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Der Israelit · 1921-04-24 · Heft 16-17 (24.4.1921) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
62 (1921)
Issue
Heft 16-17 (24.4.1921)
Date
1921-04-24
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 Nr. Ist u. 17 jakre eine ausschließlich talmud'rsche Ausbildung, crü fiätet eignete er sich profanes Wissen an und bezog zuletzt die Universität und das Jüdische .Theologische Seminar in Breslau, wo ec 1&-5 seine Studien mit der Erlangung des Doktortitels und deS RabbtnatSdiplom abichlotz. Etwa 10 Jahre hatre er darauf den RabbtnalSsty in der Gemeinde Bielitz inne und die letzten 25 Jahre wirkte er als Dozent am J> difch-Theolog'fchiN Seminar in Breslau, wo er hauptsächlich den rt ligions-phllosophisch--n und Tolmudunterrtcht leitete. Nach dem Tode Levytz übernahm er auch drS Amt des Seminarrabbiners. Er erreichte ein Alter von 62 Jahren. Die Summe seiner literarischen Tätigkeit ist in den Jahresberichten des Seminars, wie in den Brannsche« Monatsschriften ntedergelegt. Seine wissenschaftliche Spezia'aufgabe sah er darin, alte Texte richtig zu stellen und er tM sich auf diesem Gebiete Verdienste erworben. Flieden, 17. April. Die israelitische Gemeinde beging am vergangenen Sonntag die Feier des 60jährigen Jubrläums deS Herrn S. Freudcnberger aiS Lehrer und Ciiafon der hiesigen Gemeinde durch einen Festakt in der schön geschmückten Synagoge. Mit Herrn Provinzialrabbtner Dr. Cahn, Fulva. waren die Vertreter der politischen Gemeinde und deS Lehrerkollegiums erschienen. Der Raum vermochte die große Zahl der aus Nah und Fern Herbeigeeilien Freunde nicht alle zu fasten. Etn schöner Beweis, wich' auß rordentlicher Wertschätzung sich dec Jubtla-. erfreut. Ein Kommers beschloß die Feier abends in würdiger Weise. Frankfurter Krrichte. Davids Geige. Born Indischen Theater im Lölv.nhof Bei Nennung des Jüdischen Theaters rnutz vorwcggeuommen wecoen, daß sich hier um keine Karrirawrenbühne a la „Herrnfeld" handelt, kein Varietee und Tingeltangel, sondern um ein Kunstinsticut, dein alle Attribute eines solchen zukomuien. Wer Theater a priori ablehnt, wirv auch dieses 'meiden. Wer aber von der Bühne erzlherisch.', geisrbildertde und seelenbeschwi>rgende Wirkung erwartet, wird sie auch der Jüdischen Bühne im Löwenhvf nicht absprechen können. Sie steht mit ihren bescheidenen Mitteln, verhältnismäßrg reichen Telorationcn, guten Lichteffekten und vor allem mit ihrem künstlerisch fein durchgebiloeten Ensemble unseren anderen Bühnen kaum in etwas nach. Und das ist viel. Freunde des Tialekttheaters werden aber an lies er Bühne noch ihre eigene Freude sindm, und die warmen jüdischen Töne, die hier in Wort und Lied zu Gehör kommen, werden auch von dem Juden verstanden, dem die einzelnen Worre nicht getanjig sind. Es wird gespielt Goldjaden, der Klassiker der jüdischert Bühne (Suiamit), daneben aber auch jüngere Stücke, zumeist amerikanischer Provenienz, zuweilen aber Tramen aus der W^lr.it.rad.tr. (Hamlet) Mid auch aus der jüdischen Geschichte 0,Zerstörung Jerusalems", „Tieipanische Inquisition". Ich sah „Davids Geige" (für die als Autor Joses Lateiner zeichnet) und sie schlug Saiten in meiner Brust an, die länger widerklangen, als die aus manchem modernen Strick in einem europäischen Theater. Es ist nicht die Geige, die nach Talmud um die Mitternachts stunde über dem Bette des Königs David, durch den Nordwind bewegt, von selber zu spielen begann. Tie Geige gehört David Geiger, einem armen Schlucker, dem ungeratenen Sohn,', der sich aus des Vaters Hans hinausgeigt, um das gesamte Vatergut dem Bruder R. Tuwio zu überlassen. Dieser lebt als reicher Mann in Ehren und Aemtern, David aber gerat mit Frau und Kind ins Unglück und geht, nachdem die Frau gestorben, nach Amerika, seine Tochter Taubele, hinein alten Freunde überlastend. Hier beginnt das Schicksal seine Fäden zu spinnen, die sich bald zu geheimen, fesselnden Banden verdichten. R. Tuwws einziger Sohn hat sein liebreizendes Kujinchen Taubele ins Herz geschlossen. Ter Alte tobt. Aber das Toben wird von zarten Anwandlungen unterbrochen. T-enn der sechzigjahcrge Witwer hat selbst rwch Pläne, die sich um eine junge Nichte drehen ... Ter verschollene David taucht plötzlich auf, als Bettler, als Zigeuner mit der Geige in der Hand, und wird vom reichen Bruder barsch von der Türe geiviesen. David bat aber nur Komödie gespielt. Er ist in Wahrheit ein großer Künstler und reicher Mann geworden. Ter Alte ist auch nach dieser Enthüllung noch nicht gefügig und wiil von einer ehelichen Verbindung des Sohnes mit der Tochter des Bruders nichts wissen. Erft als er, um sein gesamtes Vermögen gekommen. erlmnt, daß von allen Freunden ihn, doch der Bruder am nächsten steht, lernt er um. Das Geld kommt wieder, das verscheuchte Liebespaar auch und alles löst sich in schönstem Wohlgefallen auf. Also der Hintergrund, die Fabel. Nicht besser, tiefer und wahrer, als. hundert Tects $.i hundert anderen Schwänken und Operetten. Aber die Truppe hat Miirlieber von xsichrm Kdnnsn 'und kiinst- Äer Israelit. lerischem Hellschauen, und sie wußten doch auS mancher Rolle mehr zu machen, als der Autor vielleicht geahnt hat. Vor allem die Milieubilder. Tiefe Lieder, die;? Ch a f f i d i m tä n z e, dieses wilde Durcheinanderreden der Kastanträger, dieses urwüchsige krause Eigenlben mit seiner weichen Wehmut und Fröhlichkeit ist doch ganz was anderes, als was man von dieser Art in Theater und Kino zu sehen bekommt. Hier ist nichts Schema, nichts Karrikatur, alles ist echt und 'prüde.t frisches Leben, und wirkt daher nicht abstoßend noch verletzend. Ten Bachur, der sich, hinter der Schürze der redseligen Mama geborgen, alle Tinge von der Nähe ansieht, vergißt man nicht so leicht, so wenig wie das jüdische Landmüdchen, das '-um Aerger ihres nervösen Vaters den Finger nicht aus dem Munde tut. Tie Gestalt des Reb Jtzrg macht Herrn Nadel keiner aus einer modernen Bühne so bald nach. Auch R. Tuw-io ist gut ge'eichnet. Etwas banal und bühnentraditionelr mutere Zuerst der stets betrunkene Nannach des Herrn Ordonnanz an. Aber auch er schuf im Laufe des Spieles einen >Charakter von eigenem Gepräge. Und dann sang' er ein „Lied von den Weibern" und noch eines mit dem Refrain „Ich trink nicht mehr", so schön, so herzinnig und mit soviel Humor schon im Ton, Gebärde und Haltung, daß man ö.t Fabel als solcher schon wegen der Stichworte .'u diesen Liedern ihre ganze innere Fadenscheinigkeil verzieh. Auch die drei Damen fügten sich mit ihren Rollen in das Gesamtspiel vortrefflich ein. Wir wiederholen: Wer ein Freund der jüdischen Volkskunst und der jüdischen Volkskunde (auch dieser dient die jüdisch: Bühne) ist, wird bei einem Besuche des Jü dl scheu Theaters im Löweuhof mehr als auf seine Kosten kommen. Iaakolls Kraul». Im hiesigen Schauspielhaus gelangt zur Zeit Beer-Hosmanns geniale Dichtung: „Jaakobs Traum" zur Aufführung. Wir haben dem Kunstwerk kurz nach seinem Erscheinen eine ausführliche Besprechung gewidmet und würden heute nicht daraus zurückkommen, wenn nicht in der „Frankfurter Zeitung" Bernhard Dieb old die Gelegenheit des Beer-Hosmann'schen Werkes zu einer Kritik des — „Alten Testaments" benutzte, die an Verständnislosigkeit oder Voreingenommenheit ihresgleichen sucht. Dieb old zeigt schon durch seine Neberschrist: „Jaakobs Traum — wtib Betrug," daß es ihm nicht sowohl aus Kunstkriitk, als auf Sensation ankommt — wozu hätte er sonst der seltsamen Titelprägung bedurft! Ihr entspricht dann das Lexikon von Kraftworten wie „ergaunern" etc., mit denen die Kunstkritik geschmückt ist. Wenn Tiebolds Kritik in den Worten gipfelt: „Ich verstehe diesen Segen nicht. Ich verstehe diesen Gott llicht. Ich verstehe diesen Dichter nicht", so spricht er die Wahrheit. Herr Diebord versteht in oer Tat nicht. Das ihm offenbar mit der Muttermilch eingeimpfte Vorurteil gegen die Bibel hat dem Kritiker das Verstehen unmöglich gemacht. Ueber Rebekkas Segen-Veranstaltung ist unendlich viel geschrieben worden. Wer ' ationalistische Erklärungen liebt, wird S. R. Hitscbs überzeugende Darstellung des Vorgangs, wonach Rebekka nichts weiter wollte, als dem von Esau jahrelang getäuschten Jzchak die Binde von den Augen zu reißen und ihm zu zeigen, wie er getäuscht werden könne, als die in ihrer Einfachheit zutreffende Interpretation des biblischen Textes anerkennen müssen. Aber dies ist nicht des Dichters Auffassung, und nur mit dieser dürste es die Kritik zu tun haben. Beer-Hofmann hat sich vielmehr rnit wunderbarer Tivinationsgabe in bis esoterische Auffassung des Segen-Problems eingefühlt und von hoher Warte den innersten Sinn des biblischen Berichtes so ersaßt, wie ihn auch jüdische Erklärer verstanden haben. Ter Segen, der aus des Erzvaters Mürbe strömt, ist darnach kein Akt freibewutzter Willkür, sondern ein prophetisches Einswerden mit dem Göttlichen, dem Quell alles Segens. Und vor Jzchaks innerem Seheraugc steht als Empfänger des Segens kein anderer als Jaakobs reine Persönlichkeit, ob auch der äußere, dem Irrtum unterworkene, an der Erscheinung haftende Blick sich Jahrzehnte lang von Eooms Komödiantentum hat tauschen lassen. Ter Mummenschanz mit den Tierfellen, der äußerlich erst dem wahrsten Wollen des Erzvaters zum Sieg verhelft, sinkt zu völliger Bedeutungslosigkeit herab gegenüber der zwingenden Gewalt des Jzchak selbst übe rm a n nett S cn Gottes se ge ns für Jaakob. Das läßt der Dichter in Worten von kraftvoller Ochönheit ansspreck-'n: Oholibamah (die Achseln zuckend.: Wars nicht zum Lachen, Wie er Jaakob hielt für Edom? B a s m a t h „ . . (stark) Nerv! - (leise, aber bebend' Wenn einer baliegt Monde, Monde laug. Unmächtig fast dar Ginn», grau»nhast 91 April ISA Zurückgewandelt in ein greises Kind. Mit blauen Lippen hallend, widerlich Bon Speis' und Trank nur mehr beseligt, und Nur mehr von Notdurft widerlich gequält . . . (In steigender Erregung < Wenn der — wenn das, mit einemmale aus. Vom Lag er auf sich richtet, königlich Gestrafft die Brust, das Haupt, rüa in den Nacken Gedrängt, zu Göttern stolz hinaus, die heim Ihn suchten, nicht! mehr blind — geblendet nur Von dem, was er allein erschaut, — uid dann . . . (Erschauernd) Shamartu, du hast's nicht gehört — ein Segnen, Ein uferloses Segnen aus ihm bricht, Die Stimme fremd wird, immer wieder anders, Als schösien, irgendwo aus Tiefen, tonst Zurückgedämmte Ströme in sie ein, Und segnet, segnet ... und aus wanken Knien Liegt leichenblaß Jaakob vordem Lager —. Hier liegt der Schlüssel zu der ganze», Segen- Veranstaltung. Um sie in ihrer ganzen Tiefe zu verstehen, muß man allerdings etwas mehr Respekt vor dem Bibelwort haben, als Herr Tiebold es offenbar auszubringen vermag. Krras KatauroßMereia. Anläßlich deS Semesteranfangs w?ist der „KrtaS Hatauroh-Verein" darauf bin, daß er allen denen, die om rav dem Margknaot>eSdi-nst, fei eS durch Schulbesuch oder durch Besuch der Universttä», nicht beiwohnen können, Gelegenheit gibt, nachmittags das Leinen zu hören und dos M>nchagebet zu verrichten. Der Gottesdienst findet jeden rav rmchmsttaoS pünktlich um 8 Uhr statt. Das Lokal befindet fick Börnestraße 53 (Matnziche Synagoge). BeltttttSetklärungeu find mit genauer Angabe der Adresse, Schule, Bnrmiz« wohüdrab, heb'äiichen Namens, an William Oppenheimer, tzellnerstratze 5, H., zu richten. I»er / große" Savvat. Im Feuilleton sucht ein Anonymus nachzuwsifen, daß der Name Vn:n rotf wahrscheinlich durch die mtten und deren Scblutz entstanden sei. Ich kann nicht umhin, solcher Auffoflung entgegenzutreten. 1. Bezieht sich der »icc nicht auf Berpangenheit, was schon die ganze Erklärung bin fällig macht 2 Wird eine niBfii entsprechend der mio immer nur nach dem Anfang benannt, wie für rßW .121V rat? ■ wie etwa rctP pin, nie nach dem Schluß rc. 8. Wird diese .nivv.l in vielen Gemeinden nur gesagt wenn am n:r. 4. In Frankfurt a. M. niemals. AlS wirklicher Grund für die Benennung dürfte — außer den von vielen GeifteShero-n angenommen 127,1 fKX npe — fein, daß sie dass' lbe besagt wie z. B.: eine gro,,e Woche baden wir vor uns; in der uivr fanden wir weder den raip erwäbnt noch Vorschriften darüber, rav beißt ober bekanntlich auch Woche, wesbalb man an ihm die f'LN wi und auch o'ZN für die volkstümliche Woche bekannt gibt, sodaß berrap dadurch länger w trd alS ein gewöhnlicher nicht sa geistreicher. Man Hut von seher in Frankfurt a. M. darauf Bedacht genommen, am ^113,1 JCP den Schulbeginn deswegen früher zu legen und die Wintersaison zu schließen. Isaak M., Mainz. We«es zur Nessach-Kagaday. Ein Bortrag im „Mckor Ctzajim", Langestraße 18, am SamStag nvv'u nachmittag, verspricht auS älteren und neueren v'Nivv neue Erklärungen zur Hagadah. Der Bortrag beginnt 4'/, Uhr nachmittags. 'Ncssachprogramm der Agudas Iisroet- Iugeadgruppe. Am Pefiach finden in der AgudaS JiSroel-Jugendgruppe, H nauerlandstr. 17, folg?nde Vorträge für Herren und Damen statt. 3. Tag Pefiach, v i, Uhr, Herr Redakteur Schachnowitz: „Aus der Gedankenwelt des Pefiachfestes". 7. Tag fiach, 4'/, Uhr, Herr Emil Goldschmidt: „NesfiaS Kapajrm". Während der Gefiroh finden allabendlich % Stunden vor Nacht ^Lernvortiäge" statt. In der ersten Woche 1.—8. Mai, sprickt Herr P,of. Dr. A. Sulzbach über? >V Gr. Friedberger- Strasse 18*20 Tel. Hansa 9447

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