Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 62 (1921)
- Issue
- Heft 38 (22.9.1921)
- Date
- 1921-09-22
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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22. September 1921. „B18 tte r." woraus das Propaganda-Material für den Osten bestanden hat. Ich mache folgenden Vorschlag: Es soll ein Preisausschreiben erlassen werden, damit die betr. Herren sich einmal der Sache mit Energie annehmen. Ferner einen zweiten Vorschlag: Telegrammablösung. Es soll ein Telegrammblock mit Marken herausgegeben werden, der gleichzeitig als Reklame für die" „Agudas Jisroel" dienen soll, indem auf dem Deckel des "Blockes alle Institutionen der „Agudas Jisroel" verzeichnet werden sollen. Außerdem sollen die betr. Ortsgruppen am Erlös der Telegramm-Ablösungen beteiligt werden. Rabb. Dr. Pinchas - Ko h n - Ansbach: Lassen Sie mich einiges sagen. Sie klagen über ,»angelnde Informationen — vergessen aber, daß das an Ihnen selbst liegt. Sie lesen die Parteipresse nicht. An anderen Organisationen ist cs so, daß sich jeder informiert anhand seiner Parteipresse, und ich behaupte, daß alles, was zu melden ist, in den „Blättern"; der „Jüd. Presse-Wien", dem;;Jud-Warschau" sich findet. Ich möchte Ihnen bei dieser Gelegenheit ans Herz legen, Ihre Parteipresse etwas mehr zu beachten. Wir haben unsere Pnrtcipresse in Warschau, in Wien, tit Transshldauien. Ich ctfauöe kaum, daß Ihnen überhaupt bekannt ist, inwieweit wir journalistisch vertreten sind. Ich stimme Herrn Neuberger zu, wenn er sagt, daß diese Zeitungen auch gelesen werden müssen. Wir haben uns in Wien entschlossen, eine neue Propagandaschrift herauszugeben unter Aufzählung der Tatsachen, was geschehen ist. Wenn aber unsre „Blätter" von Polemik ganz frei gehalten würden, dann wären sie langweilig. Endlich noch eines: Man informiert nicht über Dinge, die noch nicht fertig sind. Wir geben außerhalb unseres Büros in Wien überhaupt keine Aufklärung, nur in unserem Bureau, und dies jede»,, der zu uns kommt, in reichlichstem Maße. Einen Vorschlag aber möchte ich machen: Benutzen Sie jeden Bade-Ausenthalt zur Propaganda. Lesen S,e den „Jud" und sehen Sie zu, daß er grup - penweise gelesen wird, denn wir müssen stolz daraus sein, diese einzige orthodoxe Tageszeitung »nt allen Kräften zu fördern, materiell und ideell. Dr. Karl G o l d s ch m i d t - Berlin: In Berlin ist eine Propaganda besonders schwierig. Es genügt nicht, daß ,uait jemanden dazu drängt, Beiträge zu zahlen. Es wäre äußerst erwünscht.!venu die „Blätter wenigstens allen Mitgliedern regelmäßig zugeschickt werden. (Zwischenruf: „Geschieht; braucht nur bestellt zu werden!") Ich mache den Vorschlag, in den „Agndvh-Blättern" oder im „Israelit" Mitteilung zu »lachen, wo in Berlin Schiurim abgehalten werden, da es sonst nicht möglich ist, alle heranzuziehen. (Anmerkung der Redaktion: Eine derartige Anregung wurde vor Monaten von uns in diesen Blättern veröfteiltlicht, die Gruppen nahnien jedvrb hiervon keine Notiz.) Dr. Salonwn E h r m a n n - Frankfurt gibt. Bericht über die „Blätter". Die Blätter" erscheinen als Beilage zum „Israelit"; jedoch erhält sie jedes Mitglied ans Verlangen. Er bittet, der Redaktion Artikel und Berichte zul'ommen zu lästert. Die G r u p P e n sollte» der Presse »iitteilen. was vorgeht, damit berichtet werden k a n n; der Mangel an Jnforniation ist vielfach Schuld der Gruppen, die sich in Schweigen hüllen. Rabb. Dr. U n n a - Mannheftn: Ich habe natürlich nicht gesagt, daß der Misrachi formell ausgeschlossen sei, aber daß die Misrachisten faktisch durch die Entwicklung gezwungen seien, auszntreten. Der Misrachi hat keine andere Weltanschauung, tote „Agudas Jisroel", er glaubt nur, er habe die Macht und stellt sich die Aufgabe, innerhalb des Zionismus die Thauro zur Verwirklichung zu bringen. Das ist eine taktische Differenz. Wenn man solche Fragen der Taktik zu Fragen der Weltanschauung macht, dann ist dies eben die Tendenz, die ich als einen Ruin des Agndismus betrachte. Rabbiner Dr.' A uerb a ch - Halberstadt: Meines Wissens gehört einer der geistigen Führer des Misrach, in Deutschland zu den Repräsentanten der Austrittsgenieinde; es ist also falsch, Misrachi und Gegnerschaft gegen den Austritt zu identifizieren. Die Auffassung des Misrachi stellt sich uns als eine andere Weltanschauung dar, da sie zunächst auf anderen Boden zu treten bereit ist und hofft, dort die Thauro zu verwirklichen. Aus diesen, Gegensatz heraus ist die Kluft zu begründen. Seminaroberlehrer Elias Gut-Cöln: Wir haben Erez Jisroel z,t sehr betont und Talmud Thora demgegenüber zu wenig. Das jüdische Schulwesen in Deutschland steht am Scheidewege. Wie soll das weiter gehen, wenn keine Ausbildung von Lehrern mehr stattfindet? Wir können dem Staat nicht die Ausbildung überlassen. Wir können nicht von oben ansaugen, sondern müssen anfaugen vom Fundament zum Firmament. Rabb. Dr. W r e s ch „er- Berlin: Auch ich erkenne in der Agudoh 3 Grnndaufgaben: eine organisatorische, eine soziale und eine erzieherische. Aus den heutigen Referaten, wie namentlich aus Beobachtungen, in großen Städten, können Sie leicht die Ueberzeugung gewinnen, daß ein unseliges Mißverkl f ± t* •* «* tat 4?/»'A rt ii K 4i/i* fil\ f*. a» Ci..» fl X CYTV 'J f. C ätrgkert der „Agudas Jis bei den, jüdischen Herzen natürlich ist, ist die erzieherische Tätigkeit eine sehr unvollkommene. Nicht nur in unseren Schulen, sondern in den ganzen Gegenden, welche zu unserer „Agudas Jisroel" gehören. Die persönliche Vertiefung in die Thauro müßte alles überragen. Ein Agudas Jisroel-Mitglied muß wissen, daß nicht die Arbeit in Versau,mlnngen und mit Schiagwörtern, wie in anderen Vereinen, sondern die stille geräuschlose Anteilnahme an Thauro-Ausüildnng und ihre Umsetzung im Leben die erste Pflicht ist. Nach dieser Seite hin erfüllen wir leider nicht genügend unsere Pflicht als Agudn-Leiter. Ich selbst komme von'. Osten nach Berlin, und ich n,uß sagen icb wurde in Erstaunen versetzt, als ich anfing zu Vergleichen. In kleineren Städten ist viel mehr Sinn für das stille Thäuro-Studiun, vorhanden. Die Jugend muß sich für ein stilles Thanroleben viel mehr begeistern als bisher. Wenn wir das Herz der „Agudas-Jisroel in unseren, eigenen Kreise gesund und vollkommen erhalten haben, wen» wir erst an unseren Agndo- Mitgliedern zeigen, was Judentum ist, dann werden "wir auch ohne Werbetrommel genügend Werbekraft haben, für uns die fehlenden zu gewinnen. Der Schwerpunkt unserer Arbeit „ruß vor allem in Tal- »md-Thauro und zunächst in unserem eigenen Lande liegen. Joel Sänger, Frankfurt a. M>: Es wurde davon gesprochen, der Gruppenverband habe nur außerdeutsche Aufgaben. Ich richte nun an den Gruppenverband die Anfrage. ob der Gruftpenbvrstand glaubt, das; der deutsche Gruppenverband nur für die außerdeutschen Angelegenheiten zu sorgen habe und die Erledigung sämtlicher deutschen Fragen den anderen Organisationen überläßt, oder ob sich die „Agudas Jisroel" dazu ansrasft, mit diesen Organisationen ,n ein innigeres Verhältnis zu treten. Rabb. Dr. Auerb a ch-Halberstadt: Die erste Frage ist selbstverständlich zu verneinen. Jakob R o s e n h e i,u - Frankfurt a. M.: Zu zwei Fragen möchte ich mir einige Bemerkungen gestatten: 1. Das Verhältnis der Aufwendungen, die der Deutsche Gruppenverband gen,acht hat und machen soll innerhalb und außerhalb Deutschlands und 2. wie »mit sich zu dem Widerstreit zwischen organisatorischer Arbeit und Talniud-Thauro Verhalten soll. Ich möchte dringend bitten, sich kein falsches Bild zu machen von den Verhältnissen. Sie wissen ganz genau, daß „Agudas Jisroel"; die Gesamtorganisution absolut nicht leben kan wenn sie nicht wenigstens einige Mittel an der Hand hat, nur ihre zentralen Organe zu unterhalten. Wenn der Deutsche Gruppenverband sich nun etwa fortan auf de» Standpunkt stellen wollte, alle Gelder für sich zu beschlagnahmen und nichts an die Gesamtorganisation abzuführen, dann gibt es keine „Agudas Jisroel" mehr, und wenn das Ganze nicht mehr da ist, kann auch der Teil nicht existieren. Solange die Valuta des Ostens so schlecht ist, England versagt und Amerika noch sernfteht muß Deutschland de>, größten Anteil an den Kosten der Gesamtorganisation tragen. Wenn der Gruppenverband die Mittel für sich behält, schlägt er die Mutter tot die ihn geistig nährt. Herr Leo Munk hat Gedanken vorgetragen und Seelenkoiiftikte geschildert, die ih», selbst und allen die sie vertreten, zur höchsten Ehre gereichen und für die ich aus innerstem Herzen volles Verständnis habe. Und dennoch rufe ich Ihnen zu: Prüfen sie sich, ob da nicht ein in höchsten Idealismus gekleideter Jezer Hora dahintersteckt. Es ist gewiß viel "genußreicher, zu lernen, als in Versammlungen zu gehen, es ist gewiß ein herrlicheres Glück, seine Abende und Nächte der Thauro zu widmen und die Erde zu vergessen, als in den niederziehenden Parteikämpsen des Alltags sich zu verzehren. Ich wollte nicht ermangeln, diesen Gesichtspunkt hier zu vertreten, da wir im Begriffe sind, aus einer gewissen Müdigkeit im Kamps in ein Fahrwasser hineinzusteuerrt, das für die gesamte Orthodoxie von höchster Gefahr ist. Lernen war und bleibt das Rückgrat unseres ganzen Lebens. Aber um zu lernen, brauchen wir keine „Agudas Jisroel" zu gründen, aber wir sind nicht jauze, wenn wir uns auf individuelle Erziehung beschränken, und die „Politik", die Gestaltung der geistigen und sittlichen Atmosvhäre. in der unsere Jugend groß wird, denen überlassen, die dem Thauro-Geist fremd sind. Leo Munk-Cölu: Ich wollte hier meine Idee lediglich für die Jugendorganisation entwickeln. Für die Jugendorganisation ist mein Standpunkt der rechte. Die Jugend, die noch wenig gelernt hat, ist zu sehr gefährdet, wenn sie in den Strom des Vereinslebens hineingerissen wird; dem mögen diejenigen dienen, die schon lernen können und die Akademiker, die Zeit haben. Ich habe absolut nicht gegen Organisations- und soziale Tätigkeit, habe nur über das Mißverhältnis zum Lernen gesprochen. Ich glaube, daß alle, die zur „Agudas Jisroel" gehören, berufen sind, organisatorisch und sozial tätig zu sein, aber jeder muß sich berufen fühlen, am Thauro-Studium sich zu beteiligen. Thatro-Studinm muß das Entree sein für den Eintritt in die Agudoh. Rabb. Dr. Br aber-Ansbach: Ich kann die Ausführungen des Herrn Munk nicht unwidersprochen lassen. Wenn das Wahrheit werden soll, dann mache ich Ihnen svlgendeu Vorschlag: Die Jugendorganisation zielst sich vollständig von der politischen Arbeit zurück und überläßt der Jugend verändern O rganisatione n, filr ihre Idee zu arbeiten. _Nr. 36. Seite 3. Es ist Müdigkeit vor den, Kampf. Wenn Sie den Klall Jisroel, wenn Sie den Zibbur zugrunde gehen lassen wollen, brauchen wir nicht zu arbeiten. Die Alten bekommen wir nicht, wenn wir die Jugend nicht haben. Es ist notwendig, daß die Jugend aufs intensivste mitarbeitet und wenn Kamps droht, sich in die vordersten Reihen stellt. Dr. Isaak Breuer-Frankfurt a. M.r Ich glaube, wenn Herr Dr. Unna die Vermutung ausgesprochen hat. als ob die deutsche „Agndas-Jisroel" etwa in die Bahnen des sogenannten Austritts eiulenkt, so ist das eine Verwechslung. Austreten kann man nur aus einer Gemeinde. „Agudas Jisroel" kann nicht austrete,,. Aber einen anderen Gedanken vertritt die „Agudas Jisroel" allerdings: Die Orthodoxie muß sich selbständig organisieren. Ans die Frage, ob etwa „Agudas Jisroel" aus dem Standpunkt steht, daß die Orthodoxie ein bloßer Bestandteil einer neutralen Organisation sein kann, antwortet „Agudas Jisroel: nein, sie hat sich selbständig zu organisiereu. Es kann danach jedem überlassen bleiben, die Konsequenzen dieses Gedankens zu ziehen. Ich bin der Meinung, daß die Ausführungen des Herrn Munk das Ungcwiticr garnicht verdient haben, das sich über ihn ergoß. Die Frage, die er angeschnitten hat, ist sehr ernst. Daß in der Tat für die Jugend eine große Schwierigkeit besteht, ist kein Zweifel. Es ist nicht zu verkennen., daß wir glücklich zu einem Typ vor, einem jungen orthodoxen jüdischen Menschen gelangt sind, der außerordentlich agil ist. der außerordentlich viel über das Judentum sprechen kann, aber gar nichts weiß. So lange je»,and ein „Am hoorez" ist, sollte er doch in der Tat keine höhere Pflicht haben, als zu lernen. Rabb. Dr. Klein-Nürnberg: Nachdem Herr Munt seine Frage dahin präzisiert hat, wie der junge Geschäftsmann seine freien Stunden am besten verwendetob der Besuch von Versammlungen nicht zu Gunsten des Lernens unterbleiben muß, ist für ihre Behandlung nicht der Delegiertentag, sondern der Waad Chachnie Hataurv zuständig. Hier möchte ich nur an die vorjährige Debatte in Fürth erinnern. Die damalige Strömung, der Herr Munk ja sehr fern steht, tön nie ans seinen Ausführungen Nutzen ziehen wollen. Die Srhaalo kann folgerichtig auch nur dann gestellt werden, wenn mit der gleichen Gewissenhaftigkeit geprüft wird, ob „mit Zeitung lesen und Romanlektüre treiben darf. Keineswegs soll aber der Schein entstehen, als wäre die Mitarbeit der Jugend an den großen jüdisch-politischen Fragen ein Fehler. Die Jugend »ms; freilich lvissen, daß sie erst lernt. J»> allgemeinen liegt ihr anmaßliches Urteilen fern. Jacob R v s e n h e i m - Frankfurt a. M.: Herr Dr. Breuer hätte es nicht nötig gehabt, Herrn Munk vor nieinem „Ungewitter" zu schützen. Ich habe ja die subjektive Berechtigung seines ° Gedankengangs durchaus anerkannt und gewürdigt. Aber Herr Dr. Brader hat mit Recht betont, wenn Herr °Leo Munk seine Frage der Agudaleitung zur Weitergabe an den Rabbinischen Rat initgeteilt hätte, so wäre kein Wort darüber zu verlieren, aber hier ans deni Delegiertentag wird durch die Minderbewertung der Klall- Arbeit Unsicherheit erzeugt. Ich bestreite, daß wir heute schon einen Ueberfluß an jungen Leuten haben, die politisch geschult fiub/ und wenn in der kritischen Lage, in der wrr uns befinden, Zweifel erregt werden, ob es eine Mizwa ist. sich für die Klall-Arbeit zu schulen, sv halte ich das für ein Unrecht. Wir treiben keine profane Politik; wer im Dienste unserer Arbeit lieht, ,st ein ,7217. Herr Dr. Breuer sagt, der „Am hoorez" dürfe nichts tu» als lernen. Wann hört inan auf, ein relativer „Am hoorez" zu sein? Vor meinem Seforun- Schrank bleibe ich immer ein „Am hoorez". Wenn Sie diesen Gedankengang verfolgen, so hört die Pflicht des steten Lernens n i e auf, und die Zorche Zibbur finden niemals Annehmer. Ich bezweifle, daß die Frage überhaupt generell att eine gepaskent werden kann. Was ich verhüten will, ist nur die Erzeugung von Unsicherheit und Müdigkeit in den Reihen unserer Jugend. Rabb. Dr. M a r x: Es ist ein erfreuliches Zeichen, das; sich die Diskussion u»l die Aeußerungeu des Herrn Munk konzentriert hat. Es ist ein Zeichen, daß die „Agudas Jisroel" (ich verinnerlicht, das; wir über die Propaganda nach außen hin in Die Propaganda nach innen hineindenken. (Forts, folgt.) Aus der Vewegung. Frankfurt a. M, 19. Sefttbr. Die Palästinazentrale der Agudas Jisroel versendet an die Agudamitglieder einen künstlerisch ausgestatteteu Wochcnkalcndcr für das Jahr 5662.. -Der Entwurf für den Kalender stanunt voll dem Frankfurter Maler Nathan Jeidel. Die Verteilung der Kalender erfolgt durch die Ortsititö Jngendgrnftften, die ihren Bedarf, sofern noch nicht geschehen, sofort der Palästinazentrale nritzitteilen belieben. Halberstadt, 15. Sefttbr. Der bekannte Münchener Arzt Dr. Buttenwieser begibt sich nächster Tage im Aufträge der Agudas Jisroel