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Der Israelit · 1921-11-10 · Heft 45 (10.11.1921) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
62 (1921)
Issue
Heft 45 (10.11.1921)
Date
1921-11-10
Page
– (sequence 13)
Language
German
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tfti. 29. Sehe 3. 1V. Novemher 19L1. gruppen ihrer Provinz' zu gemeinsamer Arbeit zusammensassen, und zwar soll möglichst ein Vorort mit regerem Agudaleben die quantitativ and qualitativ schwachen Gruppen seiner Provinz zur agudistischen Betätigung anregen. 2. Nach dem Beispiel der Palästinazentrale sind auch für die übrigen Zweige der Agudatätigkeit innerhalb Deutschlands eigene Kommissionen aus Persönlichkeiten zu bilden, und zwar: a) Für geistige Weiterbildung der Agudnmitglieder innerhalb Deutschlands durch mündliche und schriftliche Vertiefung der agudisti schen W eltansch autln g. b) Für Anlegung eures Archiv es aus jüdischen und nichtjüdischen Literatrrrerzeugnisserr, insoweit sie für die Aguda in Betracht kommen. o) Für soziale Tätigkeit innerhalb Deutschlands. d) Für Propaganda in den einzelrren Landesteilen Deutschlands. 3. Der Gruppenverbandsvorstand hat die Tätigkeit der einzelnen Kommissionen zu überwachen und bleibt nach wie vor oberste Instanz des Deutschen Gruppenverbandes. Die austerhalb des Vorortes wohnenden Mitglieder des Gruppenvorstandes sollen nach Möglichkeit in den genannten Kommissionen vertreten sein. B. A rbeitsteilung m i t a n d e r e n g e s e tz e s t r e u e n O r g a n i s a tio n e n!' 1. Tie Vertreter der drei größten selbftändigeit gesetzestreuen Organisationen Deutschlands: Agudas Jisroel, Gesetzestreuer Gemeindebund, Freie Bereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums, sind zu ersuchen im Laufe dieses Kalenderjahres einen Arbeitsplan auszuarbeiten, welcher die Tätigkeitsgebiete der einzelnen Organisationen im einzelnen festlegt. Hierbei ist vor allem Rücksicht darauf zu nehmen, daß soweit wie möglich das Auftreten nach außen, die technische Verwaltung (Sekretäre, Büros) vereinheitlicht werde. 2. Es ist weiterhin anzustreben, daß die gesetzestreuen Provinzialverbände gemeinsam mit den drei obengenannten Verbänden ein Vertreter- Gremium schaffen, welches in regelmäßigen Zusammenkünften Anliegen der deutschen Jüdenheit bespricht. Dle soziale Frage. Wenn wir uns au der Kolonisation unseres heiligen Landes beteiligen, wirtschaftlich tätig sein wüllen, müssen wir uns fragen: wie stellt sich unsere Lehre zu den Wirtschaftsfaktoren, wie __ „B I S t t - » " will sie sie gestaltet wissen, wie sollen wir sie handhaben. Jeder Wirtschaftsvorgang ist an drei objektive Realitäten gebunden, die immer wiedeckehren, die sein Wesen ausmachen: 1. Der Boden, als räumliche Grundlage der Wirtschaftsführung und als Träger von Naturkrüften und Naturstoffen; 2. das Kapital, die produzierten, .beweglichen oder poch nach menschlichem Willen räumlich fcstgelegten Sachgüter; 3. die «Arbeit, das diese toten Faktoren belebende Element. Diesen drei Wirtfchaftsträgern kommt als Gliedern des Naturgeschehens große Bedeutung zu. Da sie aber objektiv vorhanden sind, allerorts unabhängig vom menschlichen Willen Vorkommen, liegen sie außerhalb jeder Eigenwerrung, besitzen sie keinen wertenden Charakter; das Prädikat „gut oder schlecht, nützlich oder schädlich", findet in ihrem Wesen keine Grundlage. Wie allen objektiven Realitäten ist ihnen die Eigenschaft des Wertes fremd. Erst durch die Beziehung ans den Menschen, ans dessen .wirtschaftliches unb geistiges Leben, werden sie in sein Wertgebiet einbegriffen. Der Mensch, der sie für seine Zwecke gebraucht, projiziert diese objektiven Tatsachen in sein subjektives Handeln, spricht ihnen Eigenschaften zu, die er von ihnen erwartet, die er für seine Ziele nützlich oder schädlich findet, er rvertet sie. Und diese Werurteilc werden nun diesen Wirtschaftsfaktoren unbedingt als ureigenstes Wesen zugesprochen — was psychologisch leicht verständlich ist — in Wirklichkeit sind es Momente, die das Individuum oder die ivcrtcnde Meinung der Gesellschaft in sie hineingelegt hat. Also nicht das Gut selbst wertet, sondern die. es gebrauchen, seine Träger formen sein Wertwesen. Wie sind die entsprechenden Wertbegriffe gestaltet? Nicht die geistige Höhe eines Menschen schafft innerhalb der heutigen Gesellschaft Bedeutung — Geld, wirtschaftliches Interesse, sind die Zaubermächte, die das garkze kulturelle Leben beherrschen. Nur der hat Anspruch auf Ansehen und Ehre, der sich durch ein genügend großes Bankkonto ausweisen kann. Erziehung und Bildung, Muße und Erholung, Gesundheit und Freiheit, Freuden und Feste, Gemeinschaftswirken, alles höhere Streben wird nur dem möglich gemacht, der wirtschaftlich selbständig, der auf die Vermehrung seines Vermögens bedacht ist. t Das Wesen der heutigen Gesellschaft ist so innig mit wirtschaftlichen Interessen verknüpft, Interessen, die sich im Volksmund im Begriff „Geld" verdichten, daß die Einzelnen — ihr In gewohnter Reichhaltigkeit grüßen uns Heft 7, 8 und 9 der p o l n i s ch e n. A gndas Isroel -Iugendschrift „ Diglen u ". Gin Leitartikel, sowie auch in dem Hefte abgedruckten Briese hervorragender Persönlichkeiten, gewähren einen interessanten Einblick in die der religiösen Gewissenhaftigkeit unserer polnischen Prüder zur hohen Ehre gereichenden Seelenkonflikte, die mit der Durchsetzung des Thauro-im-Terech Crezprinzipes in Polen verknüpft und. Unter „Derech Erez" ist hier nicht etwa die wissenschaftliche Kultur verstanden, sondern vielmehr die systematische Heranbildung zur Ausübung von Handwerken und gewervl i ch en.Berufen. Man ist sich darüber klar, daß nach wie vor die Befähigten und Geeigneten für die ausschließliche Hingabe au Lünmud Hatauroh freigehalten werden müssen und dtß andererseits dafür Sorge zu tragen ist, auch den künftigen Handwerkern eine tüchtige talmrrdische Wissensgrundlage sowie Fähigkeit und Wunsch zum unausgesetzten Weiterlernen mit ans den Weg zu geben. Abend- .und Fortbildungskurse müssen dazu beitragen, dieses Ziel zu erreichen. Mitten in die Kämpfe zwischen selbständiger Orthodoxie und Misrachi führen andere Aussätze. der inhaltreichen Hefte hinein, während eine . kritische Auseinandersetzung von Rabbiner T. I. j Guttentag in Sochatchin in geistvoller und gründj licher Weise den Rambam gegen die sonderbaren c Bemängelungen verteidigt, die der Antiverpencr s Rabbiner Amiel im Misrachiblatt niederzulegen ' sich berufen fühlte. Raummangel verbietet uns, j weiter auf die einzelnen literarischen und belle-! tristischen Beiträge eiuzugehen, obgleich manche es verdienten. Erwähnt sei nur noch eine würdige und gründliche Antwort von Benzion B e e rmann in Frankfurt an die Adresse eines Anonymus, der im hebräischen Teile des Berliner „Jeschurun" die östlichen Rabbiner zur Ausnahme einer Art unpolitischer Sonderpolink, l o s g e l ö st von der A g n d a s I s r o e l, mobil zu machen gesucht hat. Beermann weist treffend nach, daß die Parole „los von der Politik" in ihren Wirkungen nichts anderes bedeutet, .als die Ueberantwortung aller öffentlichen jüdisch-religiösen Angelegenheiten in die Hände, religionsloser oder bestenfalls religiös neutraler politischer Bolksführer. Deren Geschäfte allein würden die Rabbinen des Ostens besorgen, wenn sie sich nach dem Rate des Anonymus ins Bes Hamidrasch zurückzögen und von dort Sein ist doch in dieser Gesamtheit verwurzelt, wer wollte sich von ihr trennen — diesen Idolen nachjagen müssen. Und da entwickelt sich das traurigste Schauspiel der Zeiten. Nicht morden sich die Menschen offen, einander klar ins Auge blickend, mit. versteckten Waffen kämpfen sie ums 'Dasein. Dieses Hasten und Treiben nach Geld, der Geißel der Gesellschaft, dieses Rassen, non Vermögen beschwört den Krieg aller gegen alle um in der Gesellschaft einen Platz zu behaupten, Gesellschaft von —- Gesellen - , jeder möchte das Feld behaupten, der Nächste wird mit vergifteten Pfeilen gemordet. Unb einigen gelingt es, das Ziel zu erlangen, die sogenannten Reichen — sind sie auch innerlich reich? , uitb vielen gelingt es nicht, vielen, die deuselbeit Kampf austragen, denselben Zielen zustreben. Und diese Vielen fühlen sich benachteiligt, zurückgesetzt, ausgesogen, die Vielen, die dasselbe tun wollen und sie schließen sich zusammen in ihrem blinden Haß und Neid gegen die, die das voll ihnen angestrebtc Ziel erreichten und ziehen gegen die ins Feld, die das gemeinsame Ideal verwirklichten und beschwören einen Krieg, der das ganze Gesellschaftsleben zu vernichten droht, denen, die darin glücklich lverden wollten. In ihrer Verblendung erkennen sie. nicht, daß ihr Kampf gegen die Wenigen gleichzeitig der gegen die Vielen ist; es liegt dieser Vernichtrtttgswille scheinbar in dem Geist der heutigen Gesellschaft. Dieser Geist ist die Triebfeder all dieser verhängnisvollen Handlungen; dieser Geist hat den Menschen Ziele gelehrt, die sie heute vernichten; dieser Geist hat in ihnen eine seelische Lagerung geformt, die diese zwiespältigen Taten erzeugt, die die Einstellung zu den Dingen in dieser und keiner anderen Weise entstehen ließ. „Kapitalistische Seeleitverschüttung" nennt I. Breuer dieses weltenzehrende Nebel. Nicht in den Natnrgntern liegen unheilvolle Kräfte, sondern im Menschen tummeln sie sich — nicht das Gut selbst wertet sich, die innere Einstellung des Menschen erzeugt ihren Wert. Sollen wir dieser! gewaltigen Zwiespalt, der die Menschen trennt, den Kampf zwischen dem Träger des Kapitals und dem der Arbeit, ewig zu erleben haben, sollen wir in jedem geistigen Aufschwung gehemmt werden — sollen 'wir diese Zustände auch ans Erez Jisroel, das heilige Lande Gottes, übertragen - nur weil die seelische Einstellung der Menschen entsprechend gestaltet ist? Wir müssen unsere bisherige Anschauung zerstören, wir müssen unser Innenleben vollständig vom Thanrogcist durchdringen lassen, mur müssen uns anders einstellen. Einer unsrer bedeutendsten Rabbiner sagte mir einmal: Wir haben uikS bis jetzt meist ans Aufrufe an das jüdische Volk richten wollten, die wirkungslos verhallen müßten. Zum Schlüsse dieser kleinen Ueberiich: sei auf die neueste Nummer des „ H a d e r e ch " hiugewiesen, die an der Spitze den Ausruf für Keren Hajisch uw bringt und sich alsdann in mehreren Aufsätzen mit der Erez Jsroelarbeit der Aguda besaßt. Ein Korrespondent aus Bessarabien erörtert sehr interessante innere Vorgänge int dortigen Gemeindeleben. Berichte Uns Jerusalem, Tiberias, Wien, Preßbnrg, New- Pork, Boston, Warschau, Lodz und Frankfurt a. M. bilden den Nachrichtentcil, während die Artikelserie „Unsere Gegner", die heute schon zur 14. Fortsetzung gediehen ist, sich m gewohnter Gründlichkeit mit den gegnerischen Presseorganen anseinandcrsetzt. Am Schlüsse des Artikels wird eine Stimme aus dem holländischen Misrachiorgan angeführt, die mit bemerkenswerter Objektivität zugibt, daß der Misrachi hinsichtlich seiner religiösen Forderungen aus dem letzten Kongreß überaus schlecht abgeschnitten hat und mit dem Ausruf schließt: „ B r ü der, ihr i r r r a ti f f v c nt den Feldern it m her, gehet n n d erkennt d e n Ort, an b e n i h r h i n g e h ö r t!"

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