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Der Israelit · 1921-06-09 · Heft 23 (9.6.1921) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
62 (1921)
Issue
Heft 23 (9.6.1921)
Date
1921-06-09
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Blätter he rattsgegeben vom Gruppenverband, der Palästina-Zentrale und der Zugend-Organisation der Agudas Zisroel für Deutschland. VII.. Jahrgang 3. Ki « an 5681 i Wimmer 18 9. Io « i 1931 *9 zur Unterstützung Aufruf Mrairkfurl a. W., Amsterdam, im Stwan 568 l. es Kchulmerks t« Pntüsttna. In vielfach getrennten und zersplitterten Parteien ist Deutschlands Judenheit zerrissen. Mährend draußen sich blinder Haß gegen uns verschworen hat und sichtbar sein Haupt erhebt, fehlt uns die notwendige Einheit des Denkens und Möllens für jüdische Ziele. Und war es doch einst anders am Geburtsfest der Thora, dessen Wiederkehr wir in diesen Tagen feiern! Waren doch damals alte jüdischen Stämme in Einheit gelagert am Füße des Sinaiberges! Denn so verschiedenartig sonst auch unsere Wesensart ist, im Aufblick zur Stelle unseres Volkes, zum Heileswort, welches Gott Israel und durch es der Gesamtmenschheit gereicht, schwand jeder Individualismus. Als Inden, die sich bewußt als das Volk der Thora fühlen, könnten auch heute noch wir alle ein Gemeinsames finden, llitb zu solch Gemeinsamem sollen diese Schowuaustage uns dadurch Vierden, daß wir eine uns gemeinsam heilige Aufgabe an ihnen zu lösen versuchen. Es gilt, das Land unserer Väter zu dem Land unserer Kinder zu gestalten. Es gilt, dafür zu sorgen, daß nicht dort auf heiligem Boden eine junge Generation heranwachse in Unkenntnis des wahren Judenberufes, ein Gottesdiener zu sein. ' fpll ■ i. ■ r-v-■; '; '¥1*1.-;■* Es gilt der echt altjüdischen Erziehung der Jugend Palästinas, durch welche erst alter jvirtschaftliche Fortschritt jüdischen Wert erhält. Schon heute haben wir dort für Tausende von Knaben und Mädchen Schulen eingerichtet, an welchen durch geeignete Lehrkräfte gute Juden ml tüchtige Menschen herangezogen werden können. Keiner Partei zuliebe und keiner zuleide sind die Lehrziele dieser Schulen festgesetzt mit dem Endzweck, einem jungen Geschlecht die alte Sinaiwahrheit in Reinheit zu übergeben und es dadurch zu einem für die Wohlfahrt des Landes gedeihlichen Menschenschlag zu erziehen. Die Erhaltung und unbedingt notwendige Erweiterung dieser Schulen erfordert große materielle Opfer, deren Leistung die Ehrenaufgabe der gesamten Diaspora ist. ' Warum sind in diesen Tagen des Thorafestes die jüdischen Gemeinden Deutschlands, Hollands, der Schweiz und anderer Länder gebeten worden, durch die Spenden beim Verkauf d er M izw aus , b ei de r Th o r a, b ei Haskorats Neschomaus am Aufbau und Ausbau des Thorafonds für Erez-Jisroel mit zuarbeiten, und so wiederum der Stimme von Horebshöhe Folge zu leisten, die auch heute noch uns zum Reich von Priestern und zum heiligen Volk gestalten will. Möge jedes Land' und in jedem Land jede Gemeinde wetteifern, an dieser jüdischen Kulturarbeit mitzuwirken, sodaß wiederum das Thorafest Israels Stämme in Einheit gelagert sehe um das Sinaigesetz. Palastiimzentrale der Agudns-Irsroel. Drutsch-SoHörrdische PnMrnaoermallimg Die Sp'endenergebnisse dieser Sammlung wollen Sie bitte auf das Postscheckkonto unseres Kassierers, Herrn Siegfried Lo einenthal, Frankfurt a. M., Neue M aiuz e r st r a ß e 82, Nr. 44522, überweisen. Spenden ausweise erfolgen in den jüdischen Zeitungen. Zur Lage.*) 1. Agudas Jisroel Zum ersten Mule seit Gründung der Agnoas Jisroel hat eine Konferenz der gewählten Vertreter der einzelüen Landesorganisationen, vereinigt im Z e n t r al'r a t,• in Wien stattgefunden. In dieser Tatsache gelangt der bedeutsame Fortschritt in der Entwicklung der Bewegung zu klarem Ausdruck. Fürderhin hastet ihr nichts Provisorisches mehr an. Sie ist ein Destnitivum geworden. Der Zentralrat ist die oberste Verwaltungsbehörde der Agudas Jisroel. Nach der Kopfzahl der in den einzelnen Landesorganisationen vereinigten Mitglieder richtet sich deren Befugnis, den Zentralrat zu beschicken. Die Zusammensetzung des Zentralrats gibt somit ein Bild von dem gesamten Kräfteverhältnis innerhalb der Aguda. Die Plenarsitzung des Zentralrats in Wien hat nun für die Exekutive eine Reihe höchst wichtiger Beschlüsse gefaßt, deren wesentlichster in der Schaffung eines dem Zentralrat verantwort- *) Entnommen mit Genehmigung von L. Sänger Perlag Frankfurt a. M., dem weben erscheinenden Heft 3/4 der „Jüdischen Monatshefte". lichen, die Geschäfte führenden Ausschusses besteht, dessen Mitglieder die einzelnen Geschäftszweige unter sich verteilen. Damit ist die jeder Bewegung unendlich schädliche faktische oder rechtliche, scheinbare oder wirkliche Diktatur innerhalb der Aguda allsgeschaltet. Niemand wird künftighin, mit Fug oder Unfug, behaupten können, daß die ganze agudistische Weltorganisation im Schreine der Brllst eines Einzelnen verborgen oder geborgen sei. Es find selbständige Verantwortlichkeiten geschaffen. Eine Fülle von Kräften wird fürder benötigt. Und wo Kräfte bell ötigt werden, da entstehen und da wachsen Kräfte. Bon entscheidender Bedeutung lvird es sein, ob der geschäftsführende Ausschuß es versteht, ohne Verzug mit energischer Hand die Zügel .der Leitung cm sich zu nehmen. Seine oberste j und wichtigste Aufgabe scheint uns in der Erj Achtung einer straffen Disziplin zu liegen, j In mehr als einer Hinsicht scheinen llns! die Wiener Beschlüsse geradezu eine Kraftj 'p robe für die ganze Bewegung zu bedeuten. Den Landesorganifationell und damit den einzelj neu Mitgliedern werden nicht unerhebliche Geld-! opifer angesonnen. Die Landesorganisationen , werden den Ortsgruppen ins Bewußtsein zli ' bringen haben, daß eine Weltorganisation Geld ( kostet, und daß eine Ortsgruppe, die sich in finanzieller Hinsicht ihrer Pflichten nicht bewllßt ist, : vor dem Prüfstein der Gesamtheit schlechterdings nicht bestehen kanll. Mit unnachsichtlscher Strenge wird die lleue Leitung eine Gesundung der Finanzen zu erstreben haben. Selbst auf die Gefahr hin, daß sie hie und da nochmals von vorn beginnen müßte. Die finanzielle Disziplin hat aber die geistige Disziplin zu selbstverställdlicher Voraussetzung. Auch hierin hat die Meller Tagung Erhebliches geleistet. Die furchtbare Gefahr der Gegenlvart ist in Men deutlich erkannt worden. Der zionistische Ansturm gegen die Bollwerke des Judentums im Osten, die zionistischen Attelltate in Erez Jisroel haben die Verteidiger aufgerüttelt. Mit natur gesetzlich er Notwendigkeit mußte die Erkenntnis sich durchsetzen, daß die Gegenwart .Halbheiten nicht mehr duldet. Das ^Frankfurter Prinzip" von der Souveränität der Orthodoxie, die kein Kompronliß mit der Neologie oder mit den: Zionismus duldet, hat langst aufgehört, eine Frankfurter Eigenbrödelei zu fein. Das ..Frank furtcr Prinzip" wird gegenwärtig voll dem östlichen Flügel der Aguda womöglich mit noch größerer Folgerichtigkeit vertreten. Die Wahr heit hat gesiegt. — Mit der reineli Ab io ehr wird aber die Bewegung sich llicht begnügen können. Die Auseinandersetzung mit denk zivnistischen Nationalismus muß in positivem Sinne erfolgen. Wie

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