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Der Israelit · 1921-11-03 · Heft 44 (3.11.1921) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
62 (1921)
Issue
Heft 44 (3.11.1921)
Date
1921-11-03
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Der Israelit Ein Centralorgan für das orthodoxe Judentum (I fjfff rasiggi gegründet oon Dr. Lehmann in (Hains ^sss \\\ VBri __ _ , . _ ,c . wvt a 3. November 1921 62. Jahrgang. Sranhfurf a. M.. Sen 2 Marcheschwa» 5682 SS9 M ** Abonnement pro Vierteljahr: Deutschland bei den Postämtern sowie bei direkt. Bestellung u. Rechnungserteil, durchd. Verlag M. 7.80 vie'telj. f. Lehrer u. Kultusbeamte (n. direkt) M. 3.60vierteljährlich, Deutsch Oesterreich Kr. 90 —vierteljährlich: Tschecho-Slowakei Kr. 12.— Ungarn Kr. 40 —vierteljährlich, Polen (nur in deutscher Reichsmk.) Mk. 12 vierteljährl., Rnmänien 10 Lei, Holland fl. 1, Skandiuav. Kr.2, Schweiz fs. 1.50, Frankreichu.BelgienFr.2.50, England 1 ah. 6 p., Amerika 0.50 Doll, vierteljährl. Einzelnummer 60 Pfg. Durch den Buchhandel wie beim Verlag. Der Israelit erscheint jeden Donnerstag Inserate: Mk.3.—, fürStellensnchendeMk.2.—, für die sechsgesP.Col.-Z. eiuschl.Teuergszschl.; Ausl.-Jns. Mk6.— pro Zeile. Rab. n. Tarif. Bei lauf.Jnseratanftr.tarifm. Preiserhöhung jederz. vorbeh. Jnseratenannahme durch den Verlag des Israelit G.m. b. H., Frankfurt a M., Gr. Cschenheimerstr. 23, Tel. 5842, Amt Hansa, sowie sämtl. Annoncen-Exped. des In- und Auslands. Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Zahlnnge n außer direkt au den Verlag — Postscheckkonto Frankfurt a. Alt. No. 19 802 — erfolgen an: Postsparkasse Wien No. 79 605 Postsparkassenamt Budapest No. 18 424 Postscheckamt Zürich Kr. VIII 7254 Postscheckamt Amsterdam No. 24 869 Böhmische ttnionbank in Prag Banca ülarmaroseh Blank & Co. in Bucarcst Filiale des Wiener Bankvereins in Agram. ver NackSruck Ser Nrlikel unö eorresponSenzen 8es „Israelit“ ift nur unter genauer Quellenangabe. un9, fomeit es lick um größere Nuksätze hanSelt, nur nach vorheriger Genehmigung gestaltet. 1. Leitartikel: Delitzsch und (5 hnm berlain. — 2. H omrle tik: Aus dem Buche „Orchot Ehajim" des R. Elieser b. Isaak. — 3. Kleines Feuilleton: Mein Kind. — Der Kopfzol' für Berliner Juden. — «Wieviel Jubelt gibt es der Erde?) — (Das neue Gebet) — (Eine willkommene Bereicherung der Hirsch- Literatur.) — 4. Wochenrundschau: Morris Engclmanus Reisebericht. — Der falsche Schachzug in Ungarn. — 5. Aufsätze: Ein Ordenstag der deutschen Bene- Brith-Logen. — 6. Korrespondenzen und Nachrichten: Königsberg i. Pr. (Jüdisches Arbeitersürsorgeamt.) — Wien. — Prag, lGegen die Juden als Deutsche). — Warschau, (Ueberfall auf eine Synagoge). — Warschau, (Theaterskandal). — Kowno, (Austr ibungen aus Wilna). — London, (Um das jütische Ehercchtl. — London, (Die erste Sitzung des Wirtschafts-Ausschusses (Economic Board) für Palästina). — Paris, (Mandatsflage und Völkerbund). — Jerusalem, (Die Falaschas). — Jerusalem, (An der Westmauer). — Jerusalem, (Die Mission des Dr. Bandareli). — Jaffa, (Häuserbau in Palästina). — New 8)ork, (Die Ehrung eines Rabbiners). — New Ä)ork, (Hardings Rosch-Haschono-Gruß an die Juden). — 7. Personalien. — 8. Vermischtes. — 9. Frankfurter Berichte. — Vereinskal ender. — Gebetzeiten. — Sprechsaal. — Briefkasten. — 10. Feuilleton-Beilage: Sechszrhn Frauen. — Aus den Kindheitstagen u> serer Groszen. — 11. Kinderecke: Heinrich Ei'nstadter: Ein jüdisches Pferd. — Delitzsch und Ehamberlam. Nach Delitzsch H. St. Chamberlain! In seinem soeben (natürlich in München) erschienenen Buche „Mensch und Gott", mit dem er, nach dem Zeugnis der „Deutschen Zeitung", sein Bestes gegeben (wem?), begibt sich der Verfasser der „Grundlagen des 19. Jahrhunderts" speziell auf das religiöse Gebiet und die große Liebe, die er von der Person und dem Leben des Stifters ausströmen läßt, gibt ihm neuen Hintergrund — zu hassen und zu hetzen. Chamberlain begegnet sich darin mit Delitzsch, daß er, wie jener in seiner „Täuschung" zweitem Teile, wenn auch bedingter, die Evangelien als verjudet, als Tendenzschriften mit dem Bestreben, „den Stifter in ein jüdisches Schema zU spannen", ablehnt und — dies noch entschiedener als Delitzsch — die spätere Kirche, von dem „frommen Betrug" der Kirchenväter bis zu der „Herrschsucht des neuaufgekommenen Priestertums", welches das Denken mit Bekenntnissen und Katechismen mechanisiere, bekämpft. Wir könnten an all diesen antikirchlichen Bekenntnissen füglich vorübergehen, wäre es nicht immerhin von Interesse festzustellen, wie sich hier die i großen Seelen — der Mann der „Großen Täuschung" und der der „Grundlagen" — im großen Hassen finden . . . „Gegen Christentum und Judentum!" ist eine Losung, die in der jüdischen Geschichte nicht ganz unbekannt ist, sie mag heute ncch hie und da in Marokko oder sonstwo in der mohammedanischen Welt gelten, neu an der Sache ist nur, daß sie hier von Christen im Namen des Christentums ausgegeben wird! In einem hat es freilich Chamberlain leichter als der Berliner Afsyrologe. Delitzsch arbeitet zwar auch vornehmlich mit Hypothesen, aber immerhin muß er sich'diese aus versunkenen und verklungenen Welten erst mühevoll heraufholen, aus rätselhaften Täfelchen erst herauslesen. Chamberlain ist Schöngeist und macht in Rassentheorte, und einem solchen fliegt alles nur so zu. Er braucht nur zu vermuten. So wird die Frage der Rassenzugehörigkeit der Eltern des Stifters nur kurz im Sinne der schon früher von ihm geäußerten Vermutung behandelt und auf Grund dieser eigenen Vermrtung „festgestellt", daß der Stifter des Christeiltums als Giied des galiläischen Bauernvolkes keineswegs als rassenechter Jude anzusehen sei. Auch der Apostel Paulus kann möglicherweise eine hellenische Mutter gehabt haben. „Beweis?" Er war derjenige, der das Christentum als neue Erscheinung aus d m Judentum losriß, was er wiederum möglicherweise tat — Lagarde schiebt im Gegenteil Paulus alle Verantwortung für die Verjudung des Christentum zu — weil er nicht jüdischer Abstammung war. Und so wird lustig weiter „vermutet" und mit den gewonnenen Vermutungen „bewiesen", und dies alles in der bekannten blendendenChaimberlainschen Rhetorik, die aber für den halbwegs kritischen Leser ja nur ein Blendwerk bleibt. Warum, Herr Chamberlain, übrigens d ese müheoollen und gewiß nicht ganz lauteren Rassenschiebungen? Haben Sie es als englischer Pangermane noch nicht erlebt, wie ein rassenechter Saulus zum Paulus wird? ... * .* * Gegen Delitzsch ist in den letzten Tagen vom ordentlichen Professor für das alte Testament an der Berliner Universität, dem um die Ausgrabungen in Palästina sehr verdienten Ernst Sellin, eine Schrift erschienen unUr dem Titel „Das alte Testament und die evangelische Ktrche der Gegenwart" (Verlag Deichert, Leipzig). In überzeugender Weise weist Sellin die alle anderen alten Kulturen weit überragende Höhe des althebrätschen Schrifttums nach und zeigt, daß das Beste im Neuen Testament mit den von den Propheten der alten Bibel verkündeten Wahrheiten zusamnunkltngt. Er wendet sich dann scharf gegen dos Bestreben Delttzsch's und Harniacks, das Alte Testament aus dem Bereiche der Kirche und des Religionsunterrichtes auszuschalten. Ganz in unserem Sinne und unserem jüdischen Empfinden entsprechend, ist auch die Gegenschrift Sellins nicht gehalten. Eher trifft das noch von den Abwehrschriften des bekannten Bonner Gelehrten Prof. D. Eduard König zu. Diesem war es Vorbehalten, die drei verhängnisvollen Haupiansgangspunkte der Delitzschm — und Anderer — Angriffe auf das alte Judentum nach;rrweisen, nämlich die wahrheitswidrige Herabsetzung der althebräischen Quellen, die krankhafte Balylonisierungssucht und die darwinistische Kultur- und Geschichtsauffassung. Danach war es ihm ein leichtes, Delitzsch Schritt für Schritt zu folgen und ihn zu widerlegen. 9tar eine derartige lückenlose Nachprüfung aller Delitz'chen Aufstellungen, wie sie König bietet, kann auch diejenigen, die nicht an Voraussetzungen und Uebeilleferungen gebunden sind, auf den Weg der Wahrheit führen. Wochemundscha«. Morris Engelmans Reisebericht. Der bekannte unermüdliche Philantrop Morris Engelman aus New Umk hat sofort nach der Rückkehr von seiner in diesem Sommer wiederum unternommenen Reise durch Zentral- Europa an den Vorsitzenden des Joint Distribution-Committe, Felix Marburg ein ausführliches Schreiben gerichtet, dessen Faosimile uns vorliegt. Der Brief datiert vom 28. September, dem siebenten Jahrestage des Beginnes jener weltumspannenden, in ihrem Umfange sicher einzig dastehenden Rettungs-Arbeit des genannten Komitees, das Engelmans Anregung seine Gründung verdankte und das im Laufe der ver-

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