Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1921-05-05 · Heft 18 (5.5.1921) · page 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
62 (1921)
Issue
Heft 18 (5.5.1921)
Date
1921-05-05
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2450138-2450155--68905-2526057
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Sette 8 Nr. 18 Der JSraeltt. S. Mai 1«R Nationen dazwischen. Hausen und den Weg ungangbar machen. Sie erzählten mir weiter, daß der Name des regierenden Königs Joseph lautet und daß viele Schiffe von dort nach Konstanttnopel gelangen, voll beladen mit Fischen, Fellen und anderen Waren aller Art. Sie berichteten noch, in welch' hoher Ehre und Achtung die Chasaren überall stehen und wie sehr sie infolge ihrer Kraft und starken Heeresmacht von all den Feinden ringsum gefürchtet sind.-" „Wie ich all dieses hörte, rüsteie ich mich mit Kraft und es wurden stark meine Hände und es stieg meine Hoffnung und ich bück'e mich mit einem Lob. und Dankgebete vor dem Gotte -es Himmels. Dann sah ich überallhin nach einem Boten aus, der unsere Kunde dorthin überbringen könnte. Nach langem Warten und Suchen fand sich ein Jüngling aus unserer Mitte, namenS Jzchak, Sohn Rabbi Nathans, der den weitm gefährlichen Weg unternehmen wollte."- (Fortsetzung folgt.) pessach in Gefangenschaft. Bon S. I. Pessach in Gefangenschaft? Das „Fest der Freiheit in Unfreiheit?!" Und -och war es möglich! Feiert ja doch die jüdische Gesamtheit schon fast zwei Jahrtausende das „Fest ihrer Freiheit" in der Verbannung, fern von der Heimat und der Möglichkeit beraubt, einen praßen Teil der Mizwot zu halten. .Dann ist die Kriegs, gefangenschaft ja eigentlich nur ein Golus im Golus gewesen. Wer am eigenen Leibe gespürt hat, was Berbannung, Trennung von den Lieben, von der gewohnten Heimat bedeutet, kann so recht unfern Vorfahren, die ihr Land haben verlassen müssen, nachfühlen: dieses Gefühl -es Golus, das einer in G. f. d. glücklichen Verhältnissen ausgewachsenen und lebenden Judenheit zu leicht abhanden kommt, obwohl es täglich über die Lippen kommt. Und die vielen Tausende unsrer Brüder, die nach jahrelanger Verbannung endlich nach Hause zurückkamen, und kein Haus, vielfach auch keine Familie mehr vorfanden, kehrten diese in ihre „Heimat"? Die Gefangenschaft war, nicht minder als der Frontdienst, in religiöser Hinsicht eine Zeit der Prüfungen, und der Imperativ der Pflicht gemahnte jeden gewiftenhaften Jehudi, die Zwangslage nicht auszunützen, und von den Geboren zu retten, was nur trgend zu retren war und wenn unter dem Zwang Uebertrerungen nötig waren, auch dies nur d'öp db6 zu tun, um sich zu erhalten für die Zeit, wo es wieder möglich würde, alle Mizwot zu halten. Große Schwierigkeiten bereitete jedesmal der Peffach, doch Pessach wurde von keinem Gewissenhaften gering genommen, selbst wenn es acht Hungersmge waren, für solche z. B., die irgendwo in den Tiefen Sibirien-, seitwärts von der Eisenbahnstrecke bei einem Bauern oder in den Bergen des Alat Gebirges oder an der Murman. strecke arbeiteten, fern von jeder jüdischen Gemeinde, aber auch für die in den Lagern Lebenden im ersten Jahre (ISIS), als infolge der damals noch fehlenden Kontrolle -er Lager durch das Rote Kreuz noch ungeordnete Verhälintsso bestanden. Auch fehlte damals noch vielfach die Verbindung mit jüdischen Gemeinden, weiche sehr oft erst durch die Initiative der Gefangenen selbst hergestellt wurde. In den folgenden Jahren wurden die technischen Vorbereitungen für Pessach leichter, aber die Lebensmittel stetig knapper und teurer. Die Vorbereitungen erstreckten sich vom Größten, nämlich den Mazzot, bis zum Kleinsten hin, wie das Herstellen von Mesiern und Gabeln auS Eisen im Lager oder sogar neuer Schüsseln aus Weiß- oder Schwarzblech durch jüdische Handwerker im Lager. 1916 in Dairin an der mandschurischen Grenze kamen die Mazzot erst im letzten Augenblick am Rüstetag zu Pessach von der 400 km entfernten jüdischen Gemeinde Tschira. Ich hatte in jenem Jahre bereits zu Purim heimatliche Mazzot erhalten dank der eifrigen Tätigkeit der Freien Vereinigung. Wenn man sich dann nach all den Vorbereitungen zum Seder setzte — der Moraur fehlte, allerdings nur das äußere Symbol, Wein halten wir selbst gemacht aus Rosinen — da hatte man die Genugtuung, aber mit umso größerer Kawonoh konnte man die Worte sprechen: „Dieses Jahr hier, nächstes Jahr im Lande Israels" und wenn das noch nicht, dann wenigstens „nächstes Jahr in Freiheit". Doch es vergingen mehrere Jahre, und jedes Jahr entstand die bange Frage", sollen wir unsere Pessach- Einrichtungen und Pessach-Geschirre aufheben fürs nächste Mal? Diese Frage wurde oft dadurch unliebsam gelöst, daß man im nächsten Jahre sich in einem ganz anderen Lager befand und hier mit allen Einrichtungen buchstäblich von vorne anfangen mußte. Hier war kein Küchenraum zur Verfügung, und in einer Erdhöhle wurde ein Ofen aus Schwarzblech ausgestellt, dort wieder wurde für kleinere Gruppen im Feuerungkloch der Zimmeröfen gekocht. Der interessanteste Peffach war ber vom Jahre 1918. Wir befanden uns damals in einem Lager direkt bei (ö km entfernt) Tschita, der Hauptstadt des östlich des Baikalsees gelegenen Gouvernement TranSbaikalten. Ebenso wie bet unserer künftigen Geula ein halbes Jahr vor derselben bereits die Knechtschaft aushören wird, so befanden wir uns damals Peffach 1618 in einer solchen Zwischenzeit. Der Brest-LitowSker Friede zwischen Deutschland und Sowjetrutzland war bereits abgeschlossen, infolgedessen hob die russische Regierung die Bewachung der Lager auf und wir konnten uns frei innerhalb des Weichbildes der Stadt bewegen Und warteten nur, unser Bündel geschnürt und unsere Lenden gegürtet, auf die Zeit, wo der Austausch beginnen sollte. Schon um Purim begannen die Vorbereitungen: Sie begannen mit einem Kompelenzstreit zwischen zwei im Lager bestehenden jüdischen Vereinen. Es bestand im Lager ein jüdischer Hilfsoerein. dem alle Juden angehörten, und der die soziale Hilssttitigkett ausübre, außerdem noch eine zionistische Gruppe und unser Synagogen-Berein, der tägl-ch Gottesdienste in einem kleinen Raum (mit einer von Tschita zur Verfügung gestellten Sefer Thora) und tägliche Schiurim (über. Haupt alle religiöten Angelegenheiten' einschließlich der Bestattung) unterhielt. — (In Dauria waren Hilfstätigkeit und religiöse Angelegenheiten in einem Verein vereinigt -mit einem Gesetzestreüen als Vorsitzenden und gesetzestreuer Mehrheit, da die Initiative von unserer Sette ausgegangen war.) — Es gelang nun in Tschita den HilfSverein zu überzeugen, daß er die Leitung und Durchführung der Pkffach-Angelegenheiten und die Vertretung derselben gegenüber den russischen Behörden unserm Synagogenverein, dessen Vorstand noch andere Herren kooptierte, überlassen müsse, da es sich bei der Einrichtung einer besonderen Peffachküche nicht darum handle, acht Tage besser zu leben, auch nicht um eine nationale Demonstration, sondern um eine jüdische Angelegenheit, bei der äußerste Gewissenhaftigkeit nach dem 'sllp nötig sei und daß die Gewähr hierfür nur in einer ge. setzestreuen Leitung liege, damit nicht Fälle möglich würden, wie sie in einem anderen Lager vorkamen, daß gerade diejenigen, denen am Peffach gelegen war, nichts essen konnten. Dort hatte nämlich einer der wen'gen GesetzeSireuen einen ganzen Tag in einem großen Kafernenkeffel gestanden und denselben im Schweiße seines Angesichts gescheuert und dann gekaschert, um dann am I. Tag Peffach wahrzunehmen, wie der Koch dem Goulasch — Butter zusetzte! Die Verhandlungen mit der Tschitaer Gemeinde führten zu einem befriedigenden Resultat nur dank der tatkräftigen Hilfe des ehrwürdigen thoragelehrten Tschitaer Rabbiners Tewin (der sich für und gegenüber den Gemetndegewaltigen einsetzte) uns aber eindring, lichst bat, dahin zu wirken, daß nur solche von den Vergünstigungen Gebrauch machten, denen der Pessach GewissenSsache fei. — (Gab eS doch manche, die in den Lagerlisten als „religionslos" sich eintragen ließen, und sich nur vor Pessach daran erinnerten, daß sie Juden seien.) — Die Gemeinde versprach, unS die Mazzot — 0‘/a Pfund pro Kopf, 1 russisches Pfund hat 400 g — gratis zu überlassen, im übrigen zu ermöglichen, Lebensmittel, Kartoffeln, Fische, Koscherfleisch, Zutaten zu billigeren Prisen einzukaufen und spende e ein gewisses Quantum von Lebensmitteln, damit auch solche an der Peffachküche teilnehmen könnten, die den Beitrag nicht aufbringen könnten. (Schluß folgt.) Personalien. Mainstockheirrr, 27. April. Unsere Gemeinde hat einen schweren Vertust durch den schon am "2 TW erfolgten Heimgang des Nathan Nutz bäum erlitten.. Allüberall wo es galt, einem betzustehen oder positiv für das Judentum einzutreten, war der Verblichene, der ein Alter von nur 58 Jahren erreicht hat, in erster Linie auf dem Plan. Herr Rabbiner Dr. Hanover aus Würzburg schilderte den Dahingeschtedenen in markanten Worten und gab dem Schmerze der betroffenen Familie beredten Ausdruck. Möge '"n der schwergeprüften Gattin in ihren Kindern wahren Trost erblühen lassen. ,T25ttn Viernheim (Hessen), 28. April? Adolf GernSheim er hat am ,-vo T, kaum 83 jährig, das Zeitliche gesegnet. Wer ihn kannte, weiß," was wir alle an ihm besessen, was wir alle an ihm verloren. Cin edel und redlich denkender Mensch, auS einem altehrwürdigen, frommen Hause stammend, verstand er eS von frühester Jugend an, alle, die ihm näher getreten, für sich zu gewinnen. Sie alle werden dem ehrlichen braven Menschen, der bis noch vor wenigen Tagen mit dem stillen Mute ber Entsagung, den nur jwv Q*ci? gibt, sein Geschick getragen, ehrendes Andenken bewahren. Die große Tr aueroersammlung gab Beweis, welchen großen Wohltäter und liebevollen Menschen wir zu Grabe getragen. Herr Lehrer Loew ließ noch einmal das Lebensbild des Verstorbenen ln kurzen Worten an uns vorüberziehen. n"2«n. Merzig a. d. Saar, 3. Mat. Herr Lehrer Isaak Tannenberg, der sich in allen Kreisen der Bevvlkerung großen Ansehens und großer Beliebtheit erfreut, feierte am 1. April sein 25jährige-S Jubiläum als Lehrer der hiesigen jüdischen Gemeinde. Würzburg, 2. Mai. Mit der preußischen Rote, kreuzmedatlle 3. Klaffe, wurde Herr Lehrer Hermann Rosenbaum ausgezeichnet. Derselbe erhielt schon früher daS Bayerisch« Lndwig-Kreüz. Gersfeld, S. April. Nach mehr als V0 jähriger Amtstätigkeit, von denen 43 auf die hiesige Kultusgemeinde entfallen,, tritt der Lehrer der hiesigen israelitischen Gemeinde, Aron Rotz mann, trotz kistperlicher und geistiger Rüstigkeit am 1. April aus Grund des neuen PenfionsgesetzeS 1u den Ruhestand. Durch stets gewissenhafte Ausübung all seiner dienstlichen Obliegenheiten in Schule und Gotteshaus hat er sich die Wertschätzung sämtlicher Ortsbewohner und seiner Vorletzten zu erwerben und zu erhalten verstanden. Bresla«, 83. April. Gem?tnderabbiner Tr. Hoffmann, der, wie bereits berichtet, als Nachfolger des unlängst verstorbenen Dr. gtosenthal zum ersten Rabbiner an die Alte Synagoge berufen worden ist, wurde am Mittwoch in gemeinsamer Sitzung vom Gemeindevorstand und Repräsentantenverslumnlung in sein neues Amt ein ge führt. Seitens des Gemeindevorstandes begrüßte besten Vorsitzender, Rentner Eduard Sachs den neuen Seelsorger. Ms der Amtsvorgänger des Herrn Rabbiner Ta:. Hoffman n in den Ruhestand getreten sei, habe man sich an ihn gewandt mit der Bitte, selber einen Nachfolger Voranschlägen und auf Herrn T-r. Rol enthüls Vorschlag sei dann Rabbiner T-r. Hoffmanns Wahl einstimmig erfolgt. Ten Willkommengruß der Repräsentanten« versammlung entbot dessen Vorsitzender, Professor Tr. Woch lauer, und sprach den Wunsch aus, daß es dem Berufenen vergönnt sein möge, sich bald die Herzen aller Gemeindemitglieder zu erwerben. Nachdem noch Gemeinderabbiner Tr. Do g elstein von der Großen Synagoge gesprochen hatte, dankte Gemeinderabbiner Tr. Hosfmann in bewegten Worten für seine Wahl und für die ihm zuteil gewordene ehrenvolle Begrüßung und legte dann in großen Umrissen einige der Richtlinien dar, nach dem'» cr sein Amt zu führen gedenke. Am Vorabende zum Pessachfeste wurde Gemeinderabbiner Tr. Hoffmann feierlich in die bis auf den letzten Platz dicht l csetzte,,Alte Synagoge", die Stätte seines Wirkens, cingeführt und von Justizrat Dr. Hirschb erg namens der Gemeindebehörden, sowie von Rabbiner Tr. Simons o h it als Amtsbruder begrüßt. In einer Ansprache antwortete Gemeinderabbiner Tr. Hofsrüann. Mit Chorgesang nahm die Feierihren Anfang und ihr Ende. Paris, 20. April. Joles Reinach ist im Alter von 68 Jahren gestorben. Reinach wurde 1856 in Paris geboren und gehörte der bekannten Familie Reinach an, welche von Frankfurt a. M. nach Paris etngewanderi war. In frühen Jahren wandte sich Reinach der Politik zu und wurde einer der eifrigsten Anhänger Gambettas, der ihn auch zu seinem KabinettSchef ernannte. ReinachS Politik war sters durch die Gegnerschaft gegen die Richtung BoulangerS gekennzeichnet, der er auch als Publizist unentwegt Ausdruck verlieh. Er wurde wiederholt alS Deputierter in die Kammer gewählt und hat eine Reihe historischer, literarischer und politischer Werke herausgegeben. Er war einer der ersten Vorkämpfer für DreyfuS' Unschuld und die Geschichte diese» Prozesses, welcher er sechs Bände widmete, hat in ihm einen Historiker gefunden. Reinach war der Bruder deS bekannten Gelehrten Galomon Reinach, dessen Tätigkeit im Präsidium der Xliiance wraLlite DniverseNs und dessen radikalassimilatorische Denkart allgemein bekannt ist. Auch Josef Reinach hat sich viel mit dem Judentum in gleichem Sinne beschäftigt. BBmmmMmmmmmaBBBmBBSBBmegmmmmQmmMmmmm Vermischtes. Berlin, 27. Aprll. Für die nach Berlin zum Kanrorentag kommenden Teilnehmer ist eine AuSkunstSstelle bet Herrn Kantor Alfred Jaeoby Eharlottenburg 2 Schillerstratze 106 eingerichtet. Dorthin sind baldigst die Anmeldungen zur Teilnahme zu richten. Sämtliche Berliner Kantoren haben sich zu einem Vorder ettungSauS schuß zusammengeschlossen, um die Tagung zu einer bedeutungsvollen Kundgebung im Interesse deS jüdischen Kultusbeamtenstandes zu gestatten. Es wird nach Möglichkeit für Freiguartiere gesorgt, sofern die rechtzeitige Anmeldung der Teilnehmer erfolgt. Hannover, 30. April. Der Israelitische tzrauenveretn zu Hannover hielt feine Tagung am Dienstag, den 3 Mai, vormittags 11 Uhr, in den Räumen der Zionloge, Brühlstraße 1, zwecks Gründung etneS ProvinzialverbandeS Israelitischer Frauenvereine der Provinz Hannover und angrenzender Gebiete ab. Die Tagesordnung umfaßte folgende Punkte: 1. Gründung deS Verbandes- 3. Statutenberatung', 8. Wahlen für den Vorstand und Ausschuß- 4. Berichterstattung oer Delegierten über deren BereinStäligkeit- 5. Vorschläge und Anträge. Nachmittags 4- Uhr fand im „HauS der Väter", Langelaube 3, eine öffentliche Versammlung jüdischer Frauen statt, auf der Frau Stadtverordnete Justtzrat Paula O l l e n d o r f aus Bre-lau (Vorstandsmitglied des Jüdischen Frauenbundes),' über da- Thema: „Die Aufgaben ber jüdischen Frau im Verein und Gemeinde" sprach. J n nH'iTi i M Drrrcksehlerberichtiguns Im Artikel „Peffach und der büigerltche Kalender", muß es tm letzten Absatz lauten: „waS in diesem Jahthundert (1901 biS 3(k0) nur 9 mal — anstatt S mal — vorkommt, da» nächst« Mal 1934 (*684) und 1938 (5898)."

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.