Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 62 (1921)
- Issue
- Heft 40 (6.10.1921)
- Date
- 1921-10-06
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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S»tte 4 Nr. 27 JB lätt e r." 6. Oktober 1921. Endlich? (Aus die etwas temperamentbolleu "Aeußeeinigen von H. st. in Ne. 26 der „Blätter" geht uns' eine ebenso temperamentvolle Gegenänßening eines geschätzten Biitarbeiters zu. Wie bringen auch diese zur Kenntnis unserer Leser. Die Red.) Halloh! Gemach und nicht so rasch! Für dieses neue Charakteristikum des thoratreuen Inden höflichsten Tank. Aber ebenso höflich möchten mir es uns verbitten, daß also der Stab gebrochen wird über einen mindestens beachtensn-crloit Kreis derjenigen, welche so naiv sind, zu glauben, es gäbe n o ch A n ] g a b e n in d e r Gola. Und lvir halten es für eine Ehrenpflicht, Zeugnis abznlegen, daß diese Kreise wahrlich nicht von der Liebe zum Lande „nur gesprochen" haben. Hält es Herr H. K. nicht für eilte Tat, daß wir mit dem Aufgebot der größten Opfer dafür Sorge getragen haben, d a ß e ö n o ch 8)1 e n s ch e n u n d I n st i t u t i o n e n i in heiligen Lande gibt, an die lvir anknüpfen können, wenn wir „anfbanen?" Wir sind die letzten, die nicht das Werk für Erez-Jisroel mit dem vollen Ausmaß der Kraft fördern möchten, allein wir legen ebenso energischen Protest dagegen ein, daß man «'SIE?V IV'? nl. Wir machen einen solchen Stimmnngsfeldzug nicht mit, denn gerade in derartigen Uebertreibnngen liegt das Unheil der jüngsten Jahre beschlossen.. Und dazu ist uns Jisroel zu heilig, Agudas Jisroel zu hoch. Die Ukrainer Waisenkinder. Von S. Freudenberger in Flieden. Die Not der Ukrainer Waisenkinder ist bereits van berufener Leite zur Genüge geschildert warben. Unsere Lp rache ist zu schwach, das große Elend zu schildern, das über unser Volk hereingebrochen ist. Man hätte erwarten fallen, daß angesichts dieser großen Notlage Tausende sich bereit erklären würden, ein armes Waisenkiud an .stindesstatt anzunehmen. Wahl sind ungezählte Millionen für die Aermsten der Firmen gesammelt worden, aber ein schützendes Obdach hat man de» meisten unglüctlichen Kindern noch nicht gewährt. Wohl erfordert die Ausstattung der Armen größere (Geldmittel, jedoch wichtiger als die Geldspenden ist für die verlassenen Wesen ein Heim, eure Ltätte, wo sie ihr müdes Haupt zur Ruhe legen können. Wie in den Leitungen und bon Augenzeugen berichtet lvird, schlauchten aa verschiedenen Bahnhöfen der Ukraine Tnnsenae armer Waisen in Baracken, zusammengepfercht wie die Lchase in der Hürde. Im Bezirk Rownv sollen 28 000 minder des schützenden Obdachs entbehren. Biele Dausende, man spricht von 80 000, sämtliche Waisen unter 3 Jahren sollen bereits ein Opfer des Hungers geworden sein. Diese Zahlen reden eine deutliche' Spräche. Wollen lvir immer noch überlegen, ob wir ein Kind diesem Elend entreißen wollen. Die Legende berichtet uns vom Wnndermanne Nachui» isch gams«, daß er eiirst bei seiner Rückkehr bon einer Wanderung bon einem Verhungernden angesprochcn wurde, ihm ein Ltück Brot zu reichert. Er wollte erst seinen Esel absatteln und dann dem "Armen das Gewünschte übergeben. Als er zurückkehrte, war der Arme verschieden. Der fromme Gelehrte machte sich nun den.Vorwurf, den Tod dieses Armen verschuldet zu haben, und erbat sich vom Allgerechten die härtesten Strafen für seine Unterlassungssünde. Erst nach langem Stehen wurde ihm seine Bitte gewährt. Des "Augenlichts beraubt und an Händen und Mißen gelahmt, büßte der fromme seine Verfehlung. Befinde» wir ans nicht in derselben Lage? Jedes verhungernde Lind wird eine Anklage für uns am Throne des allgütigen Vaters. 'Alte, alle sino lvir verpflichtet, ein Kind anzunehmen. Ihr Neichen, die Ihr vielleicht Tausende und Zehntnnsende gespendet, seid nichtsdestoweniger verpflichtet, auch dieses Opfer Euch auszuerlegen. Und auch Ihr "Armen, könnt Euch dieser Verpflichtung nicht entziehen. Wenn Eure Mittel es Euch nicht gestatten, ein >.riud unentgeltlich zu verpflegen, so stellt euch der gcschästssührende Ausschuß des KrjegswaiseufondS der Agudas Jisroel in Halberstadt die erforderlichen Kleider, Betten und Gelder zur Verfügung. Wir alle haben durch unsere Lunden das große Unglück msiberschuldet, und wir alle müssen ein Opfer und sei eS auch noch so schwer, bringen. Am Roschhaschvnohfeste und den darauf folgenden Bußtagen schalten wir in allen Gebeten wiederholt die Bitte um Erhaltung unseres Lebens ein. „Gedenke unscr zum Leben, o König, der du Wohlgefallen hist am Leben und schreibe uns ein ins Buch des Lebens! O, schreibe zum glücklichen Lebe» alle deine Bundeskinder! O, laß im Buche des Lebens, des Segens Und des Friedens uns erwähnt und verzeichnet sein etc/ Also wir treten vor unfern allgütigen Vater und bitten um Erhaltung unseres Lebens und lösten es ruhig geschehen, wie Tausende und Abertausende seiner Geschöpfe Vorkommen und dahinsiechen! Kann es eine größere Blasphemie geben!'? Trum, lieber Bruder, liebe Schwester, willst dn am heiligen Rosch Haschonohfeste vor deinen Schöpfer treten und ihn bitten, daß er dein Leben und das Leben deiner geliebten Angehörigen erhalte, so spende auch Du Leben. Opfere deine Bequemlichkeit uuo laß dich durch keinerlei Einflüsterungen des Iezer Hora von dieser großen Mizwoh zurückhalten. Und erwähle bas Leben! 2"N2 mmi An die Orts- und Zugendgruppen. 1. Wir versandten Aufrufe für den Keren Hajischnw, Kalender für 5682 sowie Ransch-Chaudeschkarten. Wir bitten dringend für sofortige Verteilung besorgt zu sein. Weiteres Material kann auf Wunsch gesandt werden. 2. In den Gruppen sind entsprechend unserem Rundschreiben vom 25. September sofort die Vorbereitungen für die am Erew Jomkippur in allen Synagogen für den Keren Hajischnw zu veranstaltende Tellersammlungen (Kaaroth) zu treffen. Das Erträgnis der Sammlungen beliebe man unserem Postscheckkonto 593 00 mit dem Vermerke „Kaaroth" zu überweisen. Mit fc"n Wunsch PaLäfinrazentrale -er Agudas Jisroel für Deutschland. Frankfurt a. M., Eschenheimer Anlage 31. Die Maine-Mion der Agudas-Zisroel. B e r i ch t ü b e r den Ge f n n d h e i t s z il st. a n d n k rai n i sch er W aisen kin d er in Wie n. Tank dem liebenswürdigen Entgegenkommen des Herrn Oberstabsarzt Dr. Chajes in Wien konnte der Ausschuß des Kriegswaisenfonds der Agudas Jisroel durch seinen Vertrauensarzt, Herrn Tr. Butten wies er aus München, 50 ukrainische Waisen, die vor kurzein nach Wien gebracht worden waren, ärztlich untersuchen lassen. Abgesehen von erheblicher Unterernährung ist der Gesundheitszustand der Kinder im allgemeinen ein guter. Entgegen der in manchen Laienkreisen geäußerten Befürchtung über eine Zunahme venerischer Erkrankungen auch bei jüdischen Kindern in Polen und der Ukraine während des Krieges, ergab die Blutunterfnchung, die bei allen vorgenommen wurde, daß sämtliche Kinder, auch iu dieser Beziehung gesund sind. Tie Bliitnntersnchnng wurde im Serotherapeutischen Institut in Wien ausgeführt. Dr. Bnttenwieser beabsichtigt im November l. I. nach Polen und den polnisch besetzten Gebieten der Ukraine zu fahren, um die gesundheitlichen und hygienischen Verhältnisse an Ort und -teile zu prüfen. Nach allen Informationen, besteht leider kein Zweifel, daß die Fahl der ukrainischen Waisen viele Tausende beträgt. Da der Transport dieser Kinder aus Polen mit Schwierigkeiten verbunden ist, bitten wir die Familien, die in hochherziger Weise sich bereit erklärt haben, für diese Waisen zu sorgen, sich noch einige Wochen zu gedulden, bis ihre Wünsche erfüllt werden können. .Hingegen ist es dringend erwünscht, daß in der Bwischenze.it in allen Ländern, Städten und Dörfern, wo jüdische Gemeinden sich befinden, fleißig Geldmittel, Wäsche, Kleider etc. gesammelt werden, damit der Kriegswaisenfonds beim Eintreffen der Kinder, der großen Ausgabe, die er sich gestellt hat, gewachsen ist. Auch bitten wir neilerhin um Angabe an die Adresse des.Kriegsiraisenfonds der Agudas Jisroel-Halberstadt und Agudas Jisroel-Wien II, Malzgasse 12 a, welche. Familien bereit sind, durch Adoption oder Bestreitung der Erziehungsunkosten in Familien oder Waisenhäusern diesen unglücklichen- Kindern eine Lebensmöglichkeit zu gewähren. Für die Ernährung der ukrainischen Flüchtlinge und Waisenkinder wurde vorübergehend durch den Joint gesorgt, dessen weitere Fürsorge aber bekanntlich in Frage gestelllt ist. Aum Delegiertentag. Seit dem Delegiertentag der Ortsgruppen der Agudas-Iisroel sind Wochen verflossen, ohne daß der Oessentlichkeit oder besser gesagt, den deutschen Mitgliedern der Agudas-Iisroel ein ausführlicher Bericht über den Verlaus der Tagung gegeben worden wäre. In den „Blättern" ist allerdings mit dem Abdruck eines lediglich referierenden Berichts begonnen worden,- es fehlt aber immer noch der Artikel, der aus berufener Feder die Ergebnisse der Tagung zusammengefaßt und gewertet hätte. — Der „Jsraelst" hat in der Woche, zu deren Beginn die Tagung stattfand, einen kurzen Vorbericht über den ersten Tag gebracht, ist aber weiter mit keinem Worte auf die Tagung zurückgekommen. Es mutet dieses sonderbar an, nachdem das gleiche Blatt in der Folge dem Zionistenkongreß nicht Spalten, sondern ganze Seiten voll o usführli ch e r Berichte gewidmet hat.*) — Auf dem Delegiertentag ist die alte wechselseitige Klage geführt worden, daß die Leitung die Mitarbeit der Ortsgruppen und Mitglieder vermisse, während den Gruppen angeblich das Material zur Arbeit und Propaganda sehce. In dem oben erwähnten "Ausbleiben eines guten journalistischen Berichts, der zu den Arbeiten der Tagung Stellung genommen hätte, ist nnstres Erachtens dargetan, daß der Deutschen Agu-- das-Jjsrvel immer noch die unumgänglich nötige journalistische Vertretung fehlt, ohne die eine große Organisation heute schlechterdings nicht arbeiten kann. Die Leitung der Tagung war in den bewährten Händen des Gruppen-Verbands-Vorsitzenden Herrn Rabbiner Dr. Auerbach wie immer ausgezeichnet aufgehoben. Dagegen machte sich hinsichtlich der Vorarbeiten ein gewisser Regiemangel fühlbar. Wir meinen in erster Linie die Aufstellung einer zic großen Tagesordnuiig unter gleichzeitiger Beschränkung der Tagung ans nur einen Tag. Es war sehr schade, daß hierdurch überaus wichtige Punkte von der Tagesordnung gestrichen werden mußten, die für die erfolgreiche Arbeit innerhalb des Gruppenverbands von nicht zu unterschätzender Bedeutung sind. Es wäre wohl richtiger gewesen, für die Tagung mindestens zwei Tage bvrznsehen und es hätte bedeutend an Zeit gespart werden können, wenn die Referate vorher borgelegen hätten, damit sich die Referenten Hütten kürzer fassen können, wobei natürlich gesagt werden muß, daß wir von den Ausführungen des einen oder anderen Herrn die Wirkung des gesprochenen Wortes. nicht hätten bermMen mögen. — Versagt habe n die Ortsgruppen, denn die Beschickung des Delegiertentags blieb hinter den bescheidensten Erwartungen weit zurück und es darf nicht verschwiegen werden, daß man erstaunt war, daß große führende. Gemeinden — es sei nur Hamburg erwähnt — nicht vertreten waren. Hier muß für die Zukunft durch straffere Disziplin Abhilfe geschasfen werden lind gerade darum bedauern lvir, daß Punkt 7 oer Tnges-Örduung unter den Tisch fallen mußte. — Was wir weiter besonders vermißt haben, war die Teililahme der Frankfurter Orthodoxie an den Verhandlungen des Delegiertentages. Obwohl zweimal zuvor in den „Blättern" mitgeteilt war, daß Gastkarten ausgegebeu werden, waren von den Mitgliedern der Frankfurter Ortsgruppe, soweit sie nicht Delegierte waren, nur ganz wenige zu sehen und es hat den "Anschein, als ob innerhalb der frankfurter Ortsgruppe in diesem Punkte nicht die erforderliche Vorarbeit geleistet worden wäre. Bei der sehr interessanten Diskussion über das Brener'sche Programm, die aus einem bemerkenswert hohen Niveau stand, war im Zuhörerraum von Baalebatim nur ein einziger Herr zu sehen. — Es wäre überhaupt am Platze gewesen, wenn am Vorabend eine große Propaganda-Versammlung stattgefunden hätte, in der außer den bewährten Frankfurter Führern auch noch der eine oder andere der auswärtigen Gäste gesprochen hätte. - Die vorletzte der Tarjag Mizwaus „Hakhel", bei der uns der Grund deutlich angegeben ist, besagt ja auch nichts anderes, als daß durch die Veranstaltung einer großzügigen Versammlung aus das Gemüt der Teilnehmer eingewirkt werden soll, zu dem Zwecke „lemaan jilmedu-wejoru". -- Wir dürfen wohl sagen, daß wir nur dem Geiste dieses Tauroh-Gebotes folgen, wenn wir Demonstrations- und Propngandamittel in den Dienst der Agudas-Iisroel stellen. Es braucht hierbei nichts Neues gesagt zu werden — bei „Hakhel" wurde dem versammelten Volke ja auch nur Bekanntes vorgetragen. aber der Umstand, daß das ganze Volk zugegen sei» mußte und der König es war, der das *) Nach einer Vereinbarung mit der Resaktion des „Israelit" sollen die "Aguda-Angelegenheiten der Rege! nach nur in den „Blättern" behandelt werden die ja jedem Leser des „Israelit" zu Gesicht kommen. Red. d. „Blätter".