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Der Israelit · 1921-12-22 · Heft 51 (22.12.1921) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
62 (1921)
Issue
Heft 51 (22.12.1921)
Date
1921-12-22
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 No 5i. Schöpfung tc* tu i n jdjöpfeiifc^cu GolteSZeistes, eine Schöpfung, die geradezu nach denr Gesetze schreit! Wenn Gott — ^la’aa — seine Allmacht selber beschränkte, um der Freiheit Raum zu geben, wie sollte nicht — analog dem zwangsläufig wirkenden Naturgesetz und tierischen Instinkt — die freie Unterwerfung unter den im Gesetze konkretisierten Gotteswillen, die Abschültelung der Triebe, Leidenschaften, höheren selbstischen Neigungen die kostbarste Bewährung der metaphysischen und ethischen ^Freiheit sein? Wer dem Gesetz gehorcht — Noachtde oder Jude, ein ff der denr seinigen — darf die Überzeugung hegen, damit durch das sicherste, unfehlbar wirkende Instrument nicht nur dem „unedlen Unglück", sondern — und damit möchten wir uns eine weitere Ergänzung oder Berichtigung deS Brod'schen Gedankenbanes erlauben — auch dem sogenannten „7dlen Unglück" zu Leibe geruckt zu sein. Das überiieserte Judentums kennt, soweit wir sehen können, einen prinzipiellen Unterschied zwischen notwendigem, gleichsam ewig Bösem und überwindbarem Bösen nicht. Alles Böse, selbst der Tod, selber der Jezer horah — sind überwindbar, sei es auch erst in fernen Zeiten, denn sie sind geschaffen, um überwunden zu werden, jnn sin man nxnö sin jtarp sin - das Böse an sich, Tod und Sünde sind identische Begriff?, reine Konsequenzen der Materie, aber überwindbar durch Freiheit und — Gnade. D es ist der letzte Punkt, in dem wir unsere Ueberzeugung von dem wahrsten Sinne der jüdischen Lehre der Auffassung Brods gegen über stellen müssen. Die „Gnade" ist kein Zufallsgeschenk, kein Willkürakt göttlicher Unbegreiflichkeit (trotzdem in dem nns nrrw laaii? n:ip v bemntrs ns ■»nun-], iins und dem 's nm nstcrn ’sn sns p:ia >'S nun des Rambam menschlichem Vorwitz der Blick in die Karten, gewissermaßen die Einzelheiten der göttlichen 'Liebe strenge verwehrt wird), sondern sie ist immerhin ein mit der im Gesetze sich bewährenden Freiheit enge verknüpftes Strebeziel. Eine Stufenleiter führt Rabbi Pinchos ben Jair von denr bescheidenen nrPDl, der gesetzgeöundenen Gewissenhaftigkeit, hinauf zur nirnp, zur Heiligkeit, die in den üHpn nn — das t st ja doch wohl die „Gnade" im eigentlichsten Sinne — mündet. Möchte Msz' Brod einmal Luzzattos wunderbaren „Aufpfad der Geraden" lcsen — er wird ihn zum Gedichte gestalteu uitb bann den Sinn des Luzzattinischen Wortes von der „Hftiigkeit" begreifen: mann isidi mannrrn — sie „beginnt mit der Freiheit (dem Ringen) und endet in Gnade"? Was dazwischen liegt ist — eben der Weg, das Gesetz? Wer den Weg nicht gehen, das „Joch der Gottesherrschaft" nicht fteudig aus sich nehuien will, muß das Ziel verfehlen — aber auch nicht jeder Wanderer gelangt bis zum Ziel. So ist Raum vorhanden für Freiheit und Gnade. Personalien. Berlin, 7. Dez. Am 3. Dezember entschlief nach kurzem Krmnkenlager Frau Marie Gans, geb. Seelig, in ihrem 70. Lcbcnsjrhre. Gebürtig in Rogasen und aus frommen Hause stammend, lebte sie eine lange Reihe von fahren in glücklicher Ehe mit ihrem aottcssürchligen Manne Michaelis Gans. Die politischen Verhältnisse in der Provinz Posen nötigten auch sie, ihren heimatlichen Orr Wreschen zu verlassen und nach Be-.iin überzusiedeln. Wenn irgend eine jüdische Frau den Namen Eschet-Ehajil verdient, ist es die Verstrnber e. In Liebe und Eintracht mühte sie sich mU ihrem Galten, die Kinder zur Frömmigkeit und Menschlichkeit zu erziehen. Wohltätigkeit fand eine bleibende Slätte in ihrem Hause. Als ihr zweiter Sohn iniolge des Krieges sein Leben hingeben mutzte, fand sie Trost im Gedanken an Gott. Die Trauerrede hielt der Sohn, , Rabbiner Dr. Sally Gans. Mil beredten Worten schilderte er den Werdegang seiner heitzgckieblen Mutter und ermahnte die Trauernden, ganz nach dem Willen der verstorbenen Eitern zu leben und zu sterben. Die Teilnahme an der Beerdigung war überaus grvtz, ein Beweis der Liebe und Wertschätzung, deren sich die Verewigte erfreute. n/,/32f;ri. Halberstadt, 15. Dez. Am 7. Kislew starb nach nur .vorigen Tagen des Krankseins im säst vollendeten „Der JSraeUt." 70. Jahre Frau Babette Tarlowsky n die allseitig beliebte und verehrte Gattin des Herrn Leopold Tarlowsky Die von ihrem Gatten vor 38 Jahren gegründete kleine Speisewirischaft verdankt ihrem unermüdlichen Fleih und ihrer rastlosen Arbeit? die jetzige Blüte, und ihre Frömmigkeit und Gewissenhaftigkeit waren ohne die sonst übliche Aufsicht — die sicherste Gewähr für das Kaschrus ihres Hauses. Bei der ,y'h entwarf vor etrer großen Trauerversammlung Herr Rabbiner Dr. I. Auerbach in ergreifenden Morien ein Lebensbild der schlichten Frau, der Gattin und Mutter, die in treuester Pflichterfüllung das höchste Glück ihres Lebens gefunden hat. Frankfurter Berichte. Generalversammlung der Synagogengemeinde „Israelitische Rellgionsgesellschasl." Frankfurt a. '))!., 2l. Tez. Tie am letzten Sonntag im Saatbau stattgehabte Generalversammlung wurde vom zweiten Vorsitzenden, Herrn Raftali S cb w a b a di e r , mit dein Ausdruck des Bedauerns eröffnet, dag der derzeitige Präsident der Gemeinde, Herr.Geheimrat Tr. R o s e n b a u Nt, durch schlvere .Krankheit verhindert sei, seinen Pflichten nachzutvmmen: die innigen Wünsche der ganzen Gemeinde auf baldige Genesung stehen dem t-.m die Entwicklung der Israel. Rrligivnsgesellschnft hvchverdieitN'n Moniic zur Leite, 'Aach warmen Worten des 'Aachrnfes auf den allzu ftiih seiner segensreichen 'Arbeit entrissenen ttzemeinde-Lekretür Moritz G v l d e, gelangte der Perwal tungsbericht ül^r den vorläufigen F i n a n z a b - f ch l u s; und das S t e u e r n ll f k v m m e n im (0 e - schüftsjahre 1920 21 zur Verlesung. Aiit die Einzelreiten d"s Finanzabschlusses wird bei 'Gelegeirheit der dem nächst igen endgültigen Rechnnngsablage zurückzukommen sein. Täs Jahr schliefst mit einem Fehlbetrag von rund!.">()Uuu Rlart ab, itachdem etwa 1 M'iUivii tzAart für «tcumt, eckva , Million Mart an isiebähren (Lchnlgelder, Lejselmieten, Mizivvs etr.) eingegangen nird etwa l> > Million für B e a n: t e n g e!, ii i t e r verausgabt warben ■ find. Sämtliche Beamte der Gemeinde sind seit Jahressrist in die st a a t t i eh e n G e hall s g r u p v e n eingereilst. Rach der neuen Gehaltsregelung werden die Beauuengehälter im laufenden Jahre etwa 2 M i l i > v n e n Bl a r k erfordern, so dag das Steueranftvnimen verdoppelt tverden mutz. Auf eine Anfrage aus der Versammlung erklärte der Vorstand, v hoff e nach den gemachten Erfahrungen, auch für das laufende Jahr mit dem nunmehr zur Anwendung gelangenden r e l i g i o n s g e f e tz l i ch e n L t e u e r - z >v a u g ausuitdmmen, der zivar gegen die frühere Methode der ireilviUrgen Beiträge eine völlige pstp chologifche llmstellung der Mitglieder in ihrer inneren Beziehung zur Gemeinde vorausfetze, sich aber inckstsdeftoweniger einzuleben begonnen habe. Eine Erhöhung der Steuersätze in den höheren Eialominensfkiifen loerde allerdings schwer vermeidbar sein. dem nuninehr zur Vorlage gelangenden n e n e n S a v, u n g sent w u r f, über den in dev teisten Rninmer des Israelit eingehend berichtest lvnrde, waren von seiten einiger 'Mitglieder eine grosse Reihe von 'Abänderuugsaiiträgeu eingegangen, die samt und sonders dir Tendenz verfolgen, die Rechte der Gemeindeversammlung iGeneralbersnininlung) wesentlich zu erweitern und das neu zu schaffende Gemeindeorgau, den isiemeinderal, in gleicher Weife ivie den Vorstand aus uniuiitelhareii Wahlen der Geiiieiude hervorgehen zu lassen. In eine»- aiisführticheu lllelerate lief; der Vorstand die Grundgedanken seines Entwurfes begründen, der in nahezu zlvcijähriger 'Arbeit von der iü-gliedrigen Satzungstvuuuigion. gemeinsam mit der Verwaltung geschaffen worden ist und der sich bemüh:, in wvhlabgewogenem Gefüge einen gesunden 'Ausgleich zwischen dem auf Gesetz und geistiger Tradition heruhenden tonservativen isirnndcharakter der l^emeinde und der notwendigen 'Anpassung an die wechselnden Feitverhäitnrsse und ihre Erfordernisse zu sinden. Tie Verwaltung liest niirteilen, datz sie dennocki einem Teil der Almuderungsanirägr durchaus stnupathifch gegeiiüberstehe, lvährend andere,'die im einzelnen bezeichnet wurden, für sie absolut nna-niehmbar seien, weit sie teils andauernde Reibungen schaffen, teils die innere Gefchlosienheti der Gemeinde in Futnnft gefährden könnten. In der nun einsetzenden lebhaften Tistnssion, die stellenweise stürmischen Eharatter annahm, lvnrde von der opponierenden Älinderig'!! der A'ntrag gestellt, die Verhandlung zu p e r - t ii g e u , um den Alitgliedern erneut tsteleg-piheit zu geben, sich über ihre Stellung zu den neuen Satzungen klar zu lverden. Nachdem die Verwaltung gemeinsam mit der Satznnaskvnlinission sich zur Beratung über dielen 'Antrag zurückgezogen hatte, erklärte der Vorsitzende, datz der Vertagungsantrag von beiden Gremien mit stiücksickst ans die notwendige .cklärung der Situation z n r ii ck g e w i e s e n werde. Ter Vorstand andere vielmehr unter allen Umständen eine 'Abstimmung über seinen Entwurf, schon um von der Stärke der r.pposilioir gegen diesen Entwurf ein zifferniätziges 22. Dezember 1921. Bild zu erhalten. Gleichzeitig gab der Vorstand bekannt, datz er auf Grund der Hervorgetreteneii Wünsche und 'Anregungen folgende Abändernngen an seinem Entwürfe bvrgenommen habe:!) S 14. stur 'Absetzung eines 'Antrages von der Tagesordnung der Geineindebersaimnlnng wegen Gefährdung fchwerlviegender Gemeinde-Interessen soll E i n st i m in i g k e i t des Beschlusses tu Vorstand und Gemeinderat erforderlich sein. 2) £ 27. In den Gemeinderat. sollen auch solche Mitglieder wählbar sein, die vorher noch keiner Verlorcktuiigskoiiiinissivn angehört haben. 3) £ 28. Tem Vorstände können Inhaber und Angestellte eines und desselben geschäftlichen Unternehmens nicht gleichzeitig angehören. Nach längeren Geschäftsvrdnungsdebatteu schritt man zur u a in e n t l i ch e n Abstimmung, nachdem infolge der vorgerückten Abendstunde zahlreiche Mitglieder die Versaiiiinlnng verlassen hatten. Die Abstirnmnng ergab, datz von den ursprünglich in die Eine weitere Generalversammlung werde jedoch unter 240 anlvesend waren. Von diesen stimmten 180 s ii r den Entwurf des Vorstandes, 60 d n g e g e n. Ta satznngSgemätz die 'Anlvefenheit von 300 Mitgliedern ziir Antlnhine einer Sntzungsändernng erforderlich ist, so hat die Abstimmung praktisch keine Entscheidung gebracht. Unter Feststellung dieses Ergebnisses gab der Vorsitzende seiner Befriedigung Ausdruck, daff die Verwaltung nuninehr in dein Abstiinmungsergebnis doch eine feste Grundlage für ihre weitere Ltellungnahme besitze, die sie sich Vorbehalte. 'Anwesenheitsliste eingetragenen 380 Attigtiedern noch allen Umständen in aller Stürze zlvecks Vornahme der satznnasgemätzcn jährlichen Ergänzungswahlen des Vorstanaes und 'Ausschusses stattfinden. GemeindvankeiHe. Die Frankfurter Israelitische Gemeinde hat bei der Regierung die Bewilligung einer 5«/o igen Anleihe von 12 Millionen Mark nachgesucht. Die Anleihe wird zu 12 °/0 mit 1V* °/0 des ursprünglichen Kapitals mit ersparten Zinsen durch Auslosung oder Rückkauf, beginnend am 1. April 1927 getilgt. Die Notierung der Anleihe an der Frankfurter Börse wird beantragt. Ein Bankenkonsorrium hat von dieser Anleihe 9 Mtll. Mark übernommen und bringt sie bis auf weiteres zu 100 % zum Verkauf. Beschäftigt ojtjüdifche Atüchtlmge? Die „Beratungsstelle für ostjüdische Flüchtlinge" hier, Langestr. 30, weist Aushilssarbeiter, Packer, Ausläufer, Teppichklopfer, Gepäckträger, Leute zum Holzhacken, Boten, Adressenfchreiber usw., sowie auch ständiges Personal nach, soweit Sabbatruhe gewährleistet wird. Aus telephonischen Anruf Hansa 3729 werden zuverlässige Leute jederzeit zur Verfügung gestellt. Veretnskalenver. «verein Me kor Ehnjim. Freitag abend nach Schul: „Mikro": Herr Jose Diamant. SamStag vorm, nach Schluß der Synagoge „Dtnim"; Herr Rektor F alk. — mittag 12 Uhr „Melochim": Herr Prof. A. Weyl. — nachm. 33/4 Uhr tm Vereinslokale: „En Jaakow " Herr Redakteur S. Schachnowitz. Sonnrag vorm. 9lft Uhr: „Gemoro"; Herr R. A. G. Posen. Montag und Mittwoch abend 7 Uhr: „Gemoro": Herr Rabbiner Dr. Jos. Breuer. Dienstag abend 7 Uhr: „Gemoro": Herr R. A. Posen. Donnerstag abend eine Stunde vor Mincho „Mischna": Herr Rektor Falk. Allabendlich 8% Uhr: „v"p-Lernen im Vereinslokale- Herr H. Halpern. Jahrzeit stiftungslernen: Sonntag vorm.: Therese Stern, geb. Plaut- Stiftung. Moaus-zur spielende Chanukaleuchter hat — seit Kriegszeit vergriffen — die bekannte Buchhandlung Grünebaum, Cassel, noch gerade vor Chanuka fertiggestellt. (Stehe heutiges Inserat). Sabbaf’Anfcing and Ausgang. nttm narr. Ort: Anfang Datum Ausgang ÜhrjMtn. 1921| 5682 Uhr Min. Frankfurt a. M 4 05 24. 23. 5 20 Berlin ... 4 - Dez. Kislew 4 45 München . . . 4 2u 5 11 Cöln. 4 20 5 20 Stuttgart. . 4 30 5 10 Breslau . . 3 3y 4 39 Nürnberg. . . 4 10 5 07 Hamburg. - 3 r>7 4 57

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