Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 62 (1921)
- Issue
- Heft 25 (23.6.1921)
- Date
- 1921-06-23
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 Nr. 25» <£«v IsraUtr. alle Vielheiten vriuzipiell vertilgt, die Persönlichkeit de-? Tiidividiitriiis, selbst des Arbeiters, qartiicht eiisiaimuea lütt, das er das grenzenlos weite Ansstand in ein Veonzentrationslager iehlinnn.ner st-ri vernaandelt, alle 3;. nveu von stieelst und Isterechiirstststr sorgfältig verwiült und (ii'en nnnn.erbroehenen blntrnnstigen Bürger krieg herausbeülnooren ha:, der nie enden will nnd lvird, a eil die inensehliche st-a'nr, das inensehliehe Bewuß:sein sieh gegen ihn mit Aottvendigtei: einrören mns. stciehtsdestoiveniger dehnt sieh der Bolseheroismus immer mehr ans nnd er slreel! immer iveifer seine Macht ans die breiten stst beiisinassen ans, zivar mehr des Auslands, als des- Inlands, nnd qewnrtu immer tnehr an Terrain. Ta noch in ehr. Wvyl tveiß alle Welt, da st der Bolschewismus bei all seiner rnstsiehtslosen .>?andhabiing seiner niibegrenzten desrolisehett ^'eioalt, er gerade das Gegenteil von dein erlangt, was er angestrebt hat: Er trollte das Privateigentum anftzeben, nnd faktiseh blüht es in Tonstet rufst and wie noch nie zuvor, mir hat es feilte de jure reeht müsst gen Besitzer in eie jure nnd eie facto unrechtmässige vertauscht : er wollte ferner das Tehiebertum, das ^reknlationsivesen ans der Welt sehaffen nnd es gedeiht nnd floriert auf dem von Blnt bnvdnväufteu Boden der Tonstetregiernng wie nirgends mehr, ungeachtet der angedrohten Todesstrafe.' er rvollte schliestlirh die Bevölkerung zu produktiver Arbeit zwingen, nnd nirgends ivird so wenig gearbeitet nnd noch weniger geleistet, als im Lande der proletarischen Dik tntnr, troh der „Arbeitskarten" und seiner Losung: „Wer nicht arbeitet, der istt nicht." Tas alleist aller Welt wohl bekannt, das alles beweist in eklatantester Weise die Ohnmaelst .und Hnltlosiqkeit des Systems, in gegebenen Tüllen, des Bolschewismus selbst. Und dennoch sehreitet der Bolschewismus äußerlich vom Liege zum Liege fort und Moskau hört nicht auf, seine Tekrete den Arbcitermasscn aller Länder zu diktieren. Und warum? Weil eben der Kapitalismus mit zivingender Gewalt sie in dir Arme des Loziatismns treibt, wie schlimm dieser in der Praxis sich auch betätigt hat. Tie okvnomisehe Herrschaft einer winzigen Minderheit von (strostkapitalisten, welche ans die Unantastbarkeit des Eigentumsrechts pochend, die beiiistosen breiten Masten ansbeutet: die hiinnkeisthtriende Ungerechtigkeit, das die Besitzer gros-er Ländereien, ans ihr formales Recht sieh berufend, ohne ihre stände reien selbst zu bearbeiten, den Ertrag fremder Arbeit verschwenderisch verprassen, ivährend die großen Menschenmengen, die tu üjfi'ut Schweiße Müten des Libanon.*) Von Rabb. Dr. Felix Kanter, Zwittau (Mähren). Vom Fasten behaupten unsere Weisen (Nedarim 10) sip; re;>*ru wvn „Wer Im Fasten verharrt, wird als ein Sündiger betrachtet". Ist denn das Fasten tatsächlich als Sünde zu betrachten? Mit Nichten! Man darf btos an einem Fasttage kein Bvw, „kein Sitzender" sein, kein solcher, der auf seinem Platze verharrt und ihn unter kernen Umständen verläßt. Der Mensch wird ein Fortschreitender genannt, seine Pflicht ist es, immer weiter zu schreiten in der Erkenntnis, sich immer höher zn erheben zu seinem Gott und seiner Lehre, immer rastlos an seiner Veredelung und Vervollkommnung zu arbeiten. Der geeignetste Zeitpunkt dazu ist — der Fasttag, an dem der Mensch aller irdischen Genüsse sich enthält und Zeit und Muße hat, ganz seinem göttlichen Ideale zu leben, sich ganz und restlos seinem hehren Berufe zu widmen Wer aber trotz des Fastens seinen eingenommenen Standpunkt *) Bergt. „Israelit" vom 10. März. 23. I"n« 1921. bat 'Boden kuluvieren, tu Entbehrungen aller Art darben, ist faktisch eitle Art öou „Sumum jus summa injuria", welche unvermeidlich den Ai beiter gegen den Arbeitgeber aufs äußerste erbittert und ihn zwingt, zum Tozialismus feine H.nflncht zu ergreifen. Hat schon der bloße Wonklang „proletarische Tiktatnr" für den gegen; die oesi-zenden Klassen rief empörten Arbeiter l viet Perloctendes und alles Heilversvrcchendes,! so gesellt sieh noch hinzu die gerechte Forderung, j b«R ./T^B — aver denB bat b - j arOciiet, die Früchte seiner Arbeit geniesten l soll, intb must die gegenwärtig so oft wahrzu-! nehmende Tatsache, dast Arbeit und kennst in diametral aitgegengesetzter Proportion sich befinden, in jedem, in welchem das Gefühl für Recht nnd Gerechtigkeit noch nicht erloschen ist, sitiliche Entrüstung Hervorrufen. Allein ebenso ungerecht ist die prinzipielle Bermn'nntlg des Privateigentums. Im Privateigentum manifestiert sich die Persönlichkeit des Individuums nnd kristallisiert sich sein natürliches, nnveräusterliches Recht znm Leben unb zur Freiheit. Tiefes Recht hat der Mensch mit seiner Geburt, als vernünftiges, freies Wesen, als Ebenbild Gottes, zur Welt gebracht: er hat es keineswegs von dem tveit später als der Mensch zur Welt gekommenen Ltaate erst erhalten. Tos Recht znm Leben und zur Freiheit bedingt von seiner Seite das Anrecht des Menschen auf die „Nützlichkeiten" der ihn umgebenden Natur nnd feine Berechtigung, dieselben durch seine Arbeit in „Werte" zu verwandeln, ohne welche er sein Recht zu leben., nicht bestätigen kann. Diese „Werte" bilden mut sein wohlerworbenes Eigentum. Tas Eigentumsrecht hat somit seine tiefe Begründung in der Existenz der menschlichen Persönlichkeit. Tie Aushebung des Privateigentums bedeutet nicht mehr und nicht weniger als ein Attentat auf das Leben und die Freiheit der Persönlichkeit, gegen welche das menschliche Bewußtsein sich cnrvört. Taher must der Sozialismus unbedingt, sobald er von der Theorie zur Praxis übergeht, einen erbitterten, unaufhörlichen Bürgerkrieg heranfbeschwören nnd muß. er, ° wenn er fonjeauent dnrchgeführt werben soll, uns den Bolschewismus mit all seinen höchst traurigen Begleiterscheinn 11gen beschereu. Was die .Herren Kantsky mid Martor gegen tu'iv Bolschewismus auch sagen mögen, er' ist in Wirklichkeit nichts weiter als die konsequenteste Realisierung des Sozialistnus Marxens uttd Engels, von lueff/jem fctit geringerer als Henry George in. seinein bekannten Briefe an den Papst, betitelt: „Tie Lage der Arbeiter", sagt: „Ter Sozialismus ist die Organisation von Menschen in industriellen Armeen, und die Übergabe der Produktion und des Tausches der Verwaltung staatlicher tutb halbstaatlicher Institutionen, welche, wenn sie zum vollen Ausdruck kommen sollten, d. h., wenn sie konsequent bis zu Ende dnrchgeführt werden sotten, nichts als die ägyptische Sklaverei darbieten". Dies ist nur viel zu milde gesagt. Die prompte Verwirklichung des Sozialismus im Bolschewismus erweist sich viel schlimmer als die ägyptische Sklaverei. Aber unbeschränktes Eigentumsrecht, führt unwillkürlich zum Bolschewismus und dieser bringt der Menschheit, der menschlichen Kultur den Untergang. Wir befinden uns somit zwischen ^cylla und Charybdis. Es ist ein verhängnisvolles Dilemma, ans welchem es nur einen Ausgang, eine Rettung gibt — die Thora mit i h reut Ag ra rs y stem. Ist es unter solchen Umständen nicht an der Beit, daß das erlösende Wort der Thora eingreift, das nicht znm ersten Male die Menschbeit aus ben Klauen des Verderbens gerettet hat? Als die Gottverehrung der antiken Völker in der abscheulichsten Unzucht des Baal, Astarte intb Molochdienst ausarrete und sie Gefahr liefen, im Schlamm der Sünde zu versumpfen, da ercholl die göttliche Mahnung: "vnn Q'ttHP/.. Alsi die Kasten Herrschaft Aegyptens die menschliche Würde in den Staub herabzog und Rechte nnd Freiheit des Menschen stolz verhöhnte, da ergitig der Ruf Gottes — v'"72v err '"721?/ f'C "T* vb, tvelcher Israel von der härtesten S lavere der Pharaonen befreite. Als der F emdling in der alten Welt für vogelfrei galt, da proklamierte die Thora misSl "ri D3*> nn« ."rpr, jn»n mtd 7b N2N»»7.. Sollte henteFvo jene verhängnisvolle Alternative enttv der unbeschränktes Eigentumsrecht oder absolute Verneinung des Privateigentums die Menschheit zu zerfleischen und alle Errungenschaften tausendjähriger Kulturarbeit zu vernichten droht, sollte da nicht endlich die ewig mahnende Stimme der göttlichen Gerechtigkeit "st-nn p-tx P"?2,.?sich Gehör verschaffet! und das von der absoluten Gerechtigkeit gen-naette Agrarsystem der Thora zum .Heile der Menschheit, sieh bahnbrcchen? Der geniale Heinrich.Heine, welcher schon früh vor Man warnte und bcu die Konsequenzen d.'s damals noch jungen Lassalle ängstigten, fand nicht Worte genug, das Agrarsystem der Thora zn verherrlichen. „Die Thora", sagt er unter anderem in seinen „Geständnissen" (in Ermangelung des Originals zitiere ich nach der russischen lleberielutng1 „mit ihren Gesetzen von ben Jubiläen und Pauperismus hat das Privatciaeitümi moralisiert, d. h., sie hat es zu einer nwratischeu Institution erhoben. Anstatt des nicht verläßt und auf demselben Flecke haften bleibt Or;ym -pan), der versündigt sich blos an seinem Körper, dem er unnütz die Nahrung entzieht, denn seine Seele geht dabei leer aus. Diesen nennen unsere Weisen an anderer Stelle W2 ptpi ‘jma. Zur Zeit des Bestandes des ersten Tempels, so heißt es im Talmud (Joma 21a), lagerte das Feuer auf dem Altäre gleich einem Löwen. Während des zweiten Tempels aber lagerte dasselbe Feuer wie ein Hund. Der Sinn dieses scheinbar rätselhaften Ausdrucks wird uns offenbar, wenn wir die Beschaffenheit beider genannten Tiere in Betracht ziehen. Vom grimmigen Löwen behaupten die Naturforscher, daß er nur dann grimmig und furchtbar ist, wenn er hungrig ist oder wenn er gereizt wird. Dann ist er wild und in seiner Wildheit nicht zu zähmen und zu zügeln. Ist er aber gesättigt und von niemanden gereizt, dann ist er sehr zahm und zutraulich. Anders jedoch der Hund. Der zbz bellt und beißt zu jeder Zeit, gleichviel ob er gereizt wird oder nicht, ob er satt ist oder nicht; er beüt und knurrt mit und ohne Grund, ob er einen Zweck verfolgt oder nicht. Aus dem Altäre loderte beständig ein Feuer, ein heiliges Feuer. Dieses heilige Feuer, dem Altäre entnommen, sollte im Herzen eines Juden, der mit dem Altäre in Berührung kommt, emporlodern: das Feuer der Liebe und Begeisterung für Religion und Glauben, für Gott und seine heilige Lehre. Dieses Feuer der Liebe und Begeisterung ist in Israel vorhanden, nur mit dem Unterschiede: In früheren ZeiHn machte man von diesem Feuer Gebrauch, wenn es sich um Notwendigkeiten handelte, wenn es um die Lebensintereffen des Judentums, um Sein oder Nichtein des jüdischen Volkes ging, wenn es galt, Religion und Glauben zu schützen, zu verteidigen und zu er- - haltend Dann loderte dieses heilige Feuer in hellen Flammen auf und griff um sich mit aller Kraft und i Macht, ohne Schonung und Duldung — wie der Löwe, der, so er gereizt wird und sich bedroht sieht, sich mit seiner ganzen Kraft wehrt und verteidigt. In späteren Zeiten ist zwar das Feuer geblieven, aber es ist kein heiliges Feuer mehr. Es wird zu allen Zwecken gebraucht. Es wird nicht nach Grund und Ursache, nach Zsel und Zweck gefragt, das Feuer wird häufig zu Zwecken gebraucht, die mit Religion und Glauben in gar keinem Zusammenhänge stehen — wie jenes Tier, das bellt und knurrt und anschlägi, zuweilen obne Grund und Ursache und ohne mit seinem Bellen etwas zu verfolgen. Mit anderen Worten: früher wurde in Israels Lager BW W? gekämpft und gestritten, heute wird um alles Mögliche gestritten, weil das Streiten vielen als Selbstzweck erscheint. Dreimal kommt — nach der Massora — der Ausdruck ormY.C „ihr sollet sehen", in der Thora vor. Einmal heißt es d'ämct bv omm „Ihr sollet sehen bei der Geburt" (2. B. M. 1, 16). Ein anderes Mal heißt es pan n« cn\sn „Ihr sollet sehen die Erde (das Land)" (4. B. M. 13, 18) und wieder einmal heißt es Drt\S“n errou um „Ihr sollet es sehen und gedenken all der Gebote des Ewigen" (4. B. M. 19, 39). All diese Worte besagen das Eine und drücken nur dasselbe aus, was Akabja ben Mahalalel in den Sprüchen der Väter (3. Abschn.) uns lehrt. Der Mensch betrachte seine Herkunft (Buosn bv Brrnn) und sein Ende (Bimn pan ns) und denke auch an ihn (ins Brmii), dann wird er'all der Gebote Gottes eingedenk (^>27>BN) bleiben und sich bemühen, sie zu erfüllen, in BN2N rotasD fcwffln.