Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 62 (1921)
- Issue
- Heft 32 (11.8.1921)
- Date
- 1921-08-11
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Der Israelit Ein Ccnfralnrnan liir das orfhodaxe Judentum IIflBb itMUl pgg?g^» Begründet oon Dr. Lehmann in Illainz \\\ wRFi 62. Jahrgang. ®bs Sranhfurf a. HI., 3en* 11'7 Jt$. 32 AVo«»eme«t pro Vierteljahr: Deutschland beiden Postämtern sowie Sei direkt. Bestellung u. Rechnungserteil, durch d. Verlag M. 7.20 Viertels, f. Lehrer u. Kultusbeamte (n. direkt) M. 3.60vierteljährlich, Deutsch-Oesterreich Kr. 90.— vierteljährlich: Tschecho-Slowakei Kr. 12.— Ungarn Kr. 40.—vierteljährlich, Polen (nur in dentscher Reichsmk.) Mk. 12 vierteljährl., Rnmänien 10 Lei, Holland fl. 1, Skandinav. Kr.2, Schweiz ss. 1.50, Zprankreichu.BelgienFr.2.50. England 1 gh. 6 p., Amerika 0.50 Doll, vierteljährl. Einzelnummer 60 Pfg. Durch den Buchhandel wie beim Verlag. Der Israelit erscheint jeden Donnerstag Inserate: Mk.2.— für die sechsgespaltene Colonel-Zeile einschl. Teuerungszuschl.; Ausland-Jns.Mk.4.—pro Zeile Rab. nach Tarif. Bei lausenden Jnseratanftr tarifm. Preiserhöhung jeder-, vorbeh. Jnferatenannahme durch den Verlag des Israelit G. m. v. H., Frankfnrta.M., Gr. Eschenheimerstr. 23 Tel. 5843. AmtHansa, sowie sämtl. Annoncen-Exped. des In- und Auslands. Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Zahlungen außer direkt an den Verlag — Postscheckkonto Frankfurt a. M No. LS 802 — erfolgen an: Postsparkasse Wien No. 79 605 Postsparkafsenamt Budapest No. 18 484 Postscheckamt Zürich «fr. VI» 7854 Postscheckamt Amsterdam No. 84 869 Böhmische Unionvank in Prag Banca Karmaroach Blank & Co. in Bucarest Filiale des Wiener Bankvereins in Agram. 0er Nachdruck 9er Nttlkel und Correfpondenjen des „Israelit" ifi nur unter genauer Quellenangabe, und, foioelf es {ich um größere flufiäfee handelt, nur nach vorheriger öenehrriigung gehaftet- ' Inhaltsübersicht. 1. Leitartikel: Dr. M. Lewin: Zum neunten Aw. — 2. Homiletik: Dr. Felix Kanter: Notizen.— 3. Kleines Feuilleton: Erinnerungen an meine Bachurzeit. — (Eine neue Zeitschrift für Thorawissenschaft.) — Preisausschreiben.) — 4. Wochenrundschau: Die polnische Regierung und die Juden. — Eine charakteristische Debatte. — Bayerische Gastfreundschaft. — b.Aufsätze: Prof. Dr. A. Sulzbach: Hundertfünfundzwanzigjahre. — Ein Notruf. — 6. Korrespondenzen und Nachrichten: Frankfurt a. M., (Billige Verpflegung fürjüdische Kultusbeamte in Kurorten). — Berlin, (Weltkonferenz der „O R T"). — Berlin, (Ostjudenfürsorge und Staatsbehörden). — München. — Kotvno, (Die erste Sitzung der neuen Gemeindeverwaltung). — Warschau, (Die Tagung der Flüchtlingsdelegierten). — Warschau, (Aus dem polnischen Pulverfaß). — London, (Ukrainische Pogromwaisen). — London, (Eine Reise Dr. Güsters). — London, (Die Jahresversammlung der Sinai-Liga). — Stockholm, (Judenfeindliche Strömungen in Rußland). — Jerusalem, (Die Kohelim und das amerikanische Unterstützungskomitee). — Jerusalem, (Die Ausgrabungen in Liberias. — London, (Neuer Boykott). — Jerusalem. — 7. Personalien. — 8. Vermischtes. — 9. Briefkasten. — 10. Bücherbesprechung. — 11. Fr anksurter Berichte. — Bereinskalender. — Gebetzeiten.— 12. Feuilleton-Beilage: Das große Wunder. — Die Westmauer. — 13. Kinderecke: Wie der erste Tempel unterging. — Hermann Schwab: Tischo-B'Aw. —14^ Blätter: „Esra".— Delegiertentag des Gruppenverbandes der Agudas Jisroel in Deutschland. — Aus der Bewegung. — Spendelisten. — Zum neunten Aw. Von Rabbiner Dr. M. Lewin in Hamburg. Dumpf und ernst erklingen nun wieder in allen Gotteshäusern unserer Bekennerschar die alten wohlbekannten Weisen der Trauer um Zions verblichene Pracht und Herrlichkeit. Ledig alles Schmuckes und Glanzes, bei mattem Lichtscheine sitzt Israel mit zerrissener Seele auf ebener Erde wie einst sein großer schwergeprüfter Prophet, der das Elend mit eigenen Augen geschaut, und klagt und weint in heißen langen Zähren seinen tiefen, nicht enden wollenden Seelenschmerz aus. Die Wiederkehr der verhängniöreichen folgenschweren Goluöstunde, unseres freud- und friedlosen Golusschicksals belebt die Erinnerung an das tausendfältige Weh und Leid, das seit jenem denkwürdigen 9. Aw sich bergeshock über unser Volk getürmt hat, und aus den Tiefen seiner aus Tausenden von Wunden blutenden Seele steigt der furchtbare herbe Schmerzensruf auf : '*>210 22 22'28 82 "111 *218222 21822 VP DK 18*11 12'2N "[TT,, Nicht treffe euch mein Schicksal, all ihr, die ihr des Weges zieht! Schaut und seht, ob ein Schmerz dem meinen gleicht, der mir angetan worden, den, der Herr über mich verhängt am Tage seiner Zornesglut!" Durch Jahrtausende bereit?, über ganze Geschlechter hinweg hallt dieses Wort. Keiner aber vernimmts, niemand neigt ihm das Ohr. Der Quell der Liebe für Israel ist versiegt. Die Macht des Mitgefühls versagt für uns ganz und gar. Das ist unseres unendlichen Jammerns Ursache, der Grund, daß der 9. Aw nicht nur vorangegangenem, weit zurückliegendem Elend geweiht ist, sondern zu immer neuem grausigen Erlebnis wird. „Der Erlöser hat am 9. Aw seine Geburtsstunde", lautet eine sinnige Verheißung unserer Alten, die unsere Zuversicht auf bessere, glücklichere Zeiten stärken will. Gar mancher in Juda mag ihre Erfüllung schon gehofft haben, als den Juden von den die Welt beherrschenden Mächten ein gewisses Recht auf Palästina zuerkannt wurde. Mancher glaubte, da, daß das große Weltgeschehen, das vor 7 Jahren an Israels Trauertage angefangen, uns endlich die ersehnte Erlösung gebracht habe. Ist nun nicht aber ein unsanftes Erwachen aus diesem schönen Traum gefolgt durch die Ereignisse innerhalb und außerhalb Palästinas? O, wie tönt doch an diesem 9. Aw so furchtbar aus dem Munde der Kneses Jisroel die Klage um immer neue Märtyrer, um die Hunderttausende ihrer wie gehetztes Wild ntedergemetzelten Kinder: TP TI* ^'212 '18 .*68 hp 2'2 rn*)T> Ueber diese weine ich, mein Auge, mein Auge zerfließt von Tränen, '122 pm '2 DH12 daß fern mir ist der Tröster, meine Kinder sind vernichtet, da stark ward der Feind!" Ach wie weit ist Israel noch vom Ziele, da im Lande seiner Heimat nicht vor allem der Thora ihr volles gebührendes Recht eingeräumt, wird und hier heißer Kampf entbrannt ist um ihr Anerkennung als alles beherrschende Macht! — Schön und sinnig stellt einer unserer alten Erklärer Worten der Thora, Worte aus Jirmijahus Klageliedern gegenüber, um zu schließen und zu folgern, wessen Israel fähig und würdig sein kann, wenn es der heil. Lehre Wort und Satzung ganz und gar in sich aufntmmt. — Ohne Thora, ohne unbedingte Hinnahme ihres Machtspruchs bleibt das heil. Land uns fremd, ein Golus nur, auch wenn es uns überantwortet ist. Nur Gottes Wort macht Palästina uns zum heiligen Boden, auf dem neues, glückliches Leben für uns erblühen kann. Diese Erkenntnis möge aus unserer Trauer uns erwachsen, dann wird uns der rechte Trost nicht fehlen.' 282 -1p 11'2P naLp 1171282 282 28 '2 „Du hast uns ja nicht verworfen, nur gezürnt hast du uns sehr." So schließt die Jeremiade, — und unsere Weisen merken hier an: JV8 8'.*l .*l2'2? 281 *122 2'2 «TH N2'82 28 8'rin'8‘? rrai2 2'82*t 182 b22 *122 „Wo Verachtung waltet, da ist die Heilung ausgeschlossen. Der Zürnende jedoch kann besänftigt werden, und dann siegt die Hoffnung." Daß uns der Herr nicht verstoßen, das lehrt uus unsere Geschichte. Unser Leid und Elend sind nur eine Folge unseres Abfalls, mit dem wir den Zorn des Herrn über uns heraufbeschworen haben. Sein Zorn ist aber auch die Liebe in einem. Neben wir Einkehr und Selbstbesinnung, dann erweist sich unsere Schicksalsnacht als das Anzeichen eines neuen Morgens. In unsere Hand ist es gegeben, den Zorn Gottes zu besänftigen und dem verkündeten Ziele entgegenzusteuern: np-im N'2V1 man 221022 ii'ie Zion wird durch das Gericht erlöst und die dorthin zurückkehren wollen durch Pflichttreue." Scharen wir uns alle mit voller Liebe und Begeisterung um das alte Banner von Sinai, es wird uns die Golusnacht erleuchten und den Weg vorberetten, auf dem wir zur Stätte unserer Sehnsucht hetmkehren: .1211011 ^'28 '*T 112'10.*1 22P2 11'2' 10*lN Führe uns zurück, Herr, zu Dir, und wir wollen zurückkehren. Verjünge unsere Tage, wie vormals!" Wochennmdschau. Line charakteristische Debatte. Die Repräsentantenversammlung der Berliner Jüdischen Gemeinde hat nun tatsächlich dem orthodoxen Hildesheimer'schen Rabbiner-Seminar in Berlin eine Jahres-