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Der Israelit · 1921-12-08 · Heft 49 (8.12.1921) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
62 (1921)
Issue
Heft 49 (8.12.1921)
Date
1921-12-08
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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«eite 6 fit. 46 Der Chief-Rabbi beim König. London, 30. November. Der Chief-Rabbi Dr. Hertz ist am letzten Dienstag vom 5?ömg Georg in Audienz empfangen worden, bei welcher Gelegenheit der Chief-Rabbi den Gruß und die Huldigung der Juden in den Kolonial Staaten, die Tr. Hertz unlängst besucht hatte, dem König überbrachte. Der König hörte dem Berichte des Chief-Rabbi über die Lage der Juden in den englischen Kolonial Ländern und ihre Beteiligung am Kriege sehr aufmerksam zu. Die Schertiifa-Srage. London, 29. November. Auf der letzten Sitzung des „Board of Deputies" wurde mitgeteilt, daß der Tierschutz- Verein wiederum an die Schechita-Kommisston der Gemeinde herangetreten sei mit den alten Anklagen gegen die Schächtmethode und mit dem Wunsche, das Beiäubungssystem rinzuführen. Die Antwort der Schechita-Kommisston an den Tierschutzverein hat die Versammlung wenig befriedigt, da sie Stellen enthalt, die so verstanden werden könnten, als sei eine Verhandlung von jüdischer Seite über diese Angelegenheit überhaupt möglich. Es kritisierten besonders scharf den Bericht der Schächtkommission die Herren Dr. Da ich es und Herwall. Es wurde Beschluß gefaßt, gegen diese wie andere antistmitischcn Altaken der letzten Zeit energisch Front zu machen. Küd-Asvika. Das Hilfsmerh in Süö-flfriha- Iojjannisvrrrg, 0. Nov. Das Exekutiv-Korrritee der Hilfsaktion der südafrikanischen Juden veröffentlicht einen Bericht, der interessante Daten enthält. Die Zahl der Juden in Süd-Afrika beträgt 50000. Im Ganzen haben die Juden 400000 englische Pfund für die jüdischen Kriegsopfer in Ost- Europa und zur Linderung der Not in Palästina aufgebracht. Die Verfasser res Berichtes wehren sich gegen den Vo:wurf, daß die Juden Süd-Amerikas zur Hilfeleistung im Kriege nichts getan hätten. Die gesammelten großen Summen wurden von Zeit zu Zeit an verschi dcne Hilfskomitees abgeichickt, doch vergaßen diese bet den Veröffentlichungen und Abrechnungen Süd- Afrika zu erwähnen. Sie wurden nur als überseeische Gelder registriert. Palästina. Rabbi Saiman Rubin Jerusalem, 20. Nov. Zu den vier bereits genannten Opfern der Ausschreitungen am 2. November kam nach wenigen Tagen ein fünftes. Der hier seit langen Jahren ansässige Rabbiner, Rabbi Salman Rubin, der mit anderen auf der Straße überfallen worden ist, erlag wenige Tage nach Bestattung der Opfer seinen Verletzungen. Rubin war ein großer Thoragelehrter und eine allgemein geachtete PerfönlstLkeit. Die Beerdigung ging unter gewaltiger Beteiligung vor sich. Auch die Behörden waren alleiämt vertreten. Es hielten ergreifende Trauerreden Oberrabbiner Kuk, Rabbi Sorach Epstein und viele andere. 3uöen roeröen verlangst Jerusalem, 20. November. Aus Naz areth langte ein angesehener Araber in Jerusalem an mit einem Schriftstück das von 200 arabischen Notabeln unterschrieben ist und in der gebeten wird, daß sich Juden in Nazareth ansässig machen möchten. Der Ueberbringer der Bittschrift, ein reich begüterter Mann, erklärt sich bereit, alle seine Häuser für ein Jahr und länger den Juden als Wohnräume frei zur Verfügung zu stellen. Als Grund für den Wunsch nach Juden geben die Bewohner von Nazareth den Niedergang von Handel und Industrie in der Stad' am Von den Juden erfen tzsr««M warten sie ein neues Aufteben von Handel und Arbeit. In der letzten Sitzung des National-Komitees wurde die Forderung auf Absetzung des Gouverneurs S torr.s wiederholt. Ussischkin betonte, daß diese Forderung so gerecht und so allgemein sei, daß mit ihrer Erfüllung unbedingt gerechnet werden müsse. Personalien. Berlin, 4. Dez. Heute Abend, den 4. Kislew, fand in der überfüllten Synagoge des Talmud-Vereins ein Hesped auf Prof. Dr. David Zwi Ho ff mann statt. Mit dem Minchah Gebete begann die Feier. Alsdann würdigte Herr Kaplan die Verdienste des großen Gelehrten und nach ihm sprach mit tränenerstickter Stimme der Vorsteher der Schatz- Chewro, Herr Prager. Ueber 35 Werke habe der Verstorbene geschrieben und unvergeßlich werde es bleiben, mit welcher vornehmen Schärfe er gegen die neueren Bibelkritiker in Wort und Schrift kämpfte und seine Toleranz auch den wissenschaftlichen Gegnern gegenüber. In der Schatz-Chewro, in der der Heimgegangene allabendlich „lernte", werde Hoffmanns Wirken ein alle Zeiten überdauernder Denkstein bleiben. Das Mariw-Gebet, dem noch die Absingung des Michiom l'Dovtd" vorausging und ein zu Herzen gehendes Y'cs vor geöffneter Bundeslade beschloß die erhebende Feier. Berlin, 27. Nov. Die Israelitische Religionsgesellschaft „Adas Jisroel" hat dieser Tage einen ihrer Besten verloren, einen Menschenfreund und Wohltäter, der in seiner Einfachheit und Bescheidenheit wohl wenig hervorgetreten, aber desto mehr tm Verborgenen Gutes gewirkt. Max Cohn war ein Sohn des Rabbi Elteser Cohn V'iK und getreu den Traditionen des Ettern- Hauses zähne er zu jenen Männern, die Gottesfurcht und Menschenliebe, Frömmigkeit und Edelmut in sich vereinigen und verkörpern. Er erreichte ein Aller von nur 5t» Jahren. Herr Rabbiner Dr. Munk gab dem Schmerze über den Verlust, den nicht nur die Familie, sondern die Gemeinde durch den Tod dieses edlen Menschenfreundes erlitten hat, beredten Ausdruck. Die große Teilnahme an der Beerdigung und während der sieven Trauer tage gaben Zeugnis von der Verehrung und Liebe, die der Entschlafene allenthalben genossen. Möge der AUgülige der Familie, der Witwe mit ihren drei unmündigen Kindern, Kraft in ihrem Leide, wahren Trost in ihrem Schmerze verleihen. Bad Homburg, 4. Dez. Herr Dr. W r esch n er, früher m Sau,rer, wurde zum Rabbiner der hiesigen Gemeinde gewählt. Gießen, 6. Dez. Ter Lehrer für jüdische Wissenschaften un der Universität Gießen, Herr Rabbiner Weinberg, hielt vor Beginn seiner Vorlesung mit Genehmigung des Leiters des orientalischen Seminars, aus Pros. Hoffm.ann einen riefempfundenen Nachruf, indem er' nicht nur Hoffmanns Bedeutung für die Wissenschaft heroorhob, sondern auch ihn als Menschen und Führer der deutschen Orthodoxie würdigte. Zum Schluß forderte er die Hörer auf, das Andenken des Verstorbenen durch Erheben von den Plätzen zu ehren. Miltenberg, 5. Dez. Am 29. November ist Herr Willy Grün siern im Alter von 51 Jahren nach einem arbeitsamen und gesegneten Leben zur ewigen Ruhe heimgegangen. Er war das leuchtende Vorbild eines rief in Gottesfurcht und Liebe zur Thora wurzelnden Jehudt, eines Mannes, der tn rastloser Arbeitskraft und unermüdlicher Schaffensfreude es verstand, die Wertschätzung seiner Mitmenschen zu erreichen und ein Haus zu gründen, das einem Heitrgtum glich. Beinahe 20 Jahre stand er im Dienst der Kultusgemeinde, um die sich der Selbstlose zuerst als Kassierer und dünn als Vorstand große Verdienste erworben hat. Viele Behörden und ein großer Te.l der hiesigen Bevölkerung gaben ihm das letzte Geleite - ein Zeichen dafür, welchen Ansehens sich der Verstorbene erfreute. An der Bahre schilderte Dlstriksrabdiner Dr. Breuer, Aschaffenburg, was die Gemeinde und die Gesamtheit an dem Verblichenen verliere. In tirfbewegten Worten brachte Herr Lehrer Heß die Teilnahme der ganzen Gemeinde zum Ausdruck. n'osjn. Brückenau, 30. Nov. Einen guten Menschen und treuen Jehudt haben wir hier mit Lazarus Hecht zu Grabe getragen. Voller Güte stand er Jedem zur Seite, der seinen klugen Rat und seine Httse tn Anspruch nahm. Von glühender Liebe zu seiner Gemeinde beseelt, nahm er an ihrem Gedeihen das größte Interesse. Im Geiste der rwitt.v, die in feinem Hause waltete, erzog er auch mit Hilfe der gleichgearreten Gattin seine Kinder. Möge 'n den trauernden Hinterbliebenen seinen wahren Trost angedeihen lassen. n"2N7>. Mosbach (Baden), 30. Nov. Am 22. November verschied dahier Frau Sophie Löwen stein, Gattin des Herrn BezirkSrabbiners Dr. Löwenstetn nach kurzer Krankheit im Aller von 73 Zähren. Ein Leben rastloser Arbeit ist hier abgeschlossen. AlS Gattin wie als Mutier war sie gleich zärtlich und aufopfernd. s Dezember isfi Bescheidenheit und Gottvertrauen zählten zu ihren schönsten Tugenden. Sie war eben eine jener Frauen, die zu den edelsten und besten gezählt werden können. Die zahlreiche Beteiligung an der Beerdigung, zu der Verwandte, Freunde und Bekannte aus Nah und Fern herbeieilien, legte beredtes Zeugnis von der allseitigen Beliebtheit der Verblichenen ab. Im Trauerhause sprach Herr Dr. Löwenstein ergreifende Abschiedsworte, am Grabe entwarf der Schwiegersohn, Herr Dr. Holzer, Worms, ein Bild vom segensreichen Wirken der Mutter. n''nm Vermischtes. Mainz, 29. Nov. Unter lebhafter Anteilnahme der staatlichen und städtischen Behörden, der Schuldirekioren, des Eisenbahn- und Landgertchtspräsidemen, des Vorsitzenden der Handelskammer u. «.mehr, sowie eines großen Teils der Mainzer jüdischen Bevölkerung fänd in der hiesigen Havpisynagoge die feierliche Enthüllung der Ehrentafeln zum Gedächtnis an die im Kriege gefallenen 66 Gemeindemitglieder, gleich 2,02 °/0 der hier wohnenden Israeliten, statt. Im Vororte Bretzenheim fielen fünf Söhne aus zehn jüdischen Familien. Die Abnahme der Umhüllung erfolgte durch zwei jüdische Frontkämpfer, Inhaber des Eisernen Kreuzes 1. Klaffe. Die Name» der Gefallenen sind alphabetisch geordnet, aus mehreren Mamillen sind zwei Söhne gefallen, aus mancher Familie der einzige Sohn bezw. Kind, viele der Eltern sind ihren Sahnen bereits in die Gruft nachgefolgt. In seiner überaus eindrucksvollen Weiherede hob Herr Rabbiner Dr. Leo t hervor, daß der Borwurf, die Juden seien schuld am Kriege, ebenso unbegründet sei, wie derjenige, daß die Juden revolutionären und destruktiven Tendenzen hauptsächlich huldigten. Kein gläubiger Jude wird auch nur einen einzigen Stein vom Bau des Vaterlandes reißen. Die, die uns als Schädlinge angeheftet werden, waren unserem Bekenntnisse schon untreu, ehe sie an der Sache des Vaterlandes rüttelten. Die Tafeln sind künstlerisch ausgeführt und mit entsprechenden hebräischen Sprüchen verziert. Herr Rabbiner Dr. Levi betätigte sich in jüngster Zeit mit großem Erfolge in Wort und Schrift tn der Abwehr antisemitischer Angriffe, an denen es auch hier nicht fehlt. Wrefchen, 29. Nov. Unter überaus großer Beteiligung seitens der Mitglieder unserer Synagogengemeinde fand eine Abschiedsfeter für die von hier fortziehende Ehefrau des verstorbenen Kaufmanns Simon Ascher statt. Männer und Frauen versammelten sich, um züm letzten Male noch einige Stunden mit der Scheidenden zu verbringen. Frau Ascher hat hier jahrelang auf dem Gebiete der Wohltätigkeit rühmlich gewirkt, ist den Armen und Notleidenden zu jeder Zeit eine Helferin gewesen und hat in Ent>acht und Frieden mit ihren Nebenmenschen verkehrt. In den Abschiedsworten, die Herr Kaufmann Michaelis Haase, Repräsentant, an die Scheidende richtete, betonte er die Frömmigkeit und den biederen Charakter der Frau Ascher. Familiennachrichten. Barmizwohfeier. Emil, Sohn des Herrn Anton Klein, Rhönstr. 9. Vereikiskalenoer. Bereit» Mekor Cbajim. Freitag abend nach Schul: „Mikro") Herr Rektor Falk. Samsrag vorm, nach Schluß der Synagoge „Dinim") Herr Rektor Falk. — mittag 12 Uhr „Melochim") Herr Prof. A. Weyl. — nachm 38/4 Uhr im Vereinslokale: „En Jaakow") Herr Redakteur S. S ch a ch n o w i tz. Sonntag vorm. 9l/4 Uhr: „Gemoro"; Herr R.A. G. Posen. — nachm. 6 Uhr: „Jecheskel"; Herr Rabbiner Dr. Jos. Breuer Montag und Mittwoch abend 7 Uhr: „Gemoro") Herr Rabbiner Dr. Jos. Breuer. Dienstag abend 7 Uhr: „Gemoro") Herr R. A. Posen. Donnerstag abend eine Stunde vor Mincho „Illtschna") Herr Rektor Falk. Allabendlich 88/4 Uhr: „v"v-Lernen im Vereinslokale) Herr H. Halpern. Jahrzeiististun g s lernen: Mittwoch vorm.: Estella Ehrmann, geb. RooS Stiftung. Agudas Jisroel-Jugendgruppe. Freitag abend nach Schul (Herren und Damen) Sidravortrag) Herr Dr. Wtlli Hofmann. — 8 Uhr: Geselliges Zusammensein. SamStag vormittag ll3/4 Uhr: „Mifchna"; Herr A. Htrschberg. - 11'/, Uhr: „Schatz"; Hext; t. Halpern. — nachm. 3 Uhr: „Gemoro") err Dr. Hofmann. — abends Ö1/* Uhr: „Chumtfch mit Raschi"; Herr Leopold Oppenheimer. Montagabends Uhr: „Mifchna" für Fortgeschrittene;

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