Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 62 (1921)
- Issue
- Heft 15 (14.4.1921)
- Date
- 1921-04-14
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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SsaaiiS Mn Lordowa nach Ehasarien. Gistsrischer Roman aus dem 10. Jahrhundert. Fortsetzung.) Immer mehr wurden die Auslastungen Dunasch über das „Machbereth" bekannt, in denen er über Saruks Art, die einzelnen Wörter auf ihren Stamm zurückzuführen, die ganze Schale seines beißenden Witzes ausschüttete. Auch Spottlieder Dunasch's über den „Dichter der Grammatik" und den „Grammatiker in der Dichtung" Menachem ben Saruk, gingen in vertrautem Kreise von Mund zu Mund. Saruk, von Natur aus stiü und bescheiden, kümmerte sich wenig um die Angriffe Dunasch' und rächte sich auf seine Weise, indem er im Kreise seiner Getreuen die von Dunasch gemachten Bemühungen, die arabische Dichtform auf das Hebräische zu übertragen, lächerlich machte und dann noch zur Abwehr bemerkte: „Macht doch die Kritiksucht dieses gereizten, überall Schatten entdeckenden Mannes selbst vor den Manen der Gaonim zu Babylon, und sogar vor R. Saadia nicht halt. Es war bekannt, daß Dunasch ben Labrat tn einer längeren kritischen Schrift den Kommenfar R. Saadias zu Thora und Jesajah abiällig behandelte und auch Auslassungen Saadias in seinem Hauptwerk „Emunoth w. Deoth" mit spöttischen Bemerkungen versah. Er hatte bei dem neuen Geist, den R. Moscheh ben Chanoch, der natürliche Sachwalter des gaonitischen Geisteslebens in Eordowa, brachte, nur noch nicht gewagt, mit diesem Werke an die große Oeffentlichkeit zu treten. Aus der engen Freundschaft Saruks zu Eldad dem Daniten suchten aber die Feinde, an deren Spitze Labrät, dem stillen Gelehrten einen Strick zu drehen. Und die Anschuldigungen gelangten sogar bts zum Palaste und zum Ohre des Nässt Chasdai. „Saruk", hielt ihm eines Tages der Nässt vor, „man sagt, du stehest immer noch in Verbindung mit dem Reisenden Eldad und verbreitetest bet jeder Gelegenheit seine Wundermärrn weiter. Welches Interesse hast du an dem Manne, seinem Tun und Reden?(* „Kein anderes als Klarheit und Wahrheit über unser? zerstreuten Brüder allenthalben zu erhalten. Der Mann der durch die Diaspora wandelt, um, ein verbindender Magnet, die Einzelteile des Volkes zu einen, verdient mehr Achtung und Vertrauen als ihm dies hier, in der größten Gemeinde Spaniens, zu teil wurde. Der Nässt möge in diesen bescheidenen Worten keinen Vorwurf erblicken." „Hast du, Saruk, nicht die mahnenden Worte Nabbk Moscheh'S gehört?" fragte der Nässt. „Ja, der Rabbi sprach von karaitischen Machenschaften, die darauf htnausgingen, die Chafaren einerseits als Anhänger der Ananpartei und andererseits als den Grundstock der „zehn Stämme Israels" hinzustellen. Was hat all dieses mit dem Mann zu tun, der aus weiter Ferne zu uns kommt, uns Grüße von unseren Brüdern überbringt und heißes Sehnen nach Erlösung und Wiedervereinigung Judas und Israels in uns weckt? Er sprach kein Wort von Karaiten und Karäertum." „Die Männer de- Lehrhauses find der Meinung, daß er all den auf die Karäer bezüglichen Fragen in verdächtiger Weise auswich. Dessenj ungeachtet ließen wir ihm nichts anmerken und « behandelten ihn gut." „Und warum macht man mir einen Vorwurf daraus, daß ich ihn noch besser behandelte?" „Man sagt, du seiest tiefer in Wesen und Art dieses Mannes eingedrungen, habest mit ihm auch über gelehrte und Glaubensfragen verhandelt, so solltest du doch am ehesten wissen, wie es sich um den gegen ihn gelenkten geheimen Verdacht in Wahrheit verhält." „Die gelehrten Dinge, die wir besprochen, betrafen samt und sonder» die Handhabung der heiligen Sprache in den verschiedenen jüdischen Gemeinden auf dem Erdenrund, wonach so sehr mein Sinn steht und danach ich meine in meinem „Machbereth" niedergelegten Theorieen nachprüfen konnte." „Weißt du, Saruk, daß diese deine Theorien vielfach angefochten werden?" „Ja, Du na sch. Aber er macht sich die Sache leicht. Denn anstelle der Forschung läßt er die ungebundene Poetik und ein gehässiges Gemüt gegen mich sprechen. Seine Gegenschrift ist, wie ich höre, an der Spitze mit einem Lobgedicht zu Ehren des Nässt versehen. So will er*sich beim Nässt gleich zu Anfang einschmeicheln und ihn gegen mich gewinnen." „Den Vorwurf der Bestechlichkeit verdiene ich von Saruk nicht", sagte der Nässt etwas gereizt, „aber du wirst, Saruk, nicht umhin können, dich gegen die kritisch sachlichen Ausführungen Dunasch's zu verteidigen." „Und wer verteidigt den toten Gaon R. Sa ad ja vor den losen Ausfällen Dunaschs?" gab Saruk gekränkt zurück.! „Die Angriffe auf R. Saadja sind mir nicht bekannt. Sollten sie wirklich zu scharf sein, so wird dem Gaon sicherlich auch ein Verteidiger erstehen, vielleicht in dir, Saruk, vielleicht auch in mir selbst. Wir wollen hier in Cordowa den freien Meinungsaustausch in allen geistigen Fragen, solange sich diese auf dem Gelrise der Ueberlieferung bewegen, in keiner Weise unterbinden. -" mm —, mm Im Garten stand Hadaffa an ber Türe der Laube, summte biblische Worte und wand mit flinker Hand Blumen. „O sage mir doch, Lieber meiner Seele: Wo weidest du, Wo ruhest du am Mittag? Was soll ich schmachten . . ." Hadaffa erblickte' ihren Lehrer Saruk und! hielt mitten im Satze aus dem Hohenliede inne. 8 „Ihr habt wich belauscht, Menachem ben I Saruk", lachte das Mädchen frohgemut „und 8 werdet mich sicher ob der grammatischen Fehler 8 beim Nachsprecheu der Verse tadeln." 8 Menachem ben Saruk vergaß aber seine 8 Grammatik, auch die anderen Sorgen und j Schmerzen, so oft er sich in der Nähe der son- 8 nigen Hadaffa wußte. Ja sonnig, dawar 8 das rechte Wort für ihr Wesen, und etwas wie Sonne wurde durch ihr Lachen und Reden auch in sein alterndes Herz geleitet. Auch jetzt waren alle Nebel, die nach der Unterredung mit dem Nässt seine Seele trübten, im Nu verflogen. „Ich habe nicht aus die Grammatik geachtet", ging er auf den Ton ein, „das tue ich in der 8 dumpfen Studierkammer. Hier hörte ich Vögel 8 singen, sah Blumen blühen und lauschte auf 8 Klänge, die aus liebendem Herzen kamen . .! „Et ei", drohte Hadaffa, „auch unser strenger Menachem auf Liebespfad mit schönen, glatten Worten? ..." „Das macht das Blühen, Zirpen und Singen", lachte Menachem. „Wollen wir doch im Hohenlieds?in wenig weiter fahren! Der Garten, die Laube, die Rosen, das alles ist wie geschaffen dazu: j „Siehe, der Winter ist vorüber, Der Regen weg und dahin- Blumen schmücken den Boden Die Zeit des Sanges ist dal Der Turteltaube Stimme durchhallt das Tand Der Feigenbaum würzt seine Frucht, Des Weinstocks junge Traube gibt Wohlgeruch." „H ütet ein, haltet ein", bat Hadaffa. „Weckt nicht die Sehnsucht, weckt nicht die Lrebe . . Auch f o ungefähr heißt es darin: „Ich beschwöre euch Jerusalems Töchter, Bei den Rehen, bet den Hindinnen der Flur, Daß ihr sie nicht weckt, Bis es ihr gefällt . . „Ich kenne den Satz" sagte Hadaffa ganz ernst „habe ihn aber n i e rechr verstanden." „Man kann ihn so und so verstehen, wie vieles Andere in diesem Liede aller Lieder", dozierte Menachem ben Saruk ganz sachlich. „Ist das Lied, wie die Tradition will, ein Symbol für'die Liebe zwischen Gott, dem Gemahle und Israel der GotteSbraut, so kann das besagen: Weckt nicht in Israels Herzen andere Liebe, solange Liebe und Wohlgefallen tn Israels Herzen — zum göttlichen Gemahle — wohnt. „A d" kann auch im Sinne von „allsolange" verstanden werden. Beweis . . . Aber da kommen wir schon wieder in die Grammatik, und diese paßt einmal nicht recht in dieses Bild des Blühens, Duftens, zum Singen der Flur.." (Fortsetzung folgt.) —'■»■ ■■■ rrmm ""ijl—W—B Ser große Schabbos. Von Heinrich Sintzäßter« Der lange Freitagabend und der große Sabbattag konnten sich nicht miteinander vertragen. Als jener im Herbste seinen Einzug hielt, da zog sich dieser schmollend zurück, und er wollte auch nicht eher wiederkommen, bis der lange Freitagabend ihm völlig das Feld geräumt hätte. Da gab es denn immer im Frühling ein Drängen und Drücken, und jeder von den Beiden suchte bei den Menschen Hilf; und Beistand. Die Menschen aber wußten nicht recht, mit wem sie es halten sollten. Die einen sprachen: „Es gibt nichts Gemütlicheres als einen langen Freitagabend." Die andern, die gerne ins Freie spazieren wollten und schönes Wetter und grüne Wiesen und Wälder liebten, entgegneten: „Ein schöner, langer Schabbos ist wahrlich auch nicht zu verachten." So hielten sich die Meinungen das Gleichgewicht. Weil es aber keinem Menschen einstel, den langen Freitagabend oder die ausgedehnten Schabbostage zu schelten, gleichviel, ob sie diese« oder jenen mehr zugeneigt waren, so lernten auch die beiden Gegner, sich gegenseitig schätzen und beschlossen, sich zu versöhnen. In einem Jahre, in dem schon sehr früh Peffach sein sollte, reichten sie sich im Nachwinter an einem Märztage die Hand. Die Menschen aber freuten sich und nannten jenen Tag — Schabbos hagodaul. Oder hat dieser Name vielleicht einen anderen Grund? Im VMenbaum. Ein Bär stand vor einem blühenden Baum. Sr betrachtete bewundernd die feinen, duftenden Gebilde und dankte dem Schöpfer, der nichts fehlen, uns auch diese herrlichen Blüten wachsen läßt. Ein JuchS, der vorbeikam, sah, wie der Bär zum Baume betend emporschaute und sprach spottend: „Schwager, du möchtest wohl mit den Bienen zum Blütenhonig hinauf"? ..ß1*1?“' antwortete der Bär, „ich bete, daß die Fruchte dereinst zu dir herunlerfallen". H. E.