Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 62 (1921)
- Issue
- Heft 48 (1.12.1921)
- Date
- 1921-12-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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fhc. 48 Sette 7 1. Dezember i«2L Mutzlanv. Der neue Einbruch in die ühraine. 'gati$/ 26. Nov. Nach hiesigen Blätter-Meld ungen, die aus rumänischen Quellen kommen, sind die Banden Petljuras vom den Bolschewisten vollständig geschlagen worden. Während die Reste der geschlagenen Ukrainer flüchten, haben sich jedoch im Rücken der bolschewistischen Armee neue Banden gebildet, die fortwährend Pogrome gegen die Juden veranstalten, Lebensmittellager und Vorratskammern ausplündern und die Eisenbahnlinien zerstören. Obgleich kaum ein Zweifel darin bestehen kann, daß die gut organisierte bolschewistische Armee auch d'eser Banditen Herr werden wird, läßt sich doch der Jammer kaum beschreiben, der unter dem Drucke dieser Schreckensherrschaft in der ganzen Bevölkerung dieser bedrohten Gebiete herrscht. Ein Teil der aufständischen Ukrainer hat die polnische, ein anderer Teil die rumänische Grenze überschritten und sie find dort interniert worden. Werkt«, 27. November. Eine Drahtmeldung der „Vossischen Zeitung" aus Warschau vom 19. November berichtet: Petljuras und Tiutiuntks Banden, von denen die Ukraine noch immer nicht gesäubert ist, veranstalten dort Judenmassenmorde, die immer lebhafter an die vorjährigen Judenpogrome der „Armeen" Petljuras, Balachowitschs und Sawinkows erinnern. Ein von Norden nach Kiew gehender Bahnzug wurde auf offenem Felde von Petljura-Banden angehalten und geplündert, wobei gegen hundert Juden hingemordet wurden. Eine andere Petljura-Bande hielt einen Bahnzug nach Kiew an, gab die christlichen Paffagtere frei, tötete aber die Mitreisenden Juden. Aus Angst vor Pogromen sind Tausende von Juden über die polnische Grenze geflüchtet und in Husyatin angelangt, wo sie haarsträubende Dinge berichten. Wes Geistes Kind Petljuras „Aufständige" sind, erhellt aus einer heutigen Lemberger Meldung der gewiß unverdächtigen „Neeczespospolita", daß die über die polnische Grenze zurücklehrenden „Soldaten" Petljuras Gegenstände aus Gold und Silber und Brillanten mitsühren. Umso bedauerlicher ist es, daß die schlecht informierte westeuropäische, namentlich die französische Presse ordentliche Kriegstelegramme über angebliche „Stege" des Petljuraschen Raub- und Mordgesindels bringt. Amerika. Hrbelfsinfigheif in Kanada und Mexiko. Aertt«, 28. Ndv. Wie das Zentralbureau für Jüdische Angeleger heiten meldet, herrscht in Kanada und Mexiko große Arbeitslosigkeit, sodaß abgesehen von den gesetzlichen Einwanderungsbeschränkungen, es sich auch aus Zweckmässigkeitsgründen in keiner Weise empfichlt, die Auswanderung nach diesen beiden Ländern ins Auge zu fassen. Personalien. Oberrabbiuer Duschinski Rpalota, 23. Nov. Am 8. Marcheschwan verschied in Rakospolota Oberrabbiner Bernard Du sch ins ky aus Namesto (Kam. Arva), im Alter von 84 Jahren. Der Dahingesch«ebene war einer der bekamuestrn und geachieisten Gedolim Ungarns, eine der festesten Stützen des tradiltonstreuen orthodoxen Judentums. Immenses Thorawissen erwarb er sich als Schüler der Gaonim R Chajim Hirsch Mannheimer, R. Ptnchas Deutsch und besonders des Kszav Szofer, dessen Lteblingsschüler und Be» trauter er gewesen und der ihn in sein Amt etnführie, das er in der damals noch protzen und hochangesehenn Bezirksgemeinde Ner sto 52 Jahre bekleidete. Zu seiner Größe im Th^rawiffen gesellte sich gediegene moderne Bildung und glänzendes Rednertalent, das ihn schon an der Jechiva zum gefeiertsten Kanzelredner machte. Er war einer der ersten, die in den Der JSraelil. _ Kampfesjahren des ungarischen Judentumes die Fahne der Tradittonstreue hochhielten, was um so höher zu bewerten ist, als er im Umkreise von vielen Komtiaten, deren jüdische Gemeinden alle der Reform huldigten, wie ein Fels diesem Anstürme standhielt und seine Gemeinde tn Glaubenstreue zu erhalten wußte. Sein Ruf veranlatzte größere Gemeinden ihn zur Annahme ihres Rabbinats zu bewegen, unter andern. Leva- LtpioszentmikloS und zuletzt die Schasz Chewra in Budapest: er aber lehnte diese Berufungen ab, weiter sich von seiner Gemeinde, die damals eine bedeutende Anzahl großer Thoragelehrten aufwtes, die läg ich zum Schtur sich bei ihm versammelten, nicht trennen wollte. Welch' großen Ansehens er sich in Stadt und Gemeinde bei allen erfreute, zeigte sich anläßlich seines 50 jährigen Amtsjubtläums, im Jahre 1917, als ihm die Stadtgemeinde das Ehrenbürgerdiplom überreichte, eine Ehrung und Anerkennung, die selbst in der liberalen Aera keinem Rabbiner in Ungarn zuteil geworden. Tragisch gestaltete sich sein hohes Alter. Das Kriegsende im November 1918, das an vielen Grenzorten Ungarns in Pogrome ausartete, vertrieb seine ganze Genuinde. Er selbst wurde bis aufs Hemd durch den verwilderten Pöbel aüsgeraubt, mißhandelt und mußte mit seiner kranken Gattin, der einzigen Schwester des Budapester Oberrabbiners R. Koppel Reich, die Stätte seines segensreichen Wirkens verlassen und bei seinen Kindern in Budapest Zuflucht nehmen. Nach dem bald darauf erfolgten Tode seiner Gattin zog er zu seinen Sohne, Oberrabbiner Michael Duschtnsky tn Rabopdlote. Im Trauerhause hielt sein Sohn der Ortsrabbiner einen erschütternden Nachruf. In der Synagoge, wo die Hakafos stattfanden, schilderten die Rabbiner Viktor Schumann, Budapest, Michael Hersch. kovis (Saas-Chewra), David Herschkovis (Congrigone) und Oberrabviner Salomon Goitetn, Höggtn, tn ergreifenden Worten die Größe, Gottergebenheit und die seltenen Verdienste des Godoul Hador, woraus die sterbl'che Hülle, dem Wunsche des Verschiedenen entsprechend nach Budapest überführt wurde, um an der Seite seiner Gattin bestattet zu werden. n''ÄSJr. Krankenweinheim, 27. Nov. Die Feier des goldenen Dienstjubtläums des Herrn Lehrer Josef Kissing er dahier am 7. Roveinber, war ein Ehrentag nicht nur für den Jubilar selbst, sondern auch für seine Gemeinde mit den Filialen Bünnau und Lülsfeld. Ununterbrochen vom frühen Morgen bis zum späten Abend dauerten die Gratulationen seitens der Jugend und der Erwachsenen aus den drei Gemeinden und der weiteren Umgebung ohne Unterschied der Konfession. Ein ungeheurer Depeschen- und Briefverkehr, sowie die Ueberretchung zahlreicher und wertvoller Geschenke von hier und auswärts zeugten von der Beliebtheit des Jubilars, den der zuständige Rabbiner, Herr Dr. Stein in Schweinsurt, in einem prächtigen, lehrerfreundlichen Schreiben als einen der Bewährtesten seines Standes bezetchnete. Möge es dem verehrten Jubilar vergönnt sein, noch recht lange in seiner seltenen Körper- und Getftesftische zum Wähle seiner Familie, seiner Gemeinden und des ganzen Judentums zu wi«ken. Möge aber auch in seinen Gemeinden der gute Wille und die billige Einsicht Platz greifen, ihrem verdienstvollen, langjährigen Führer durch Verabreichung eines zeitgemäßen Gehaltes einen sonnigen, sorgenlosen Lebensabend zu bereiten. Vermischtes. Berlin, 16. Nov. Das Erziehungsdepartement der zionistischen Kommission in Jerusalem hat eine kartographische Anstalt in Deutschland mit der Herstellung eines hebräischenGlobus beauftragt. Der Globus wird im Laufe dieses Winters erscheinen und beim Berliner „Jüdischen Verlag" erhältlich sein. Berlin, 23. Nov. Der Klal'Verlag, der vor kurzem tn Form einer Aktiengesellschaft auf breiter wirtschaftlicher Basis in Berlin (Verlängerte Charlottenstr 1 d) begründet wurde, hat mit der Herausgabe von hebräischen und jiddischen Büchern begonnen. Langenselbold, 28. Nov. Herr Julius Hamburger, Sohn des Synagogenältesten Josef Hamburger, stiftete tn hochherz ger Weise der hiesigen Synogogengemeinde einen neuen Ofen, wodurch die bet dieser Witterung so wohltuende Heizung zur Freude der Gemeindemilglieder wieder ermöglicht wurde. Hanau, 24. Nov. Am 21. November d. Js. fanden sich die Lehrer des Rabbinatsbeztrks Hanau zu einer zwanglosen Zusammenkunft im Hause des Herrn Provinzialrabbiner Dr Gradewttz ein. In lebhafter Rede und Gegenrede wurden Lehrer- und Gemeindeinteressen erörtert, mit ganz besonderer Sachlichkeit die beängstigende Notlage der Religionslehrer einzelner Gemeinden besprochen. Man erkannte, daß der Aufbau der Besoldung aus neuer Grundlage eine unabweisltche Forderung der Zeit sei. Der Nachmittag verlief in angeregter Stimmung. Allseitig ft endigen Anklang fand die Bereitwilligkeit des Herrn Provinzialrabbtners Dr. Gradewitz, einen regelmäßigen iwer mit den Lehrern seines Bezirkes zu lernen. Hanau, 29. Nov. Eine kurze, eindrucksvolle Feier versammelte am vergangenen Freitag nach Beendigung des MorgengotteSdiensteS die Hanauer Gemeinde auf dem rvnapn ru zu Ehren ihres tm vergangenen Jahre verstorbenen Führers Rabbiner S. Bam der ger In ergreifender Ausführung entwarf Herr Dr. Gradenwitz eine Sk'zze des wegen seiner Tätigkeit und persönlichen Liebenswürdigkeit allgeschätzten und allgeliebten Mannes und übergab den durch d»e Opferwilligkeit der Gemeinde gesetzten Grabstein der Familie. Man verließ die geweihte Grabesstäite mit dem Gefühl, daß S. Bamberger Vst im Gedächtnis seiner Gemeinde und aller ihm Nahestehenden weiter fortlebt. Weilheim, 24. November. Dem Schüler der Realschule Wetlhelm, Max Harburgsr, Sohn des Kaufmanns S. Harburger, wurde die öffentliche Anerkennung seitens der Regierung von Oberbayern ausgesprochen, weil er mit Mut und Eruschl»ssenheit seinen Mitschüler Josef Jblher am 10. Juli d. I. vom Tode des Ertrinkens im Auersee rettete. Wien, 15. November. In Wien ist am 14. Nov Maler Isidor Kaufmann plötzlich gestorben. Maler Kaufmann stand im 68. Lebensjahre. Am bekanntenen von seinen künstlerischen Schöpfungen sind seine Porträts und Mllieudarstellungen aus dem Leben der Juden. Prag, 25. Nov. Die Versammlung des Sinat- Veremes zur Förderung der Interessen des gesetzestreuen Judentums in Prag fand am 18 November statt. Im Geschäftsbericht hob der Obmann, Herr Isidor Jeite les hervor, daß nur durch das energische Eingreifen des Vereines während eines Schächterstreikes im Frühjahr die Weilerversorgung mit rituellem Fleisch ermöglicht wurde. An der Brünner Tagung, die einen Zusammenschluß aller Orthodoxen in den Sudetenländein bezweckte, nahmen die Delegierten des Vereines hervorragenden Anteil. Bei den Kuliuswahlen verhielt sich der Verein, entsprechend der Zusammensetzung seiner Mitglieder, neutral. Mit Genugtuung darf festgestellt werden, daß der Verein in der neuen Kultusgemeinde — Repräsentanz durch eine größere Anzahl von Mitgliedern vertreten ist. Weniger zufriedenstellend ist allerdings der Besuch der Lehrvorträge, der Schiurim. Tie darauf folgende Debatte beschäftigte sich besonders mit der Frage der standesamtlichen Trauungen. Die nächste Mitgliederversammlung wird ein Referat mit Diskussion darüber bringen. Die ausscheidenden Vorstandsmitglieder, Prof. Ehrenfeld, Rudolf Strank und Prof. E. Lieben wurden wiedergewählt. Sprechsaal. Die Teuerung und die jüdischen Beamten. Geehrte Redaktion! Bezugnehmend auf den in Ihrer letzten Nummer unter Wochenrundschau erschienenen Artikel „Die Teuerung und die jüdischen Beamten" möchte ich nicht unterlassen, Sie auf die Notlage der Lehrer,Witwen und Waisen derselben hinzuweisen. Es sind mir eine ganze Reihe von Fällen bekannt, in denen Lage insbesondere tn diesem Quartal direkt verzweifelt ist. Da die kleineren Gemeinden keinerlei Witwenrente oder Pension zahlen, so sind diese Hinterbliebenen, die sich in Anbetracht ihres Alters nichts mehr verdienen können, auf die schwerste Probe gestellt, wenn sich aus privaten Kreisen zufällig ihrer niemand annimmt. Auf die Unterstützung von Lehrervereinen ist kaum zu rechnen, da deren Kasten nicht über genügend Mittel verfügen. Ein Appell an die betreffenden Landgemeinden hat auch wenig oder gar keinen Erfolg, deshalb muß aus jüdischen Kreisen etwas geschehen, die Notlage dieser Verzweifelten zu lindern. Es werden doch innerhalb des Reiches footele Sammlungen und Aufrufe erlaffen, warum geschieht da so wenig für unsere Schwestern und Brüder, deren Gatten und Visier für ihre Gemeinden und die jüdische Gesamtheit ihr Bestes opfern und geopfert haben? Einer für Viele. Einem dringenden Bedürfnis nachkommend, bringt der Verleger von Rabindranath Tagores Werken ln aller Kürze eine Gesamtausgabe seiner Werke. Alle maßgebenden Persönlichkeiten haben sich nur lobend über diese Werke ausgesprochen. Unter anderen würdigt Graf Hermann Kayseriing dieselben mit folgenden Worten: Was der große indische Dichter und Weise ist und was er bedeutet, weiß die Welt. Noch keiner hat zu Lebzeiten gleich weit verbreitetem Ruhm und so allgemeine Verehrung genoffen.? Auf TagoreS Stimme hört die ganze W lt. In allen Erdteilen wird er gleichmäßig verehrt. Wir machen unsere Leser auf das Inserat in der heutigen Nummer der Buchhandtuna Karl Block, Berlin SW. 68, Kochstraße 9 aufmerksam, welche die Anschaffung dieser Gesamtausgabe durch Gewährung bequemer Monaiszahlungen erleichtert. Samlllennachrichten. Barmizwohfeier. Bernhard, Sohn des Herrn Heinrich Beniamin, Palmstraße 13, Synagoge Friedberger Antage. — Herbert Jakob, Sohn des Herrn Ludwig Rosenberg, Unterer Atzemer 14, Synagoge Friedberger Anlage.