Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 62 (1921)
- Issue
- Heft 47 (24.11.1921)
- Date
- 1921-11-24
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Kummer BO 24. Wovemöer 1921 Blätter d >! VII. Jahrgang 23. Marcheschwa» 5682 herausgegeben vom Gruppenverband, der Palästina-Zentrale und der Zugend-Drganisation der Agudas Zisroel für Deutschland. - .—^ — 'Inhaltsübersicht. Amtliche Bekanntmachung. — Um die Jewish Agency. — Preffestimmey. — Ein neues Agudä-Watsen« Haus in Siebenbürgen:-— Aron Kobrrch'D — Er-s öffnung eines EMgrältonsbürosp in ^Jlxusälem. >-? nnw ^yv-MefsicchisWusg' -KAns. dev B ewegung. — Spendenliste. Amtliche dekantittliachmig. Jugendaint. beim G. A. des Z. R der Agudas Jisroel Wien, II. Malzgasse 12a. Wien, Marcheschwan 5682. An die Jugendgruppen der Agudas Jisroel! Gemäß Beschluß der Preßburgicr Assifah hat der Zentralrat der 2lgudas Jisroel das Jugendamt geschaffen, und wurden die Unterzeichneten zu provisorisches Mitgkliederu desseliben vom Geschästsführenöen Ausschüsse ernannt. Das Jugendamt ist vorn Zentralrat beauftragt, ehestens eine Statistik der Jugeudgruppeu anszuarbeiterr und einen Bericht über die orthodoxe Jugendbewegung zu erstatten. Es ergeht daher an sämtliche Agnda-Jngendgruppen, wie au einzelne Freunde unserer Bewegung die Bitte, statistisches Material, die Agudajugend betreffende Mitteilungen, Anregungen und Vorschläge dem Jugendamte zukommen zu lassen. Mitteilungen von Jngendorgani-- s-ationen au den Zentralrat sind im Wege des Jugendamtes einzusendeu. Tie Landes-Jügerldorganisattonen beftimmcit eilt Vorstandsmitglied zur Anfrechterhaltnng der Verbindung mit den: Jugendamte, d. h. ein korrespondierendes Mitglied. In Ländern, in welchen eine Landes-Jugendorganisation noch nicht besteht, korrespondieren die Jugend-Ortsgruppen vorläufig direkt mit dem Jugendamte. Die Briefadresse des Jugendamtes lautet: Zentralbüro der Agudas Jisroel, Jugendamt, Wien, II. Malzgasse 12a. Jugendamt beim G. A. des Z. R. der Agudas Jisroel. . Gustav Pappenheim-Wien. David Baumgarten-W ien, Schabse Schönfeld-Warschau-Wicn. Emnnuel FelfenbnW-Wten, Lewi Jizchok Kahane-Jcrusalein-Wien, Mraham Schreiber-Wien. Am dle jewish Agency. Die in voriger Nummer veröffentlichte Meldung des G. A. der „Agudas Jisroel" über das vorläufig negative Ergebnis ihrer Verhandlungen mit dem Colonial Office hat natürlich die Runde durch die jüdische Presse gemacht und wird von zionistischer Seite mit mehr oder minder liebenswürdigen Kommentaren begleitet. Das deutsche ZionistenOrgan druckt die ausgegebene Mitteilung ab und bemerkt folgendes dazu: Die Ablehnung, die der Agudas Jisroel von der Regierung zuteil geworden ist, ist begründet und hmvorausznsehen. Die Aktion der Agnda, die der Balsour-Deklaration und den zionistischen Erfolgen ihr palästinensisches Herz entdeckt hat, war eine recht unerfreuliche Illoyalität, die unter Hintansetzung der ans dem Spiele stehenden jüdischen Bolksinteressen den innerjüdischen Parteistreit in die politische Oeffentlichkeit zerrte. Die Agudas Jisroel hat nichts, aber auch gar nichts zur Erlangung der im Mandate den Inden erngeräumten Rechte getan, sie hat die zionistische Bemühung gehindert, wo ste tonnte; trotzdem sollen natürlich auch ihr wie allen Juden die Vorteile des Mandates zugute kommen, sie wird die Früchte der zionistischen Arbeit '.nirgenießen. Auch die unmittelbare Mitarbeit mit der Zionistischen Organisation steht ihr wie allen jüdischen Verbanden offen, wenn sie ehrliche Aufbauarbeit leisten will. Die Zionistische Organisation ist sich darüber klar, das; daS ganze Volk Palästina ausbaueil must, und gerade in der ihr von oer Geschichte zugewiesenen Rolle als politische Sachwalterin fühlt sie besonders stark die Verantwortung. Aber es scheint, das; es oer Agnda weniger auf Leistung als auf Prestige ankommt, darum beansprucht sie jetzt, nachdem sie an oer Arbeit nie tcilgcnvmmen hat, eine ihr nicht znstehendc ''Anerkennung als Jewish Agency, wofür sie nicht die geringste Legitimation hat. In ihrem Trennnngssanatismus verschmähte sie es nicht, die mühsam errungene jüdische Position bei oer englischen Regierung zu untergraben. Glücklicherweise hat die englische Regierung, die Wohl über die wahre Sachlage im Bilde ist, der Agnda die ihr zukommende ablehnende Antwort gegeben. Das jüdische Volk aber wird ein solches Intrigenspiel nicht verstehen und gerade auch die religiösen Massen, denen Erez-Jsrael wirklich teuer ist, werden den einseitig parteipolitischen, die nationalen Gesamtinteressen schädigenden Schritt verurteilen. Soviel Worte — soviel „parteipolitische" Unrichtigkeiten, denen man nicht einmal durchs weg Unkenntnis als intiberubett Umstand anrechnen kann. Daß die Orthodoxie und ihre zentralen- Organisationen ihr „palästinensisches Herz" schon zu einer Zeit in lebhaftestem Pulsschlag praktisch betätigten, da die zionistischen Assimilanten noch in Paris und Wien ihr gelobtes Land erblickten, daß alles in Palästina Geschaffene auf dem Fundamente der orthodoxen Palästina-Arbeit ruht — weiß die „Jüdische Rundschau" so gut wie wir; nur dient es der zionistischen Prestige-Politik nicht, daß die Welt, daß England vor allem davon erfahre! Wenn „Agudas Jisroel" dieser großangelegten Täuschungs-arbeit nicht im „Jntriguenspiel", sondern mit offenem Visier im Rainen der Wahrheit und Gerechtigkeit entgegentritt und einem zionistischen Monopol auf Erez Israel, ja noch mehr: der drohenden ziouistis ch e n G e n e r a l v o r m u u d s ch a f t ü b e r d a s j ü d i s ch e V o l k u n d s e i n e r e l i g> i ö s e n G üler vor aller Wett, vor den Völkern der Erde den Protest der thoratreuen Gesamtjudenheit entgegenrust, so liegt es zwar im zionistischen | P a r tei-J nteres s e , diesen innerlich notwendigen KaWPj"als „Parteistreit"^ zu bezeichnen, aber die Wll'schichte wird darüber anders urteilen. Es ist eine nichtssagende Phrase, wenn die „Rundschau" bemerkt, die „unmittelbare Milarbeit mit der Zionistischen Organisation stehe der Agudas Jisroel wie allen jüdischen Verbänden offen!" Gewiß: die Zionistische Organisation wird, sobald sie unangefochten allein Vertretungsrecht nach außen und Herrschaft über Körper und Seele der palästinensischen Judenheit nach innen besitzt, in vorurteilsloser Bereitwilligkeit das Geld und die geistigen Kräfte der sogenannten Orihödorie? pnt'stn -VeWälistnst nehmen und ad mHdrech 'UoriahßchiN z^Küistischeu Voiksideals verwert? - lkiid '^giebt leider auch ' in orthodoxen Kreisen ebenso wohlmeinende als kurzsichtige Gruppen, die in diesem Hinemschmelzen tvaditionstreuer Kräfte iit ■ das große zionistische Nationalfeuer, eine Förderung und nicht eine Vernichtung des echten sinaitischen Nationalismus erblicken. .Aber wer klar zu denken vermag, wikd diese Kurzsichtigkeit tief beklagen und-s stMesth lächeln über die kleinliche Mstiiinung,' diench dem Ringen der „ A g u d a " um Anerkenilüstg als eines selbständigen geistigen und politisch e n Fakto r s „Prestige" - Politik erblickt. vf Was heißt denn Prestige-Politik? Wenn die Herren von der „Rundschau" das jüdische Kaddisch in seinem tiefen Sinn sich einmal zu Gem'üte führen wollten, so ivürden sic finden, daß darin nichts anderes ersehnt wird als das — P restige des göttlichen Na mens in der M enschheit! In diesem Sinne — nicht für uns, sondern für die heilige Sache des Gottes ges e tz e s inmitten d e r j ü d i s ch cu Nation treiben wir allerdings „Prestige"-Politik, wenn wir das Ziel der „Agudas-Jsroel": „die Organisation des j üdis ch g iftZiBolk es u m die Thora als S eele" auch auf das Palästina-Problem .anwenden. Was am Sinai und ans M o r i a sich vollzog, ist keine Privatangelegenheit der Herren Churchill ilnd Weizmann geworden, um die sich kein .,llnleg'timierter" zu kümmern hätte! Die Legitimation der A gn d a s I s r o e l ist f e st in der Bibel verankert, derselben Bibel, die d e w v o m G o t t e s g e s e tz e s i ch a b w e n d e n d e n z i o n i st i s ch e n F ü h r e r n jede Legitimation raubt, derselben. Bibel, die gerade von England a u s i u a i 1 c it Z u n g c n n n d S p rachen ii v e r d e n Erdball v e r b reitetwi r d. Etwas mehr Verständnis zeigt sich für die Bemühungen der „Aglchas Jisroel" in dem angesehenen Londoner Organ „Jewish Guardian", wo Churchill seine Antwort znm Vorwurf gemacht und anläßlich des eben veröffentlichten Berichtes der palästinensischen Untersnchungskommission*) folgendes bemerkt wird: „ - Vielleicht ist die Hauptfrage mit weiteren Entwickluirgen verknüpft. Die zionistische Organisation wird in dem Bericht getadelt dafür, das; sie nicht die öffentliche Meinung der Araber gewonnen und vielmehr unkluge Aenßernngen veranlaßt oder geduldet habe, von denen vermutet wird, das, sie die Atmosphäre zur Provokation der Unruhen schufen. Die Hoffnung wird ansgedriickt, daß „Notabeln" nid beiden Seiten znsammentreten, um Zusammenwirken und Harmonie in Beratung zu ziehen.. Wenn dem so ist, warum hat dann Mr. Churchill den Anspruch der Agnda, gehört zn werden, abgewiesen? Das Mandat gab den Zionisten ein Privileg auf Zutritt, das sie n i ch t zur Befriedigung der Regierung ansnben, wie ans den Berichten hervorgeht. Es bestand jedoch niemals die Absicht, daß dieses Privileg in ein Monopol verwandelt werden sollte, was die. modernen, nicht-Herzl'schen Zionisten daraus gemacht haben. Sicherlich sollten deshalb andere jüdische Körperschaften, insbesondere diejenigen, die hinsichtlich der Methode nicht mit den Zionisten einig gehen, zur Beratung herangezogen werden. Vielleicht ist dies der Punkt, wo der Wirtschaftsausschuß für Palästina (Economic Board) einsetzen sollte." Der hier mehr angedeutete, als ausgeführte Gedanke, daß gerade hinsichtlich der arabischetl bisherige systematische Zurücksetzung Hr„.OW0dpxie ein schwerer politischer Fehler .ist, berdient in der Tat wohl größere Beachtung, als ihm bisher zuteil getvordeu ist. Alle Berichte stimmen darin überein, daß die Araber sich durch das vielfach areligiöse, ja sogar *) Siehe Israelit Nr. 46, S. 5/6.;