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Der Israelit · 1921-05-26 · Heft 21 (26.5.1921) · page 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
62 (1921)
Issue
Heft 21 (26.5.1921)
Date
1921-05-26
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Feuilleton-Vellage zu Ar. 21 des „Zsraelil". Von Cordowa nach Marien. Historischer Roman aus dem 10. Jahrhundert. (Fortsetzung.) X. Mit dem Weggange Menachem den Saruks verlor Hadassa ihren einzigen Freund und Vertrauten. Und der Gedanke, daß er um ihretwegen gehen mußte, quälte sie sehr und unaufhörlich. Zwei Männer waren um ihretwillen in die Ferne gegangen. Während aber Jzchaks kühne Tat sie mit stolzer Freude erfüllte, schmerzte sie Menachems Weggang unsäglich. Menachem opferte sich ohne Grund, ohne Hoffnung, und sein Schicksal war von ihr verschuldet. Das lastete zentnerschwer auf ihrer Seele. Hätte der Vater nur Zeit gelassen, sie hätte ihn vielleicht aufgeklärt, geveichtet . . . nein, das vielleicht nicht, Jzchaks wegen . . . Aber sicherlich hätte sie alle Schuld auf sich genommen und Menachem vor dem harten Loos der Verbannung geschützt. So aber ließ ihr der Vatex gar keme Zeit, sie selbst wurde gar nicht angehört. Und wle sie zur Besinnung gekommen war, hatte der treue Lehrer schon die Strafe auf sich genommen.- Monate vergingen. Reisende aus Fez brachten Kunde von Menachem. Er sei, nachdem er in seiner Vaterstadt Tortosa auf Haß und Mißtrauen gestoßen war, dorthin geflüchtet und mit Liebe ausgenommen worden. Dort traf er auch mit Eload dem Daniten, der auf seinen weiteren Weltreisen gerade in Fez weilte, zusammen. Dieser wollte Menachem mit nach Jerusalem nehmen. Doch habe es Menachem vorgezogen, in Fez zu bleiben und dort die Entwicklung der Dinge im nicht allzufernen Cordowa abzuwarten. Man wußte auch von einem Briese, einem Rechtfertigungsschreiben Menachems an den Nassi zu sprechen, doch hatte außer dem Nassi, der oresen Brief erhalten hatte, keiner Kenntnis von dessen Inhalt. Dunasch ben Labrat erzählte wohl in seinem Kreise von bitteren Vorhaltungen, die im Briefe Menachems enthalten wären, ja von Drohungen, als Rache für die Ausstoßung, ins Lager der Karäer überzugehen ... Er hielt es ja nicht umsonst alle Zeit mit Eldad dem Daniten . . . Uno dieser . . . Aber das waren alles nur Vermutungen. Und wer die gehässige Art Dunasch', von se.nen Feinden zu reden, kannte, schenkte all den Gerüchten keinen Glauben. Ueberhaupt war Dunasch ben Labrat nicht auf dre Rechnung gekommen, die er sich beim Weggang Menacyems gestellt hatte. So sehr er sich bemühte, nunmehr auch die Stelle seines Rwalen auszusüllen, gelang es ihm doch nicht, sich mehr in ore Gunst des Nassi etnzuschmeicheln. Er Halle im Gegenreil die schmerzliche Empfindung, daß er, je mehr er Menachem entbehrlich zu machen suchte, in den Augen seines Herrn an Achiung verlor. Daraus zog den größten Nutzen Hadaffa, da damit auch Vaters Interesse für den Lieblingsplan Dunasch', sie mit dem Fürstensohn aus Bagdad zu vermählen, merklich abnahm. Auch von anderer Seile hatte sie jetzt Ruhe. Chasdat eben Schaprut war jetzt von den Regierungsgeschäften so sehr in Anspruch genommen, daß ihm für die eigenen Angelegenheiten kaum Zeit und Sinn übrig blieben. In Italien gingen große Dinge vor, die in den spanischen Landen, auch in Cordowa, nicht unbeachtet bleiben durften. O t t o I. wurde in Rom vom Papst zum Kaiser von Deutschland feierlich gekrönt, nachdem er aus den Kämpfen mit den Böhmen, den Slawen und Ungarn wie mit den sich gegen ihn empörenden deutschen Herzögen siegreich hervorgegangen war. Er war als „König der Langobarden", nach Italien gekommen, um der Witwe des Königs Lothars von Italien, Adelheid von Burgund, in ihrem Kampfe um das Kronerbe beizustehen und hatte die ganze Geistlichkeit dermaßen für sich gewonnen, daß sie ihm die Kaiserkrone aufs Haupt setzte. Die Vereinigung des deutschen Kaisers mit Rom ließ aber deren baldige Verbindung mit den christlichen Staaten Nordspaniens, wo als sehnsüchtigstes Ziel galt, Cordowa den Mauren zu entreißen und es dem Christentum zurückzugewtnnen, mehr als natürlich erscheinen. Diese Staatssorgen raubten Abdul Rhaman und seinem ersten Ratgeber Chasdat mehr als eine Nacht die Ruhe. Die Beziehungen Abdul Rhamans zu Kaiser Otto waren ohnehin etwas gespannte, infolge einer mißglückten Botschaft nach Deutschland. Vor Jahren hatte Abdul Rhaman eine Botschaft an den Kaiser abgesandt, aus dem die Räte Ottos Mangel an Respekt vor dem Christentum herauslesen. Kaiser Otto ließ die andalusischen Gesandten fast zwei Jahre warten, ehe sie zur Audienz zugelassen wurden, was in Cordowa sehr verstimmte. Kein Wunder also, daß man im Kalifate das Wachsen der Macht Ottos mit Unruhe verfolgte. Diese Unruhe vergrößerte sich noch, als nun bekannt wurde, daß eine Gesandtschaft des Kaiser Otto sich über Nordspanien auf dem Wege nach Cordowa befand. Führer der Botschaft war der als ränkevoll und Feind des Islams bekannte Abt Johannes von Gorze. Und es war zu vermuten, daß sein Sendschreiben nicht im freundlichsten und liebenswürdigsten Tone gegen dm Islam und das Kalffat gehalten sei. Unüberlegte Handlungen, die zu einem Streite mit Deutschland und seinen Verbündeten führen könnten, mußten aber nach Lage der Dinge in der Weit vermieden werden. Und Chasdal fiel wieder die schwierige Aufgabe zu, den Inhalt der Botschaft vorher zu erraten und cs so zu fügen, daß sich aus dem Empfang der Gesandten bei voller Wahrung der Würde des Kalif keine neuen Schwierigkeiten ergaben. Chasdai fuhr den Gesandten bis an die Grenze Andalusiens entgegen, hielt sie im Jnnenlande hie und da längere Zeit auf und erfuhr mit klugem Forschersinn nicht nur den Inhalt der Botschaft, sondern gewann aus den Gefprächen auch vollen Einblick in die Lage. Als er nach Wochen mit den Boten in Cordowa ankam, konnte er seinem Kalif ein klares Bild der Dinge geben: „Was ich selbst vermutet und was ich von unseren Vertretern in Rom erfuhr, erhielt ich aus dem Munde der Gesandten auf Umwegen bestätigt. Die Sache steht für uns günstiger als wir wußten." „Wie meinst du das, Chasdat?" fragte Abdul Rhaman, dem die Fragen der Kunst und Wissenschaft viel näher lagen, als die Staatsgeschäfte. „Das Bündnis zwischen Kaiser Otto und dem Papst ist ein Geschäft aus Gegenseitigkeit, bei dem aber der eine dem andern mißtraut. Wozu bräuchie ansonst Otto gerade jetzt seine Beauftragten bis in unsere Lande zu schicken? — Der Kaiser gab dem Papst das jetzt so geheißene „Ottonische Privileg", womit er Rom als päpstlichen Besitz bestätigte. Als Gegenleistung wünscht aber der Kaiser seine Mitwirkung bet der Papstwahl." „Und die verweigert Rom?" „Nicht ganz und jedenfalls nicht offen. Zum Scheine ging der Papst darauf ein. Aber es ist bekannt, daß er hinterher mit den Griechen und Ungarn verhandelt, um dem Kaiser dieses Recht wieder zu nehmen, so daß Otto sich von den Römern sein Mttbestimmungsrecht bet der Papstwahl durch Eid sichern ließ. Der offene Konflikt zwischen Kaiser und Papst kann jeden Augenblick ausbrechen ..." „Und wie kann dieser uns berühren?" fragte der Kalif gespannt. „Nicht direkt", gab Chasdai mit der Sickerheit langer Erfahrung zurück. „Aber der Kaiser weiß, daß er bei einem Kampfe mit Rom auf das gut christliche und papfttreue Süd frankreich und Nordspanien nicht rechnen kann, so liegt ihm wohl daran, für diesen Fall diese Staaten durch uns im Schach zu halten— das dürfte auch der letzte Zweck der Gesandtschaft sein, wenn sie auch unter anderen Vorwänden und mit grovem Sendschreiben herkommt. „Haft du dieses Sendschreiben gesehen?" „Nein, aber ich kenne dessen Inhalt. Der Kaüs darf sie nicht entgegennehmen noch die Boten empfangen, solange sie im Besitze dieses Schreibens sino." „Was soll sonst geschehen?" „Sie werden zunächst einen der ihren nach einem anderen Sendschreiben ausschicken . . . Es wird wohl ein Jahr darauf gehen. Schadet nicht, Otto ließ ja uiffere Boten noch länger warten." Der Kalif nickte zufrieden: „Ich wußte, die Sache ruhte bei dir in guten Händen" „Wlr haben", setzte Chasdai fort, „keinen Grund zu fürchten und klein nachzugeben. Wir können im Gegenteil auch über das Schreiben hinaus unsere Forderungen stellen." Der Kalif reichte lachend Chasdai die Hand. „Ich kenne deine Forderungen, wirft wieder bei dem Geschäfte erwas für deine dortigen Glaubensgenossen herausholen wollen. Mags nun sein. Du hast ja in allem freie Hand-" Darin hatte sich Abdul Rhaman nicht getäuscht. Chasdat hatte nämlich bet seinen unverbind- Uchen Gesprächen mit den Gesandten Ottos in Erfahrung gebracht, daß die Juden im deutschen Karserreich unter dem Schutze Ottos tm Ganzen über unmenschliche Behandlung nicht zu klagen hattenals Eigentum des Reiches hatten sie an Kaiser eine Kopfsteuer zu zahlen, konnten aber als solches auch an Andere, an Fürsten und Bischöfe verliehen oder verkauft werben. Er erfuhr auch ferner, daß unter den Gefangenen, die Ottos Heere vom letzten Feldzuge mitgebracht hatten, sich auch Juden aus verschiedenen Ländern befanden, welche alle im Schlösse des Erzbistums zu Magdeburg festgehairen waren. Me erstaunt waren nun die Boten, als ihnen tm Lause der von Chasdai geführten Verhandlung dieser gradeaus eröffnete, er erbitte sich als erste Gunftbezeugung Ottos für den Kalif, Milderung des LeHnsystems, wie es bisher für die Juden Deutschlands galt und dann Befreiung der in Magdeburg sestgehaltenen fremden Juoen, die am Kriege gegen Otto nicht tellgenommen hatten, und ihre Entlassung nach ihren Heimatländern mittels ausgestellter Freibriefe und Empfehlungsschreiben. Johannes von Gorze, der Führer der Botschaft, ein behäbiger Alter mit vollem, glatten Gesichte und klugen Augen, die sich zu hell und westlich vom schwarzen langen Getstlichenkleide abhoben, stutzte einen Augenblick. „Welches Interesse kann das islamitische

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