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Der Israelit · 1921-12-22 · Heft 51 (22.12.1921) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
62 (1921)
Issue
Heft 51 (22.12.1921)
Date
1921-12-22
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Der JSraelit. Dezember 1921 folgt, so wäre das jüdische Problem noch lange vor dem Weltkrieg gelöst worden. Als ich aus Amerika zurückkehrte, wandte ich mich an einen bekannten Berliner Zionisten und unterbreitete ihm meinen Vorschlag, der damals nicht mehr als einige Millionen Mark gekostet hätte. Ich regte damals an, ein Landgeb'et an der Küste von Mittelamerika in der Nähe von Uruguay zu erwerben. Ueberdies wäre nur ein einziges Unterseeboot nötig gewesen, um die See dortselbst zu beherrschen. Das Gebiet hätte so als jüdischer Staat proklamiert werden können. Ich hätte alle jungen Leute genommen, welche die Kaffeehäuser bevölkern, Zigaretten rauchen und nichts tun und hätte ihnen gesagt: Wenn ihr euch und euren Mitmenschen Nutzen bringen wollt — hier ist ein Land, auf das ihr eure Energie verwenden könnet". Wir fürchten, Lasker hätte sich als Sozialökonom nie die Weltmeisterschaft erobert. Ser affe Leuchter. Bon Lehnchen Kahn in Karlsruhe. Hu, wie es ihn fror, den alten kupfernen Leuchter. Der Händler hatte ihn damals aber auch in eine gar zu windige Ecke geworfen. Just in die alte Holztruhe. Und wie die noch lachen konnte, lachen an einem solchen Platz! Ja, sie lachte, lachte höhnisch über die Einfalt und die Treue des alten stillen Kameraden, der in den langen Jahren, und trotz der großen Schmach, die sie ihm angetan, noch, nicht den Glauben an die Menschen verloren hatteaber warte nur, alter Freund, du lernst es auch noch, meinte sie geschwätzig — ritsch, ratsch machten die Holzwürmchen und nagten an ihrem langen, dürren Körper. — Uh, diese Schmerzen brachten ihr immer neue Verbitterung und plötzlich ward es laut. In der dunklen Kammer des Althändlers regte es sich. Aus allen Winkeln und Enden fielen sie ein in das Lamento der Schwätzerin, jedes wollte seine Leidensgeschichte zuerst erzählen und zum Schluffe waren sie sich eins in der Entrüstung über diese herzlosen, undankbaren Geschöpfe — diese Menschen! — N.ur der alte Leuchter in seiner dunklen Ecke blieb ruhig. Sie hielten ihn überhaupt für einen ganz hochnäsigen Einfaltspinsel, der sich wohl mehr dünkte wie sie. „Auf was auch", meinte vorlaut ein wurmstichiger Bilderrahmen, „weil es vielleicht etwas länger gedauert hat, bis er in diese elende Rumpelkammer flog, gab es denn nicht auch für uns alle mal eine Zeit, wo wir den Menschen dienten und eng mit ihnen verbunden waren — oft Generationen hindurch, bis — ja bis zu jener Stunde, wo eine schicke, modisch empfindende Hausfrau, eine eben aus der Pension entlassene angehende junge Dame, ein nervöser Hausherr „das alte Zeug da", der Zofe, dem Diener übergab: „Für den Althändler und für jebesi Preis". Oh, daß man jene Stunde erleben mußte!" Ein Stöhnen und Aechzen ging durch den dunklen Raum. Nun hielts den alten Braunkopf nimmer länger still in seiner Ecke. „Was hilft euch denn dieses ewige Raisonieren tagein, tagaus? Verbessert i.,r eure Lage damit? Seht, ihr habt fast alle Jahre hindurch den Menschen Freude bereiten können, ich selbst habe ihnen nur einmal im Jahre gedient und trotzdem werde ich stets voll Dank gegen sie erfüllt bleiben. Ich habe in den wenigen Tagen, in denen ich jeweils unter ihnen weilen durfte, Wunderbares von ihnen gelernt." „Rück raus mit deiner Weisheit, alter Duckmäuser,. Kaff. dichlang genugausgeschwtegen", brummte, ein mächtiges Bücherregal, „am Ende kann man in seinen grauen Tagen noch etwas von dir lernen!" Er tat es nicht gerne, denn seine Lebensgeschichte war ihm wie ein Heiligtum, das er nicht durch das Gaffen dieser nörgelnden Schwätzer entweihen wollte. Doch vielleicht lernten sie dadurch fügsamer und geduldiger werden — und er fing an zu erzählen, jene wundervolle Geschichte, wie er sie um diese Zeit Jahre hindurch von den Menschen gehört hatte, jene erhabene Begebenheit von dem Volke, das vor vielen tausend Jahren unsägliche Schmach und Leiden erduldete, um s eines festen Glaubens, um seiner Treue willen, und wie ihr Schöpfer sie herrlich dafür belohnt und ihre dunkeln Leidensnächte in glänzendste Sonnentage verwandelte, auf daß all ihren Kindern Licht würde in ihren Wohnungen. Patsch — Mit lautem Gepolter fiel ein vorwitziges Schmuckkästchen von seinem erhöhten Platze. Es hatte, um ja alles genau zu hören, seine dünnen Beinchen zu lang gestreckt und das Gleichgewicht verloren. Die Störung aber hatte üble Folgen. Schon nach wenigen Minuten raffelte der Schlüssel des Althändlers, und als die Türe aufging, lag Totenstille über dem dunklen Raum. Ungefähr zur selben Stunde saß in einem der alten Bürgerhäuser in der Stadt der kleine Ignaz beim Großvater am Fenster. „Großvater!" sagte der Kleine, und seine großen Augen richteten sich fragend auf die Lippen des allen Mannes, „gibt es heute auch noch Makkabäer, du sagtest doch eben, daß wir jetzt wieder in einer ähnlichen Zeit leben und auch von vielen Feinden bedroht würden?" „Ja, mein Liebling, es gibt auch heute noch Menschen, die der Fahne ihrer Ahnen treu geblieben sind, und die wie jene heute noch sagen: Ich und mein Haus, wir wollen den Bund der Väter treulich halten immerdar. Und, Ignaz, hast du behalten, was ich dir von jener Heldenmutter mit ihren sieben Söhnen erzählte, was sie mutig erklärten, bevor sie dem Tyrannen ihr Leben Hingaben?" „Ja, Großvater, niemals werden wir Verräter werden an unserer Religion, was die Erde nicht geben und nicht nehmen kann, das tragen wir in uns, wir füchten nichts." „Ja, Liebling, vergiß diese Worte nicht, und gebe der Allmächtige, daß auch du ein Makkabäer werdest und nicht, wie so viele in unserer traurigen Zeit, die feig den Angriffen unserer Verfolger entweichen. Und nun, Ignaz, wollen wir noch entzünden, bevor das Fräulein dich nach Hause holt". Mit hellem Glanz strahlten die Ltchtlein und mit glockenreiner Stimme sang der Junge das Moaus zur. Da durchzog beim Scheine der hellen Flämmchen Lebenszuversicht des alten Mannes bangende Brust. „Gelt, Fräulein Greta, du hilfst mir die Mutter bitten, daß ich heute wieder zum Großvater darf", sagte der Junge am anderen Morgen als das Fräulein eben das elegante Kinderzimmer betrat. „Komm, Igo, zuerst laß dich mal schön fein machen, und dann erzähle ich dir eine schöne Geschichte vom Weihnachtsmann und von der Tannenfee", meinte sie mit melodischer Stimme, wie man sie so oft im Kindergärtnerinnen- Seminar hört. Frau Kommerzienrat hatte es auch gar nicht gerne, wenn der Junge zu viel zum Großvater kam und von seinen veralteten Sitten und Gebräuchen mit nach Hause brachte. Gott, man lebte doch in einer modernen Welt und mußte doch auch seinen Haushalt etwas darnach etnrtchten. Im Anfang schien es sie ja ein bischen peinlich zu berühren, daß der Schwiegervater aus diesem Grunde seines einzigen Sohnes Haus mied und nur in den dringendsten Fällen einen Besuch machte. Und seit der kleine Enkel zu ihm kommen konnte, ließ er sich schon garnicht mehr sehen. Mit Ignaz hatte das Fräulein heute wieder ein schweres Stückchen Arbeit. Den schönsten Geschichten, die sie wußte, hörte er kaum mit halben Ohre zu, und als die Eltern ihn bei Tisch fragten, was er sich denn zum morgigen Geburts- . _Seite 11 No. 51 tag wünsche, doch sicher eine große Eisenbahn mit zerlegbaren Schienen, wie Doktors Joachim, da erklärte er gar feierlich: „Nein, Papa, einen Chanukkaleuchter". — Ein merkwürdiges Kind, dieser Igo. Der Geburtstag des Knaben aber brachte Sorge und Unruhe in das große vornehme Haus. Enttäuscht ging der Kleine, als er seinen Lieblings- Wunsch nicht erfüllt sah, von seinem Geburtstagtisch und auf dem Spaziergang mit den Eltern sprach er kaum ein Wort. Des anderen Tages bat das Fräulein die Frau Kommerzienrat in aller Frühe ins Kinderzimmer. Der Kleine müsse sich gestern beim Spazierengehen erkältet haben, er habe die ganze Nacht gefiebert und nur nach seinem Großvater gerufen. Die überbesorgien Eltern ließen sofort den Arzt holen, und der konstatierte auch wirklich eine starke Erkältung, die sich aber bei genügender Schonung schon im Laufe des Tages bessern würde. Das Fieber ging auch bald zurück, aber der Junge verweigerte die Aufnahme jeglicher Nahrung. Der: Großvater wollte er, mehr nicht. Und sie folgten endlich dem Rate des erfahrenen Arztes und ließen ihn holen. Da ließ sich. der alte Mann nicht zwei mal bitten, und nun saß er auch schon am Bette des Enkels, der mtt glänzenden Augen seine Hand hielt. Stumm jähen die Eitern zu, wie der Junge olles will'g nahm, was der G oßoater h n - tdtite. „Großvater", jagte er sreud ftta^enb, „iie Eltern haben mir versprochen, wenn ich gesund bin, darfst du mir einen Cyanukkaleuchter kaufen, wie du einen hast. Gelt, morgen schon tust du es, denn ich weiß, übermorgen brennt man acht Lichtchen. Der Althändler dienerte nach allen Seiten vor dem vornehmen Kunden- Allerdings wurde er mit der Zeit ein wenig ungeduldig, als dieser unter all den feinen Leuchtern keinen passenden finden konnte und sich schon wieder zum Gehen wandte. „Halt, halt, Herr Baruch, eben fällt mir ein, ich habe oben in der Kammer noch ein altes Stück, vielleicht könnte das zu ihrem Zwecke hergerichtet werden!" Ruck, drehte sich der Schlüssel im rostigen Schloß und endlich fanden sie ihr, in der finstern Ecke der alten Holztruhe. „Nur wer ausharrt, wird gekrönt!" war das letzte, was er schnell noch zum Abschied seinen Kameraden zurufen konnte. Und am letzten Tage des Chanukkafestes, da strahlte im eleganten Wohnraume des Kommerzienrates der alte einfache Leuchter. Der Glanz der Lichtlein aber sandte in vier Herzen feurigen Gruß. Klein Ignaz stand zwischen Vater und Mutter, das Gebetbuch in seinen Händchen. „Großvater, du kannst es ja auswendig", meinte er gutmütig, und wie Frühlingshauch klangs jetzt durch den hohen Raum: „Moaus zur jeschnosi". Aus vier Augenpaaren lösten sich acht Tränen und acht winzige Oeltröpschen sickerten langsam über den alten kupfernen Patriarchen. Mel. „Warum läßt denn der Rätselonkel so garnichts mehr von sich, hören", bedauert mancher Kleine allwöchentlich, wennsein Blick suchend die „Kinderecke" durchstreift. Es-muh aber doch nicht unbedingt ein Onkel, es kann ja auch eine Nälseltante fein, die eine Nutz zu knacken aufgibt. Sie begrüßt Euch liebe Kleinen freundlich mit zwei herzlichen Worten. Wißt Ihr sie-' Dann antwortet Ihr mir sicherlich mit den gleichen Worten, nur stellt Ihr die Worte, Ihr seid ja nicht dumm, ein wenig um. Meine zwei Worte sind es auch, die im sabbarlich geschmückten Heim, einen weihevollen Gesang einleitend, erklingen und schon das kleine Brüder lein oder Schmesterlein, wenn es eben tripueln kann, versteht sich darauf und jauchzt, wenn eS sie hört, Nun ratet! 5 4 3 2 1, Dein Jakob geheiligte Stätte. 3 7 6, Stammmutter Davids. 6 8 4, Monat. 5 4 7 10 9, Letzter Richter. 12 11 7 2, Ein Sohn Jakobs. 3 7 8 5 7 3, Sidroh.stm 1.' Buch Moses. Die Anfangsbuchstaben von oben nach unten ge-" lesen, ergeben einen wichtigen Abschnitt der Schöpfungsgeschichte.

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