Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1921-06-09 · Heft 23 (9.6.1921) · page 18

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
62 (1921)
Issue
Heft 23 (9.6.1921)
Date
1921-06-09
Page
– (sequence 18)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2450138-2450160--69000-2526157
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 2 Nr. 18 „Rlättet"_ so oder so genannte Judeneinheit eine politische Sendung hat: darum gehts! Wer den Mut hat, die Frage zu nerueiuen, der spreche es aus. Und wer den Mut hat, die Frage zu bejahen, der spreche es aus. Aber Schweigen, aber Verhüllen, aber Kompromittieren: das ist vorbei! Denkt an die Jugend! Ihr werdet ihr das englische Mandat, ob es Gesetz wird oder nicht, nienials verheimlichen können. Sic wird euch hinstellen vor dieses Mandat und wird von euch Zeugenfchaft heischen: Bekennt! Denkt an die Verfolgten, an die Gemarterlen unseres Volkes! Sie werden die Hütten reißen von ihren gestriemtcn Leibern, sie werden ihren Jammer euch ins Antlitz speien, so ihr ihnen nicht Rechenschaft geben werdet für all das, was ihr unternommen habt auf Englands Ruf. was ihr unterlassen habt auf Englands Ruf: Bekennet! Denkt an Israels Hcsieszukünft! So furchtbar ist das Galuth, daß auch nur eine Stunde es frevelhaft verlängern, niemals sühnbares Verbrechen wäre. Vor euch erhebt sie sich, unser aller Mutter, die zweitausend Jahre um ihre Kinber meint: Ihr hättet vielleicht ihre Tränen lindern können, wenn ihr Erbarmen mit ihr gekannt hättet: Bekenner! — Mit der Abwehr des Zionismus ist es nicht getan. Die jüdische Nation ist aufgcrufcn. Die falsche hat sich gemeldet. Darf die echte schweigen? Darf sie es, weil die falsche vor beu Toren Wache steht? Noch kennt Englands Regierung nur die falsche. Will vielleicht sie allein nur kennen. Darf es die echte dulden? Wie rätselhaft, wie qualvoll rätselhaft sind Gottes Ratschlüsse. Wie schweres gibt Er uns zu tragen. Die falsche Nation läßt Gott wie eine Brücke sich zu Israels Land legen. Die Brücke lockt. Wer sie betritt.' ist verloren. Auf, Agudas Jisroel! Deine Stunde hat geschlagen! Sei Du der Mund der echten Nation! Sprich!- Palästina-Arbeit der Agudas Äsroel. I. Der G e r e r R eb b e in der S itz u n g de s g e schäftsfü h r e. n d e n A u s s ch u s s e s des Z e n t r a l r a t der A. I. in Wien. Die Agudadeputation unter Führung des 8. ftunl 1931. gefeierten Rabbi von Gora nach dem heiligen Lande ruft die geschichtliche Erinnerung an iene Größen der Thora wach, die mit ihrem Zuge nach Erez Jisroel Epochen der Mute wahren jüdischen Lebens geschaffen haben, wie Rambam. Schelo und Arij. Die unsterbliche Liebe zur Erez ha-kedoscha findet ihren wärmsten Ausdruck in der: der höchsten Empfindsamkeit befähigten, ausschließlich bem Thoraleben geweihten Geistern. Viele Hunderttausend^ haben den großen Rabbi mit heißen Segenswünschen für sein Werk aus seinem Wege begleitet und harren mit dem klassischen nasso we-nischma mit Spannung auf die Parole des großen Meisters. Aber nicht allein der innere Kreis seiner in ganz außerordentlicher Verehrung ergebenen Anhänger begrüßt den Rebbe auf der Heimkehr aus Jeruscholajim. Auch weitere KVeise haben diese bedeutungsvolle Reise mit Sympathie und Erwartung verfolgt. Es euWruch einer weithin empfundenen Sehnsucht, wieder einmal etwas mehr Größe, mehr Reinheit, mehr Innigkeit in den: chaotischen Getriebe der Palästinabewegung erleben zu können. * * * Anläßlich der Rückkehr der Agudadelegation aus Palästina fiitb die hier weilenden Mitglieder des geschästsführenden Ausschusses und des rabb mischen Rates zu einer gememsameu Konfereuz einberufen tvorden, in welcher der Gerer Rebbe als Führer der Delegation mtb Rabbiner Horovicz aus Jerusalem, Mitglied der Palästinazentrale der Agudas Jisroel, eingehend über ihre Mission referiert haben. Der Gerer Rebbe betonte seine große Zufriedenheit über seine Wahrnehmungen in Erez Jisroel und erklärt: es sei die Stunde gekommen, daß Agudas Jisroel in seiner Gesamtheit und in seinen cinzg ne" Gliedern an dem Aufbau Erez Jisroels csf kt'ven Anteil nehmen müsse. Der High Eomm'ssionev habe ihn und Rabbiner .Horovicz gebeten, die Orthodoxie zu versichern, daß sich die gesetzestreuen Juden, die nach Erez Jisroel kommen iverdeu, in absoluter Freiheit und Unabhängigkeit auslebeu können. Auf Wunsch des Gerer Rebbe erteilte Rabbiner Horovicz über verschiedene wichtige Eiuzelfragen Aufklärungen, die von den Anwesenden mit großer Befriedigung entgegengenommen wurden. Der Gerer Rebbe erklärte noch, daß er seine Erfahrungen in ausführlicherer Weise nach seiner Rückkehr große geistige Aufgabe der Agnda wird in der Herausstellung des wahren und echten jüdischen Nationalismus, wird in der Erziehung ihrer Glieder zu diesem wahren und echten Nationalismus bestehen, der vielleicht das letzte und schwerste Stadium bedeutet, durch das die jüdische Nation im Galuth zu schreiten hat. Das von der Frankfurter Ortsgruppe veröffentlichte Programm will den Anstoß hierzu geben. Die Wirkungen dieses Programms bleiben abzuwarten. Agudist ist, wer die tätliche Gefahr erkannt hat, in der gegenwärtig die jüdische Nation ichwebt, wer aus dieser Erkenntnis heraus den festen Entschluß in sich hat reisen lassen, die jüdische Nation seines Teiles zu retten, und wer zu dieser Rettung mit Gleichgesinnten sich zu Ortsgruppen vereinigt. Kann die finanzielle Gesundung einem berechtigten Zweifel unterliegen, wenn die Ortsgruppen wirklich Bereinigungen Sogesinnter darstellen?- D a s e n g l i s ch e M a n d a t. In dem von der englischen Regierung veröffentlichten Mandatsentwurf wird die jüdische Nation zur Mitarbeit am Aufbau Palästinas anfgerufen. Gleichzeitig wird eine „indische Agentur" bei der englischen Regierung gebildet und die Wahrnehmung dieser Agentur vorläufig der zionistischen Organisation übertragen. Zwei Tatsachen von erschütternder Bedeutung. Tie Motive der englischen Regierung sind gleichgültig. Gleichgültig ist im Grunde genommen auch — wenigstens im historischen Sinne das mehr oder weniger karg zugebilligte Maß von Vorrechten der jüdischen Nation» beim Anfbau Palästinas. Entscheidend ist zunächst das Faktum dieses an die jüdische Nation ergehenden Aufrufs an sich. Das zweitausendjährige Fnlogmto der jüdischen Nation ist durchbrochen. Die Frage des jüdischen Nationalismus ist keine Theorie mehr. Die führende Weltmacht anerkennt - ihre Motive sind gleichgültig — die jüdische Nation als existierend. Die Kunde hiervon bringt bis in die letzte jüdische Hütte. Den letzten Juden im letzten Dorf zwingt sie zur Stellungnahme. Hat die Judenheit eine politische Sendung? Ja oder Nein! Ein Drittes gibt es nicht! Nicht um den leeren Wortstreit des Begriffs der Nation geht es. Nennt die Judenheit wie ihr wollt. Wer fragt darnach? Aber ob diese,! Der Sokelower Aabbl über die hebräische Literatur. Im zweiten Hefte der von der Agnda- Jugendgruppe Warschau herausgegebenen hebräischen Zeitschrift „Diglenu" richtet der Sokolower Rabbi in einem in brillantem hebräischen Stile verfaßten Schreiben ein mahnendes^Worl an die Jugend. Zuerst zeichnet er den Stanbpnnkt der alten Führer, die keine höhere und keine andere Literatur der hebräischen Sprache kennen wollten, als die göttliche Literatur.' Er verweist auf die von allen Völkern gewürdigte Eigenart des jüdischen Volkes. Bon ewiger Geltung sei das Prophetenwort: „Und was Eueren Geist befällt, daß das Haus Israels sein soll wie alle änderet: Völker — das wird nie und nimmer sein!" Das war immer die Antwort unseres Volkes gegen Reformer und Neologen. Das traditionelle Judentum spann und wob sich selbst seinen Lebensfaden, wandelte seine eigenen Wege, den Weg der Heiligkeit, auf Bahnen, die von den wahren Größen und Kapazitäten unseres Volkes vorgezeichnet und ausgebant wurden. Nachdem der Sokolower Rabbi den Unterschied zwischen der Bedeutung der Literatur füralle anderen Völker und der sittlichen Macht der göttlichen Literatur der Juden klarlegt, schließt er mit folgenden Worten: „Ich beabsichtige mit meinem Artikel nicht die Hände der au diesem heiligen Werke Arbeitenden erschlaffen zu machen. Ich erkenne, liebe, junge Leute, Eure gute Absicht und das gottgefällige Merk, ich kenne und schätze die Not Eures verwundeten, blutenden Herzens, ob der von Frevlerhand entweihten Schönheit unseres Sch risttu mes: mein .Herz leidet mit dem Eurigen ob dieser Erniedrigung wegen der Schechina, die auch im Golus ist: ich kenne Eure brennende Begierde, sich in die Bresche zu werfen, für den Herrn Zewoot zu eifern, die Herzen zu erheben und zrc entflammen, um die heilige Wacht zu halten; ich weiß Euren edlen Willen und starkes Können zu schätzen, Eure treue Hingebung für das heilige Werk, das uns Allen gemeinsam ist. Wie teuer ist mir Euer Verband, der im Heiligtuni fußt. Seit jeher war es der Wünsch und die Sehnsucht niemer Seele, daß sich die Jugend organisiere, Hand in Hand mit den Aelteren gehe, auf daß wir mit vereinten Kräften die Ehre der Thora heben und sie in die frühere Würde einfetzen können! Große Hoffnungen setze ich in Euch, Blüten der Priesterschaft! Ihr sollt uns die Jugend' znrückbringen, die in jugendlicher Betörung sich verleiten ließ, aus den schlechten Brunnen der modernen Literatur zu schöpfen. Ich achte die Macht und die Wirkung einer zu schaffenden thoratreuen Literatur; sie kann ein Heilmittel sür diejenigen werden, die der Literatur der Ansgelassenheit nachhängen. Ich weiß die Kraft zu schätzen, derer wir uns bedienen könnten, als wirksames Mittel zu unserer großen und erhabenen Bestimmung. Ich will auch nichts Anderes sein, als ein Ansporn, Euch anzufeuern; Möge die Literatur in Eueren Händen zum CherubinnSchwerte werden, wie jene Pfeile in der Hand des Helden den gottgefälligen Kampf zu führen gegen die Lästerer, die, wie es die Bibel rügt, sich dreist rühmen: „Wir siegen mit der Zunge, die Sprache ist unser, wer ist uns noch Herr?!" Aber . . . irrt nicht ab von der goldenen Mittelstraße, macht ja nicht das Nebensächliche zunr Hanßtding und das Hauptsächliche zum Nebending. G. b.! Ich bin eines Sinnes mit Euch, wenn die durch Euch zu schaffende Literatur als Mittel und nicht als Zweck dienen soll. . . ." Der schöne Maamar schließt noch mit der Mahnung, auch den: halach sichen Gebiete einen Platz im „Diglenu" einzuräumen. Notizen. Die in den letzten Wochen veröffentlichte Artikelferie „Die Idee des Agudisinns" von Rechtsanwalt Tr. I. Breuer, wird auf Veranlassung der „Blätter'-Redaktion in einer Brvfchnrc im mifswnsverlage von L. Sänger Verlag, Frankfurt (Main) erschünen. Um die Höhe der Auflage bemefsen zu können, bitten wir alle Orts- und Jugendgruppen der „Blätter"-Redaktion oder der Firma L. Sänger bereits jetzt die Anzahl der gewünschten Exemplare anfzngeben. HD

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.