier:: können (nnx nK pj,w), wie im Falle ihrer Schwester Dtnah. Dies wollte Josef verhindern. Als aber Simeon gefesselt werden sollte, so erzählt der Midrasch, ließ Josef siebzig Helden (niin 'y) kommen, die Simeon die Fesseln anlegen sollten. Da fing Simeon so heftig zu schreien an, daß alle Helden ohnmächtig zusammenbrachen. Darauf erschien Menasche, der jüngste Sohn Josefs und versetzte ihm einen wuchtigen Hieb, wodurch er Simeon wehrlos machte und ihn ins Gefängnis abführte. Da sprach Simeo^ zu seinen Brüdern: „Dieser wuchtige Hieb rührt von keinem andern her als von einem Angehörigen unseres Vaterhauses", (xax b&s sKx ,i:*x i? nro insK pyetp iöx). Simeon verfügte also über ungewöhnliche Körper- Kräfte. Die Geschichte kennt aber ein ganzes Volk, idas ebenfalls über ungeheuere Kräfte verfügt und chaher unbesiegbar und unbezwingbar ist: Israel. Wie stark muß das Lämmchen sein, das von siebzig Wölfen umgeben ist und trotzdem unversehrt bleibt — rief einst ein römischer Machthaber aus. Wie oft wurde