Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 62 (1921)
- Issue
- Heft 32 (11.8.1921)
- Date
- 1921-08-11
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Geile 6 Nr. 83 11 August ISA Glauben an die Wiederaufrichtung der jüdischen Nation in Palästina aus, und verpflichtet sich — unter Wahrung ihrer politischen Neutralität und Unabhängkeit — ihr äußerstes zu tun, um an der Entfaltung wahren, jüdischen religiös-nationalen Geistes unter ihren Mitgliedern zu arbeiten." Die nächste Konferenz soll im Frühjahr in einer Provinzstadt stattfinden. Rußland. Juöenfeinülidie Strömungen in RußlanO. Stockholm- 31. Juli. Aus Helsingfors wird gemeldet, daß im Zusammenhänge mit der Hungerkatastrophe hauptsächlich im Saratower und Samarer Gouvernement die judenfeindliche Stimmung stark wächst. Im Simbtrer Gouverperyentman sogar einen Pogrom zu veranstalten gesucht, der aber gleich am Anfang von den Regierungstrupven unterdrückt wurde. ‘.'V ';r:V j fij Nach den mit der Sowjet-Regierung 'in Weißrußland gemachten Erfahrung ist jedoch auf unbedingt wirksamen Schutz nicht zu rechnen, da die örtlichen Miliz-Organisationen nur sehr schwach sind. Die Juden versuchen zwar einen Selbstschutz zu organisieren, doch leiden diese Bestrebungen darunter, daß die jüdischen Kommunisten ihre eigene Politik verfolgen und an unparteiischen Selbstschutz-Organisationen nicht gerne Mitarbeiten. Aus einer von der Sowjetbehörde veranstalteten Konferenz in Minsk, die sich mit Mitteln gegen die Judenpogrome beschäftigte, wurde sogar direkt beschlossen, keinen jüdischen Selbstschutz zu dulden, sondern von der Moskauer Regierung besondere Verteidigungstruppen zu verlangen. Inzwischen wurden bei einem Pogrom in. Rodul wiederum 80 Juden getötet. In Minsk, Bobruisk und Sluzk sind jüdische Walsenhäuser eröffnet worden. Ualästtna. Die Kolelim und das amerikawsclie Unferffüöunflsfoomifee. Jerusalem, 24. Juli. Große Erregung in den auf Unterstützung angewiesenen Kreisen hat naturgemäß die Nachricht ausgelöst, daß vom 1. Juli an die amerikanischen Htlssgelder vollkommen aufhören sollten. Es war das Gerücht verbreitet, daß der Jerusalemer Vertreter des Hilfskomitees, de Sola Pool, noch 12000 Pfund znr Verfügung habe, die er sich weigere zur Verteilung zu bringen. Die Vorsteher der Kolelim legten gegen diese angeblich unberechtigte Zurückhaltung von Zedoko-Geldern scharfen Protest ein. De Sola-Pool konnte das Gerücht jedoch mit Entschiedenheit dementieren. Aus den von ihm veröffentlichten Telegrammen des New-Aorker Komitees geht hervor, daß die Amerikaner mit der Einstellung der reinen Z'dokoh Ernst machten/ sie haben sich nur noch dazu verstanden, für die Monate Juli bis September kleinere Beträge zum Zwecke der Liquidation zur Verfügung zu stellen und zwar auch nur unter der Bedingung, daß ein lokales Hilfswerk aus den Mitteln der Jerusalemer wohlhabenden Kreise und Institutionen eingerichtet wird. Unter dieser Bedingung stellt Amerika für jedes von Jerusalemer Seile gespendete Pfund einen Zuschuß von 2Vs Pfund zur Verfügung. Man darf darauf gespannt sein, ob. dieser Versuch, die Jerusalemer Wohltätigkeit allmählich auf eigene Füße zu stellen, gelingt. So berechtigt das Prinzip als solches ist, so dürfte sich das Experiment doch als verfrüht erweisen. Das Verhältnis zwischen reichen, wirtschaftlich unabhängigen Bevölkerungskreisen und der ungeheuren Zahl der völlig Unbemittelten ist in Jerusalem noch nicht so normal geworden, wie dies in europäischen Gemeinden der Fall ist, und die augenblickliche wirtschaftliche Lage des Landes dürfte auch kaum dazu angetan sein, die Bildung großer Vermögen oder hoher Einkommen innerhalb kurzer Zeit zu begünstigen. Die Diaspora, insbesöndere Amerika muß also weiter leisten, »er Israelu_• wenn sie nicht will, daß. der alte Jtschuw gänzlich zugrunde'geht. Die Ausgrabungen in Tiberias. Jerusalem, 24. Juli. Professor Schlusch berichtete vorgestern in Anwesenheit Herbert Samuels und zahlreicher sonstiger Norabeln über die Fortsetzung seiner Ausgrabungen in Liberias während der Arbeitspertode vom 1. Jjar bis 20. Siwan. Von der unter dem Namen drtivni bekannten Liberianischen Synagoge wurden wettere Mauern und Säulenhallen bloßgelegt. Deutlich erkennbar wurde der Sitz der heiligen Lade. In der Nähe dieser Stelle fand man elf marmorne Gerätschaften, u. a. auch einen großen Marmorsessel mit einer Vertiefung zum Einsetzen der Füße während des Sitzens. Die sefardischen Chachamim glauben, büß es sich um einen bei Beschneidungen benützten^Elijahu-Stuhl handele. In der MW Woche wMe ''eine Marmortäfel-' mst koptisch-arabischer Inschrift aus dem 10. Jahrhundert der gegenwärtigen Zeitrechnung gefunden, wobei zu bemerken ist, daß der Verfasser des Kastor Woferach, .Estori haparchi, ausdrücklich erwähnt, daß"-die Synagoge in Liberias in . christliche Hände gefallen" war und. erst später wieder von Juden in Besitz genommen wurde, um endlich moslemisches Eigentum zu werden. Eine Marmorplatte, offensichtlich jüdischen Ursprungs, weist Gravierungen von Citrus-Formen Oelkrüglein, die auf den Münzen Vorkommen, Weintrauben in einem Kreis und Akantus-Formen auf. Am interessantesten ist wohl der Fund einer Menorah, die in allen Einzelheiten den Angaben über den Tempelleuchter in Exodus 25,37 entspricht. Nach der Ansicht des Vortragenden ist dieser Leuchte-zMszchtlichjMZBoden vergraben worden, alsiDenrJuden gezwrmAn wurden, 1 die Synagoge zu verlassen. Diese Menorah ist das e r st e heilige G e r ä t, das aus dem palästinensischen Boden ausgegraben worden ist. In den letzten Wochen wurde die Nordmauer des Gebäudes bloßgelegt, die in einer Dicke von 66 em mitsamt dem Bewürfe vorzüglich erhalten ist. Abgesehen von Säulenreihen und Mauerteilen wurde noch eine große Tischplatte aus Stein mit Vertiefungen sowie Marmorbänke gefunden, die offenbar zur Aufstellung von Krügen für Händewaschen eingerichtet waren. Neben einer dieser Bänke endete der Wafferkanal. Schließlich begann man vorbereitende Ausgrabungen zwischen den Säulen in der Residenz des Herodes. Aus jenen alten Zeiten wurde die sogenannte „Stoa" aufgedeckt, zwei gegenüberliegende Mauern, auf denen sich grdße marmorne Säulen erhoben, dazwischen ein weißer Masaikboden in Breite von drei Metern. Auf dem nördlichen Friedhofsfelde fanden sich Reste aus dem 10. Jahrhundert, die zum Teil noch nicht genau untersucht sind. Demnächst wird ein ausführlicher Berichte übet die Grabungen erscheinen. . Neuer öMoit- £$nhon, 3. August. ' Aus Haifa wird telegraphisch gemeldet/ daß die arabischen Bootsleute die Ausschiffung jüdischer Passagiere erneut verhindern. Das letzte Schiff konnte von seinen sämtlichen jüdischen Insassen nur zwei, darunter einen Sohn Ussischktns landen, alle übrigen mußten wieder abfahren. Jerusalem, 28. Juli. Das Einwanderungsamt hat eine Kopfsteuer von einem Pfund Sterling für jeden Einwanderer über 16 Jahre, der in einem palästinensischen Hasen landet, eingeführt. Personalien. Stuttgart, 26. Juli. Leider hat die hiesige Gemeinde schon wieder einen schmerzlichen Verlust erlitten durch das Hinscheiden von Frau SaraK ah n, Witwe des in weiten Kreisen bekannten Oberkirchenvorstehers Siegfried Kahn. Wenn auch nach Art unserer frommen Stammmutter, bescheiden und schlicht im, Zelte wirkend, zahlte sie doch zu den Frauen, um deren Verlust nicht nur ihre Gemeinde, sondern der bbz Grund hat, zu trauern. Wie viele Herzen werden erbeben in allen Teilen unseres Landes, wenn an die vielen Armen und Bedrückten, die buchstäblich täglich durch ihr Haus wanderten und finanziell unterstützt, seelisch getröstet aus ihm schieden, die Kunde gelangen wird, Sara Kahn, die nur Güte und Liebe ausstrahlende, hat' iw frühen Alter von 51 Jahren ihre Augen zum Tode geschloffen. Aber auch die vielen Geschäftsleute, Reisende, Freunde und Fremde, die in ihrem Hause einen Freitagabend, einen Schabbos verbringen durften, sie wisien alle unseren Verlust zu ermessen. Ein Semiros-Abend dort bis in die späte Nacht, ein Seder bis gegen Tagesanbruch, ein Sukkohtisch in echtjüdischem Glanze, sie zählten wirklich zu den Sehenswürdigkeiten der süddeutschen Orthodoxie, sie liehen besonders den als Fremden hier Wettenden so recht die Wethe des Schabbos und Jomtof empfinden. Und wie die Tore dieses Sara-Zettes gleich dem unserer Stammmutter „stets geöffnet" waren, so lagerte auch, die Wolke der Schlichtheit über demselben, sodatz die darin waltenden Priester, ihr Glück mcht in den Zerstreuungen der Mode, sondern im eigenen ME fand, wie auch das Saöbatlicht der. Gottesfurcht und Thorätreue darin leuchtete.'' Charatteristisch für das reiche Maß von Gemilus Cheffed, das in diesem Hause geübt wurde, sek, daß wahrend der Kriegsjahre ein besonderes Buch von jüdischen und andersgläubigen Kriegsteilnehmern geführt wurde, die regelmäßig mit Sendungen erfreut wurden, was fast einen Angestellten vollauf beschäftigte. Herr Rabbiner A,nsbacher schilderte am Grabe mit eindrucksvollen Worten die großen Vorzüge der Entschlafenen und den schweren Verlust unserer Gemeinde und Bürgerschaft. Herr Rabbiner Schweizer widmete noch als langjähriger Hausfreund Worte des Dankes und betonte besonders die Innigkeit des Familienlebens und die Friedensliebe, die sie übte. Möge der Geist der Verblichenen durch den in unserer Mitte weilenden Schwager und seine Gattin, sowie durch den in ihren.Jußtapfen wandelnden Sohn sorierhalten bleiben. n"2^v. Altona, 31. Juli. Unter großer Beteiligung fand die Beerdigung der Frau Dr. Sara Möller statt, die im 31. Lebensjahre durch eine tückische Krankheit unerwartet hingerafft würde. Sie war eine würdige Priesterstochter ihres frommen.Vaters Daniel Cohn V'itT, mehrere Jahre verlobt und nur einige Tage verheiratet, als ihr Gatte, .Rechtsanwalt Dr. Jakob Möller, Führer des Misrachi, ins Feld ziehen mutzte und dort bald den Heldentod fand. In ergreifenden Worten, anlehnend an den Vers .Tnn »2 s.12 v2i zeichnete Rabbiner Ed. Duckesz das Lebensbild der Verstorbenen, die nach dem Tode ihres Gatten in ihrem Gottvertrauen und in treuer Pflichterfüllung sich in ihrem Schmerze aufraffte und Trost und Stütze ihrer vielfach schwergeprüften Mutter wurde. Im Nnmen der Familie gab Dr. Juliuß Möller dem Schmerze bewegten Ausdruck. n"25l3n. Briefkasten. H. W. in H. Liköre enthalten seit dem Kriege i häufig Zusätze von Cognak (Weinbranntwein), sodatz Bedenken gegen den Genuß allerdings vorliegen. Vor | dem Kriege hat man als Zusatz lediglich Sprit verwendet, da dieser damals sehr billig und andererseits die Likörpreise den Zusatz des teueren Cogyak nicht gestatteten. Die Verhältnisse haben sich aber in dieser Hinsichr stark verändert. . SamiliennachrWen. Gebprte«. Einen Sohn: Max Hamburger und Frau. . Johanna,. geb. Lehmann, Eschau. — Eine Töchter: 'Fritz "Hirsch und Frau Selma, geb. Kaufmann, Ladenbrüh; Einen Sohn:, Jakob Lonnerstädter (AdlaH/Mginz. . 7/ Verstorbene- Frau Bertha Rosenbusch, geb. Jchenhäuser, 63 Jahre alt, Kttzinßen a. M. Frankfurter Krrichtr. Iran Matßiche Mainz Yl Eine imposante, Trauergemeinde geleitete Sonntag, den 25. .Tamus, früh 11 Uhr, die allbekannte und beliebte Seniorin der Familie? Mainz zu Grabe. Ein arbeitsreiches, gesegnetes Leben, fand hier seinen Abschluß. Wenigen Sterblichen ist es gleich der Heimgegangenen vergönnt, Generationen zu sehen, die bis zu den Urenkeln so im Sinne der Heimgegangenen sich bewährt haben. . Herr Rabbiner Dr. Horowitz würdigte die Verdienste der Entschlafenen, in warmen Worten. Er schilderte sie als Tochter des großen Thoragelehrten Rabbi Moses Mainz, als Gattin des hochgesinnten, frommen. Laffar Mainz, dessen teures Andenken noch frisch inüns'Allenlebt,' als Mutter ihrer Kinder und fleißigste Hausfrau in dem gastlichen, echtjüdtschen Hause/wotM den Talmidim ihres Gatten jederzeit freundschaftliche Aufnahme und warmes Interesse schenkte. Sie verstand es, das echt Patriarchalische iü üüiiiüi