Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 62 (1921)
- Issue
- Heft 13 (31.3.1921)
- Date
- 1921-03-31
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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81. SUMME auch seit Mohamed Feinde de- Islam, was sollen diese Juden mit dem Recht der Edlen, mit Gesetz und Freiheit zu tun haben?" „Nicht mehr und nicht: weniger als der jüdischeMinister in Cordowamtt diesen Dingen zu tun hat, vor dem hier RomanuS Abgesandte Hilfe und Freundschaft heischend, stehen. . (Fortsetzung folgt.) Sin Erlebnis in Safeb. Hebräisch von Hadaffa b. Mordechai. Sased, die Stadt ObergaliläaS, liegt hoch obe» auf einem Kalksteinberge, ringsherum gleich einer Heftung von Gebirgsketten eingeschlossen. Keine Eisenbahn fährt da hinauf, kein Weg ist so breit, -atz eS den Reisenden gestaltet märe, die Fahrt im Wa-en zu« rückzulegen. Wer nach Sased will und gleichzeitig einen Eindruck von dem Charakter dieser ganzen Gegend gewinne« will, muß sich sechs Stunden lang von einem Maulesel oder Pferd tragen lassen. Sased lebt wie ein Einsiedler, fernab von dem Getriebe der Städte in Judäa und Samarta, weiß nichtvon einem neu emporwachsenden Geschlecht in den Kolonien. Einsam schaut eS von seiner Höhe auf das ganze Land. Das Auge schweift von dem Karmel hinüber nach den schneebedeckten Gipfeln -eS Hermon, nach den Gebirgen jenseits des Jordan bizum Hauran und den Anfängen der judätschen Berge. ES grüßt den Merom« und Kinereth'See, den Tabor und weiter führt uns die Phantasie den Jordan entlang über Jerusalem hinweg bis zum Toten Meer. Dieses Schauen und Umfassen, dieses Jnstchauf« nehmen des ganzen Landes gibt dieser Stadt die Kraft zu stolzer Einsiedelei. Sie hielt Zwiesprache mit der Natur, sie vertiefte sich in ihre Geheimnisse, sie umgab sich mit einer Hülle von Mustik. Jeder Stein, jeder Fels erzählt uns eine Geschichte. Von Sased kommt auch der Moschtach. In Merom, der Grabstätte Rabbi Simon bar JochaiS steht sein Thron in einen FelS gehauen, dessen Spitze, alle Berge überragend, wett in den Himmel htneinretcht. Ringsherum um die Stadt liegen die Gräber der Weisen und. Großen Israels, deren Andenken noch fo lebendig im Volke ist, daß man zu ihnen geht mit allen Sorgen, mit jedem Kummer und der Gewißheit, daß diese Toten, dank ihrer Werkeihregroßen Lebens, Fürsprecher bei Gott sind, für dt« armen, lebenden Brüder. ES war im Jahre 1910 schon kurz vor Chanukah und noch immer siel kein Regen. Immer noch strahlte die Sonne, immer noch hoben sich die schwarzen, langgestreckten Bergketten scharf von dem blauen Himmel ab. Die Erde, die bereits gepflügt worden war, »artete auf Regen, daß sie den Samen empfang und Frucht gebe zur rechten Zeit. Die Quellen, die um diese Zeit fröhlich plätschernd dahtnsprudelten, rieselten langsam und träge tief drinnen im Herzen der Berge. Und das Wasier in den Zisternen ging zur Neige. Montag und Donnerstag, die Fasttage der Woche, die nur noch von den Allerfrömmsten gehalten wurden, sie galten jetzt für die ganze Gemeinde in Sased. Und Tag für Tag wurde Tehillim gesagt. Der Regen fiel nicht. Die Wasserbehälter waren leer, bis auf einige ganz große, die tüchtigen HauSverwalterinnen gehörten, die auch zur Zeit der Fülle sparsam mit diesem kostbaren Naß umgegangen waren. Schon lange hatte . man die großen Abwaschungen von Hau» und Hof, die in jedem Haufe an jedem Freitag vorgenommen wurden, einstellen müssen Und der Schrei nach Wasier erschallte im ganzen Lande. Von überall brachte man die Kunde, baß die Menschen und die Natur nach Regen lechzten und vergehen müßten, wenn Gott sich nicht erbarme. Und eS war wieder an einem Donnerstag. Tief betrübt wanderten Scharen von Männern, Frauen und Kindern am frühen Morgen in die Synagoge. Vergebens hatte man nach den Kuppen der Berge geschaut, kein Wölkchen wollte sich etnhüllen. Da hörte man plötzlich den Pauker in der Straße, die „KleSmer" und dazwischen die durchdringende Stimme eines arabischen Ausrufers. Alles stürzte auf die Dächer, guckte hinunter auf die Straße. ES war ein Magistratsbeamter, der einen Befehl vom Kaimakam auSrief: „Alle sollten sofort die Läden schließen, hinaufziehen zu den Gräbern und um Regen bitten. Ein Fasttag sei -er heutige Tag für alle". Und dieses rufend, zog der Mann, begleitet von dem Pauker und den „KleSmern", durch die ganze Stadt. . Alsbald schloffen sich alle Läden, man zag sich SchabboSkleider an und ptlgerte zu dem Grabe SemS und Ewers, der Söhne Noahs. Diese Stätte gehört den Arabern, liegt inmitten des arabischen Friedhofes neben einer Moschee. Kein Andersgläubiger darf sie betreten, auch die Araber nur in ganz außergewöhnlichen Fällen. Für die Juden war sie das letztem«! vor sieben Jahren geöffnet, als Menschen, Tiere und Felder nach Regen schmachteten und umzukommen drohten, so wie an dem heutigen Tage. Scharen von Männern, Frauen und Kindern zogen durch die engen Gaffen bergauf, bergab. Greise und ganz alte gebückte Frauen scheuten sich nicht, den schmalen, felsigen Weg zum arabischen Friedhöfe htnaufzuktetter». Alle zogen sie die Schuhe au-, zwängten sich durch die kleine Pfirtr in da» Innere de» GraS- S»W-l»«S. M« ohrenbetäudendrS, filrchtrrttchrS G«h«ul Der AvraeSt. schlug unS entgegen. Gestalten konnten wir kaum erkennen, fo dunkel war eS. In der Mitte sahen wir nur etwa» Lange», Hagere», da» sich hin und her bewegte, mit lauter Stimme ein paar Worte rief, und um ihn herum zappelnde, kleine Gestalten, die ihm mit schreiender Stimme antworteten. SS war dieses eine arabische Knabenschule mit ihrem Lehrer. Uns Juden wurde bedeutet, weiterzugehen, hinab« zusteigen zu den eigentlichen Gräbern. Und kein Araber durfte zu dieser Stätte folgen. Un» Juden schickten sie hin, die Nachkommen zu den Ahnen, und kein Fremder sollte die Zwiesprache zwischen Eltern und Kindern stören. Und wir Juden bückten un» ganz tief, krochen fast auf allen vieren durch da» kleine Loch und stiegen in gebückter Haltung, den Kopf jeden Augenblick gegen einen Felsvorsprung stoßend — die Stufen hinunter in rin finstere» Nichts. Allmählich sahen wir, wo wir waren. Ab und zu blitzte ein Lichtchen auf von einem Oellämpchen oder einer kleinen Kerze, beleuchtete da» Antlitz etnr» alten, langbärtigen Juden, der still und inbrünstig vor sich hin betete, ließ einen Jüngling erkennen, der das Gesicht an die Mauer preßte, leiden, fchaftltch den Stein küßte und immer wieder küßte, während heiße Tränen über die bleichen, hohlen Wangen liefen. SS war ein kleiner Raum, zwei Gräber waren in ihm und alles drängte sich um die Grabsteine, nur einmal sie küssen, dann beiseite treiten und beten, weinen, schreien. Und plötzlich ertönte «ine helle Stimme. ES war ein fephardtfcher Rabbiner, von seiner Kerze beleuchtet, hob er sich scharf von der Dunkelheit ab, eine hohe Gestatt, ein edle», gebräuntes Gesicht umrahmt von dem roten Turban. Er sagte eieen Abschnitt auS dem 4. Buch MofeS mit solch wohlklingender, inniger Stimme, daß das Schluchzen, Beten und Schreien aufhörte und alle lauschten, als hörten sie eine Stimme von oben. Und so beteten die Juden an diesem Tage tief unten in der Erde bi» der Abend kam. Dann zog man heim, müde und matt und doch erfüllt von einer großen Hoffnung. GS war nach Mitternacht. Alles schlief, kein Laut war zu vernehmen. Ich schreckte zusammen, über meinem Kopse hörte ich Laute, als husche eine Katze über die lose aufeinander liegenden Ziegel. Aber nein, eS sind regelmäßige, immer stärker werdende Laute. Ich schließe rasch die HauStüre auf, laufe aufs Dach — eS regnet. Kein Stern mehr am Himmel, die Kuppen der Berge waren verschwunden, schwarze, schwere Wolken hatten die stolzen BergeSgipfel doch endlich etngehüllt. Sinderecke. Radvl Schimon. Sohn ZochalS. (Aach Falmud.) Rabbi Jehu da, Sohn Jlats fing eine Lobrede auf Rom an: „Groß und rühmenswert ist die Arbeit dieses Weltreiches, auch wir Juden haben nicht zu klagen. Sie, die Römer, bauen Märkte und Bäder und tun alles, was uns ziemt und frommt". Da stellt sich Rabbi Schimon, Sohn Jochais auf und rief laut: „Nicht uns zu liebe haben sie ihre Märkte errichtet, ihre Bäder gebaut. Mit ihren Bildern Und Kunstwerken vergiften sie unsere Jugend, und über ihre Brücken führt der Weg aus dem Judentum hinaus ... Am Eingang der Brücken steht der römische Adler mit seinen blutigen Ktallen ... Zu groß ist der Brückenzoll, wir zahlen ihn mir dem Blute und mit der Seele unserer Kinder. . . Und ihre Bäder! Sie waschen sich rein vom äußeren Schmutz, der innere bleibt. Ihre Leiber strömen Wohlgerüche der edlen Gewürze aus, ihre Hände aber sind rot von Blut . . Das alles hörte ein Römling,'namens Juda, Sohn Gerims und er überbrachte es den Römern, daß st« bald nach dem Rabbi, der offen seine Meinung gesagt hatte, fahndeten. Rabbi Schimon flüchtete sich mit seinem Sohne Elteser in eine tief« Höhle. Dort lernten sie, übgekehrt der Welt und g«nz abseits »»m ««tat, alle Sk. ü «rAe i> Geheimnisse deS göttlichen Gesetzes. Am Eingang der Höhle wuchs aber ein gewaltiger Baum, der die Verborgenen schützte und ihnen die herrlichsten Früchte spendete. Unter dem Baume öffnete sich ein Quell, auS dem frisches Wasser sprudelte. Am goldenen Morgen kamen Hirsche und Rehe und andere- Gewild und tranken an der Quelle und brachten den beiden weltabgekehrten Weisen stummen Gruß aus Hain und Wald. Und junge Jäger rannten an den Baum, um den Hirschen und den Rehen und den Ziegen mit Pfeil und Bogen nachzustellen. Es waren junge Juden, die über die römische Brücke gegangen waren und nun daS Buch der Lehre mit Pfeil und Bogen vertauscht hatten ... Da drang eine seltsame Melodei aus der Tiefe in die Ohren der Jünglinge. Sie horchten, sie lauschten. WaS war das für ein wundersamer Gesang? War daS nicht das Lied der Kindheit, als sie mit den alten Vätern und Großvätern auS dem Buche der Schrift lasen und lernten? Auch damals kam der Gesang aus der Tieft, wo sie sich mit den heiligen Büchern vor Hadrians Häschern und Henkern zu verkrieche« pflegten... Und einer nach dem anderen stiegen ste, die jungen Jäger, hinab in die Höhle z-i Rabbi Schimon und blieben dort und fanden i.fteJ rgcud, ihr Glück, ihr Heiligtum wieder . . . U U * Nach dreizehn Jahren kamen Büer md 'S ihn wieder anS Licht. Man hatte in k.-wt i -rer vergessen und ste durften eS wieder l ager;n den ihren zu gehen. Sie erkannten die Welt nicht mehr. Wi da die Leute liefen 'und schafften md jagten md hasteten! Für Geld und Gewi m, für Güter und Vergnügungen dieser Erde, )ie so eitel und nichtig waren! Rabbi Schimoll verstand die Welt des Lichtes nicht mehr und srhnte sich zurück nach der finsteren Höhle. ES war am Rüstetage zum Sabbat und er stieß auf einen Mann, der zwei Mtznenzweige in der Hand trug und es sehr eilig hatte. „Wohin mit den Myrten?" fragte der Rabbi. „Halte mich nicht auf", bat der Mann, „Ich will noch vor Sabbat zu Haufe sein und mein Sabbatheim mit den beiden Myrten schmücken." „Warum zwei, Sabbat ist doch nur einer." „Der Sabbat ist-seiner, aber wir feiern ihn zwiefach, durch Gedenken und Halten. Ich schmücke ihn darum mit zwei Myrten, die eine für Sachor und die andere für Schamor." Da wurde der alte Rabbi nachdenklich und er sprach zu seinem Sohne: „Klar hat uns der Mann über Wert und Bedeutung deS Lebens belehrt. ES ist nicht allein mit dem Gedenken getan, wir müssen auch halten. Und darum hinaus ans Licht, um das, was wir uns im tiefen Dunkel erdacht und errungen haben, in lebendige Taten zum Wohle und Glücke Anderer umzusetzrn." -tz Liede junge Freunde! Mit dieser Anrede wende ich mich selbstverständlich auch an meine lieben Freundinnen, deren Namen ich mit besonderer Freude unter den Lösern meiner Aufgaben lese. Sie sind jetzt gewiß der guten Mutter behilflich, alles 3 21 auS dem Hause zu entfernen. Da mag es ihnen manchmal recht 2 1 werden. Doch sie kümmern sich nicht darum, wenn auch der Schweiß von der 13 2 rinnt. Selbst eine 312 am Finger, die sie sich beim Schütteln etwa zuziehen, hemmt ihren Eifer nicht. Gleich einem 31 fliegen sie bald hierhin, bald dorthin, wo sie gerade nötig sind. Nicht gedankenlos jedoch verrichten sie ihre Arbeit; ste zeigen, daß sie 11 im Kopfe und in den Knochen haben. Möge ihnen 1 3 zu ihrer Arbeit die Sonne scheinen, die jetzt so manchen 1 2 3 am Strauche zu unserer Freude grünen läßt. Auf gutes Gelingen! Euer Vnkel i« der Kinderccke.