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Der Israelit · 1921-12-22 · Heft 51 (22.12.1921) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
62 (1921)
Issue
Heft 51 (22.12.1921)
Date
1921-12-22
Page
– (sequence 2)
Language
German
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<8>eUt 2 Nr. 51 Der I-raeiit. Die heutige erste Chanukka-Nummer 22. Dezember 1931. umfaßt 20 Seiten. 1. L e it art i k e l: 3t a b b i I o k e b E t t l i n g e r y':. — 2. Homiletik: Dc. Felix Kanter: Wollen und Tun. — 8. Kleines Feuilleton: Ein glücklicher lebensfroher Mensch. — Araber und Juden. — 4. Wo ch e nrun d sch au: Chanukka-Sammlungen. — Zum Bundestag der gesetzestreuen Akademiker. — Ein Gewaltakt der Breslauer Gemeinde-Verwaltung. — 5. Aussätze: Die Rabbiner-Konsercnz in Wilna. — Die Leistungen der ostjüdischen Arbeiter in Deutschland. — 0. Korrespondenzen und Nachrichten: Berlin, (Bund jüdischer Akademiker). — Cöln, (Gefetzestreue Juden im Postdienst). — Ladenburg, (Rückkehr zur Gesetzestreue). - Budapest, <Der neue Kurs in Ungar n). — Budapest, (Ein Kriegswaisenhaus). — Warschau, (Antisemitenkonferenz in Warschau). — Warschau. — Kowno, (Rücktritt des Abgeordneten Rosenbaum). — Bukarest. — London, (Monteftores Abschied). — Newport, (Ein großes Bankunternehmen für Palästina). — London, (Einwanderersürsorge in Erez Jisroel). — Jerusalem. — 7. Litterarische Warte: Das Bekenntnis eines Heimkehrenden. — 8. Personalien. — 9. Vermischtes. —10. FrankfurterBerichte: Generalversammlung der Synagogengemetnde „Israelitische Religionsgesellschaft". — Vereinskalender. — 11. Feuilleton-Beilage: Heinrich Einstädier: Chanukka. — Elle Pereyra. — Wie der Schachmeister Lasker die Judenfrage löst. —12. K in d ere cke: Lenchen Kahn: Der alte Leuchter. Aabbi Jokeb Minger y":- (öu seinem 50 ToöesfageO In der ersten Chanukanacht des Jahres 5632 (1871) schloß in Altona Rabbi Jokeb Ettling er das Auge und durch die jüdische Welt ging d!e erschütternde Kunde, daß am Feste des Lichtes ein Licht erloschen sei, wie es nur einmal in Jahrhunderten am jüdischen Horizonte erstrahlt. Jokeb Ettlinger schließt eine Periode der ttattfK ab, bet denen der spezifisch westliche Einschlag weder vonnöten war, noch vorhanden setn konnte. Den folgenden deutschen DYT)! (Hirsch, Hildesheimer, Lehmann u. a.) fiel schon die Aufgabe zu, Wiederaufbauarbeit in verödeten, durch die Sonne der Emanzipation bis auf den Grund ^ausgedorrten Gefilden zu leisten, und sie mußten mit modernen Mitteln arbeiten, den alten Kampf mit Waffen gleich guter und modernster Konstruktion wle die Gegenpartei führen. Rabbi Jokeb Ettlinger, obwohl an der Schwelle der Ref ra aera stehend und diese im Auge behaltend, wurzelt doch noch' nach seiner ganzen Art und Ausbildung in einer Zeit, da es im jüdischen Lager einen anderen Kampf als im Sinne von naarta m fiK.H? D'nstwön n"n nicht gab, da man Zollgrenzen im Reiche des jüdischen Geistes, wo direkte Wege von Wilna nach Altona von Frankfurt bis nach Preßburg, von Amsterdam nach Prag usw. führten, noch nicht kannte. Was der Führer früher zu sagen hatte, war nicht für eine Gemeinde, ein Land und auch nicht eine Zeit bestimmt, sondern für die jüdische Welt schlechthin und man sagte es in der Sprache der jüdischen Gemeinschaft, in talmudischem Hebräisch und wurde eher bis in die entlegensten Ecken gehört und verstanden als heute in der Zeit der Eisenbahn und des elektrischen Funken. Die Werke des Mal bim wurden in Amsterdam, Fürth und Altona gedruckt Und di? des Rabbi Jokeb Ettlinger erlebten ihre^zweite vergrößerte Austage in Wilna. Düs besagt alles . . . Somit muß R. Jokeb Ettlinger in gewissem Sinne als einer derLetzten bezeichnet werden. Ettlinger war neben Bern'ays, dem berühmten Chacham von Hamburg, einer der ersten Rabbiner, die durch dieUniversität gegangen sind. Aber trotz Würzburger Hochschule ist und bleibt er „Rebb Jokeb", Rabbtner alten Schlages. Sein Vater R. Ahron Ettlinger in Karlsruhe, ein Thoragelehrter von Ruf, ohnte es wohl, welche Aufgabe ihm mit" der Hebung der in der Begabung und Veranlagung seines Sohnes schlummernden Schätze für das Judentum zufiel und sorgte für beste Erziehung. Er selbst lernte mit dem Sohne vom frühesten Ktndesalter an und führte ihn dann Rabbi Oscher Walerstein zu, der sein Pnaiö UH wurde. In weiser Voraussicht gedachte aber Rabbi Ahron der künftigen Studierkammer des werdenden Führers frühzeitig ein Fenster nach der Außenwelt zu öffnen. Sd6Hrn Jokeb Ettffnger auf die Würzburger Nriiversität. Sieht aber später der fertige Meister, im Besitze umfassender weltlicher Bildung, den Ausblick nach außen frei und gesichert, so bleibt doch sein Blick alle Zeit in der Hauptsache nach innen gerichtet ... Aber die Männer, die ihm — zum Teil schon in halbgerefftem Alter — zu Füßen saßen, unter ihnen keine Geringeren als S. R. Hirsch ' und Israel Hildesheimer, konnten sich an diesem Großen mit dem offenen Auge so emporranken, daß sie des jüdischen Hauses festeste Stützen wurden in einer Zeit, da die Stürme von innen und außen so wild tobten, wie nie zuvor in den geruhigen Jahren bis zur Mitte des letzten Jahrhunderts. Im Besitze universellen Wissens, geschmückt mit der Doppelkrone, der min “ifia und “iro. htSDTi/ bescheidet Lch Ettlinger zunächst mit' einer Klausrabbinerstelle in Mannheim, die er unter dem Titel „Kreisrabbiner von Ladenburg" bekleidet. Auf den Titel gibt er nicht viel, aber ' die „Klaus", die eigentliche Wirkungsstätte seiner Kraft- und Jugendjahre machte er bald zu einem 0\öin:> W fpa ersten Ranges. Die Schüler, die sich um den Rabbi in Mannheim schaarten, zählten schon gleich zu Anfang 70, und der Umstand, daß viele dieser D’öa'n HWJi nur um ein weniges jünger waren als der Meister, erhob dieses Lehrhaus zu einer Messiwta fast babylonischer Art, wo der Thora- Austausch die reifsten Früchte zeitigt. Durch diese Schule gingen, nur um einige zu nennen, Rabbtner S. R. Hirsch, Rabbi Gerson Josafath, Rabbi Löb Ettlinger y'Xl, der Bruder Rabbi Jokebs und dessen Nachfolger in der Mannheimer Klaus, u. v. a. Im Jahre 1836 beginnt die Altonar Zeit Ettlingers. Er kam als Nachfolger Aktba Werth et ms auf den geweihten Sitz, den in früheren Zeiten ein Chacham Zewi, ein Rabbi Jonathan Eibeschütz und andere Größen ihrer Zeit, innehatten. Mit Ettlinger wurde Altona wieder zum Mittelpunkt der Thora, wohin unzählige Ströme und Kanäle aus allen Gegenden, wo man zur Thora hielt, sich ergossen. Unzählige Fragen auf allen Gebieten des religiösen Lebens aus allen deutschen Landen und weit darüber hinaus, hatte der Oberrabbiner von Altona zu entscheiden. In Altona selbst bestand damals noch das jüdische Beth Din, das nach jüdisch-talmudtschem Rechte zu entscheiden hatte, und Ettlinger verlieh diesem rabbinischem Gerichtskollegium als Präsident auch die nötige Autorität. In 35 Jahren unausgesetzter Arbeit kamen hier die groß-angelegten halachtschen Werke Ettltngers zustande, die Responsen-Sammlungen und die homiletischen Abhandlungen, die alle bald von der jüdischen Gelehrtenwelt den Werken frühester Autoritäten an die S?ite gestellt wurden. Wir nennen die Bücher YEi? maa und aniaa niöDin zu den Vorschriften . über,a Y?) naiD/ das nnr -ipv zu verschiedenen Traktaten des Talmud Babli, die in der rabbinischen Welt hochgeschätzte Responsensammlung 'frst die rasch zur Beliebtheit gelangte NIV^N-Sammlung unter dem bescheidenen Titel w nriJö* Viele dieser Werke erlebten in kurzer Zeit mehrere Auflagen. Ein zweiter Band der Responsensammlung fVX 'pss erschien später aus dem Nachlasse Ettlingers, herausgegeben von einem Sohne des Rabbi, bei Gebr. Rom in Wilna. Ettlinger war, wie schon bemerkt, kein Politiker und Kämpfer im eigentlichen Sinne. Er imm Wollen und HM Kurze Betrachtungen zu Channkäh und zum Wochenabschnitte. *) Von Dr. Felix Kanter in Zwittau (Mähren). Im Talmud (Sabbat 22) finden sich folgende zwei Aussprüche, die scheinbar in aar keinem Zusammen-, bange miteinander stehen. Diese Stelle lautet: R. Tanchuui sagte; „Wer das Chanukalicht zu hoch anbringt (höher als 20 Ellen), erfüllt die Pflicht (des Anzündens) nicht". Und ferner lehrte R. Tanchum: Von der Grube, in welche Josef geworfen wurde, heiht es, „sie war leer, es war darin kein Wasser" — Wasier war darin wohl nicht, aber Schlangen und Ottern waren trotzdem darin. (i'ci nSics i)"i nsiin i: '2"p'tzM 'n nvrri). Nicht minder sHwiertListifolLey.her,Äusispxuch des M i d r a s ch: „Die Veilchen, spenden ihrM Duft" (Hohelied) — darunter ist Rüben zu verstehen, der Josef retten *) Nach „Jalkut Haorusch", ll. Teil. wollte. „An unseren Türen sind alle süßen Früchte" — darunter ist das Chanukalicht gemeint. (iznr a\S“inn nsi;n u nr smts bz i^nra ‘ryi pijn m n>i). In der scheinbaren Schwierigkeit dieses Ausspruches ist die Erklärung der zitierten Talmudstelle enthalten. Der Midrasch vergleicht die rettende Tat Rubens mit dem Blütenduft, das Chanukalicht mit der reifen süßen Frücht. Der Unterschied zwischen Blüte und Frucht ist zur Genüge bekannt. Die Blüte ist schön, ihr Duft angenehm und köstlich, aber satt werden kann man von der Blüte nicht. Die reife Frucht hingegen vereinigt in sich alle Vorzüge: sie ist schön vom Ansehen, ihr Duft ist köstlich und sie wirkt auch sättigend. Rüben wird blos mit der B lüte verglichen (nicht mit der reifen Frucht). Denn die Tat, die er zur Rettung Josefs unternahm, kam nicht zur Reife', und konnte auch keine nennenswerten Früchte, das' heißt Erfolge zeitig « und erzielen, weil die Grube, in welche Joses geworfen wurde, zwar leer von Wasser war, aber nicht leer von giftigen Schlangen und Ottern. Dies übersah Rüben vollständig; ihm genügte die Tatsache, daß in der Grube kein Wasser war. Die darin befindlichen Schlangen sah er nicht, weil die Grube tiefer als 20 Ellen war und was höher oder tiefer als 20 Ellen ist, mit freiem Auge nichtwahrnehmbar ist. (xny az x'n c^ö). Wollte er Josef tatsächlich retten, dann wäre es seine Pflicht gewesen, sich vorher zu überzeugen, ob in der Grube sich nicht giftige Schlangen :c. befinden. Seine Absicht war jedenfalls lobenswert, sie ist aber nur mit der Blüte vergleichbar, aus der sich später eine Frucht entwickelt oder auch, vom Sturm gebrochen, vor der Zeit welkt und dann überhaupt nicht mehr zur Entfaltung gelangt. 1 Anders ist jedoch die Heldentat des greisen Priesters Mathatias und seiner Söhne zu bewerten. Sie begnügten sich nicht mit der bloßen Absicht, ihre Rel gion, ihren Glauben, ihr Heiligtum und ihre Brüder vor drohendem Untergange zu bewahren, sie zeitigten auch herrliche Tatensie griffen als Erste in den Kampf ein und unterließen nichts, um ihrem Volke die wahre Hilfe und Rettung zu bringen. Ihre Taten haben herrliche Früchte gezeitigt nnd davon legen Zeugnis ab die — Chanukalichter, die an den Eingängen unserer Hänser allen sichtbar angebracht sind. Wenn tbaSfalbe tun, ist es noch lange nicht dasselbe. RNbHi rp-yillte seinen Bruder retten und Mathatins chvtnHÄne Brüder gerettet Rüben wollte seinen Bruder Josef retten und eS blieb beim guten Willen, da er die gebotenen Vorsichtsmaßregeln außer Acht ließ- Mathatias hat alle Konsequenzen in Betracht gezogen und seine Taten haben die herrlichsten Erfolge aufzuweisen. . Dreimal, so bemerkt die Massora, kommt das Wörtchen nyin („irren") in der heiligen Schrift vor. Einmal heißt es in unserem Wochenabschnitte ny in „er irrte auf dem Felde"- in O'LLirD heißt es nym nien, „fein Esel irrt" und den Sprüchen Salomos (Kap. 21) heißt es endlich i"n bz&n *]yid nyin cm „der Mensch, der da abirrt vom Wege der Weisheit". Irren ist menschlich! Es irrt der Mensch, solange er strebt. Es gibt aber verschiedene Arten des Irrens. Der eine irrt, geleitet und verleitet infolge seines My«er,.d1e MMyifMGWW. und LrtM, WtzMsiSE- ^FelhLr und Welngartesi, ^yEdlk.^r großen BesiM der Schatze. M Er schweM-M Hinblick auf semtz, nicht wenig stolz ist. ' Ein anderer irrt, weit er.'nicht die moralische Kraft aufbringt, seine tierischen Ge-

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