Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 62 (1921)
- Issue
- Heft 51 (22.12.1921)
- Date
- 1921-12-22
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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Seirc S 82 „Mätttr* 22. Dezember von dem Vertrauen der gesamtenräbbinischen, r gen, mit ihrer Siedlungspolitik den Willen thorakundigen und gesetzestreuen jüdischen Welt I Gottes zu erfüllen. getragenen obersten Areopags von Thoraweiscn j 2. 'Das Gesetz unterscheidet Mizwas Jizn gestalten, der zugleich die oberste Spitze der Agudas Jisroel-Organisation bildet. Dieses Ziel ist nur erreichbar, wenn vor allem in Erez I iLr.oel selbst die Herrschaft des Gotresgesop's über Geist, Gemüt und Willen durch alle veifügbarcn Mittel der K i n d c r c r z i c h u n g, der B o l k s e r z i e h u n g, der technische n O r g a n i s a t i o n gesichert wird. Hieraus ergeben sich die Grundsätze der S ch u l -- u n d E r z i e h u n g s po l i t i k, der G e m e i n d ePo l i t i k und der O r st anis a t i o u s a r b e i t im weitesten Sinne. III. 1. Tie überlieferte jüdische Weltanschauung lehnt es, ganz so, wie sie die Subsumicrung des indischen Volkes unter den allgemeinen Begtisi der Nation perhorresziert, auch ab, Palästina lediglich als politische Heimat, und als politischen Besitz des Judenvolkes bestreifen zu lassen. So wie das jüdische Volk nichts weiter ist, als eiir Werkzeug in Gottes Hand zur Durchführung der sittlichen Zwecke des Geschichtsprozesses, so ist Erez Jisroel das territoriale W e rkz eu st zu r Erreichung di ese r >Z i e l e. 2. a- Auf dem Boden Erez Jisroels hat sich die Gottheit den M e n s ch e n offenbart. b) Der Boden Erez Jisroel hat zur Geburt der beispiellosen Tatsache der Prose tie zeugend beigetragen. ci Auf dem Boden Erez Jisroels hat endlich drittens die Schechina (Gottesherrlichkeit ihre St'itte gefunden und wird sie wieder finden. 3. Aus 1 und 2 folgt, daß dem Boden Erez Jisroels eine stanz besondere, keineswegs als poetische Floskel zu betrachtende Heiligkeit innewohnt (auä 1 als msto woipri, au3 2 u.iunitt e l b a r) und daß daher jede Abweichung v o n d e r fit tl ichen N o r m des Gottes g es e. tz e s auf dem Boden Erez I i s r o e' l s A u e i tl e m Verbrechen v o u dop p e l r e r Schwere erwächst. 4. Hiernach hat die Erez Jisroel-Politik die^ besondere Aufgabe mit ängstlicher Sorgfalt uns die Schaffung der Vorbereitungen bedacht zu sein, die ein heiliges Leben der Individuen und die ethisch-religiöse Reinheit der jüdischen Gemeinschaften aus dem Boden Palästinas erleichtern und gewahrleistell. Sie muß ferner zu verhindern suchen, daß der Boden Erez Jisroels durch unheilige, d. h. gesetzeswidrige Lebensführung entweiht und dadurch'oie Erlösung des indischen Volkes ans dem Gotus V'n auf unabsehbare Zeit hinausgeschoben wird. 5. Aus Ziffer 4 folgt u i ch t, daß die Erez Jisroel-Polittk die Einwanderung aller nicht g'csetzestreuen Elemente durch äußere Mittel zu verhindern suchen soll, weil dem der Grundsatz "htd mn "errin und die jederzeit offen zu lassende Möglichkeit der nziwn auch für den Entfremdeten entgegensteht. Wohl aber ergibt sich aus den entwickelten Grundsätzen die Pflicht einer mit Hochdruck arbeitenden Propaganda für die E i n w a u d e r u u g ll ll d A ns i e d l u n g religiös hochstehender Elemente, für ihre wirtschaftliche Sicherung' im Lande und für ihre schlagfertige, jederzeit zur iunerPolitiick)eu Vertretung ger üftete, t e ch ll i s ch v oflenbct c Q r - st a n i s a t i o u. IV. 1. Dell besten und u n z )v e i d c u t l g st e n Wegweiser für die Erez Jisroel-Politik bildet die unter I 2. Absatz erwähnte Mizwas- Jischuw-Erez Jisroel. Sie verleiht der Erez Jisroel-Politik der Astndas Jisroel den stetigen, von beit wechselnden politischen Konstellationen verhältnismäßig unabhängigen Charakter und gibt ihr die Sicherheit, unbeschadet der verschiedenen erkenntnismäßigen Erwäqunschiwas Erez Jisroel, d. h. die jedem Juden und jeder Jüdin unter gewissen Bedingungen obliegende Pflicht, in Erez Jisroel zu wohnen, und Mizwas Jischuw Erez Jisroel in engerem Sinne, d. h. die Pflicht, den Boden Erez Jisroels derart zu produktipiererr, daß er die Möglichkeit zur Ansiedlung einer denkbar großen Zahl jüdischer Invaliden bietet, lieber das Nähere belehren die Quellenschriften. 3. 'Die Grenzen der Mizwas Jischuw, d. h. die Fälle, in denen der gesetzestreue Jude von ihrer Erfüllung dispensiert ist, sind im Gesetze seststelegt. Es sind al Lebensgefahr, . b) Mangel an selbständiger Ernährungs- Möglichkeit, c) Unmöglichkeit einer thoragemäßen Kindererziehung irr Erez Jisroel, ck) Unmöglichkeit eigenen Thoraslndinms in Erez Jisroel, e) Unmöglichkeit lhoragemäßer Verehelichung, 1) Hungersnot. Trifft keiner dieser Fälle zu — und es muß dabei natürlich die Auslegung der Begriffe in einem vernünftigen, dem normalen Durchschnitt Rechnung tragendeil Sinne erfolgen — so besteht bie Pflicht für jebeit einzelnen geseyestreuen Juden in voller Sch w e re wie jede andere religiöse Pflicht sinaitischen oder räbbinischen Charakters. 4. In allen Fällen, irr denen dem jüdischen Individuum religiöse Pflichten obliegen, deren Erfüllung von gewissen, nur durch die Gesamtheit zu schaffenden Vorbedingungen -abhängt, hat die Gesamtheit ihrerseits die verantwortnngsschwere Aufgabe, diese Bordedi n guii g en zu sch a ffen. Jede jüdische Gemeinde betrachtet es als selbstverständlich, daß sie für Schcchira, Mikmah, Jugendunterricht etc. Institutionen zu schaffen hat, die dem Einzelnen seine Pflichterfüllung ermöglichen. Die Vorbedingungen für die thoragemäße Erfüllung der Mizwas Jischuw Erez Jisroel zu schaffen, kann aber nicht Aufgabe der organisierten Einzelgcmeinde, sondern nur der organisierten jüdi scheu Gesa m t h e i t, der Agnd as Jisroel, sein. Sie allein hat die Möglichkeit und daher die Pflicht, a mit den für die Verwaltung des heiligen Landes maßgebenden politischen Mächten im Namen der historischen Judenheit zu verhandeln, und daher die Bedingungen zn formulieren, unter denen auf Grundlage des Thoragesetzes sich ein jüdisches Leben in Palästina entfalten kann; b) die Möglichkeiten in Wirklichkeiten zu wandeln durch Aufbringung der finanziellen Mittel, Bereitstellung berge isti gen Kräfte und Herstellung und Erhaltung des stet'gen Zusammenhanges zwischen der gesamten Diaspora und der jüdischen Siedlung im Lande. Sie hat insbesondere ihre Außen- und Innenpolitik danach zu orientieren, daß die unter Ziffer IV, 3 3—1 ausgeführten, die Mizwaherfüllung gefährdenden Momente ausgeschaltet werden und bleiben. lieber die hiernach sich e r g e b ende it Einzelheiten des politischen, wirtschaftlichen, kulturellen und organi- Tatort sich e n Palästina-Programmes ist im Rahmen dieser „Grundzüge" nicht zu sprechen. 5. Aus den unter 1—4 entwickelten Grundsätzen ergibt sich, daß die Triebkraft des Erez Jisroel-Jnteresses des thoratreuen Judentums in dem sicheren Grunde eines für alle Zeiten g ü l t i g e n Gesetzes wurzelt. Ägudas Jisroel erwartet die Erlösung des jüdischen Volkes inmitten der Brudermenschheit n i ch t von diplomatischen Verhandlungen, nicht von den Zufälligkeiten der politischen Machtkonstellation, sondern rein und lediglich vom sittlichen Aufschwung der Menschheit und vor allem von der unbedingten Unterordnung des gesamten jüdischen Volkes unter die Majestät des Gotteswillens. Allein AgUdas Jisroel hat nichtsdestoweniger weder diplomatische Verhandlungen, noch die — im Sittlichen verharrende — Anpassung au die maßgebende politische Konstellation zu verwerfen, wenn es gilt, auf diesem Wege, die umfassende Erf ü l l u n g von M i z w a s I i s ch uw Erez Jisroel ohne jeden Seitenblick .auf f e r it e und verhüllte weltgeschichtliche Ziele zu sichern. V. 1. Die Erez Jisroel-Politik der Agudas Jisroel hat mit dem Vorhandensein anderer einflußreicher Strömungen im Schoße der zeitgenössischen Judenheit zü rechnen. Als Verkörpern!g des überlieferten jüdischen Volksgedankens die Autorität des göttlichen Gesetzeswillens als einzige Autorität über sich anerkennend, kann Agudas Jisroel logischer Weise auf dem Gebiete der Erez Jisroel-Politik weniger als irgendwo sonst, irgendwelche ideelle Anpassung an den Zionismus oder an die Assimilation vollziehen. 2. Die Tatsache schließt die Möglichkeit praktischer Zusammenarbeit sowohl bei der Vertretung genau präzisierter jüdischer Interessen nach außen, als auf dem Gebiete der Wirtschaft-" licheu Arbeit nach innen keineswegs' aus. 'Bedingung dabei ist, daß weder nach außen, noch nach innen die ideelle und organisatorische Selbständigkeit der „Agudas Jisroel" in Frage gestellt wird. Diese Selbständigkeit ist auch nach .außen nicht nur wegen der Rückwirkung auf die religiösen Verhältnisse im Innern notivendig, sondern auch mit Rücksicht auf die unter II, 1 und 2 dargelegten besonderen Gesichtspunkte der Agud.as Jisroel-Politik. 3. Gegenüber dem MisrachisimiZ hat die Erez Jisroel-Politik der Agudas Jisroel das Ziel zu verfolgen, unter Würdigung der religiösen Gleichwertigkeit der einzelnen misrachistischen Individuen diese selbst nach Möglichkeit zu den Arbeiten der Agudas Jisroel freundschaftlich heranzuziehen und ihnen klar zu machen, daß die von ihnen versuchte 'Durchsetzung des Gotteswillens auf dem Wege der parlamentarischen Majorisierung ein prinzipiell anfechtbares,, faktisch lebensgefährliches Unternehmen ist, und daß dieses Unternehmen zugleich die innere Einheit und Geschlossenheit des am Gotteswillen orientierten historischen Klall Jisroel gefährdet. I. R. Die Aguda in polen. Am 6. und 7. d. Mts. fand in Warschau -eine sowohl von Warschauer als auch von auswärtigen Mitgliedern gut besuchte Konferenz des Aktionskomitees der polnischen Aguda-Landesorganisation statt. An der Konferenz nahm auch Rabbi Meir Ton Plotzki aus Ostrowo teil, der vor kurzem aus Amerika zurückgekehrt ist, wo er als Mitglied der. Agirdadelegation weilte. Rabbi Plotzki hatte sich beinahe ein volles Jahr ausschließlich der Agudaarbeit ge-- widmet und konnte in seinenr Berichte auf recht erfreuliche Erfolge seiner und seiner Kollegen Arbeit Hinweisen. Die Versammlung sprach ihm für seine unermüdliche Arbeit den Dank der Aguda aus. iWegetr Teilnahme der polnischen Organisation an der zweiten amerikanischen Delegation wurde beschlossen, mit der Weltzentrale in Verbindung zu treten. . Es wurde beschlossen, die zweite Tagung der Landesorganisation im Monat Schewath abzuhalten. Eine Kommission, wurde gewühlt, der es obliegt, die Tagesordnung festzusetzen und die Vorbereitungen für die Tagung zu treffen. Man erwartet von dieser