Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 62 (1921)
- Issue
- Heft 18 (5.5.1921)
- Date
- 1921-05-05
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
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Blätter Hera u s g e^g eben o o m Gruppenverband, der Palästina-Zentrale und der Zugend-Organisation der Agudas Jisroel für Deutschland. MMMer lo ilrti 1921 fsssz VII.: Iayrgaug sses 28. Wij; a n 5681 Das zionistische Scho der Wiener ZentralratSsihung. Nach den bisherigen Erfahrungen über die Objektivität zionistischer Berichterstattung in Agudaanglelegenheiten waren wir eigentlich nicht erstaunt, baß hie gesamte zionistische und misrachistische Presse gegen die Zentralratssitzung in Wien einen Perleuindungsfeldzug eröfsnete, oerallen Grundsätzen jüdischer und journalistischer Moral Hohn spricht. Was uns aber in Erstaunen setzt, ist die niedrige Einschätzung der Urteilsfähigkeit ihres Leserkreises, welche die genannte Presse durch ihre Berichterstattung verrät. Sie glaubt in der Tat ein Lesepublikum zu haben, welches so naiv ist, offizielle Berichte der Agudaleitung alZ nicht vorhanden zu betrachten und .statt dessen sich Schauermärchen von einem „strengreligiösen" Uitbeftmuteu ausbinden zu lassen. ' Dieser „strengreligiöse Teilnehmer der Konferenz" hat zünächst die „Wiener Morgenzeitung" mit seinen Enthüllungen beehrt, welche dann .die „Jüdische Rundschau" getreulich abdruckt. Ein Charakterbild, dieses anonymen religiösen Mitarbeiters der „Morgenzeitnng" $u zeichnen, ist wegen seiner Anonymität nicht ganz leicht. Eines aber läßt sich wohl mit ziemlicher Sicherheit feststellen, nämlich, was er nicht ist. Zur deutschen und slovakifchen Orthodoxie kann er wohl nicht gehören, da diese von ihm als „fromme Asfimilanten" abgetan werden, für „die kern Mittel zu schlecht ist, um die nationalen Regungen im Judentum zu bekämpfen". Irgendwelche innere Beziehungen zu der galizischen oder polnischen Orthodoxie kann er auch nicht haben, da er sonst nicht die Stirne haben tön nie, den Antizionismus der Chassidim-Rebbeim nrit einem „selbstischen Motiv hinter religiöser Larve" zu begründen oder aber wie der Warschauer- „Misrachi" sich ausdrückt, die Gdaule Jisroel als „Bolksverrüter" zu bezeichnen. Es muß. also dieser nicht deutsche, nicht tschecho-slovakische,. nicht polnische, nicht galizische angebliche Teilnehmer an der Zenträlratssitzung, wie die Wiener Morgenzeitung" bemerkt, Furcht gehabt haben, die eigene Position zu ruinieren und schwieg daher bei denjenigen Beschlüssen der Konferenz, ivelche ihm unheilvoll erschienen. Nachher aber erwachte sein Gewissen, und er holte seine versäumte Opposition in. einer Zuschrift in der „Wiener Mörgenzeitung" nach. Dieses ist die Quelle aller zionistischen und misrachistischen Informationen über die Wiener Agudakonferenz. Die misrachiftische „Jüdische Presse" beruft sich schon aus ein „Korrespondenzbüro, das im allgemeinen ausgezeichnet. informiert" ist. Diesmal scheint die Information des Korrespondenzbüros eine Ausnahme von der Regel zu machen, da sie van jenem Anonymus ausgegängen ist, der 'seinerseits entweder sich einen etwas verspäteten, nnangebrachten Purimscherz erlaubt hat, um die zionistische Presse hineinzulegen, oder aber bewußt die Wahrheit g e f ä I s ch t h a t. Bo rläufig zweifeln wir an der Existenz des Anonymus, denn alle seine Mitteldingen trageil so sehr den Stempel des Outsiders an sich, saß er in der Tat schwerlich in den Reihen der Aguoa zu suchen sein dürfte. Die „Jüdische Preise" in Berlin, welche nicht abwarten tonnte, bis unser Bericht veröffentlicht war, erbittet eine Aeußerung zu dem Bericht ihres Korrespondenzbüros durch uns. Dieser Bitte sei stattgegeben: 1. Der größte Teil der Sitzungen fand ohne Ans schlug der Oefsentlichteit statt. Die von uns wiedergegebenen Berichte enthalten auch den Inhalt derjenigen Sitzungen, welche unter Ausschluß der Oefsentlichteit stattfanden, da die Leitung aus dem Standpunkt steht, daß fein Wort das gesprochen wurde, das Licht der Oessentlichteit zu scheuen habe. Die Fertigstellung des Protokolls im einzelnen ist zwar noch nicht beendet, doch dürsten die bereits veröffentlichten Beschlüsse das wesentliche desselben enthalten. 2. Dle „Jüdische Presse" nteibet einen Finanzbericht, nach welchem infolge einer schweren slnanzieNen Krisis der Agudas Jisroel es unmöglich gewesen sei, irgendwelche praktische Arbeit in Erez-Jisroel zu unternehmen, da große Summen für ÖrganisaltonSzwecke benötigt werden. Zutreffend ist hierbei die Tatsache, daß AgudaS Jisroel bei der Fülle ihrer Aufgaben auch einer Fülle finanzieller Mittel bedarf. Sie befindet sich hier wohl in guter Gesellschaft mit anderen Organisationen, z. B. der zionistischen resp. misrachistischen. Das, was die Agudas Jisroel hierin von andern Organisationen unterscheidet ist nur folgender Umstand: sie verwendet ihre Mittel in erster Linie für ihre sachlichen Zwecke sowohl im Golus wie. in Erez-Jisroel und denkt in letzter Linie daran, einen Apparat von Beamten, Sekretären, Organisatoren nnö dergleichen zu engagieren. Für eigentliche Or-, ganisationszwecke und Propagandasonds hat sie ihre Mittel am allenvenigsten gebraucht. Ihre praktische Palästinaarbeit bestand freilich nicht darin, daß sie einen oder mehrere ihrer Vertreter von London nach Jerusalem und von dorr nach Genf entsandte, daß sie Parteisekretäre und andere Beamte in Palästina zu Autofahrterl vcranlaßte und dergleichen mehr. Die Gelder, die ihr für Paläftinaarbeit zur Verfügung standen, hat sie vielmehr dazu gebrauchtnm im verflossenen 'Jahre etwas über 700 Einwanderern die Möglichkeit zu verschaffen nach Palästina nberzusiedeln, Nvr sich dort zu ernähren, und urir gemeinsam mit bem Pekidim die Schulen für etiva 1000 Kinder in Jerusalem zu erhalten und zu fördern. Lie hat selbstverständlich auch bereits die Anfänge einer kolonisatorischen Bewirtschaftung Palästinas unternommen, hat aber den großen Fehler begangen, keine Reklame und kein Tamtam zu machen, sondern nur still lind sachlich zu arbeiten. Für die Reklame waren i h r die Gelder zu schade. Agudas Jisroel ist aber kein orthodoxer Zionismus, sie erstrebt die Lösung aller Gesamtausgaben im Geiste der Thora und hat darum einen großen Teil ihrer (Geldmittel für Golusausgaben gebraucht, so z.' B. 10 Kriegswaisenhäuser errichtet, Je-chiwoth wie-, der neu ansgebaut und unterstützt, Pogromopfern Hilfe gebracht, einer lernbeflisseiien Jugend die Möglichkeit gegeben, ohne materielle Sorgen sich ausschließlich dem Thorastudium hinzugeben, Konsumgenossenschaften gegründet, Emigrations arbeit geleistet und dergleichen mehr. Wir iverden noch Gelegenheit nehmen durch genaue Zahlenangaben die einzelnen Tätigkeitsgebiete der Aguda zu beleuchten. Bis dahin danken wir der „Jüdischen Presse" für ihre brüderliche Sorge um das Agudadefizit und hoffen zuversichtlich, daß der von ihr ausgehende Appell bei unseren Mitgliedern nicht üngehört verhallen wird. 3. Die „Jüdische Presse" verwechselt noch immer den Keren Hajesod und den Aufbau P a l ä st i n a s. Sie meint, die Begeisterung für den letzteren müsse unbedingt eine Förderung des ersten zu Folge haben. Die Aguda erlaubt sich anderer Meinung zu sein, und zu glauben, daß die Verwaltung des Keren Hajesod sowie seine Zielsetzung keineswegs Garantie dafür geben, daß es sich um eine jüdische und nicht um eine zionistische Einrichtung handelt. Da aber die zionistische Propaganda mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln die Sache so dar-- fteill als ob es sich um eine neutrale Einrichtung handele, so ist es wohl begreiflich, daß naive Gemüter sich in der Tat täuschen ließen. Bon solchen getäuschten A g u d t st c n in Bessarabien wurde aus der Konferenz berichtet und aus diesem Grunde nochmals mit aller Deutlichkeit der in unserer jüngsten Nummer gebrachte diesbezügliche Beschluß einstimmig gefaßt. 4. Die zionistische Organisation lvirbt in . ihren Vorbereitungen für ihren diesjährigen Kongreß dafür, daß das hohe Ziel erreicht werde und sich e i n e. M i l l i o n S ch e t e l z a h l e r als Zionisten bekennen; also sie ist selbst davon überzeugt, daß s:e günstigenfalls etiva \ha des jüdischen Volkes zu ihren Mitgliedern zählt. Alan muß noch nicht einmal Anttzivnist sein um es als eine schreiende Ungerechtigkeit zu empfinden, wenn sich dieser Bruchteil des jüdischen Volkes anmaßt das jüdische Volt zu vertreten. Solange dieses nur in Zeitungsartikeln und Broschüren geschieht, ist es zwar auch geeignet, Verwirrung in den Köpfen der Massen auznstiften: viel bedenklicher wird die Sachlage jedoch, ivenn die Mandatarmachr über Erez-Jisroel, welches eine Heimstätte für das jüdische Bott werden soll, durch Vorspiegelung falscher Tatsachen veranlaßt wurde, der zionistischen Organisation in Form der jüdischen Agentur ein Monopol einznränmen.. Die Aguda faßte daher wiederum den einstimmigen Beschluß eine solche Umbildung dieser A g e n t n r z n e r st r e b e n, d a ß R ech t e, die de r g anzeu I n den he i t geb ü h reu. nicht au s eine einzt g c P ä x - t c i bc f ch r ä n k t bleibe n. Die Anerkennung dieses demokratischen Prinzips ist auch die Voraussetzung für Verhandlungen mit der zionistischen Organisation. Wir überlassen es jedem nrteilsähigen Inden, darüber zu.entscheiden, ob diese Stellungnahme zu ß 4 des Palästinamandats „einen Verrat an der Sache des jüdischen Volkes" darstclle. Wir meinen im Gegenteil, daß alle diejenigen, welche mit uns in dem Palästinamandat einen epochalen Wendepunkt in der jüdischen Geschichte erblicken, es begrüßen müssen, wenn durch die Initiative der Aguda eine Verbesserung des Mandatentwurss in einem seiner wesentlichsten Punkte angeregt wird. -r. Die Reise des Gerrcr Rebbe nach Erez Jisroel wurde am 22. Februar in Warschau, also etiva einen Monat vor der Wiener Konferenz, beschlossen. Begleitet wurde er von einer Reihe Großindustrieller zwecks praktischer Betätigung. Auch av dieser 'Delegation nimmt die zionistische Presse, insbesondere Polens, Anstoß; die Aguda inachts nämlich immer verkehrt, schickt sie keine Delegationen nach Erez Jisroel so ist, sie assimilatorisch uttb palästinafeindlich, schickt sie aber ja Delegationen, so sind das nur „Spione" gleich den Kundschaftern in der Wüste