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Der Israelit · 1921-11-10 · Heft 45 (10.11.1921) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
62 (1921)
Issue
Heft 45 (10.11.1921)
Date
1921-11-10
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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19. NOJ Derisraelif J Ein Cenfralargan für das orthodoxe Judentum i gegründet oon Dr. Lehmann in Mainz ß9 Jahrnana ctw ^ranhfurf n M flon November 1921 SSS M 45 0^. janrganfl. «ms sranmurt a. I«.. oen g Marcheschwan 6682 Abonnement pro Vierteljahr: Deutschland bei den Postämtern sowie bei direkt. Bestellung u. Rechmmgserleil. durch d. Bei lag M. 7.20 viertelt, f.Lehrer n.Kultusbeamte (indirekt) M.3.60vierteljährlich, Deutsch Oesterreich Kr. 90.— vierteljährlich.- Tschecho-Slowakei Kr. 12.— Ungarn Kr. 40.—vierteljährlich. Polen (nur in deutscher Reichsmk.) Mk. 13 Vierteljahr!.. Rnmänien 10 Lei. Holland fl. l, Skandinav. Kr.2, Schweiz ss. 1.50,Frankreichu.BelgienFr.2.50. England 1 st,. 6 p., Amerika 0.50 Doll, vierteljährl. Einzelnummer 60 Pfg. Durch den Buchhandel wie beim Verlag. Der Js"ae!i: erscheint jeden Donnerstag Inserate : Mk.3—, fnrStellensucheudeMk.2.—, für die sechsgesp.Col.-Z. eluschl.Teuergszschl.: Ausl.-Ius. Mk6.— pro Zeile. Rab. n. Tarif. Bei lauf.Jnseratauftr.tarifm. 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Wochenrnndschau: SeAenfaiig — „Das Lied vom landfremden Zuden . . — 5 Aufsätze: Zeichen der Zeit. — 0. Korrespondenzen und Nachrichten: Berlin lWarnunc, an Ausivanderer) — Berlin, (Das ukrainische Hilfswerk) — Warschau^ l Volkszählung in Polen). — Warschau. — Wilna, (Herausforderungen in Wilna) — Kotviw, (Züdilcher Wiederaufbau in Litauen). _ — Paris, ,Die russischjüdischen Hriinlvsen). — Bukarest, (Austreibungen ukrainifcher Juden aus Bessarabien). — Madrid, (Spanien und das jüdische Poll). Jerusalem, (Der Festg utz an den Obeikommifsar). — Jerusalem, (Ettvas Palästina- ^tatistik) — New-Aork (Der Rabbiner als Gesandter). — New-Iork, (Nichtsistierung der Einwanderung nach Amerika). — Jerusalem. — 7. Personalien.' — 8. vermischtes. -9 Sprechsaal. -10. Frankfurt'er Berichte. — Gebet z eiten. — Bereinskalender. — 11. Feuilleton-Beilage: Sechszehn Frauen. — Aus den Kindhcitstagen ui serer Grapen. — (Tie Bibel m 943 Sprael'en übersetzt) - 12. Kinderecke: Heinrich Einstädter Rückkehr. - War Vismarck Zadenseind? Just zur Zeit, da der dritte Band der Bismarck-Memoiren endlich der Öffentlichkeit übergeben wurde und mit seinem Inhalte, nach allen in der Auslandspreise vorausgegangenen ^Enthüllungen" eher Enttäuschung als Sensation bewirkt hat, ist bei Dietrich RZmer (Erlist Bohsen) in Berlin ein Bismarck-Buch erschienen, das wirklich eine Ueberraschung bringt und ganz besonders uns Juden angeht. Es betitelt sich „Bismarck und die Juden" und hat den Ministerialrat Dr. Otto Jöhlinger zum Verfasser. Dieses Buch enthält Akten die zu einer Revision des Urteiles über den Menschen!m Reichskanzler Bismarck zwingen. Unsere feinde zuvörderst werden hier auf Grund authentischer Quellen erfahren, daß sie sich mit Nichten auf Bismarck als auf ihren Schutzpatron berufen dürfen) daß dieser Bismarck ziemlich frei von dem ihm angedichteten klassischen Judenhaß war und hocherhaben stand über die Haß- und Hetzpolittk, die zu seiner Znt begonnen und sich, nicht ohne Mißbrauch seines Namens, bis auf den heutigen Tag in steigendem Maße fortsetzen konnte. Es ist nicht möglich, das un.fangreiche Material, das in diesem interessanten Qutllenwerk enthalten ist, im Rahmen eines Artikels zu registrieren. Man muß das Werk lesen, um aus dem Ganzen sich ein Bild über den Menschen und Politiker Bismarck und seine Stellung zu den Juden zu machen. Das Milieu, aus dem der Junker von Schönhausen hervorgegangen ist und in dem er seine Jugendjahre verlebt hat, würde wohl eine ablehnende Haltung gegen Juden und Judentum erklären und man wundert sich nicht, daß er-als solcher im vereinigten deutschen Landtage manch' scharfes Wort gegen Juden fallen ließ. Aber der Gesandte am Bundestag zu Frankfurt am Main ist schon über den Junker von Schönhausen weit und hoch hinausgewachsen. Und es hat seinen eigenen Reiz, auf Grulid dieser zum ersten Mal veröffentlichten Dokumente zu verfolgen, wie hier die Wandlung in der Seele des eisernen Mannes sich vollzieht. Bismarck kannte bis dahin Juden nur vom Hörensagen, aus Märchen, Legenden,. Vetdrehungeu und Tendenzschriften der in den Vorurteilen ihrer Zckt steckenden Lehrer und Freunde. Hier in oer Mainstadt traf er zum ersten Mal leibhaft mit Juden zusammen. Die Hauser Rothschild und Beihmanns?) machten auf ihn einen gewaltigen Eindruck, und die Frankfurter Vorschule tat dem späteren Minister s hr wohl. Von Schönhausen kommend, hält er im Preußischen Parlamente Reden g egen die Juden) vonFrankfurt kommend tritt Bismarck als Minister warm für die Gleichberechtigung der Juden ein. Bismarck pflegt in Frankfurt und anderswo persönliche Beziehungen zu Juden, worüber in diesem Buche nachzulesen, den deutsch-nationalen Führern von heute sehr zu empfehlen wäre, damit sie, an diesem Großen gemessen, der ganzen Erbärmlichkeit und der Unmoral ihrer eigenen Politik inne werden. Marp und Las alle achtet er hoch und hütet sich vor allem davor (was doch für die Heutigen so selbstverständlich wäre) ihre auf entgegengesetzter Linie liegende politische Einstellung ihrem Judentume zuzuschreiben. Er bemüht sich vielmehr, sie als Freunde zu gewinnen und ihre von ihm erkannte geistige Kraft in posit've Bahnen zu lenken. Bamberg er, bet dem diese Bewerbungen zunächst Gegenliebe fanden, war eine zettlmg sein treuer Mitarbeiter, ebenso Laster und Simsort Ungemein hoch schätzte er den M üschen und Führer der englischen Politik Disraeli, obwohl die Wege von Berlin nach London nicht immer so glatt und eben waren. Es ist interessant zu hören, daß die Väter und Großväter der heutigen Deutsch-Rationalen mit dem lebenden B smarck lange nicht so zufrieden waren, wie ihre heutigen Enke!, die rm-ner und immer wieder den Geist des ersten Kanzlers heraufbeschwören. Er wurde von dieser Seite sogar gelegentlich der Liebdieneret gegenüber den Juden bezichtigt und als Judenknecht verschrieen und verleumdet. Unmittelbaren Anlaß dazu gaben seine geschäftlichen und politischen Beziehungen zum Hause B ie i ch r ö der. Dieser große Verieumdungsfeldzug gegen Bismarck, über den man in bi?feni Queilenwerke E nzelheiten erfährt, ist insofern von größtem Interesse, als er viele Anklänge an heutige Vorgänge aufweift. Es Hut sich nicht viel geändert im Leben, Der Zeiten Nöte hat den Dingen nur ein anderes Gesicht gegeben, sie in ihrem inneren Wesen kaum berührt. Auch menschliche Bosheit ist in der Erscheinung Flucht einer der ruhenden Pole. Wirlh und seine anderen Kollegen im Ministerium, auch Waltet R a t h e n a u, werden die in diesem Buche wiedergegeben Auszüge aus den damaligen Hrtzbroschüren gegen B smarck mit großem Nutzen und mit dem beruhigenden Gefühle lesen, daß es schon immer so war. Die Angriffe machen an der persöntickien Ehrenhaftigkeit des Kanzlerkeineswegs Halt. Die politische Polemik der dunklen Eleniente unterscheidet sich um kein Haar von der heutigen. Nur richtete sie sich damals gegen den Mann, der heute von den Hütern der Reaktion als Schutzg ist sanktioniert uub reklamiert wird. War es doch so weit gekommen, daß Bismarck bei dem Monarchen einen Verwets an den Hofprediger Stöcker bewirken mußte wegen einer schweren Beleidigung, die dieser Bletchröder zugefügt hatte. Dieser Fall Stöcker ist für die Geschichte des Antisemitismus von so großem Interesse, daß wir es uns nicht versagen können, einige Auszüge aus diesem Kapitel hier wiederzngeben: „Etwas ausführlicher muß au dieser Steile oes Verhältnisses Bismarcks zu einem Manne gedacht werden:

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