Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 62 (1921)
- Issue
- Heft 31 (4.8.1921)
- Date
- 1921-08-04
- Page
- – (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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4. August 1921. „Blätter" Nr. 21. Sette 3. Diejenigen Gruppen, welche außerhalb des eigentlichen Emigrantenstromes liegen, wären in größeren Zentren in diese Arbeit anzugliedern. Wie überhaupt die Schaffung von Bezirksverbänden innerhalb der Landesorganisation sich aus anderen noch zu erörternden Gründen als ungemein segensreich erweisen wird. Neben dem Klall- Bewußtsein aber für die außerhalb Deutschland wohnenden Juden gilt auch hier das ~|TI7 '"’Ji; D'ö'rip und zwar sowohl für die materiell Armen, die mit in die soziale Fürsorge einzubeziehen sind (wir denken hierbei insbesonders an stellen such ende Gesinnungsgenossen) als auch für die ideell Bedürftigen. Wohl hat erfreulicherweise im großen Ganzen Deutschland eine Renaissance des Thorastudiums zu verzeichuen, doch erstreckt sich diese zunächst nur aus einzelne Großstädte und hier im großen Ganzen mehr aus die schulentlassene Jugend, als auf die schulpflichtige und als aus die Mitglieder der Ortsgruppen. Es hätte deshalb der Delegiertentag allen Anlaß, sich mit der brennendsten Gegenwartsfrage, nämlich mit der jüdischen Erziehung d e r Kinder zu beschäftigen. Hier wäre vor allem als Forderung aufzuftellen, daß durch Vermittlung des Gruppenverbaltdes und der anderen in Betracht kommenden Organisationen ein Normalplan für die jüdische Erziehung geschaffen werde, dessen Verwirklichung Ausgabe einer jeden Ortsgruppe. ist. Zunächst müßte an Hand von statistischem Material nachgewiesen werden, inwieweit das jüdische Bildungswesen in Deutschland sich von dem Bildungsideal entfernt, welches unseren geistigen Führern als Minimum vorschwebt. Es haben die Ortsgruppen ein vitales Interesse daran, daß aus ihrem Nachwuchs allmählich ein Geschlecht von Bene Thauro entstehe, die eigentlich erst die Zukunft des Aguda-Gcdankens verbürgen werden. Auch hierüber läßt sich an dieser Stelle nur andeutungsweise die Forderung skizzieren, daß die Ortsgruppen dafür Sorge tragen, daß es zur Mode wird, eine Anzahl dazu befähigter junger Leute vor Bernssantritt ausschließlich dem Thorastudinm sich widmen zu lassen, und daß die Ortsgruppe die materiellen Vorbedingungen hierzu schafft. Ueber geistige Betätigung der Ortsgruppen selber sowie über die Stellung der Ortsgruppen zur Palästinaarbeit innerhalb der Aguda und endlich über Organisationssragen gedenken wir in einem weiteren Fürsorge, daun der New-Porker Präsident des „Joint", der Präsident der Wiener Kultusgemeinde, ein Wiener Gemeinderat, der Präsident der Badener Kultusgemeinde und eine ganze Schar gedrückter, dürftig aussehender Kaftaniuden. Als aber der Präsident des Waisenfondskomitees mitteilte, daß die Stiftung des Hauses wohl erfolgt, dessen Fortbestand jedoch durchaus nicht materiell gesichert sei und die Anwesenden um milde Spenden bat, da mar in kaum einer Viertelstunde mehr als eine Million Kronen (es waren bloß 400.000 Kronen. Anmerkung der Redaktion) sofort bar auf den Tisch gezählt, beisammen. Das Opfer, das die Eltern mit ihrem Leben bringen mußten, soll an den Kindern zum Segen werden. E. T. ("Neues Wiener Journal".) Aus der Agudalileratur. Die Nummern 10 bis 11 des „Hadere ch " ist dieser Tage als Doppelnummer erschienen. Der Leitartikel befaßt sich eingehend mit den Gründen, welche Sir Herbert Samuel zu seiner bekannten Stellungnahme, in der Emigrationsfrage gezwungen haben. Mit Recht wird hier auf's schärfste die nationalistische Phrase und der kindliche Aufputz verurteilt, welche die ruhige und ernste Kolonisationsarbeit aufs empfindlichste zu schädigen geeignet sind. Daß auch auf zionistischer Seite bereits vereinzelte Stimmen sich in ähnlichem Sinne äußern, fei mit Genugtuung konstatiert. „Agudas Jisroel" wird sich in ihrer stillen, ruhigen Palästinaarbeil nicht stören lassen und glaubt auch allen anderen Organisationen Artikel dasjenige zu skizzieren, was wir als Resultat des kommenden Delegiertentages erwarten, welcher nur dann etwas zu leisten imstande sein wird, wenn die einzelnen Ortsgruppen sich schon jetzt mit den Vorbereitungen dazu beschäftigen. Wir würden es daher begrüßen, wenn an dieser Stelle auch weitere Anregungen aus den einzelnen Ortsgruppen veröffentlicht würden. Aus der Bewegung. Frankfurt a. M., 17. Juli. Die hiesige Orrsgruppe versandte an die Mitglieder der hiesigen Israelitischen Religionsgesellschaft ein Rundschreiben, dem wir entnehmen: In einem Teil seiner jüngsten Predigt hat S. Ehrwürden Herr Rabbiner Tr. Breuer die „Agudas Jisroel" zum Gegenstand seinlr Erörterung gemacht. Ans der Rot unserer Tage ist die Weltorganisation „Agudas Jisroel" zu vrelverheißendem Leben erwacht. Aus allen Erdteilen strömen ihr Scharen gesetzestreuer Inden zu und sammeln sich um ihre Fahne. Die Fahne der Weltorganisation der A. I. ist die Fahne Gottes und die seines Gesetzes. Unter dieser Fahne wollen die gesetzestreuen Juden der Welt den Ausbau von Klall Jisroel vollenden, damit Klall Jisroel m der Diaspora den an Seele und .Körper leidenden Gliedern des jüdischen Volkes im Golns die Rettung bringe und auch Erez Jisroel mit neuen starken Banden an sich knüpfe. Der Ruf der Weltorganisation der Agudas Jisroel ergeht von neuem an die Mitglieder der Israel, Religionsgesellschaft; auf sie vor allem setzt „AgudaS Jisroel" die kühnsten Hoffnungen. Tie frohe Zuversicht, die einst die Gründer der Religionsgesellschaft beseelte, daß Gott und sein Gesetz keines Bündnisses mit dem Abfall bedürfen, daß wir uns Gott und seinem Gesetze nur restlos hinzngcben brauchen, um des Sieges unserer.Bestrebungen sicher zu sein, ist die gleiche Zuversicht, die auch die Weltorganisation „Agudas Jisroel" erfüllt und ihr die Kraft und den Mut verleiht, die Orthodoxie der Welt auf eigene Füße zu stellen. Von öligem Bewußtsein erfüllt, hat S. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Breuer, der dem Rabbinischen Rat von Agudas Jisroel ^rngehört, in hinreißenden Worten an geweihter statte es als heilige Pflicht aller Mitglieder der Israel. Religionsgesellschaft erklärt, der Agudas Jisroel beizutreten und ihre Ziele mit Gut und Kraft zu fördern. Welches Mitglied der Religivnsgescllschnft könnte es hiernach vor seinem Gewissen verantworten, der Weltorganisation cernzubleiben und ihr seine geistige und materielle Mitarbeit zu entziehen: Wie wäre es möglich, die Kräfte des gesetzestreuen Judentums unter unserer Fahne zu sammeln, wenn sich nicht die Mitglieder der Frankfurter Religionsgesellschaft, deren Bedeutung weit über den Rahmen unserer Stadt und über die Grenzen Teutschlands hinnusreicht, in die vorderste Reihe stellten. als Leitmotiv ihrer Tätigkeit das altindische nmn rwin iOUB empfehlen zu sollen. Es folgt hierauf der hebräische Text deS bereits von uns größtenteils wiedergegebenen Schreibens des Gerrer Rebbe. Unseren Lesern sind ebenfalls die Berichte über Die Tagung der englis ch e n und t s ch e ch o s l o w a - k i s ch e n Landesorganisationen sowie der o stg a l i z i s ch e n Jugendorganisation bekannt. Ebenso der Bericht über die Einweihungsfeierlichkeiten des K r i e g s w a i s e n h a n s e s der „Agudas Jisroel" in Baden bei Wien. Originalkorrespondenzen aus Jaffa geben ein düsteres Bild der durch die neuesten Progrome geschaffenen Verhältnisse. Neben einer Reihe von Berichten der einzelnen Ortsgruppen, insbesondere Polens und Deutsch-Oesterreichs weist ein weiterer Artikel die Unverfrorenheit und Haltlosigkeit der gegnerischen Angriffe, in den letzten Wochen nach. Auch insoweit der Inhalt der einzelnen Artikel unseren Lesern schon bekannt ist, möchten wir den „Haderech" auch unseren deutschen Gruppen aufs dringendste empfehlen. Es dürfte dies ein nicht unwesentliches Mittel sein, um die Kenntnisse der hebräischen Sprache, insbesondere in unseren Jugendgrnppen zu pflegen. Noch in viel höherem Maße trifft dies für die soeben wieder herausgekommene neueste Nummer des „ D i g l e n u " zu. Dieses Organ unserer polnischen Jugendgruppen ist ge radezu vorbildlich zu nennen. Wir wüßten, ihm in den periodisch erscheinenden Zeitschriftenoer Aguda nichts Ebenbürtiges an die Seite zu stellen. In klassischem Hebräisch und auch äußerlich vorzüglicher Ausmachung bietet das jüngste Heft eine Fülle positiver Anregungen. Der Herausgeber Budapest, 26. Juli. In unserer letzten Nummer berichteten wir über die Tagung der ungarischen Landeskanzlei. Nachstehend bringen wir die bezüglich Agudas Jisroel gefaßte Resolution zum Abdruck: Tie am 21. Juni 1921 in Budapest tagende Landesrepräsentanz der :> »gar-ländischen orthodoxen Judenheit zieht die Frage des Anschlußes der ungarischen Orthodoxie an den Agudas Jisrocl-Verband, welcher bestrebt ist, sämtliche gesetzestreue Inden der Welt im Zeichen der wahren Religiosität zu konzentrieren, ihrer großen Wichtigkeit halber ernst in Erwägung. Doch hält sich die Lanoescepräsentanz zur Zeit nicht für kompetent, in Angelegenheit des Anschlusses endgültig zu entscheiden, da ihr Mandat bereits abgelaufen ist und sie nur die unbedingt nötigen Angelegenheiteu zu erledigen sich berechtigt fühlt. Das Entscheidungsrecht in dieser hochwichtigen Angelegenheit wünscht sie der in kurzem zu wählenden neuen Landesrepräsentanz zu überlassen. Schon jetzt aber sendet sie der Agudoh den Ausdruck ihrer herzlichsten Sympathie und wünscht ihr zu großer Tätigkeitt viel Erfolg. Gleichzeitig beschließt sie, daß die' imgarländische orthodoxe Judenheit auch bis zur endgültigen Stellungnahme die Aguda in ihrer Palnstinntätigkeit moralisch und im notigen Falle ihren schwachen Kräften gemäß auch materiell zu unterstützen beabsichtigte Zürich, 19. Juli. In der hiesigen Jugendgruppe ist seit deren Reorganisation im Monat Mai ds. Js. eine größere Tätigkeit bemerkbar. Tie erste Generalversammlung beschloß vor allem die Rausch-Chaudesch- Spende in der Schweiz einzuführen; ferner ein eigenes agttdistisches Organ zu gründen, Oder Anschluß an ein bereits bestehendes 51t suchen, sowie die Abhaltung von Vorträgen und Schiurim reger zn gestalten. Dem Vorstände, bestehend aus den Herren: Herrmnnn Cohn, Moses Antmann, I. Eisenbcrg, Jona Leitner und M. D. Lcwenstein ist es berects gelungen, die an der Generalversammlung gefaßten Beschlüsse teilweise auszuführen. So wurden Vorträge abgehalten von den Herren Dr. T. Lewenstein über „Dogmen des Judentums", in welchem Redner die ganze diesbezügliche jüdische Literatur durchgehend, zu einem eigenen vermittelnden Resultat gelangte, welches er als namentlich für unsere jetzige Zeit geeignet, der anwesenden Jugend, welche mit Interesse den Ausführungen des Vortragenden folgte, zu Geinüre führte. Herr Tr. Rothschild referierte über das Thema: „Der Nichtjude im Lichte des Judentums", welches zu einer ausgedehnten Diskussion Veranlassung gab. Ferner gelang es Herrn Dr. T. Lcwenstein zur Abhaltung eines Vortragszyklus über „S. R. Hirsch's 19 Briefe" zu gewinnen, welcher auch unter zahlreicher Teilnahme seitens der Mädchengruppe abgehalten wird. Hierdurch ist der seitens unserer hiesigen Agudajugend schon vor Jahren geäußerte Wunsch, den Schriften von S. R. Hirsch näher zl> treten, in Erfüllung gegangen. Der Vorstand arbeitet momenttan am Winlerprogromm und wird dieses hoffentlich dazll beitragen, ein festes Band lim unsere orthodoxe Jugend zu schließen. (Vereinsadresse: M. D. Lewenstein, Gerechtigkeltsg. 30. Zürich 1.) A. S. Fried m a n n besaßt sich in einer tiefschürfenden Studie mit der Psychologie unserer „frommen" Gegner, welche mit der Orthodoxie solange einverstanden sind, als dieselbe sich auf das Beth-Hamidrasch beschränkt, die politische Führung und den Markt des Lebens aber anoercn Parteien überläßt. Es ist uns nicht möglich, an dieser Stelle auch nur andeutungsweise den ganzen Gedankengang zu skizzieren. Als eine interessante Einzelheit möchten wir nur daraus ein Zitat ansühren, welches der zionistischen Zeitschrift „ D e r H eint" Nr. 68 entnommen ist. Hiernach sollen Mordechai und Esther vollkommene Assimilanten gewesen sein, welche das jüdische Volk und den jüdischen Nationalismus verleugneten, um sich an Persien anzugliedern. Die Megillas Esther selber wird als die Erzählung eines Römers aus der Zeit Titus geschildert, dessen Endabsicht römisch-politischer Natur war. Der Autor dieser Darstellung aber ist — Geschichtslehrer an der misrachistischen Tachkemoni-Schule in Jaffa. Rabbiner Guttentag in Sochatching bringt an Hand vom Ranibam und der übrigen Dezisoren eine eingehende Schilderung des Verhältnisses des Din Thauro zu in profanen Recht in Erez Jsroel. Zwei stimmungsvolle chassidische Erzählungen, ein Gedicht, sowie eine Schilderung eines Freitag Abend in Sasfed zu den Zeiten des Ari, sind wahre Kabinetstückc chassidischer Kleinmalerei. Dos sogenannte „Frankfurter Programm" der Kasseler Tagung wird uns hier ebenfalls in tadellosem Hebräisch wiedergegebcn, was für die deutschen Leser von besonderem Reiz sein müßte.